Donnerstag, 24. März 2011

Anschlag in Jerusalem

Geht es jetzt wieder los, mit den Bus-Attentaten in Israel?
Nicht überraschend kam der gestrige Anschlag auf die Bus-Nummer 74 in Jerusalem. Nachdem die Ägypter sich von Mubarak befreit haben, ist leider auch die Grenze zu Gaza durchlässig geworden. Waffenlieferungen nach Gaza und andernorts müssen jetzt wohl nicht mehr durch geheime Tunnel geschafft werden.
Schon vor 14 Tagen wurde eine Familie in einer israelischen Siedlung regelrecht abgeschlachtet worden - doch die Katastrophe in Japan hatte diesen Mord aus den Medien verdrängt.

Schon heute Nacht flogen die Israelis Luftangriffe auf Stellungen militanter Palästinenser in Gaza - ein erneuter Krieg liegt in der Luft.
Mehr Infos hier

Dienstag, 15. März 2011

On the way back

oder anders gesagt, zurück in die Gegenwart; das bin ich gerade im Zug von Berlin-Ostbahnhof in den Westen der Republik.
Ratz-fatz vergingen die vergangenen 6 Tage in Berlin; zusammen genommen habe ich so viel gesehen, gehört, erlebt und erfühlt, wie oftmals in zwei Monaten nicht.
Jetzt gilt es eben das Erlebte zu sortieren und zu verarbeiten. Besonders der Besuch im Landesarchiv war ungemein beeindruckend und aufwühlend. Die gesamte Korrespondenz zwischen Willy, der Jewish Restitution Organization, dem Berliner Senat und dem Amt für Wiedergutmachung nachzulesen, war äußerst beeindruckend; wenn auch zeitweise kurios und etwas zynisch. So verlangte z.B. das Amt für Wiedergutmachung für jeden Beschluss hinsichtlich einer Zahlung von sog. Wiedergutmachungsgeldern bzw. Entschädigungen eine Bearbeitungsgebühr. Auf Deutsch: da wird einem deutschen Juden all sein Hab`und Gut von den Nazis genommen und um eine meist wirklich geringe Entschädigung zu erhalten, muss dieser Mensch dann eine Bearbeitungsgebühr entrichten. Viele Dinge, die ich auf dem Weg meiner Recherchen erfahren habe, übertreffen sich in Deutschland wirklich an Pietätlosigkeit.

So war ich z.B. vor einigen Jahren mit einer israelischen Freundin und deren sehr betagtem Vater in Berlin und wir besuchten das Holocaust-Mahnmal am Brandenburger Tor. Im dortigen unterirdischen Dokumentationszentrum konnte der Vater, weil des deutschen und englischen nicht mächtig, kein Wort verstehen. Ihm wurde angeboten einen Audio-Führer in hebräisch zu nutzen. Kostenpunkt: 4,50 €. Wie bitte? Das darf doch wohl nicht wahr sein! Ich konnte nicht anderes, sondern musst die Dame am Audio-Verleih-Stand entrüstet fragen: "Ein Jude, der Opfer des Holocaust war, muss hier also dafür bezahlen, damit er verstehen kann, weshalb er Opfer war?"

Einfach unglaublich!

Montag, 14. März 2011

Ein Himmelreich für Kühlstrümpfe

Gestern war der Höhepunkt des Fuß-Marathons durch Berlin - besonders das rein in die U-Bahn und raus aus der U-Bahn, Treppauf und Treppab zur nächsten U-Bahnlinie (meist funktionieren die Rolltreppen natürlich nicht) hat uns allen richtig zugesetzt. Auf dem späten Weg zurück ins Hotel konnte ich kaum noch die Fußballen schmerzlos aufsetzen ...

Mati, der ein großer Liebhaber von Richard Wagners Musik ist, hatte das riesen große Glück gehabt, dass gestern an der Deutschen Oper in Berlin die Wagner-Oper Tristan und Isolde Premiere hatte. Für 60 Euro setzte er sich 6 Stunden in den 3. Rang und kam danach mit feuchten Augen zurück. Er sagte, wenn er den Text verstanden hätte, hätte er noch mehr geweint.
In Israel hat er kaum die Chance Wagner zu hören, da viele Israelis immer noch dagegen sind, Musik des Anti-Semiten zu hören. Vor einigen Jahren war Daniel Barenboim mit dem Berliner Philharmoniker Orchester in Jerusalem und ließ (unangekündigt) vor vollbesetztem Haus plötzlich Wagner spielen. Viele der Zuhörer verließen aus Protest das Konzert.

Sonntag, 13. März 2011

Wer mit Israelis eine Reise tut, ...

der kann wirklich was erleben.
Zunächst sei gesagt, mit Israelis zu reisen, bedeutet in erster Linie: man nimmt wahrscheinlich zu. Ich bin es ja schon aus Israel gewohnt, dass Israelis von einem Humus-Laden in den nächsten rennen und sich darin überbieten, wer denn nun in welchem kleinen Kaff das beste Restaurant kennt; aber hier in Berlin wird das alles noch übertroffen.
Es muss an einer Ecke nur nach etwas Essbarem riechen, schon fällt Ruth oder Mati ein, man müsse doch nun dringlich eine Pause einlegen. Kaum hatten wir unser Hotel gestern morgen verlassen, wurde per Handy aus Israel die Information eingeholt, wo es denn in der Nähe das Beste Lokal zum Frühstücken gibt. Wie gesagt: aus Israel - nicht das beide auf die Idee kämen mich, als ihre Deutsche Reisebegleitung zu fragen - ach nein, da vertraut man doch eher dem israelischen Geschmack.
Und tatsächlich, Ruths Tochter navigierte uns per sms ans Paul-Linke-Ufer in das Bistro "Übersee", in dem sich Ruth vor Begeisterung über ihr Yoghurt-mit-Früchten Frühstück nicht mehr einkriegte und Mati bekam große Augen bei einem regelrechten Berg Bauernfrühstück mit Speck. Besonders der Speck war es - denn Speck gibt es in Israel nicht, ist ja vom Schwein!

Nach dem Frühstück rein in die U-Bahn und an der Eisenacher Str. wieder raus - denn dort hatte Ruths Vater bis 1939 seine Firma. Leider waren genau die Häuser zerbombt worden, an denen die Franz D. Steiner & Co. ihre Büro- und Produktionsräume hatte. Schade! Doch durch die erhaltenden Häuser in der Nachbarschaft und die wunderschöne Schule gegenüber (erbaut 1902) konnten wir uns ein Bild machen.
Dazu sollte ich aber sagen, dass mit Ruth zu Fuß vorwärts zu kommen, einerseits eine kleine Geduldsprobe ist, andererseits aber auch den Winkel der Betrachtung erweitert - denn buchstäblich auf Schritt und Tritt sieht Ruth irgendetwas, worüber sie in wahre Verzückung gerät. Meist sind es winzig kleine Geschäfte die irgendein "Schmonzens"(jidd.= unnötiges Zeug, Kitsch) anbieten. Dann heißt es mit hebräischem Indianergebrüll rein in den Laden, alles anfassen, dem Betreiber direkt sagen, wie toll "das ganze Schmonzens ist" - nach dem Preis fragen, auf hebräisch mit Mati diskutieren ob man das jetzt kaufen sollte oder nicht (man muss ja Geschenke nach Israel mitbringen) - nach weiteren Minuten tief durchatmen, "Chaval, chaval" (hebr.: = Schade) sagen und wieder raus aus dem Laden. Bis zum nächsten!

Samstag, 12. März 2011

Zwischen Kästner, Wilder & Brecht

Die Berliner Adresse von Willy, dem Vater von Ruth, war zwischen 1916 und 1939 DIE Motzstr. in Schöneberg - direkt am Viktoria-Luise-Platz. Dorthin hatte unser Weg uns gestern natürlich auch geführt.
Der Viktoria-Luise-Platz ist ein wunderschöner, oval-runder Platz, der einer der ersten Plätze Anfang des vergangenen Jahrhunderts war, an dem die Straßenbeleuchtung von Gas- in Elektrobetrieb umgewandelt wurde.
Rund um den Platz herrliche alte Häuser - die teilweise rekonstruiert worden sind, da Berlin doch sehr "zusammengebombt" wurde. Leider auch das Haus an der Motzstr. 56 - hier steht heute ein schrecklich hässlich dreckiges Gebäude aus den 50/60er Jahren - doch genau gegenüber, sozusagen der Zwillingsbau erhalten. Da der Platz in seiner Grundstruktur symmetrisch gebaut worden war, und die Adresse Motzstr. 56 ein Eckhaus zum Viktoria-Lusie-Platz ist - konnten wir uns eine gute Vorstellung davon machen, wie Willy (und seine Mutter Dora) gewohnt haben. Wunderschön, sehr privilegiert für damalige Zeiten - Bohemiens!
Willy`s Mutter wird wohl abends, mit langem Kleid, Handschuhen und eventuell einem bestickten Schirm rund um den Platz flaniert sein. Es gab Sitzbänke im Schatten und einen besandetem Weg; die Straßen waren mit Kopfsteinpflaster bedeckt und Pferdedroschken hinterließen ein klapperndes Geräusch. Wohl fuhren die ersten Automobile vor und auch die U-Bahnstation Viktoria-Luise-Platz gab es schon.
Sozusagen vis-à-vis wohnten Erick Kästner, Billy Wilder und auch Bertold Brecht hatte in der Motzstr. für einige Monate sein Heim.
Das Drehbuch für Emil und die Detektive entstand hier aus der Feder des noch jungen Bill Wilder, der gerade aus Wien herüber gezogen war und im gleichnamigen Film jagen Emil und seine Freunde den Dieb Grünbein durch diese Straße. Auch Thomas Mann schaute, sofern er in Berlin war, bei Freunden in der Motzstr. vorbei und verewigte diese in seinem Roman Dr. Faustus.

Wenn, dann ja ...

wenn nicht, dann nein!
Mit diesem Satz ist Deutschland auf den Punkt gebracht!

Kurz erklärt bedeutet dieser Satz, dass: wenn die Jewish Restitution Successor Organization schon 1954 vorsorglich einen Antrag auf Wiedergutmachungszahlungen auch für die Firma von Ruths Vater gestellt hatte, (was diese Organisation wohlweislich auch für 8000 andere ehemalige jüdische Firmen und Unternehmen getan hat) dann - ja dann, besteht die Möglichkeit, dass Ruth einen Teil des Geldes erhält.
Und wenn diese Organization dies nicht für die Firma Franz D. Steiner & Co. getan hatte, tja - dann geht sie leer aus, weil mittlerweile auch bei den Reparationszahlungen der Satz Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben gilt.
Das ist, kurz gefasst das Ergebnis unseres gestrigen Treffens mit Dr. Ch. Kreutzmüller, dem Leiter des Projektes "Jüdische Klein- Mittelständische Unternehmen in Berlin zwischen 1933-1945" an der Humboldt-Universität Berlin. Das Gespräch war unglaublich informativ und der Herr Doktor nicht nur hilfsbereit, sondern auch noch ausgestattet mit viel Humor und einen exzellenten Englisch, so dass Ruth all ihre Fragen zunächst los werden konnte und auch Antworten erhielt.
Ausgestattet mit einigen Kopien wichtiger Unterlagen, so z.B. die der "Suchliste Berliner jüd. Firmen" aus dem Haus der Wannsee-Konferenz sowie original Unterlagen der Nazis, auf denen irgend so ein Braunhemd mit Bleistift einfache Häkchen hinter die jüdischen Firmen gesetzt hatte, die er entweder arisiert, entjudet oder liquidiert hatte, (Damit ist er wohl täglich zu Eichmann gerannt, um sich sein Lob abzuholen) - hatten wir sein Büro wieder verlassen.
Danach erstmal zu Fassbender & Rausch am Gendarmenmarkt, dass älteste und größte Schokoladenhaus Europas, um bei lecker Kuchen und Cappucino den Kopf wieder klar zu bekommen.

Freitag, 11. März 2011

Auf der Suche nach ...

den Spuren der Familie Tonn in Berlin. Das bin ich seit gestern.

Alles fing vor 5 Jahren ganz harmlos an: ich hatte einen Termin beim israelischen Nationaltheater "HaBima" (hebr.=die Bühne) und lernte dadurch Ruth kennen. Es stellte sich heraus, dass Ruths Mutter aus Köln kam und ihr Herr Papa aus Berlin. Aber besonders von letzterem kannte sie sehr sehr wenig, da Mama und Papa nicht verheiratet waren. Im Grunde genommen hatte Ruth nur zwei Menschen aus ihrer Familie persönlich gekannt: ihre Eltern.
Eher durch Zufall und ohne wirkliche Zielvorstellung begann ich in Deutschland zu recherchieren. Ich fand heraus, dass Ruths Grossvater mütterlicherseits bis 1933 als Rechtsanwalt u.a. für Hermann & Tietz (HERTIE) in Köln gearbeitet hatte, aber aufgrund des Berufsverbotes für Juristen am 31.3.1933 seine Arbeit verlor. Siehe sog. "Mülltag" in Köln). Kurzzeitig war er sogar in "Schutzhaft" genommen worden, die er wohl im EL-DE-Haus verbringen musste.
Hals-über-Kopf musste der RA Dr. Eugen Rosenberg aus Köln fliehen, was er auch mit seiner Tochter (der Mutter von Ruth) und seiner Geliebten (huch!) tat. 1933 ging es erstmal nach Berlin, zu einem Bruder, und einige Monate später nach Palästina.
Dr. Eugen Rosenberg musste fast seinen gesamten Besitz zurück lassen - darunter fiel auch sein wunderschönes, und für die damalige Zeit hochmodernes Bauhaus in Köln Rodenkirchen. Dieses wurde 1928 fertiggestellt und steht heute unter Denkmalschutz.

Ruths Vater dagegen besaß in Berlin eine Firma zur Herstellung pharmazeutischer Produkte auf der Basis von asiatischen Kräutern (oder so!). Die eigentliche Leidenschaft des Vaters war aber seine Studium der chinesischen Sprache, Literatur & chin. Philosophie an der Humboldt Universität in Berlin. 1939 musste Willy Tonn fliehen, und da nur er ein Visum für China erhalten hatte, blieb seine Mutter Dora in Berlin zurück.
Das war alles, was Ruth über ihren Vater und dessen Familie wusste.

Nach einigen Monaten der Recherche konnte ich Ruth das Schicksal ihrer Großmutter Dora mitteilen - was wirklich kein vergnügen war:
Dora wurde zwischen 1939 und 1941 mehrmals "umgezogen". Aus der großen herrschaftlichen Wohnung in der Motzstr. musste sie zunächst als Untermieterin in die Pariserstr., dann in die Xantenerstr.  - dort erhielt sie zum Jahreswechsel 1940 die schriftliche Aufforderung zur Deportation. Unglaublich, aber wahr: den Juden wurde also schriftlich ihr Datum zum Abtransport mitgeteilt und genau aufgelistet, was sie in einem Koffer mitzunehmen haben. Diese Liste fand ich als Kopie im Brandenburgischen Landesarchiv ... und tatsächlich, Dora wurde nach Riga deportiert und dort mit weiteren ca. 30 000 Juden auf einer Lichtung erschossen.

Tja, und jetzt sind wir hier in Berlin und wollen in den kommenden 4 Tagen zum Einen alle Plätze, Orte und Wohnungen erkunden, in oder an denen sich Mitglieder der Familie aufgehalten oder gewohnt haben. Dazu haben wir Termine bei verschiedenen Archiven zur Ansicht von noch vorhandenen Unterlagen bzw. Termine bei Historikern und Zeitzeugen.

Das wird spannend, zumal ich im obigen Text nur bruchstückhaft anreißen konnte, was wir bisher tatsächlich über unsere Recherchen schon heraus gefunden haben. Dies werde ich in den kommenden Beiträgen nachholen!

Freitag, 4. März 2011

Wir verwechseln da was entscheidendes!

Nicht übertrieben kann man sagen: die Welt schaut gebannt auf die politischen Ereignisse in Nord-Afrika. Ich auch!
Nur scheint es mir, dass die westlichen Medien und auch deren Bevölkerung nicht richtig hinschauen - oder ich den apokalyptischen Blick habe?
ich sage es gleich: die "Freiheitsbewegung" - begonnen in Algier über Tunesien bis hin zum ersten finalen Show-down in Ägypten kann letztendlich in einem 3. Weltkrieg enden. Huch, werden jetzt manche aufschreien. Ich sage auch das gleich: ich hoffe, das meine Bedenken Lügen gestraft werden!

Wir sollten uns klar machen - entgegen den Berichten blinder und bl**der westlicher Journalisten - das weder die (und besonders nicht die) Ägypter, noch die Libyer um oder für Demokratie auf die Straße gehen - und dabei ihr Leben riskieren. Das ist solch ein fataler Irrglaube, von dem ich nicht weiß, ob er absichtlich durch unsere Medien kolportiert wird oder einfach nur Resultat des immer oberflächig werdenden Journalismus geschuldet ist. Denn - bei manchen Journalisten frage ich mich mittlerweile wirklich, ob sie überhaupt einen Hauptschulabschluss haben.
Das Bestreben nach Freiheit mit dem Wunsch nach Demokratie gleichzusetzen, ist eine rein westliche Annahme. Da quatschen westliche Journalisten ihre historische Unwissenheit, ihre Empathielosigkeit genau den Menschen gegenüber, über die sie zu berichten haben (Moslems) und ihre senderabhängigen Dummheiten in jede laufende Kamera. Und das Volk hört zu und nickt und freut sich über die Revolutionsbewegungen im Nahen Osten bzw. Nord-Afrika. (Scheiße nur, das der Benzinpreis so hoch steigt!)

Heute vor zwei Wochen kreuzten ur-plötzlich zwei iranische Kriegsschiffe durch den Suez-Kanal. In den deutschen Medien tauchte diese wichtige Nachricht erst am darauffolgenden Dienstag (im "Heute-Journal") auf. Was haben iranische Kriegsschiffe im Suez-Kanal zu suchen? Unter Mubarak wäre dies undenkbar gewesen? (Nicht das hier einer glaubt, ich wolle einen Despoten verteidigen - ich will nur die ersten Veränderungen formulieren). Die Behauptung der Iraner war: sie wollten nach Syrien schippern - nur bis dahin sind sie gar nicht gefahren.
Klar betrachtet bedeutet dies, dass der Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel nur noch altes Papier ist. Noch sind die Ägypter mit sich selbst, der Revolution und den einhergehenden Veränderungen im eigenen Lande beschäftigt - aber was kommt danach?
Eine Demokratie? Na, wer`s glaubt, wird seelig. Für eine Demokratie gibt es weder in Ägypten noch in Libyen funktionierende Strukturen. Es gibt weder Parteien, noch in sich organisierte und handlungsfähige Gruppierungen, die sich für eine demokratische Wahl aufstellen lassen könnten. Wenn überhaupt organisiert - sind, z.B. in Ägypten die Moslem-Bruderschaft oder andere religiöse Gruppierungen.
Und sogar, wenn es weitere Gruppen gäbe, die eine Art von Struktur, Organisation und Bekanntheit aufweisen könnten - auch solchen geht es doch nicht um Demokratie! Es geht um die Macht und nicht um Freiheit oder geschweige denn Demokratie. Wie verblödet müssen wir denn sein, um zu glauben, dass die erste revolutionsartige Bewegung im Islam; seit seinem Bestehen - direkt in die Demokratie führen kann. Was wäre das denn, nach 1400 Jahren, für ein Quanten-Sprung?

Mubarak - so ein Arsch**ch er auch wirklich war - war er federführend für die Stabilität im Nahen Osten.  Was kommt nach ihm? Iranische Bedrohung Israels durch Kriegsschiffe ist erst der Anfang. Als nächstes wird die Grenze zwischen Ägypten und Gaza durchlässig. D.h. - dass die Hamas keine Tunnel mehr bauen muss, um Waffen und anderes Material nach Gaza zu bringen. Die Bedrohung und Beschießung Israels wird zunehmen. Da kann der Ein oder Andere gerne sagen: zu Recht. Ja, auch ich bin gegen Besatzung, aber lasst uns doch das Schauspiel bis zu Ende denken.
Die Hamas bekommt also ihre Waffen und Raketen, der Iran darf ganz ungeniert mit Kriegsschiffen in den Golf von Aqaba (bis vor die Tore Eilat) schippern und in Ägypten, Libyen und (bald auch) Saudi-Arabien kommen die islamischen Extremisten an die Macht. Syrien wird sich freuen, der jordanische König wird seine friedvolle Position nicht halten können und die Hisbollah im Süden Libanons wird nicht mehr nur vom Iran finanziell unterstützt.
Ja, wird der ein oder andere denken: Was geht mich das an? Das ich über solche Denke ungemein ungehalten bin, erübrigt sich eigentlich noch zu erwähnen. Diese typisch deutsche Haltung: jetzt sollen sie doch mal endlich Ruhe geben, die Juden oder ich bin für die Befreiung des palästinensischen Volkes, oder Scheiße, der Benzinpreis ist so hoch, bereitet mir, ohne Übertreibung, tatsächlich körperliche Schmerzen.
Da ich selbst Deutsche bin - aus tiefstem Herzen und mit viel Stolz (Stolz und Kritik widersprechen sich nämlich auch nicht) - schäme ich mich zuweilen sehr. Besonders für das gemütliche, oberflächige und desinteressierte Denken von uns Deutschen. Denn was wird passieren, wenn Israel im Zuge dieser sog. Revolutionen mehr und mehr bedroht wird? Wenn die Hamas und die Hisbollah mit Waffen beliefert werden? Wenn Ägypten die Grenze zu Israel bzw. Gaza nicht mehr stabilisiert und der jordanische König seinen friedvolle Haltung aufgeben muss? Was wird passieren?
Die Amerikaner werden eingreifen müssen! Sie werden handeln müssen: militärisch! Und Deutschland? Deutschland muss sich, wie es leider un-erwachsen die Bundesregierung formuliert, aus der historischen Schuld heraus den Handlungen Amerikas beistehen. (Bezeichnend: den amerikanischen Handlungen wird Deutschland sich an die Seite stellen, nicht den Israelis!)
Das aber - ist nur das kleine Szenario! Das wirklich große Szenario kann sich jeder für sich selbst ausmalen. Malen nach Zahlen ersetzt durch malen nach Kausalen Zusammenhängen!

Ich, für meinen Teil blicke besorgt in die Zukunft.
Nicht um mein eigenes Leben und nicht um einen möglichen Krieg in Europa. Sondern um die Existenz Israels und darüber, ob wir Deutsche unsere soviel gepriesene, formulierte und angewiesene "historische Schuld" tatsächlich eingehen, wenn sie zum ersten Mal tatsächlich gefordert sein wird!