Freitag, 11. März 2011

Auf der Suche nach ...

den Spuren der Familie Tonn in Berlin. Das bin ich seit gestern.

Alles fing vor 5 Jahren ganz harmlos an: ich hatte einen Termin beim israelischen Nationaltheater "HaBima" (hebr.=die Bühne) und lernte dadurch Ruth kennen. Es stellte sich heraus, dass Ruths Mutter aus Köln kam und ihr Herr Papa aus Berlin. Aber besonders von letzterem kannte sie sehr sehr wenig, da Mama und Papa nicht verheiratet waren. Im Grunde genommen hatte Ruth nur zwei Menschen aus ihrer Familie persönlich gekannt: ihre Eltern.
Eher durch Zufall und ohne wirkliche Zielvorstellung begann ich in Deutschland zu recherchieren. Ich fand heraus, dass Ruths Grossvater mütterlicherseits bis 1933 als Rechtsanwalt u.a. für Hermann & Tietz (HERTIE) in Köln gearbeitet hatte, aber aufgrund des Berufsverbotes für Juristen am 31.3.1933 seine Arbeit verlor. Siehe sog. "Mülltag" in Köln). Kurzzeitig war er sogar in "Schutzhaft" genommen worden, die er wohl im EL-DE-Haus verbringen musste.
Hals-über-Kopf musste der RA Dr. Eugen Rosenberg aus Köln fliehen, was er auch mit seiner Tochter (der Mutter von Ruth) und seiner Geliebten (huch!) tat. 1933 ging es erstmal nach Berlin, zu einem Bruder, und einige Monate später nach Palästina.
Dr. Eugen Rosenberg musste fast seinen gesamten Besitz zurück lassen - darunter fiel auch sein wunderschönes, und für die damalige Zeit hochmodernes Bauhaus in Köln Rodenkirchen. Dieses wurde 1928 fertiggestellt und steht heute unter Denkmalschutz.

Ruths Vater dagegen besaß in Berlin eine Firma zur Herstellung pharmazeutischer Produkte auf der Basis von asiatischen Kräutern (oder so!). Die eigentliche Leidenschaft des Vaters war aber seine Studium der chinesischen Sprache, Literatur & chin. Philosophie an der Humboldt Universität in Berlin. 1939 musste Willy Tonn fliehen, und da nur er ein Visum für China erhalten hatte, blieb seine Mutter Dora in Berlin zurück.
Das war alles, was Ruth über ihren Vater und dessen Familie wusste.

Nach einigen Monaten der Recherche konnte ich Ruth das Schicksal ihrer Großmutter Dora mitteilen - was wirklich kein vergnügen war:
Dora wurde zwischen 1939 und 1941 mehrmals "umgezogen". Aus der großen herrschaftlichen Wohnung in der Motzstr. musste sie zunächst als Untermieterin in die Pariserstr., dann in die Xantenerstr.  - dort erhielt sie zum Jahreswechsel 1940 die schriftliche Aufforderung zur Deportation. Unglaublich, aber wahr: den Juden wurde also schriftlich ihr Datum zum Abtransport mitgeteilt und genau aufgelistet, was sie in einem Koffer mitzunehmen haben. Diese Liste fand ich als Kopie im Brandenburgischen Landesarchiv ... und tatsächlich, Dora wurde nach Riga deportiert und dort mit weiteren ca. 30 000 Juden auf einer Lichtung erschossen.

Tja, und jetzt sind wir hier in Berlin und wollen in den kommenden 4 Tagen zum Einen alle Plätze, Orte und Wohnungen erkunden, in oder an denen sich Mitglieder der Familie aufgehalten oder gewohnt haben. Dazu haben wir Termine bei verschiedenen Archiven zur Ansicht von noch vorhandenen Unterlagen bzw. Termine bei Historikern und Zeitzeugen.

Das wird spannend, zumal ich im obigen Text nur bruchstückhaft anreißen konnte, was wir bisher tatsächlich über unsere Recherchen schon heraus gefunden haben. Dies werde ich in den kommenden Beiträgen nachholen!

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