Sonntag, 20. Februar 2011

Schon, als ich noch Kind war ....

war Gaddafi an der Macht und meine Kindheit ist auch schon ein paar (viele) Tage her.
Es war, um es genau zu sagen, 1975 als ich in Libyen war: in Benghazi!
Damals war mein politisches Verständnis gleich null - aber das etwas anders war im Staate des Grünes Buches, fiel sogar mir schon auf.
Mein Vater war damals für die deutsche Firma Philip Holzmann tätig: Wasseraufbereitungs- bzw. Entsalzungsanlage war einer der Aufträge, an denen sich bis heute deutsche Firmen eine goldene Nase verdienen. Wie auch in Ägypten, in Nigeria, in Nord-Korea und allen anderen Ländern, in denen Despoten und Diktatoren ihr Volk niederknüppeln. Deutsche haben ihr Geld schon immer gut mit diktatorischen Verhältnissen verdient; oder wie war das damals, als die alten militärischen NVA Bestände an die Türkei verkauft wurden - mit denen dann die Kurden niedergeschossen worden sind.
Damals - in Benghazi war das Wetter schön, die Strände waren leider mit Öl-Klumpen versehen: meine Mutter fand das ekelig, aber Gedanken hatte sich keiner gemacht.


Von früh bis spät "schrie" damals schon der Gaddafi auf jedem libyschen Fernsehprogramm seine Parolen aufs analphabetische Volk herab. Ich stand damals als knapp 12jährige auf den Flachdach unseres Wohnhauses und beobachtete, wie unten Hühnern der Kopf abgehackt wurde, Esel mit der Peitsche traktiert und auf dem gegenüberliegenden Dach Frauen beim Wäsche aufhängen einfach so ins Gesicht geschlagen wurde. Wenn sie mich sahen, die Frauen, duckten sie sich weg oder verschwanden. Als würden sie dort nicht wohnen.
Erklärt hat mir das nie jemand. Vielleicht, weil ich das mit dem Frauen-schlagen ja auch aus Deutschland kannte.
Abends waren wir meistens eingeladen - bei irgendeinem Scheich oder Mufti oder wie die da hießen (oder sich selbst nannten). Meistens wollte einer von den Gastgebern mich kaufen, bot meinem Vater 15 Kamele oder eines seiner Schuhgeschäfte in Benghazi an. Gar nicht lustig - kann ich nur sagen! Jedenfalls ab dem Moment nicht mehr, da der eigene Vater sich tatsächlich auf solch einen Handel einlässt. Wenn auch zum Spaß, zu seinem eigenen Vergnügen - wie er später behauptete. Als Kind von 12 Jahren, als pubertierende Tochter hat da der Spaß längst aufgehört und ich behaupte heute, das die überwiegende Anzahl der damaligen Väter, ihre Töchter als Besitz ansahen und mal so einen Ausflug in arabisch-oslamische Verhältnisse sehr genossen hätten.
Was mich damals an Libyen faszinierte, waren die "einfachen"Menschen. Total ehrlich und total vertrauenswürdig. Ich kann mich an den Bäcker gegenüber erinnern, der mir jeden Morgen wegen jedem zu viel bezahltem Piaster nach gerannt ist, als ob er mir 100 Mark zu wenig raus gegeben hätte. An offene Autos kann ich mich erinnern, aus denen niemals etwas entwendet worden ist und an einfach sehr freundliche, interessierte und gastfreundliche Menschen in Libyen kann ich mich erinnern.
Aber - ich kann mich auch erinnern, an Rommel, von dem ich bis dato keinerlei Ahnung hatte.
Der Wüstenfuchs Rommel, in Libyen hochverehrt und mit einem Rommel-Denkmal in der libyschen Wüste verewigt. Ein riesiger Quader, wie eine kleine Festung in deren Mauern die Namen der gefallenen deutschen Wehrmachtssoldaten per Kleinarbeit in einem Mosaik für die Ewigkeit festgehalten. Strange, oder nicht?
Und in der Unendlichkeit der libyschen Wüste, dort wo man glauben könnte, dass außer Steinen und sengender Sonne nichts mehr ist - erhalten Nomaden die "Kartenhäuser" von Rommel und jeden den man trifft, der kein Wort Englisch, geschweige denn Deutsch kann, quittiert den Namen Rommel mit leuchtenden Augen und einem zufriedenen Lächeln.

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