Samstag, 12. März 2011

Zwischen Kästner, Wilder & Brecht

Die Berliner Adresse von Willy, dem Vater von Ruth, war zwischen 1916 und 1939 DIE Motzstr. in Schöneberg - direkt am Viktoria-Luise-Platz. Dorthin hatte unser Weg uns gestern natürlich auch geführt.
Der Viktoria-Luise-Platz ist ein wunderschöner, oval-runder Platz, der einer der ersten Plätze Anfang des vergangenen Jahrhunderts war, an dem die Straßenbeleuchtung von Gas- in Elektrobetrieb umgewandelt wurde.
Rund um den Platz herrliche alte Häuser - die teilweise rekonstruiert worden sind, da Berlin doch sehr "zusammengebombt" wurde. Leider auch das Haus an der Motzstr. 56 - hier steht heute ein schrecklich hässlich dreckiges Gebäude aus den 50/60er Jahren - doch genau gegenüber, sozusagen der Zwillingsbau erhalten. Da der Platz in seiner Grundstruktur symmetrisch gebaut worden war, und die Adresse Motzstr. 56 ein Eckhaus zum Viktoria-Lusie-Platz ist - konnten wir uns eine gute Vorstellung davon machen, wie Willy (und seine Mutter Dora) gewohnt haben. Wunderschön, sehr privilegiert für damalige Zeiten - Bohemiens!
Willy`s Mutter wird wohl abends, mit langem Kleid, Handschuhen und eventuell einem bestickten Schirm rund um den Platz flaniert sein. Es gab Sitzbänke im Schatten und einen besandetem Weg; die Straßen waren mit Kopfsteinpflaster bedeckt und Pferdedroschken hinterließen ein klapperndes Geräusch. Wohl fuhren die ersten Automobile vor und auch die U-Bahnstation Viktoria-Luise-Platz gab es schon.
Sozusagen vis-à-vis wohnten Erick Kästner, Billy Wilder und auch Bertold Brecht hatte in der Motzstr. für einige Monate sein Heim.
Das Drehbuch für Emil und die Detektive entstand hier aus der Feder des noch jungen Bill Wilder, der gerade aus Wien herüber gezogen war und im gleichnamigen Film jagen Emil und seine Freunde den Dieb Grünbein durch diese Straße. Auch Thomas Mann schaute, sofern er in Berlin war, bei Freunden in der Motzstr. vorbei und verewigte diese in seinem Roman Dr. Faustus.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen