Sonntag, 6. Februar 2011

Ägypten ...

kommt langsam zur Ruhe!
Ich habe zuvor über die "Nord-Afrikanische-Revolution" nicht berichtet bzw. jeglichen persönlichen Kommentar unterlassen, weil ich
1. mich nicht als politische Kommentatorin verstehe
und
2. diesen blog als das sehe, was er ist: über und von und aus Israel. Nichts mehr und nichts anderes.

Außerdem beteilige ich mich ungern an Geschehnissen, die nach Marmelade schreien, aber zum Schluss trocken Brot liefern.
Die politischen Bewegungen in Nord-Afrika, im Nahen Osten und wie es die Journalisten gerne kolportieren: in der gesamten islamischen Welt - sind mit Wohlwollen und gleichzeitig aber auch mit Argus-Augen zu beobachten. Das sich überhaupt das Volk bewegt - ist nennenswert. Aber lassen wir uns doch nicht blenden. Demokratisch-völkische Bewegungen in arabischen Ländern sind doch keinesfalls zu vergleichen mit revolutionären Veränderungen in der sog. westlich-zivilisierten Welt.
So mancher Journalist in den vergangenen 3 Wochen hat es gewagt, die "Revolution" in Tunesien und Ägypten mit der, in den der DDR von 1989 zu vergleichen.
Hallo, frage ich mich da: Alles noch richtig im Kopf?
Da werden doch 1400 Jahre, die religiöse Reformation, das christliche Mittelalter und der europäische Demokratisierungsprozess potz-blitz über den Haufen geworfen. Glaubt wirklich einer, das die arabische Welt von heute auf morgen - sozusagen aus dem Stand - im humanistisch und politischen Jetzt landen könnte?
Im Vergleich wäre das so ungefähr, wie wenn die christliche Welt mitten aus der Hexenverbrennung in die Legalisierung des § 218 geflogen wäre. Oder anders gesagt: zwischen Absolutismus und Demokratie könnte in nur ein Steinwurf liegen.

Und das alle Welt plötzlich so bestürzt tut oder ist über Housni Mubarak - was ein schrecklicher Despot, Herrscher und fast ein kleiner Hitler. Wieder weint die gesamte westliche Welt über all das schlimme was dieser Mubarak tat oder tut. Nun, ich kann da nur sagen: was waren die Strände und Hotels in Sharm el-Sheich und Hurgada so schön und die Sonne schien jeden Tag und das Rote Meer war so blau und so klar ... all die Jahre!

Was für eine verlogene Menschlichkeit! Nein, von verlogener Politik rede ich nicht - denn die (verlogene) Politik hat uns ermöglicht, schnell, kostengünstig und aus einem "Herrenland" nach Ägypten zu reisen. Wer glaubt, das die Politik mache was sie wollen - hat über seine eigenen Ansprüche noch nicht nach gedacht. Denn - die Politik macht was wir wollen: anspruchslos, kostengünstig und sicher überall dort Urlaub zu machen, wo wir gerade wollen.
Das alles hat natürlich einen politischen Preis!
Politik kann immer nur so verlogen sein wie wir selbst mit den Zuständen umgehen.

Und jetzt?
Die Ägypter haben sich beruhigen lassen. Im Grunde haben sie verloren - nichts bewegt! Die Lage hat sich in Kairo beruhigt, sagen die Journalisten, mit einem Aufatmen in der Stimme. Ja, seit ihr denn alle des Wahnsinns - kapiert ihr nicht, dass eine große Chance vorbei ist? Wenn die Ägypter sich jetzt "einlullen" lassen von (so called) demokratischen Gesprächen - hat sich die Sache von Freiheit und Demokratie erledigt. Zeit ist immer ein Faktor von macht-politischen Gruppierungen und nicht von Leidenschaft und Idealismus. Und wenn schon dauernd der hinkende Vergleich mir der friedlichen Revolution von 1989 hinzugezogen wird - dann sollte nicht vergessen werden: die Menschen in der damaligen DDR haben sich mit keinen falschen Versprechen hinhalten lassen.

Und wenn ich mir die deutsche Berichterstattung so (unschuldig) anschaue - muss ich mich leider, nachdem ich ich die Sender CNN, Al Arabia, BBC und teilweise noch Al Jschazira angesehen habe, fragen, von welchen "Klein-Mädchen" Korrespondenzen wir eigentlich informiert werden?
Im deutschen Fernsehen sieht man (nur) wohl gekämmte Reporter die auf irgendwelchen Balkonen stehen und behaupten, dass es ihnen als Journalisten gerade ans Leben ginge. Wir alle Leiden mit ihnen - die Bilder sind verwackelt, der Ton steckt immer irgendwo in der schlechten Leitung - auf CNN aber gibt es klare, saubere live Bilder mitten aus dem umkämpften Tahiri-Platz.

Das selbst die deutsche Journaille längst eine ist, die mit ihrem bequemen demokratischen Hängebauch; bei Bier und anderen Rauschmitteln am Strand eines Despoten-Landes liegt - sollten wir wissen.
Pressefreiheit: Ja? Die Frage ist nur, wie Frei sind noch die Presse-Fuzzies?

And last but not least: Mal wieder Israel.
Alle Welt freut sich über die Aufstände - ob in Ägypten oder Tunesien, es sollen ja auch welche im Jemen, kleine in Gaza und Jordanien gegeben haben. Ja, ja - alle freuen sich: die Europäer liegen des nachts sicher in ihrem Bett und fragen sich: Weshalb freuen sich mal wieder die Israelis nicht?
Ja - weshalb eigentlich nicht. Immer diese Störenfriede!

Mubarak war und ist ein Stabilisator des nahen Ostens. Mit und durch Mubarak hat Israel nicht nur einen Frieden mit Ägypten sondern auch den mit Jordanien erreichen können. Erzähle mir einer, der Sonntagnachmittags in vollem Frieden seinen Kaffee und Kuchen genießen kann, dass er wüßte, was es heißt, dies nicht zu tun! Einer, nur einer - der solle mir schreiben: BNowack@hotmail.com und ich nehme ihn mit nach Israel.
Entschuldigt - aber mir geht das Deutsche Gut-Menschentum so auf die Nerven: besonders von denen, deren Strom aus der Steckdose, Öl aus der Tankstelle und Religion aus Freiheit kommt.

Nicht die arabische Welt ist am Scheideweg - sondern wir. In Afghanistan oder dem Irak hat niemand um unsere "westliche" Hilfe gebeten  aber in den letzten Tagen in Ägypten schon.
Und was tun wir? Nichts?
Wir warten auf den Amerikaner.

Pfui, uns selbst.

1 Kommentar:

  1. wow echt gut geschrieben =)
    aber so wies jetzt aussieht gehen die Leute schon weniger auf die Straße, was ich eigentlich richtig schade finde, da schon so viele Leute verletzt und getötet wurden---- für nichts, wenn sie jetzt schon aufgeben :/

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