oder anders gesagt, zurück in die Gegenwart; das bin ich gerade im Zug von Berlin-Ostbahnhof in den Westen der Republik.
Ratz-fatz vergingen die vergangenen 6 Tage in Berlin; zusammen genommen habe ich so viel gesehen, gehört, erlebt und erfühlt, wie oftmals in zwei Monaten nicht.
Jetzt gilt es eben das Erlebte zu sortieren und zu verarbeiten. Besonders der Besuch im Landesarchiv war ungemein beeindruckend und aufwühlend. Die gesamte Korrespondenz zwischen Willy, der Jewish Restitution Organization, dem Berliner Senat und dem Amt für Wiedergutmachung nachzulesen, war äußerst beeindruckend; wenn auch zeitweise kurios und etwas zynisch. So verlangte z.B. das Amt für Wiedergutmachung für jeden Beschluss hinsichtlich einer Zahlung von sog. Wiedergutmachungsgeldern bzw. Entschädigungen eine Bearbeitungsgebühr. Auf Deutsch: da wird einem deutschen Juden all sein Hab`und Gut von den Nazis genommen und um eine meist wirklich geringe Entschädigung zu erhalten, muss dieser Mensch dann eine Bearbeitungsgebühr entrichten. Viele Dinge, die ich auf dem Weg meiner Recherchen erfahren habe, übertreffen sich in Deutschland wirklich an Pietätlosigkeit.
So war ich z.B. vor einigen Jahren mit einer israelischen Freundin und deren sehr betagtem Vater in Berlin und wir besuchten das Holocaust-Mahnmal am Brandenburger Tor. Im dortigen unterirdischen Dokumentationszentrum konnte der Vater, weil des deutschen und englischen nicht mächtig, kein Wort verstehen. Ihm wurde angeboten einen Audio-Führer in hebräisch zu nutzen. Kostenpunkt: 4,50 €. Wie bitte? Das darf doch wohl nicht wahr sein! Ich konnte nicht anderes, sondern musst die Dame am Audio-Verleih-Stand entrüstet fragen: "Ein Jude, der Opfer des Holocaust war, muss hier also dafür bezahlen, damit er verstehen kann, weshalb er Opfer war?"
Einfach unglaublich!
Dienstag, 15. März 2011
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