Marx brachte es auf den Punkt: "Religion ist Opium für das Volk!" Der Wahrheitsgehalt dieses fast banalen Satzes beweist sich im Lande der 3 monotheistischen Religionen. Hier, wo alle drei Religionen aufeinander prallen, mit- und untereinander leben (müssen) und sich sprichwörtlich um jeden Zentimeter zanken.
In Jerusalem streiten sich die verschiedenen katholischen Kirchen um den Besitz der Grabeskirche; Juden und Moslems streiten sich, wer denn das älteste Anrecht auf den Tempelplatz hat; in Bethlehem streiten sich wieder die verschiedenen katholischen Kirchen um die winzige Grotte, in der Jesus seinen ersten Schrei getan haben soll. Sogar um das Recht, welcher "bärtige alte Mann" (auch Patriarch genannt) denn an Heilig Abend als erstes in die Geburtskirche einmarschieren darf, wurde einst hartnäckig gestritten (mittlerweile gibt es hierfür ein festes Protokoll).
In Hebron streiten sich bis heute Juden und Moslems um den Besitz der "Höhle des Patriarchen Abraham" (hebr. Ma`arat HaMachpalah): ein glotziger Steinbau aus der Zeit Herodes, in dem sich die Gräber Abrahams, seiner Frau Sara, den Söhnen Isaak und Isamail sowie deren Frauen Leah und Rebecca befinden. Hebron selbst ist eine "tote" Stadt, ca. 160 000 Tausend Einwohner, davon nur ca. 400 Juden - die wiederum von 20.000 Soldaten bewacht werden. Mittendrin das Grab des Ur-Vaters der Juden, Christen und Moslems.
Rechts der Zugang für die Juden, links der Zugang für die Moslems - von israelischen Soldaten bewacht, Sicherheitszonen und Check-Point. Zwischen Moschee und jüdischer Wallfahrtsstätte je ein vergittertes Fenster, damit Juden und Moslems die Gräber Abrahams und Saras "anbeten" dürfen. An den hohen jüdischen Feiertagen darf kein Moslem in die Moschee, denn dann dürfen die moslemischen Heiligtümer auch von Juden berührt und die dicken Teppiche auch von verhassten Juden betreten werden. (Immer schön Schuhe aus am Eingang!) Und umgekehrt natürlich auch: an hohen moslemischen Feiertagen darf kein Jude anwesend sein: Moslems beherrschen dann das gesamte Areal und die dünne Trennwand aus Holz wird ganz einfach aufgeschlossen.
Alles wirkt unheilig Heilig: Dreck, nach Schweißfuß stinkende Gebetsteppiche, streunende Katzen, unrasierte Männer, tief vermummte Frauen, die mit leblosen Augen dahin schlurfen - dazwischen vereinzelte Touristen, gelangweilt wirkende Soldaten in voller Montur; jüdische Frauen, die auffallend dürr und blass unter ihren vielen Röcken und Blusen und vergammelten Strickjacken wirken. Die Gläubigen Moslems, meist alte Männer tragen ebenso alte Anzüge, Weste darunter und die durch Yassir Arafat bekannt gewordene Kopfbedeckung. Die gläubigen Juden auch alt und bärtig, Schläfchenlocken, Gebetsriemen an Kopf und/oder Armen und auf beide Ausgaben trifft ein Attribut gleichermaßen zu: ungepflegt!
Bei allem Respekt allen Gläubigen und Religionen gegenüber: Findet nicht der wahre Glaube in uns selbst statt, und nicht an einem Ort, der über die Jahrhunderte umkämpft, in dessen Namen schon Tausende gestorben sind und wahrscheinlich noch Tausende in der Zukunft sterben werden. Orte und Plätze; Moscheen, Kirchen und Synagogen - die letztendlich nur von Päpsten, Rabbis und Imanen, von Politikern, Mächtigen und Gewaltbereiten instrumentalisiert werden, um das Volk von ihrem eigentlichen Vorhaben, von ihren wahren Zielen abzulenken?
Vielleicht aber bin ich einfach nur zu un-gläubig, um zu verstehen, weshalb man einen toten Stein; eine alte Holztruhe oder eine Grabstätte anbetet, von der längst bekannt ist, dass sie dort nie gewesen sein konnte, wo man sie heute verehrt.
Ich glaube, der alte bärtige Jude Karl Marx hatte gar nicht so unrecht!
Dienstag, 28. Dezember 2010
Kennedy kam fast bis Bethlehem
Die Mauer steht heute nicht mehr in Berlin - und manchmal ist es ja auch völlig egal, ob solch eine Mauer tatsächlich aus Stein (oder Beton) gebaut, Menschen von einander trennen (oder sie voreinander schützen) soll. Die dicksten und höchsten Mauern sind (leider) immer noch in den Köpfen der Menschen. In Berlin ebenso wie in Bethlehem; in Deutschland ebenso wie in Israel.
Die israelische Mauer, auch israelischer Schutzwall genannt - wurde ab 2003 auf einer ungefähren Länge von 750 km begonnen und ist bis heute nicht fertig. Noch fehlen ca. 25 % .
Wie auch auch einst in Berlin (East-Side Gallery) nutzen palästinensische Graffiti-Künstler die bis zu acht Meter hohe (Schutz)-Mauer um ihre politischen, persönlichen, philosophischen, religiösen und humanistischen Ideen, Fragen und Nachrichten in die Welt zu tragen. So gibt es nahe Bethlehem, direkt am Check-Point die "Wall Gallery", auf der Gemälde, Sprüche und politische Aufrufe aller Art zu sehen sind. Aber nicht nur dort - die gesamte Mauer ist zu einer riesigen Freiluft-Gallery geworden: "Even dogs can run free, why not me?" über "Fuck Israel" bis hin zu "Once there was teacher in Bethlehm; he teached Humanity!"
Überhaupt scheinen die Palästinenser ihre Situation mit der des geteilten Berlins zu vergleichen. Vielleicht auch deshalb, weil der Fall der Berliner Mauer ihnen Hoffnung gibt: das Ende ist absehbar. Ob es dagegen nahe ist, darf bezweifelt werden.
Entlang der Mauer ist immer wieder der Name Berlin zu erkennen, Ernst Reuters berühmter Satz: "Völker der Erde schaut auf diese Stadt!" ist umgewandelt in "... schaut auf dieses Volk!" und last but not least ist auch John F. Kennedy bis nach Bethlehem gekommen.
Wer den Schriftzug nicht erkennen kann: "Ich bin ein Berliner!"
Die israelische Mauer, auch israelischer Schutzwall genannt - wurde ab 2003 auf einer ungefähren Länge von 750 km begonnen und ist bis heute nicht fertig. Noch fehlen ca. 25 % .
Wie auch auch einst in Berlin (East-Side Gallery) nutzen palästinensische Graffiti-Künstler die bis zu acht Meter hohe (Schutz)-Mauer um ihre politischen, persönlichen, philosophischen, religiösen und humanistischen Ideen, Fragen und Nachrichten in die Welt zu tragen. So gibt es nahe Bethlehem, direkt am Check-Point die "Wall Gallery", auf der Gemälde, Sprüche und politische Aufrufe aller Art zu sehen sind. Aber nicht nur dort - die gesamte Mauer ist zu einer riesigen Freiluft-Gallery geworden: "Even dogs can run free, why not me?" über "Fuck Israel" bis hin zu "Once there was teacher in Bethlehm; he teached Humanity!"
Überhaupt scheinen die Palästinenser ihre Situation mit der des geteilten Berlins zu vergleichen. Vielleicht auch deshalb, weil der Fall der Berliner Mauer ihnen Hoffnung gibt: das Ende ist absehbar. Ob es dagegen nahe ist, darf bezweifelt werden.
Entlang der Mauer ist immer wieder der Name Berlin zu erkennen, Ernst Reuters berühmter Satz: "Völker der Erde schaut auf diese Stadt!" ist umgewandelt in "... schaut auf dieses Volk!" und last but not least ist auch John F. Kennedy bis nach Bethlehem gekommen.
Wer den Schriftzug nicht erkennen kann: "Ich bin ein Berliner!"
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Reisen zwischen Wahn und Wirklichkeit
Heute ist unser letzter Tag in Jerusalem - mein rechtes Knie wird es mir danken. In den vergangenen Tagen soviel gelaufen wie in einem Jahr nicht und nun zeigen sich schon die ersten körperlichen Abnutzungserscheinungen; besonders das Knie schmerzt bei jedem Schritt: die Oberschenkelsehne scheuert buchstäblich über die Patella. Ich hoffe irgendwoher eine entzündungshemmende Salbe (Mobilat) zu ergattern und dann heißt es feste einschmieren und nicht viel laufen. Jedenfalls heute nicht.
Gestern hatten wir uns Richtung Bethlehem aufgemacht: arabischen Bus Nr. 21 am Damaskus-Tor (6,50 NIS) und kaum war der Bus losgefahren, wurde er auch schon von israelischem Militär angehalten. Eine junge Soldatin betrat den Bus und bat um alle Pässe - außer den unsrigen. Ein kurzes: "From where you are?" - und unsere Antwort: "Germany.", reichte. Die Stimmung im Bus war augenblicklich einer Atmosphäre aus unterdrückter Wut und (an)gespannter Befürchtung gewichen, einige palästinensische Jugendliche mussten aussteigen. Jeder Pass wurde geprüft, drei junge Männer mussten zurück bleiben - der Rest konnte weiter fahren.
Das Reisen zwischen Jerusalem und den besetzten Gebieten (Palästina / West-Bank) kann für so manchen Palästinenser zu einem Spiessrutenlaufen werden: es gelten strikte Regeln. Wohnt der Palästinenser in Jerusalem benötigt er einen Passierschein, um seine Familie in Bethlehem, Hebron oder Nablus zu besuchen. Wohnt der Palästinenser schon dort und möchte nach Jerusalem oder ins israelischen Kernland, kommt er dort auch nur mit einer speziellen Ausnahmegenehmigung oder aber einer Arbeitserlaubnis für Israel hin.
Die Gesichter der palästinensischen Männer und Frauen in dem Bus zeugten von Enttäuschung und einem Ohnmachtsgefühl. Unweigerlich stellt man sich die Frage: Wie würde es eigentlich mir persönlich gehen, wenn ich in deren Situation wäre ... in der israelischen wie auch in der palästinensischen?
In diesem Land ist man permanent hin und her gerissen. Noch am Montag - nach unserem Besuch in Yad Vashem - DER ultimativen Gedenkstätte für die Millionen Opfer des Holocaust schlägt das Herz absolut pro israelisch und das Existenzrecht Israels ist nicht einen einzigen Zweifel wert. Aber schon am nächsten Tag - also gestern, nachdem wir die Zustände in Hebron, Beit Yalla und Bethlehem; den Hochsicherheitstrakt des Check-Point in Bethlehem und die politischen Grafitti auf der überdimensional hohen Grenzmauer (die teilweise verzweifelten Hilferufen an die Welt gleichen) gesehen und uns lange mit unserem palästinensischen Taxi-Fahrer unterhalten hatten, weicht das Herz (und die Humanität) natürlich auch für die Bedürfnisse (und Rechte) der Palästinenser auf. Die Suche nach einer eindeutigen persönlichen Position in diesem "Bruder-Kampf" gleicht der Suche nach dem Ausgang in einem weit verzweigten Labyrinth.
Unzweifelhaft ist (jedenfalls für mich), dass jeder Mensch das Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung hat. Gleichzeitig ist es aber für mich ebenso unzweifelhaft, dass jeder Mensch das Recht hat, sein Leib und Leben zu schützen. Wo aber fängt das Eine an und hört das Andere auf?
Oder anders gefragt: Wo fängt das sich selbst schützen an zum Beherrschen anderer zu werden? Wann wird Selbstschutz zur Willkür und wo oder wann muss der, der sich selbst schützt zur Umkehr bewegt, zuweilen auch gezwungen werden?
Gestern hatten wir uns Richtung Bethlehem aufgemacht: arabischen Bus Nr. 21 am Damaskus-Tor (6,50 NIS) und kaum war der Bus losgefahren, wurde er auch schon von israelischem Militär angehalten. Eine junge Soldatin betrat den Bus und bat um alle Pässe - außer den unsrigen. Ein kurzes: "From where you are?" - und unsere Antwort: "Germany.", reichte. Die Stimmung im Bus war augenblicklich einer Atmosphäre aus unterdrückter Wut und (an)gespannter Befürchtung gewichen, einige palästinensische Jugendliche mussten aussteigen. Jeder Pass wurde geprüft, drei junge Männer mussten zurück bleiben - der Rest konnte weiter fahren.
Das Reisen zwischen Jerusalem und den besetzten Gebieten (Palästina / West-Bank) kann für so manchen Palästinenser zu einem Spiessrutenlaufen werden: es gelten strikte Regeln. Wohnt der Palästinenser in Jerusalem benötigt er einen Passierschein, um seine Familie in Bethlehem, Hebron oder Nablus zu besuchen. Wohnt der Palästinenser schon dort und möchte nach Jerusalem oder ins israelischen Kernland, kommt er dort auch nur mit einer speziellen Ausnahmegenehmigung oder aber einer Arbeitserlaubnis für Israel hin.
Die Gesichter der palästinensischen Männer und Frauen in dem Bus zeugten von Enttäuschung und einem Ohnmachtsgefühl. Unweigerlich stellt man sich die Frage: Wie würde es eigentlich mir persönlich gehen, wenn ich in deren Situation wäre ... in der israelischen wie auch in der palästinensischen?
In diesem Land ist man permanent hin und her gerissen. Noch am Montag - nach unserem Besuch in Yad Vashem - DER ultimativen Gedenkstätte für die Millionen Opfer des Holocaust schlägt das Herz absolut pro israelisch und das Existenzrecht Israels ist nicht einen einzigen Zweifel wert. Aber schon am nächsten Tag - also gestern, nachdem wir die Zustände in Hebron, Beit Yalla und Bethlehem; den Hochsicherheitstrakt des Check-Point in Bethlehem und die politischen Grafitti auf der überdimensional hohen Grenzmauer (die teilweise verzweifelten Hilferufen an die Welt gleichen) gesehen und uns lange mit unserem palästinensischen Taxi-Fahrer unterhalten hatten, weicht das Herz (und die Humanität) natürlich auch für die Bedürfnisse (und Rechte) der Palästinenser auf. Die Suche nach einer eindeutigen persönlichen Position in diesem "Bruder-Kampf" gleicht der Suche nach dem Ausgang in einem weit verzweigten Labyrinth.
Unzweifelhaft ist (jedenfalls für mich), dass jeder Mensch das Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung hat. Gleichzeitig ist es aber für mich ebenso unzweifelhaft, dass jeder Mensch das Recht hat, sein Leib und Leben zu schützen. Wo aber fängt das Eine an und hört das Andere auf?
Oder anders gefragt: Wo fängt das sich selbst schützen an zum Beherrschen anderer zu werden? Wann wird Selbstschutz zur Willkür und wo oder wann muss der, der sich selbst schützt zur Umkehr bewegt, zuweilen auch gezwungen werden?
Sonntag, 26. Dezember 2010
Kauft Christen - kauft!
In Jerusalem wie auch in Bethelhem beklagen die arabischen Einwohner die geringe Zahl an Christen die zu Weihnhachten ins Land kommen und grüne Dollars oder den verweichlichten Euro zurück lassen.
Ist die Zahl der Besucher in diesem Jahr angesichts der beruhigten politischen Situation um fast das doppelte auf 1,3 Millionen gestiegen - so waren es aber zu Höchstzeiten schon 3 Millionen.
Die hohen christlichen Feiertage wie Ostern und Weihnachten sind für die arabischen Händler DIE Einnahmequelle im ganzen Jahr. Besonders die Stadt Bethlehem führt seit Errichtung der israelischen Schutz-Mauer ein ärmliches Steifmütterchen Dasein. Aus der ehemals 70 Tausend Einwohnerstadt ist ein 25 Tausend köpfiges "totes" Dorf geworden. Vieler Einwohner sind in den vergangenen Jahren aus Mangel an Arbeit und Einkommen abgewandert - da ist Weihnachten die einzige Hoffnung, sich vielleicht den Lebensunterhalt für das ganze Jahr zu verdienen: vom Touristenführer über den Taxifahrer, Andenkenhändler, Restaurantbesitzer und Straßenkehrer. Alle hoffen vom großen Kuchen Weihnachten etwas abzubekommen. Doch: Pustekuchen!
Schon am vergangenen Freitag wurde in der israelischen Tageszeitung HaAretz über die mangelnde Kaufbereitschaft der Christen berichtet. Wenn man durch die Gassen der Jerusalemer Altstadt schlendert (wobei das Schlendern schon die falsche Geschwindigkeit ist) sieht man kaum einen Touristen oder Christen (oder sind beide das Gleiche?) in einem der Geschäfte. Die Frage nach dem Weshalb ist das so? kann nach meinem dafürhalten recht schnell und einfach beantwortet werden: die arabichen Händler sind einfach fürchterlich nervig; fast so wie in Indien wollen sie die Passanten geradezu in ihre Geschäfte hineinreden. Überall und immer wieder: Hello, come in! und wenn es in englisch nicht klappt, dann wird in allen Sprachen dieser Welt Ich liebe Dich, Je`taime und Amore mio palavert. Will man sich tatsächlich mal das ein oder andere Andenken anschauen, kann man dies nicht in Ruhe tun, sofort hängt der Händler einem sprichwörtlich an der Backe. Um dies zu umgehen, wird eben nicht geschlendert sondern fast im Marschschritt die Gassen durchschritten.
Die Befürchtung der Touristen, dass an jeder Ecke ein Nepper, Schlepper, Bauernfänger wartet, hat sich tief ins Bewußtsein eingegraben und angesichts dem Schund der hier für teuer Geld angeboten wird, verzichten Christen wie Toursiten mittlerweile darauf, auch nur ein kleines Holzkamel zu kaufen.
Auch die israelische Comedy-TV-Landschaft hat sich diesem Thema schon angenommen, aber aus einem ganz anderem Blickwinkel. Hier liegt die Begründung darin, wie Christen in der moslemischen Welt behandelt werden.
Seht selbst:
Ist die Zahl der Besucher in diesem Jahr angesichts der beruhigten politischen Situation um fast das doppelte auf 1,3 Millionen gestiegen - so waren es aber zu Höchstzeiten schon 3 Millionen.
Die hohen christlichen Feiertage wie Ostern und Weihnachten sind für die arabischen Händler DIE Einnahmequelle im ganzen Jahr. Besonders die Stadt Bethlehem führt seit Errichtung der israelischen Schutz-Mauer ein ärmliches Steifmütterchen Dasein. Aus der ehemals 70 Tausend Einwohnerstadt ist ein 25 Tausend köpfiges "totes" Dorf geworden. Vieler Einwohner sind in den vergangenen Jahren aus Mangel an Arbeit und Einkommen abgewandert - da ist Weihnachten die einzige Hoffnung, sich vielleicht den Lebensunterhalt für das ganze Jahr zu verdienen: vom Touristenführer über den Taxifahrer, Andenkenhändler, Restaurantbesitzer und Straßenkehrer. Alle hoffen vom großen Kuchen Weihnachten etwas abzubekommen. Doch: Pustekuchen!
Schon am vergangenen Freitag wurde in der israelischen Tageszeitung HaAretz über die mangelnde Kaufbereitschaft der Christen berichtet. Wenn man durch die Gassen der Jerusalemer Altstadt schlendert (wobei das Schlendern schon die falsche Geschwindigkeit ist) sieht man kaum einen Touristen oder Christen (oder sind beide das Gleiche?) in einem der Geschäfte. Die Frage nach dem Weshalb ist das so? kann nach meinem dafürhalten recht schnell und einfach beantwortet werden: die arabichen Händler sind einfach fürchterlich nervig; fast so wie in Indien wollen sie die Passanten geradezu in ihre Geschäfte hineinreden. Überall und immer wieder: Hello, come in! und wenn es in englisch nicht klappt, dann wird in allen Sprachen dieser Welt Ich liebe Dich, Je`taime und Amore mio palavert. Will man sich tatsächlich mal das ein oder andere Andenken anschauen, kann man dies nicht in Ruhe tun, sofort hängt der Händler einem sprichwörtlich an der Backe. Um dies zu umgehen, wird eben nicht geschlendert sondern fast im Marschschritt die Gassen durchschritten.
Die Befürchtung der Touristen, dass an jeder Ecke ein Nepper, Schlepper, Bauernfänger wartet, hat sich tief ins Bewußtsein eingegraben und angesichts dem Schund der hier für teuer Geld angeboten wird, verzichten Christen wie Toursiten mittlerweile darauf, auch nur ein kleines Holzkamel zu kaufen.
Auch die israelische Comedy-TV-Landschaft hat sich diesem Thema schon angenommen, aber aus einem ganz anderem Blickwinkel. Hier liegt die Begründung darin, wie Christen in der moslemischen Welt behandelt werden.
Seht selbst:
Samstag, 25. Dezember 2010
Sonnige Wangen & müde Muskeln
Ein einziger Tag treppauf und treppab durch Jerusalem gleicht einem einwöchigem Trainingslager unter Felix Magath (dem Schleifer)!
Seit heute morgen ca. 6 h auf den Beinen, ab 9:30 h tatsächlich auf den Fußballen unterwegs: zunächst von der arabischen Altstadt hinauf ans Jaffa-Tor, was zusammen gezählt bestimmt um die 500 Stufen sind. Dort in das Museum zur Geschichte Jerusalems in der David-Zitadelle; wieder ca. 100 Stufen - das ganze dann wieder return und an der Außenmauer hinauf auf den Rundgang, den man zwischen den Zinnen der Altstadtmauer gehen kann. Bis hinunter zum Zions-Tor - nochmals rund 100 Treppen auf und ab.
Von dort hinüber auf den Berg-Zion, in die Kapelle des letzten Abendmahles und zum Grab von König David. (Hier gab`s mal keine Stufen!) Dafür aber wie jedes Jahr Touristen und Christen aus allen Herren (oder Damen) Länder. Waren es im vergangenen Jahr vorwiegend Menschen aus Gambia, Nigeria und Somalia - so ist heuer halb Latein-Amerika auf Jesus Spuren unterwegs.
Gegen 14:30 h wieder in unserem Hospiz angekommen - bis wir erschöpft, mit 100 Kilo Sonne im Körper auf unseren Betten lagen, gab es auf dem Weg zurück nochmals an die 300 Stufen ... und jetzt (18:30 h) ; ja, und jetzt habe ich rote Wangen, erhöhte Sonnen-Temperatur und schmerzende Oberschenkel. Dafür gibt es nun draußen auf der Terrasse, die schon von tiefer Nachtschwärze umgeben ist, das erste israelische Bier: Goldstar.
Sobald die Sonne verschwunden ist, was noch recht früh am Tag (17:30 h) passiert, wird es sofort empfindlich kühl und die Mischung aus aufgeheiztem Körper und äußerlicher Frische hinterlassen das Gefühl von: Ich bekomme eine Erkältung. Aber dem ist nicht so - aber als Couch-Potato, zu der ich mich entwickelt habe, ist so viel Bewegung und dazu frische Luft sehr ungewohnt.
Wie überall auf der Welt haben sich auch wieder einige Dinge in Jerusalem verändert: der Platz vor dem Zentralen Busbahnhof ist neu gestaltet - die Haltestellen für die im kommenden Jahr endlich fahrende Straßenbahn sind schon zu erkennen und die Preise sind stark angestiegen: jedenfalls in der arabischen Altstadt. Für zwei kleine Pizzen, für die ich im vergangenen Jahr noch 50 NIS bezahlt hatte, muss man heute schlappe 80 Shekel hinblättern. Das bedeutet eine Preissteigerung von 60 % - dazu noch der äußerst schwache Euro. Da gibt der Geldbeutel Schmerzensschreie von sich!
Für Morgen haben wir uns die Neu-Stadt - also West-Jerusalem vorgenommen. Zu sehen gibt es genug: Knesset, Israel Museum (in dem einige Fragmente der Qumran-Rollen ausgestellt sind) und natürlich Yad Vashem.
Davon, und was wir tatsächlich ins Programm genommen haben, morgen Abend.
Seit heute morgen ca. 6 h auf den Beinen, ab 9:30 h tatsächlich auf den Fußballen unterwegs: zunächst von der arabischen Altstadt hinauf ans Jaffa-Tor, was zusammen gezählt bestimmt um die 500 Stufen sind. Dort in das Museum zur Geschichte Jerusalems in der David-Zitadelle; wieder ca. 100 Stufen - das ganze dann wieder return und an der Außenmauer hinauf auf den Rundgang, den man zwischen den Zinnen der Altstadtmauer gehen kann. Bis hinunter zum Zions-Tor - nochmals rund 100 Treppen auf und ab.
Von dort hinüber auf den Berg-Zion, in die Kapelle des letzten Abendmahles und zum Grab von König David. (Hier gab`s mal keine Stufen!) Dafür aber wie jedes Jahr Touristen und Christen aus allen Herren (oder Damen) Länder. Waren es im vergangenen Jahr vorwiegend Menschen aus Gambia, Nigeria und Somalia - so ist heuer halb Latein-Amerika auf Jesus Spuren unterwegs.
Gegen 14:30 h wieder in unserem Hospiz angekommen - bis wir erschöpft, mit 100 Kilo Sonne im Körper auf unseren Betten lagen, gab es auf dem Weg zurück nochmals an die 300 Stufen ... und jetzt (18:30 h) ; ja, und jetzt habe ich rote Wangen, erhöhte Sonnen-Temperatur und schmerzende Oberschenkel. Dafür gibt es nun draußen auf der Terrasse, die schon von tiefer Nachtschwärze umgeben ist, das erste israelische Bier: Goldstar.
Sobald die Sonne verschwunden ist, was noch recht früh am Tag (17:30 h) passiert, wird es sofort empfindlich kühl und die Mischung aus aufgeheiztem Körper und äußerlicher Frische hinterlassen das Gefühl von: Ich bekomme eine Erkältung. Aber dem ist nicht so - aber als Couch-Potato, zu der ich mich entwickelt habe, ist so viel Bewegung und dazu frische Luft sehr ungewohnt.
Wie überall auf der Welt haben sich auch wieder einige Dinge in Jerusalem verändert: der Platz vor dem Zentralen Busbahnhof ist neu gestaltet - die Haltestellen für die im kommenden Jahr endlich fahrende Straßenbahn sind schon zu erkennen und die Preise sind stark angestiegen: jedenfalls in der arabischen Altstadt. Für zwei kleine Pizzen, für die ich im vergangenen Jahr noch 50 NIS bezahlt hatte, muss man heute schlappe 80 Shekel hinblättern. Das bedeutet eine Preissteigerung von 60 % - dazu noch der äußerst schwache Euro. Da gibt der Geldbeutel Schmerzensschreie von sich!
Für Morgen haben wir uns die Neu-Stadt - also West-Jerusalem vorgenommen. Zu sehen gibt es genug: Knesset, Israel Museum (in dem einige Fragmente der Qumran-Rollen ausgestellt sind) und natürlich Yad Vashem.
Davon, und was wir tatsächlich ins Programm genommen haben, morgen Abend.
Wenn Engel reisen ...
bleibt für einen einzigen Tag das Schneechaos aus; der Flieger hebt von Köln ohne Probleme Richtung Tel Aviv ab und in Israel herrscht rechtes KaiserInnen-Wetter.
Seit vorgestern bin ich - samt Arbeitskollegin, Fotografin für diese spezielle Reise (davon später mehr) und mittlerweile auch Freundin Petra wieder mal in Israel: meiner Seelenheimat. Petra ist zum ersten Mal im Heiligen Land; was mir auch die Möglichkeit bietet, nach meinen unzähligen Reisen hierher Israel nochmals aus anderen; sozusagen (ohne das ich dies despektierlich meine) aus Anfängerinnen - jungfräulichen Augen zu sehen.
Am Donnerstagmorgen gegen 11 Uhr in Tel Aviv gelandet, holte uns Neta am Flughafen ab und augenblicklich waren der Stress der vergangenen Monate vergessen - fast so, als hätte er niemals stattgefunden. Raus aus dem Flughafen und die erste (lechz) Zigarette mit dem Gesicht in der Sonne. Welche Wohltat nach den Wochen in Schnee, Kälte und sibirischen Verhältnissen.
Die politische Situation im Land scheint relativ relaxt zu sein: kaum Sicherheits-Checks, wenig Militär oder andere bewaffnete Zweibeiner unterwegs. Schon in Köln war die Dame am Chick-in Schalter weihnachtlich eingestellt, ließ sie uns doch tatsächlich mit rund 5 Kilo Übergepäck ohne teure Nachzahlung durch. Von meinen 22 Kilo hatte ich auch mindestens 15 Kilo Ritter-Sport Weihnachtsedition-Schokolade dabei. Na ja gut, etwas übertrieben, es waren nur 14 Kilo.
Die erste Nacht verbrachten wir in Kochav Yair; wieder in dem tollen Apartement, in dem ich schon im vergangenen Jahr vier Wochen verbracht hatte. Gestern dann das nötigste eingepackt, kurzes Frühstück und dann nach Kfar Saba - dort den Bus nach Jerusalem genommen. Eigenartig wie diese Stadt mich jedes mal sofort in ihren Bann zieht - und das immer noch: nach 23 Jahren regelmäßigen Besuchen.
Am Nachmittag zunächst ein wenig örtliche Orientierung für Petra: entlang der Via Dolorosa zur Klagemauer - dort wurde gerade der Shabbat eingeläutet. Die Sonne warf durch die Bäume hindurch ihre Schatten auf die steile Mauer; Tauben nisteten während am Fuße Menschen ihre Klagen oder auch frohe Botschaften auf dem direkten Weg zum Himmel schickten. Überall in den Ritzen die kleinen Zettel (Knittelchen oder auch hebr. Kwitlach), die die betenden mit Wünschen und Hoffnungen hinterlassen. So manch Gläubiger bekommt aber auch buchstäblich den Hals nicht voll und schreibt ganze Romane.
Zurück zum Hospiz durch das jüdische Viertel und in meinem arabischen Lieblingscafe an der Via Dolorosa zum Abschluss Pizza und Pfefferminztee. Um 21 Uhr totmüde im Bett und heute morgen gegen 6 Uhr die erste Zigarette bei Sonnenaufgang auf dem Dach - mit Blick auf Felsendom und Ölberg. Alles in warmes Licht getaucht. Glockengeläut verschiedener Kirchen im Gemisch mit den Rufen des Muezzin. Da fragt man sich, wer denn auf der Welt behauptet, die verschiedenen Religionen könnten nicht miteinander leben?
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| Petra u. ich bei Zigarette, Kaffee und viel Sonne im Garten des Österreichischen Hospiz |
Am Donnerstagmorgen gegen 11 Uhr in Tel Aviv gelandet, holte uns Neta am Flughafen ab und augenblicklich waren der Stress der vergangenen Monate vergessen - fast so, als hätte er niemals stattgefunden. Raus aus dem Flughafen und die erste (lechz) Zigarette mit dem Gesicht in der Sonne. Welche Wohltat nach den Wochen in Schnee, Kälte und sibirischen Verhältnissen.
Die politische Situation im Land scheint relativ relaxt zu sein: kaum Sicherheits-Checks, wenig Militär oder andere bewaffnete Zweibeiner unterwegs. Schon in Köln war die Dame am Chick-in Schalter weihnachtlich eingestellt, ließ sie uns doch tatsächlich mit rund 5 Kilo Übergepäck ohne teure Nachzahlung durch. Von meinen 22 Kilo hatte ich auch mindestens 15 Kilo Ritter-Sport Weihnachtsedition-Schokolade dabei. Na ja gut, etwas übertrieben, es waren nur 14 Kilo.
Die erste Nacht verbrachten wir in Kochav Yair; wieder in dem tollen Apartement, in dem ich schon im vergangenen Jahr vier Wochen verbracht hatte. Gestern dann das nötigste eingepackt, kurzes Frühstück und dann nach Kfar Saba - dort den Bus nach Jerusalem genommen. Eigenartig wie diese Stadt mich jedes mal sofort in ihren Bann zieht - und das immer noch: nach 23 Jahren regelmäßigen Besuchen.
Am Nachmittag zunächst ein wenig örtliche Orientierung für Petra: entlang der Via Dolorosa zur Klagemauer - dort wurde gerade der Shabbat eingeläutet. Die Sonne warf durch die Bäume hindurch ihre Schatten auf die steile Mauer; Tauben nisteten während am Fuße Menschen ihre Klagen oder auch frohe Botschaften auf dem direkten Weg zum Himmel schickten. Überall in den Ritzen die kleinen Zettel (Knittelchen oder auch hebr. Kwitlach), die die betenden mit Wünschen und Hoffnungen hinterlassen. So manch Gläubiger bekommt aber auch buchstäblich den Hals nicht voll und schreibt ganze Romane.
Zurück zum Hospiz durch das jüdische Viertel und in meinem arabischen Lieblingscafe an der Via Dolorosa zum Abschluss Pizza und Pfefferminztee. Um 21 Uhr totmüde im Bett und heute morgen gegen 6 Uhr die erste Zigarette bei Sonnenaufgang auf dem Dach - mit Blick auf Felsendom und Ölberg. Alles in warmes Licht getaucht. Glockengeläut verschiedener Kirchen im Gemisch mit den Rufen des Muezzin. Da fragt man sich, wer denn auf der Welt behauptet, die verschiedenen Religionen könnten nicht miteinander leben?
Samstag, 4. Dezember 2010
Reisetipps für Israelis ...
diesmal: Berlin!
Besonders bei Israelis ist die Deutsche Bundeshauptstadt eine der begehrtesten Reiseziel - vielleicht, weil viele Israelis noch einen Koffer dort haben?
Besonders bei Israelis ist die Deutsche Bundeshauptstadt eine der begehrtesten Reiseziel - vielleicht, weil viele Israelis noch einen Koffer dort haben?
Weiter auf Tour: Hendryk M. Broder
Einfach nur schauen:
Teil 3 / 1
Teil 3 / 2:
Teil 3 / 1
Teil 3 / 2:
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