Marx brachte es auf den Punkt: "Religion ist Opium für das Volk!" Der Wahrheitsgehalt dieses fast banalen Satzes beweist sich im Lande der 3 monotheistischen Religionen. Hier, wo alle drei Religionen aufeinander prallen, mit- und untereinander leben (müssen) und sich sprichwörtlich um jeden Zentimeter zanken.
In Jerusalem streiten sich die verschiedenen katholischen Kirchen um den Besitz der Grabeskirche; Juden und Moslems streiten sich, wer denn das älteste Anrecht auf den Tempelplatz hat; in Bethlehem streiten sich wieder die verschiedenen katholischen Kirchen um die winzige Grotte, in der Jesus seinen ersten Schrei getan haben soll. Sogar um das Recht, welcher "bärtige alte Mann" (auch Patriarch genannt) denn an Heilig Abend als erstes in die Geburtskirche einmarschieren darf, wurde einst hartnäckig gestritten (mittlerweile gibt es hierfür ein festes Protokoll).
In Hebron streiten sich bis heute Juden und Moslems um den Besitz der "Höhle des Patriarchen Abraham" (hebr. Ma`arat HaMachpalah): ein glotziger Steinbau aus der Zeit Herodes, in dem sich die Gräber Abrahams, seiner Frau Sara, den Söhnen Isaak und Isamail sowie deren Frauen Leah und Rebecca befinden. Hebron selbst ist eine "tote" Stadt, ca. 160 000 Tausend Einwohner, davon nur ca. 400 Juden - die wiederum von 20.000 Soldaten bewacht werden. Mittendrin das Grab des Ur-Vaters der Juden, Christen und Moslems.
Rechts der Zugang für die Juden, links der Zugang für die Moslems - von israelischen Soldaten bewacht, Sicherheitszonen und Check-Point. Zwischen Moschee und jüdischer Wallfahrtsstätte je ein vergittertes Fenster, damit Juden und Moslems die Gräber Abrahams und Saras "anbeten" dürfen. An den hohen jüdischen Feiertagen darf kein Moslem in die Moschee, denn dann dürfen die moslemischen Heiligtümer auch von Juden berührt und die dicken Teppiche auch von verhassten Juden betreten werden. (Immer schön Schuhe aus am Eingang!) Und umgekehrt natürlich auch: an hohen moslemischen Feiertagen darf kein Jude anwesend sein: Moslems beherrschen dann das gesamte Areal und die dünne Trennwand aus Holz wird ganz einfach aufgeschlossen.
Alles wirkt unheilig Heilig: Dreck, nach Schweißfuß stinkende Gebetsteppiche, streunende Katzen, unrasierte Männer, tief vermummte Frauen, die mit leblosen Augen dahin schlurfen - dazwischen vereinzelte Touristen, gelangweilt wirkende Soldaten in voller Montur; jüdische Frauen, die auffallend dürr und blass unter ihren vielen Röcken und Blusen und vergammelten Strickjacken wirken. Die Gläubigen Moslems, meist alte Männer tragen ebenso alte Anzüge, Weste darunter und die durch Yassir Arafat bekannt gewordene Kopfbedeckung. Die gläubigen Juden auch alt und bärtig, Schläfchenlocken, Gebetsriemen an Kopf und/oder Armen und auf beide Ausgaben trifft ein Attribut gleichermaßen zu: ungepflegt!
Bei allem Respekt allen Gläubigen und Religionen gegenüber: Findet nicht der wahre Glaube in uns selbst statt, und nicht an einem Ort, der über die Jahrhunderte umkämpft, in dessen Namen schon Tausende gestorben sind und wahrscheinlich noch Tausende in der Zukunft sterben werden. Orte und Plätze; Moscheen, Kirchen und Synagogen - die letztendlich nur von Päpsten, Rabbis und Imanen, von Politikern, Mächtigen und Gewaltbereiten instrumentalisiert werden, um das Volk von ihrem eigentlichen Vorhaben, von ihren wahren Zielen abzulenken?
Vielleicht aber bin ich einfach nur zu un-gläubig, um zu verstehen, weshalb man einen toten Stein; eine alte Holztruhe oder eine Grabstätte anbetet, von der längst bekannt ist, dass sie dort nie gewesen sein konnte, wo man sie heute verehrt.
Ich glaube, der alte bärtige Jude Karl Marx hatte gar nicht so unrecht!
Dienstag, 28. Dezember 2010
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