Sonntag, 30. Mai 2010

Unser Herz aus Deutschland

Ich erlaube mir hier (ohne Namensnennung) die mail an eine sehr gute Freundin (die in Israel lebt) zu veröffentlichen. Erst als ich die Mail geschrieben und verschickt hatte, begriff ich, dass meine schriftlich geäußerten Gedanken in meinen Blog gehören.


"… und ehe ich fast nahtlos zum "ernsten" (kleiner Scherz) Teil meiner mail übergehe, darf ich Dir die frohe Kunde vom Sieg der Lena Meyer-Landrut beim European Songcontest in Oslo verkünden. Wahrscheinlich interessiert Dich das nicht so sehr, aber Deutschland ist völlig aus dem Häuschen - auch ich saß gestern abend (wie jedes Jahr!!!) vor der Glotze und habe mir ein Loch in den Bauch gefreut und zu später Stunde auch ein paar Tränen verdrückt. Unglaublich! (Es ist übrigens das Lied, welches ich Dir mal als link auf youtube geschickt hatte). In Deutschland ist die "Lena-mania" ausgebrochen und es gibt auch schon ein neues Verb in der deutschen Sprache: lenarisiert! Du siehst, ich habe was übrig für erfreulichen Patriotismus und für Menschen die aus dem Volk kommend, eine ganze Nation und nun auch Europa mit Natürlichkeit und Leidenschaft begeistern können.
So ein Sieg, auch wenn für das eigene persönliche Leben unerheblich, ist aber Balsam für die deutsche Volksseele; besonders nach dem "Rettungspaket" für Griechenland von 750 Milliarden - bei dem Deutschland (wieder mal) den größten Teil von knapp 150 Milliarden zahlt. Die Stimmung in Europa ist im Keller, im Grunde ist die Europäische Union bzw. der "Euro" gescheitert, Portugal, Spanien und Italien werden in Kürze als Pleitegeier folgen (wer soll das denn noch bezahlen). Ich (und da bin ich nicht alleine) mache mir erhebliche Sorgen um die Zukunft und kann die Politiker nicht verstehen (auch da bin ich in Deutschland nicht alleine), die Griechenland unbedingt in der Euro-Union halten wollen. Für mich ist die EU wie ein Zusammenschluss von kapitalistischen Unternehmen und wenn da einer Pleite geht, muss er aus dem Verbund entfernt werden, weil er sonst die anderen Unternehmen gefährdet!
Meine Kollegin und ich sind übrigens in den "Tzatziki-Streik" getreten: so nach dem (witzig gemeinten) Motto: kein Euro zu viel mehr nach Griechenland!


Nun - jetzt habe ich aber geschrieben und gedacht wie verrückt. Fahre heute später wie geplant, weil ich (Du tippst Dir bestimmt an den Kopf) um 17 Uhr live im TV die Ankunft von "uns Lena" in Hannover anschauen will.
Ich bin schon ganz aufgeregt, und nicht weil ich eine TV-Sternchen-Glotzerin bin, sondern weil ich glaube, dass diese ganzen super Intelektuellen, Wirtschaftsweisen, Politiker und andere, die solche Vorstellungen ablehnen, nicht begreifen, wie wichtig solche Ereignisse für ein Volk bzw. auch für die politische Entwicklung einer Nation sind.
Als Beispiel, als die deutsche Fußballnationalmannschaft 1990 in Rom Weltmeister wurde, war das für das "Zusammenwachsen" von Ost und West ungemein wichtig - und somit auch für Europa, die ja (zu recht) angst hatten, das ein wiedervereintes Deutschland großes Gefahrenpotenzial besitzt. Die damals noch getrennten Deutschen Staaten hatten hier ihr erstes "Gemeinschaftsgefühl"; oder auch 1982, als Nicole mit ihrem Lied "Ein bisschen Frieden" den Songcontest gewann, war das für die Identität der Deutschen und ihre erste wirkliche Stellungnahme in der Welt nach dem zweiten Weltkrieg wegweisend! Die Deutschen teilten Europa mit, dass sie Frieden wollen.
Auch die Fußball WM 2006 in Deutschland war soooo ungemein wichtig. Wie haben die Deutschen der Welt gezeigt, dass sie in eine Mannschaft verliebt sind, die "nur" dritter wurde: also nix mehr, mit "die Welt erobern" und wie hat es der deutschen Seele gut getan, nach mehr als 50 Jahren mit der Deutschen Flagge am Auto "stolz" durch die Gegend zu fahren. Sogar ich hatte eine Deutsche Fahne zum Fenster hinaus gehängt, was ich seitdem, wenn es dem Anlass entsprechend ist, immer wieder tun würde. Ich habe diese Erleichterung gespürt, einfach mal Deutsch sein zu dürfen, ohne dass man sich "weg-ducken" muss. Ich glaube, das war Lebensnotwendig für ein gesundes, stabiles Europa - denn Deutschland ist das zentrale Herz eben dieses Kontinents. Und jeder Krieg ist bisher deshalb "ausgebrochen" durch ein Land, welches seine Identität, seine Autonomie fremdbestimmt erlitten hat.

Und wenn jetzt so eine kleine, junge, natürliche Frau aus Hannover den European Songcontest gewinnt, können die ewig gestrigen und Nörgler einfach gesamt-politisch nicht ermessen, welchen Bärendienst diese Lena für uns Deutsche und für den Frieden in Europa geleistet hat. Ich halte mich hier an den Spruch: "Das politische ist privat, aber das private ist auch politisch!" Ein Volk besteht einfach nicht aus seinen Politikern und internationalen Beschlüssen; ein Volk lebt aus sich und aus sich heraus handelt es politisch!" Ich glaube, dass dieser Sieg den Frieden in Europa gesichert hat - jedenfalls für die nächsten zwei Jahre. Und in dieser Zeit kann noch viel passieren - im positiven.

So, jetzt hocke ich mich ganz aufgeregt vor die Glotze und freue mich wie verrückt, das ich in einem Volk lebe, das mittlerweile ihre wirklichen Helden richtig feiern kann. Bestimmt werden abertausende in Hannover am Flughafen stehen oder am Rathaus und "der Lena" einen triumphalen Empfang bereiten. Wenn Hannover nicht zu weit weg, ich nicht zu alt und zu "shay" wäre würde ich da auch hinfahren."


So, dass war ein Ausschnitt einer sehr persönlichen Mail und hier folgt der "Beweis", dass Deutschland einfach jung, erwachsen und mit eine eigene Identität geworden ist.
Ich weiß nicht, wie es Euch geht: aber ich bin stolz! Nicht das Lena Lena ist, sondern dass wir sie gewählt haben, damit sie uns repräsentieren kann!
Und genau deshalb stehe ich zu der Ausaage: "Lena ist Deutschland - und wir sind Lena!" (Die BILD lässt grüßen!) Immer noch besser, als "Wir sind Papst!", denn den will ich nicht sein!

Ein Ausschnitt:
interessanter Hinweis: während des Gespräches zwischen Lena und Mette-Marit (der norwegischen Kronprinzessin) hört man im Hintergrund deutsche Fans rufen:
"Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" - das war der westdeutsche Slogan, für die jeweiligen Sieger der westdeutsche Ausscheidung der Bundes-Schul-Sport-Wettkämpfe (och, was ein langes Wort) die sich für die Finals in berlin qualifiziert hatten und hatte sich dann auf die Teilnahmer des Pokalentspieles der Fußballer konzentriert.



Der wichtigste Satz von Lena ging eventuell unter, denn zum Schluss des Gespräches mit der norwegischen Kronprinzessin sagt sie:
"I did that for Germany!"

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