Samstag, 11. September 2010

Dürfen Juden keine Gene haben?

Wenn es nicht so fürchterlich nach Doppelmoral, Gutemenschentum und Verblendung stinken würde, wäre die ganze Sache um Thilo Sarrazin zum totlachen. Aber ach, da steckt ja das Wort tot drin, und das in Verbindung mit Juden zu bringen, huch - lassen wir das lieber. Da bricht doch den Deutschen der Angstschweiß auf der Stirn aus - denn immer noch zittert bei vielen meiner Deutschgenossen die Zunge, wenn sie nur das Wort Jude aussprechen sollen.
Und dann erdreistet sich da einer und schreibt in seinem Buch, dass alle Juden ein Gen haben - so was aber auch. Ich sage es gleich: ich habe das Buch nicht gelesen, kenne Zitate nur aus der Presse und den Medien - so kann ich nun auch nicht mit Fug und Recht behaupten, ob der Sarrazin geschrieben hat, dass alle Juden ein Gen (was ja das Mindeste wäre) oder alle Juden das gleiche Gen haben?
Wow, da hat er aber auch des Deutschen heißestes Eisen angepackt: die Juden. Staub, äh, das deutsche Holocaust-Trauma hat er da aufgewühlt. Wie kann er nur, das soll doch bitte schön ganz ruhig und still in der historischen Trauma-Kuhle liegen bleiben. Viel lieber weihen wir mediengerecht und für alle Welt sichtbar neue Synagogen ein, wie zuletzt in Mainz. Da kommt der Bundespräsident und der Kurt aus der Pfalz und alle lächeln und tragen die Kippa und können zeigen, wie sehr sie die Juden mögen.
Das gleichzeitig jüdische Wissenschaftler hocherfreut sind, wenn sie das Juden-Gen entdecken und somit der Welt beweisen können, dass sie alle von König David abstammen (wie Jesus z.b. auch) - geht in dieser inszenierten Medienschlammschlacht unter. Ganz bewusst, denn das Juden-Gen ist ein rein deutsches Problem. In Israel fragen dagegen die Medien: "Was ist denn mit den Deutschen los?" Das Frage ich mich übrigens auch?
Oder soll das mediale Eindreschen auf den Thilo etwa nur ablenken? Ablenken vom eigentlichen Thema seines Buches: der fehlenden Integration (nicht aller, aber der meinsten) moslemischen Einwanderer? Zur Meinungsbildung empfehle ich hier das Buch: "Die Geduld ist vorbei" der ehemaligen Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig. Ehemaligen, weil sie sich im Frühjahr des Jahres das Leben genommen hat: aus Verzweiflung angesichts eines deutschen Rechtssystems, welches außer einem gewaltigen Verwaltungsaufwand keine wirklichen Werkzeuge bietet, um jugendliche Straftäter zeitnah zur Verantwortung zu ziehen und danach keine langfristig haltbare Sozialisierung bietet.

Ob Sarrazin recht hat oder nicht - ist meines Erachtens überhaupt nicht relevant.
Relevant und ungeheuer wichtig ist die offene Diskussion darüber, ob und wie sich Einwanderer in die deutsche Gesellschaft integerieren und unsere Werte repektieren. Und ich kann nicht verstehen, weshalb es in Deutschland scheinbar verboten ist, das Kind beim Namen zu nennen: denn Einwanderer aus westlichen Ländern integrieren sich leichter, geräuschloser und konstruktiver als Menschen aus Ländern mit einem völlig anderen Kultur- und auch Religionshintergrund. Auf Deutsch: mehrheitlich integrieren sich Moslems weniger als andere!

Das Beispiel Sarrazin zeigt eines ganz deutlich: Wer in Deutschland den Mund aufmacht und unliebsame Dinge anspricht, wird Mundtot gemacht und ganz schnell in die rechte Ecke gedrängt. Einer Demokratie unwürdig!
Hier empfehle ich den Artikel "Thilo und die Gene" von Henryk M. Broder in der Printausgabe des SPIEGEL vom 6.9.2010 / Nr. 36 zu lesen. Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Da fragt er "Haben eigentlich alle das gleiche Zeug gekifft?" Herrrlich.

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