Dieser Tage beging einer der erfolgreichsten und beliebtesten israelischen Sänger seinen 60. Geburtstag: Shlomo Artzi.
Shlomo Artzi feiert seit knapp 35 Jahren mit all seinen Platten (äh, CD`s) große Erfolge und in dieser Woche laufen in allen Radio- und Fernsehprogramme seine Lieder hoch ud runter.
Eigentlich wollte Shlomo, Sohn überlebender Holocaustopfer aus Rumänien, Schauspieler werden, aber der Zufall brachte ihn zur Musik und dabei ist er (Gott-sei-Dank) geblieben.
Den Video-Clip eines meiner Lieblingslieder könnt ihr unten anschauen. Das Lied heißt: Hi lo joda`at ma oved elei - Sie weiß nicht, was in mir arbeitet bzw. Sie weiß nicht was mit mir los ist!
Montag, 30. November 2009
Ich glotz TV ...
Israels Fernsehlandschaft ist zum Gähnen. Der einzige, der von den Sendungen in Isarel sicherlich begeistert wäre, wäre Bruce Darnell: "Drama, Baby, Drama!"
Via Kabel kann man in Israel an die Hundert oder mehr Fernsehsender aus aller Welt empfangen: angefangen von BBC, Sky-news über diverse amerikanische Sender bis hin zu Jordan-TV, Al-Dsashira in arabisch ud englisch, France TV und dem Sender ESP aus Spanien. Dazu Eurosport (englisch) und Sender aus Dubai, Ägypten, der Türkei, Syrien, Saudi-Arabien u.s.w.
Die israelischen Sender belaufen sich auf ca. 20 bis 25, so genau kann ich das nciht sagen, weil die russischen Juden in Israel soviel eigene Sender haben, in denen nur russisch gesprochen wird, es aber auch noch Sender aus Russland selbst gibt. Einigen wir uns einfach auf 22 Sender, okay.
Davon sind 4 Sender staatlich - wie bei uns ZDF und ARD, aber ich glaube kaum, dass in deren Statuen ein Bildungsauftrag festgeschrieben ist. Permaned laufen entweder hochdramatische Reportagen oder hochdramatische Diskussionsrunden. Hin und wieder mal eine Soap-opera, aber auch die ist hochdamatisch. Tatsächlich - Bruce hätte seine reine Freude.
Zappt man zwischen diesen Sendern hin und her, beschleicht einen der Eindruck, dass die Isarelis ohne Drama nicht leben können. Haben und hatten sie denn nicht schon genug Drama: Holocaust, unzählige Kriege, Terroranschläge, Anti-Semitismus und und und...
Leichtigkeit bzw. reine Unterhaltung gibt es nicht - zudem werden diese hochdramatischen Reportagen und Diskussionsrunden unzählige Male wiederholt. Man schaltet den Fernseher ein - und sieht so oft das selbe, dass man sich fragt: Haben wir eigentlich noch gestern?
Nachrichtensendungen gibt es ab 17 Uhr so gut wie jede Stunde und dauern (gefühlt) stundenlang. In solchen Sendungen werden bewegte Bilder auch mehrmals hintereinander gezeigt: ein Verbrecher wird von der Polizei unter live-Bldern verhaftet. Das zeigen sie dann nicht einmal, nein mindestens vier oder fünfmal. Keine Ahnung weshalb - vielleicht, damit die Sendungen auch tatsächlich (gefühlt) stundenlang dauert.
Der Großteil der Isarelis schaut sich die amerikansichen Filme, Soaps und Talk-Shows auf den privaten Sendern an. Da wird, verzeiht, aber auch jeder Quatsch, der in Ami-Land produziert wird, über den Äther geschickt. Reinstes Verblödungs-Fernsehen, von Kultur und Bildung auch hier keine Spur. Hin und wieder zeigen sie gar einen Deutschen Film, so hatten z.b. "Die Blechtrommel" (vor Jahren) und "Das Leben der anderen" in Israel großen Erfolg. Besonders auf letzteren wird man in Israel als Deutsche oft angesprochen - der hat Eindruck hinterlassen.
Was mir am israelischen Fernsehen gefällt, sind:
1. die Kochsendungen! Die Koch-Show-Krankheit ist auch in Israel ausgebrochen. Nur wird hier nicht wie bei uns irgendwie stumpfsinnig vor sich hingekocht, sondern das Kochen und die Rezepte werden meist mit Menschen und ihrer Geschichte verbunden. Sehr sehr interessant.
2. Alle Filme, egal aus welchem Land sie stammen, werden in der Originalsparche mit hebräischen, russischen und zuweilen sogar arabischen Untertiteln gezeigt. Kein Wunder also, dass die meisten Israelis hervorragend englisch sprechen. Auch mir hilft das, denn wenn ich einen englisch (oder deutschen) Film schaue, kann ich die hebräischen Untertitel mitlesen und lerne enorm viel dazu.
3. Liebe ich das israelische Kinderfernsehen - weil es einerseits wirklich lustig und sehr informativ gemacht ist und es dazu noch mein Selbstbewußtsein hebt, denn: ich verstehe das Meiste! Und - es ist gänzlich ohne Drama.
Via Kabel kann man in Israel an die Hundert oder mehr Fernsehsender aus aller Welt empfangen: angefangen von BBC, Sky-news über diverse amerikanische Sender bis hin zu Jordan-TV, Al-Dsashira in arabisch ud englisch, France TV und dem Sender ESP aus Spanien. Dazu Eurosport (englisch) und Sender aus Dubai, Ägypten, der Türkei, Syrien, Saudi-Arabien u.s.w.
Die israelischen Sender belaufen sich auf ca. 20 bis 25, so genau kann ich das nciht sagen, weil die russischen Juden in Israel soviel eigene Sender haben, in denen nur russisch gesprochen wird, es aber auch noch Sender aus Russland selbst gibt. Einigen wir uns einfach auf 22 Sender, okay.
Davon sind 4 Sender staatlich - wie bei uns ZDF und ARD, aber ich glaube kaum, dass in deren Statuen ein Bildungsauftrag festgeschrieben ist. Permaned laufen entweder hochdramatische Reportagen oder hochdramatische Diskussionsrunden. Hin und wieder mal eine Soap-opera, aber auch die ist hochdamatisch. Tatsächlich - Bruce hätte seine reine Freude.
Zappt man zwischen diesen Sendern hin und her, beschleicht einen der Eindruck, dass die Isarelis ohne Drama nicht leben können. Haben und hatten sie denn nicht schon genug Drama: Holocaust, unzählige Kriege, Terroranschläge, Anti-Semitismus und und und...
Leichtigkeit bzw. reine Unterhaltung gibt es nicht - zudem werden diese hochdramatischen Reportagen und Diskussionsrunden unzählige Male wiederholt. Man schaltet den Fernseher ein - und sieht so oft das selbe, dass man sich fragt: Haben wir eigentlich noch gestern?
Nachrichtensendungen gibt es ab 17 Uhr so gut wie jede Stunde und dauern (gefühlt) stundenlang. In solchen Sendungen werden bewegte Bilder auch mehrmals hintereinander gezeigt: ein Verbrecher wird von der Polizei unter live-Bldern verhaftet. Das zeigen sie dann nicht einmal, nein mindestens vier oder fünfmal. Keine Ahnung weshalb - vielleicht, damit die Sendungen auch tatsächlich (gefühlt) stundenlang dauert.
Der Großteil der Isarelis schaut sich die amerikansichen Filme, Soaps und Talk-Shows auf den privaten Sendern an. Da wird, verzeiht, aber auch jeder Quatsch, der in Ami-Land produziert wird, über den Äther geschickt. Reinstes Verblödungs-Fernsehen, von Kultur und Bildung auch hier keine Spur. Hin und wieder zeigen sie gar einen Deutschen Film, so hatten z.b. "Die Blechtrommel" (vor Jahren) und "Das Leben der anderen" in Israel großen Erfolg. Besonders auf letzteren wird man in Israel als Deutsche oft angesprochen - der hat Eindruck hinterlassen.
Was mir am israelischen Fernsehen gefällt, sind:
1. die Kochsendungen! Die Koch-Show-Krankheit ist auch in Israel ausgebrochen. Nur wird hier nicht wie bei uns irgendwie stumpfsinnig vor sich hingekocht, sondern das Kochen und die Rezepte werden meist mit Menschen und ihrer Geschichte verbunden. Sehr sehr interessant.
2. Alle Filme, egal aus welchem Land sie stammen, werden in der Originalsparche mit hebräischen, russischen und zuweilen sogar arabischen Untertiteln gezeigt. Kein Wunder also, dass die meisten Israelis hervorragend englisch sprechen. Auch mir hilft das, denn wenn ich einen englisch (oder deutschen) Film schaue, kann ich die hebräischen Untertitel mitlesen und lerne enorm viel dazu.
3. Liebe ich das israelische Kinderfernsehen - weil es einerseits wirklich lustig und sehr informativ gemacht ist und es dazu noch mein Selbstbewußtsein hebt, denn: ich verstehe das Meiste! Und - es ist gänzlich ohne Drama.
Sonntag, 29. November 2009
Stolz und Enttäuschung
Am vergangenen Freitag hatte ich mir auf dem Bücherflohmarkt vier Bücher gekauft. Alles Bücher, die, nachdem ich jeweils die erste Seite gelesen hatte, meinem Hebräisch-Level entsprachen. Besonders ein Buch von diesen hatte es mir angetan, weil ich es fast ohne Wörterbuch lesen konnte. Ein dünnes Taschenbuch einer 26jährigen Israelin, deren Kurzgeschichten sich ausschließlich um die Liebe drehten.
Stolz wie Oskar zeigte ich das Buch Neta und Yoram, natürlich mit der Vorstellung, dass sie mich nun, ob meiner Fähigkeiten diese Buch lesen zu können über den grünen Klee loben würden. Pustekuchen!
Beide warfen einen Blick in das Buch und waren angesichts des schlechten Hebräisch darin entsetzt. Das wäre keine Literatur, das wäre Straßensprache allerschlechtester Sorte. Ich solle unbedingt etwas anderes Lesen.
Kaum gesagt rannte Neta ins Haus an ihr großes Bücherregal und kam mit zwei Büchern zurück, eines davon war Zeruja Shalev "Liebesleben". Ich konnte nicht anders, ich musste Neta den Vogel zeigen - NIEMALS werde ich diese Buch auf hebräisch lesen können. Nicht in 20 Jahren!
Zerujas Shalev`s Bücher faszinieren mich schon seit Jahren mit der dichten, poetischen Sprache in der sie geschrieben sind. In Deutschland gilt Zeruja Shalev als außerordentlich gute Schriftstellerin, die auf einem hohen psycholgischem Level schreibt. Netas Kommentar dazu: "Bull-shit!"
Ich schlug also die erste Seite des Romanes auf und machte mich darauf gefasst nicht ein einziges Wort verstehen, geschweige denn fehlerfrei lesen zu können. Tja, und dann das, die ersten Zeilen:
"Er ist nicht mein Vater und auch nicht meine Mutter, weshalb also öffnet er mir die Tür meines Elternhauses und füllt mit seinem Körper den gesamten Türrahmen aus."
Und so geht es weiter auf der ersten Seite und ich kann es fast ohne Mühe lesen. Neta ist der Meinung, dass von manchen israelischen Autoren die Übersetzter besser sind, als die Schreiber selbst - jedenfalls ist Zeruja Shalev in Isarel nicht gerade die Überfliegerin. Was eine Enttäuschung!
Jetzt würde mich nur noch interessieren, wie denn das Buch "Liebesleben" auf Deutsch beginnt. Wer das Buch also zuhause hat, darf mir die ersten beiden Sätze gerne schicken oder hier als Kommentar hinterlassen.
Jedenfalls kann ich das Buch auf deutsch wirklich nur empfehlen, wer es sich bestellen möchte:
Stolz wie Oskar zeigte ich das Buch Neta und Yoram, natürlich mit der Vorstellung, dass sie mich nun, ob meiner Fähigkeiten diese Buch lesen zu können über den grünen Klee loben würden. Pustekuchen!
Beide warfen einen Blick in das Buch und waren angesichts des schlechten Hebräisch darin entsetzt. Das wäre keine Literatur, das wäre Straßensprache allerschlechtester Sorte. Ich solle unbedingt etwas anderes Lesen.
Kaum gesagt rannte Neta ins Haus an ihr großes Bücherregal und kam mit zwei Büchern zurück, eines davon war Zeruja Shalev "Liebesleben". Ich konnte nicht anders, ich musste Neta den Vogel zeigen - NIEMALS werde ich diese Buch auf hebräisch lesen können. Nicht in 20 Jahren!
Zerujas Shalev`s Bücher faszinieren mich schon seit Jahren mit der dichten, poetischen Sprache in der sie geschrieben sind. In Deutschland gilt Zeruja Shalev als außerordentlich gute Schriftstellerin, die auf einem hohen psycholgischem Level schreibt. Netas Kommentar dazu: "Bull-shit!"
Ich schlug also die erste Seite des Romanes auf und machte mich darauf gefasst nicht ein einziges Wort verstehen, geschweige denn fehlerfrei lesen zu können. Tja, und dann das, die ersten Zeilen:
"Er ist nicht mein Vater und auch nicht meine Mutter, weshalb also öffnet er mir die Tür meines Elternhauses und füllt mit seinem Körper den gesamten Türrahmen aus."
Und so geht es weiter auf der ersten Seite und ich kann es fast ohne Mühe lesen. Neta ist der Meinung, dass von manchen israelischen Autoren die Übersetzter besser sind, als die Schreiber selbst - jedenfalls ist Zeruja Shalev in Isarel nicht gerade die Überfliegerin. Was eine Enttäuschung!
Jetzt würde mich nur noch interessieren, wie denn das Buch "Liebesleben" auf Deutsch beginnt. Wer das Buch also zuhause hat, darf mir die ersten beiden Sätze gerne schicken oder hier als Kommentar hinterlassen.
Jedenfalls kann ich das Buch auf deutsch wirklich nur empfehlen, wer es sich bestellen möchte:
Samstag, 28. November 2009
Keine Verschnaufpause
Seit gestern Spätnachmittag ist der Shabbat eingekehrt. Nach der jüdischen Religion müssen am Himmel 3 Sterne zu sehen sein, dann ist der Shabbes da. Für die Schlechtwetterperioden, wenn also der Himmel bewölkt ist - werden in Zeitungen und auch im Fernsehen die genauen Uhrzeiten angekündigt, denn der genau Zeitpunkt ist für die ultra-orthodoxen Juden enorm wichtig. Es könnte ja sein, dass sie den Beginn des Shabbat um einge Minuten verpassen und in dieser Zeit noch etwas tun, was als Arbeit gilt. Zum Beispiel den Autoschlüssel rumdrehen und den Motor dadurch starten - das ist verboten. Auch ein Streichholz anzünden, den Gasherd in Gang bringen, den Lichtschalter oder den Knopf eines Aufzuges drücken - verboten!
Das Wochenende hat also begonnen - eigentlich! Aber irgendwie kommt man in Israel einfach nicht zur Ruhe.
Gestern Vormittag habe ich mir meine neue Bleibe für die nächsten 2 Monate angeschaut. Leider muss ich aus unserem wunderschönen Appartement ausziehen, da der Vermieter jemanden gefunden hat, der dieses Appartement langfristig mieten will. Von meiner neuer Behausung werde ich zu einem späteren Zeitpunkt berichten.
Nach der Besichtigung gings im Sausschritt in den Supermarkt - an einem Freitag bedeutet dies "Großkampftag". Danach Lebensmittel nach Hause gebracht und mit Neta, dem Baby, Hadar und meinem Compagnon nach Kfar Saba. Dort hatte Hadar ein Basketballspiel - dem zugeschaut, dann nach Tel Aviv. Neta bei einer Freundin in Hod HaSharon abgeliefert und weiter in die Innenstadt, auf einen Bücherflohmarkt. Vier Bücher gekauft, einen Kaffee mit einem leckeren Schokolodenkuchen, samt Kokosstreusel und heißer Vaniellesoße verputzt (was ne Kalorienbombe), dann gegen 17 Uhr zurück nach Hod HaSharon. Neta samt Baby wieder ins Auto gepackt und back home.
Wie in jeder Familie, wird auch bei Neta & Yoram am Freitagabend groß gekocht - mistens sind die Augen größer als der Magen. So haben sich mein Compagnon und Yoram in die Küche gestellt und Fisch, mit Reis gefüllte Lammhaxe und noch andere Köstlichkeiten zubereitet. Alles viel zu viel - und vom meinem Vorhaben etwas abzunehmen muss ich mich in Israel wohl verabschieden!
Na ja, ab nächste Woche wollen Neta und ich jeden Donnerstagabend die "Alte Damen"-Basketballtruppe hier im Ort besuchen - vielleicht hilft es was?
Heute morgen nun packt mein Mitbewohner seine Sachen - LEIDER fliegt er heute schon wieder zurück nach Deutschland. So schnell sind vier Wochen ins Land gegangen. (Mein lieber Freund, die Zeit mit Dir war klasse! Danke!)
Bevor ich ihn an den Flughafen bringe, müssen wir noch sein Bett zurück zu Neta fahren, das Appertement etwas putzen - und dann gilt es Abschied nehmen.
Ja, bevor ich dann auch wieder vom Flughafen zurück bin, ist es schon wieder später Nachmittag - gerade noch Zeit eine Waschmachine anzuwerfen, ein paar Sachen zu bügeln, in meinem neuen hebräischen Buch zu lesen, welches ich gestern gekauft habe und meine Schulsachen packen. Am Montag ziehe ich um, da werde ich heute schon ein paar Sachen organisieren.
Shabbat Shalom!
Das Wochenende hat also begonnen - eigentlich! Aber irgendwie kommt man in Israel einfach nicht zur Ruhe.
Gestern Vormittag habe ich mir meine neue Bleibe für die nächsten 2 Monate angeschaut. Leider muss ich aus unserem wunderschönen Appartement ausziehen, da der Vermieter jemanden gefunden hat, der dieses Appartement langfristig mieten will. Von meiner neuer Behausung werde ich zu einem späteren Zeitpunkt berichten.
Nach der Besichtigung gings im Sausschritt in den Supermarkt - an einem Freitag bedeutet dies "Großkampftag". Danach Lebensmittel nach Hause gebracht und mit Neta, dem Baby, Hadar und meinem Compagnon nach Kfar Saba. Dort hatte Hadar ein Basketballspiel - dem zugeschaut, dann nach Tel Aviv. Neta bei einer Freundin in Hod HaSharon abgeliefert und weiter in die Innenstadt, auf einen Bücherflohmarkt. Vier Bücher gekauft, einen Kaffee mit einem leckeren Schokolodenkuchen, samt Kokosstreusel und heißer Vaniellesoße verputzt (was ne Kalorienbombe), dann gegen 17 Uhr zurück nach Hod HaSharon. Neta samt Baby wieder ins Auto gepackt und back home.
Wie in jeder Familie, wird auch bei Neta & Yoram am Freitagabend groß gekocht - mistens sind die Augen größer als der Magen. So haben sich mein Compagnon und Yoram in die Küche gestellt und Fisch, mit Reis gefüllte Lammhaxe und noch andere Köstlichkeiten zubereitet. Alles viel zu viel - und vom meinem Vorhaben etwas abzunehmen muss ich mich in Israel wohl verabschieden!
Na ja, ab nächste Woche wollen Neta und ich jeden Donnerstagabend die "Alte Damen"-Basketballtruppe hier im Ort besuchen - vielleicht hilft es was?
Heute morgen nun packt mein Mitbewohner seine Sachen - LEIDER fliegt er heute schon wieder zurück nach Deutschland. So schnell sind vier Wochen ins Land gegangen. (Mein lieber Freund, die Zeit mit Dir war klasse! Danke!)
Bevor ich ihn an den Flughafen bringe, müssen wir noch sein Bett zurück zu Neta fahren, das Appertement etwas putzen - und dann gilt es Abschied nehmen.
Ja, bevor ich dann auch wieder vom Flughafen zurück bin, ist es schon wieder später Nachmittag - gerade noch Zeit eine Waschmachine anzuwerfen, ein paar Sachen zu bügeln, in meinem neuen hebräischen Buch zu lesen, welches ich gestern gekauft habe und meine Schulsachen packen. Am Montag ziehe ich um, da werde ich heute schon ein paar Sachen organisieren.
Shabbat Shalom!
Freitag, 27. November 2009
Sind die Fischer-Chöre auch schon da?
Seit heute morgen um 4 Uhr rufen die Muezzine aus den umliegenden arabischen Dörfern nicht nur, nein - man hört die Gesänge ganzer Gemeinden aus den Moscheen. Aus tausenden von Kehlen - Mensch, da kann doch kein Mensch schlafen!
Schon gestern abend hatte der Sing-Sang begonnen - die islamsiche Welt feiert den Beginn des Opferfestes (arab.=Id-ul Adha), gemeinsam mit dem Ramadan (arab.= Id-ul Fitr) eines der wichtigsten Feste des Islams und wird am 10. Tag des Wallfahrtmonats gefeiert. Das Opferfest deglariert auch das Ende des Hadsch, das Pilgern nach Mekka.
Das Opferfest erinnert an die Bereitschaft Abrahams einen seiner Söhne zu opfern. Ob dieser Sohn Issak oder Ismail gewesen sein soll, wird im Koran nicht expliziet erwähnt. Sowohl Isaak und auch Isamail haben im Islam eine große Bedeutung: Isaak gilt als Stammvater vieler Propketen und Gottgesandter, während Ismail als Stammvater der Propheten Mohammed angesehen wird.
Am ersten Tag des Opferfestes versammeln sich die Gläubigen in den Moscheen, wo ein besonderes Festgebet abgehalten wird. Auch die Abschiedspredigt Mohammeds, die dieser während seiner letzten Wallfahrt gehalten hat, wird feierlich verlesen.
Dann folgt die rituelle Schlachtung (Schächten) der Opfertiere, die mit dem Kopf in Richtung Mekka gelegt und nach festgelegten Regeln vom ältesten Familienmitglied geschlachtet werden.
Das Fest dauert drei Tage.
Schon gestern abend hatte der Sing-Sang begonnen - die islamsiche Welt feiert den Beginn des Opferfestes (arab.=Id-ul Adha), gemeinsam mit dem Ramadan (arab.= Id-ul Fitr) eines der wichtigsten Feste des Islams und wird am 10. Tag des Wallfahrtmonats gefeiert. Das Opferfest deglariert auch das Ende des Hadsch, das Pilgern nach Mekka.
Das Opferfest erinnert an die Bereitschaft Abrahams einen seiner Söhne zu opfern. Ob dieser Sohn Issak oder Ismail gewesen sein soll, wird im Koran nicht expliziet erwähnt. Sowohl Isaak und auch Isamail haben im Islam eine große Bedeutung: Isaak gilt als Stammvater vieler Propketen und Gottgesandter, während Ismail als Stammvater der Propheten Mohammed angesehen wird.
Am ersten Tag des Opferfestes versammeln sich die Gläubigen in den Moscheen, wo ein besonderes Festgebet abgehalten wird. Auch die Abschiedspredigt Mohammeds, die dieser während seiner letzten Wallfahrt gehalten hat, wird feierlich verlesen.
Dann folgt die rituelle Schlachtung (Schächten) der Opfertiere, die mit dem Kopf in Richtung Mekka gelegt und nach festgelegten Regeln vom ältesten Familienmitglied geschlachtet werden.
Das Fest dauert drei Tage.
Donnerstag, 26. November 2009
Obama macht gehörig Druck
Gestern Abend, auf allen Sendern der israelischen Fernsehkanäle (die übrigens auch einen eigenen Post wert wären) kam DIE Nachricht des Tages: Israel friert für 10 Monate den Siedlungsbau ein! Ausgenommen der Bau weiterer Wohnungen im Ost-Jerusalemer Stadtteil Gilo, um den sich Anfang der Woche schon eine heftige Diskussion entfacht hatte und einer Bauphase von ca. 3000 Wohneinheiten auf der Westbank, die die amerikanische Regierung vor Jahren genehmigt hatte. Die israelische Regierung möchte damit ein Zeichen setzen und den Friedensdialog mit den Palästinensern wieder in Gang bringen.
Doch was heißt einfrieren? Heißt das, dass in 10 Monaten, egal welches Ergebnis bei den kommenden Gesprächen erzielt wird, munter weitergebaut wird?
Der israelischen Regierung dürfte doch längst klar sein, dass über kurz oder lang die West-Bank bzw. die besetzten Gebiete aufgegeben und an die Palästinenser zurückgeben werden müssen - wie sonst könnte die "Zwei-Staaten-Lösung" funktionieren. Alles also mal wieder nur ein "schachern" um Zentimeter: "geb` ich Dir, gibst Du mir!"
Der Status Jerusalem wird aber wohl noch das größte Problem werden (eher bleiben!). Die Isarelis wie auch die Palästinenser beanspruchen Jerusalem als ihre Hauptstadt. Es wäre zu wünschen, dass die Palästinenser und die Israelis es schaffen, sich diese Stadt zu teilen ohne, wie in Berlin, wieder eine strikte Trennung und damit eine Mauer durch Jerusalem gebaut wird.
Wie immer, die Hoffnung stirbt zuletzt!
Doch was heißt einfrieren? Heißt das, dass in 10 Monaten, egal welches Ergebnis bei den kommenden Gesprächen erzielt wird, munter weitergebaut wird?
Der israelischen Regierung dürfte doch längst klar sein, dass über kurz oder lang die West-Bank bzw. die besetzten Gebiete aufgegeben und an die Palästinenser zurückgeben werden müssen - wie sonst könnte die "Zwei-Staaten-Lösung" funktionieren. Alles also mal wieder nur ein "schachern" um Zentimeter: "geb` ich Dir, gibst Du mir!"
Der Status Jerusalem wird aber wohl noch das größte Problem werden (eher bleiben!). Die Isarelis wie auch die Palästinenser beanspruchen Jerusalem als ihre Hauptstadt. Es wäre zu wünschen, dass die Palästinenser und die Israelis es schaffen, sich diese Stadt zu teilen ohne, wie in Berlin, wieder eine strikte Trennung und damit eine Mauer durch Jerusalem gebaut wird.
Wie immer, die Hoffnung stirbt zuletzt!
Mittwoch, 25. November 2009
Was macht eigentlich ...?
Dana International - Dana. Wer?
Dana ist jene junge Dame - oder Herr (je nach Toleranzschwelle) die ganz überraschend 1998 den Eurovision Songcontest in Birmingham gewonnen hatte. Die Nominierung des offen lebenden Transexuellen*, der als Yaron Cohen 1972 in Tel Aviv geboren wurde, hatte damals in Isarel hohe Wellen geschlagen. Die ultra-orthodoxen sahen die Würde Israels beschmutzt und die Schas-Partei rief sogar eigens eine Sitzung im israelischen Parlament, der Knesset, aus. Doch alles protestieren nützte nichts, Dana International fuhr nach England und siegte mit dem Lied "Diva" überraschend mit 7 Punkten Vorsprung.
Urplötzlich war Dana International zur Symbolfigur aller Transsexuellen, Transgender und Homosexuellen geworden. Und wenn ich schreibe ALLER dann meine ich auch ALLER. Denn den größten Absatz ihrer Platten hatte Miss International in den arabischen Ländern, vorwiegend in Ägypten - aber natürlich nur inoffiziell und unter dem Ladentisch gehandelt. Offiziell ist der Verkauf ihrer Platten in islamischen Ländern bis heute verboten.
Nach dem großen Erfolg von "Diva" kam Dana nochmals mit einem Lied zurück - "Leila tov Europa" (Gute Nacht, Europa)- aber mit weit weniger Erfolg. Dann wurde es ein paar Jahre ruhiger um sie ein spektakuläres Come-back (aber nur in Isarel) schaffte sie 2007 mit dem Lied "Love Boy". Seitdem ist wieder etwas Ruhe eingekehrt und die Tageszeitung HaAretz fragt deshalb heute auf ihrer Kulturseite: Ma osseh Dana International? - Was macht Dana International und liefert auch sogleich die Antwort: Frau International spielt zur Zeit in einer britischen Comedy-Soap mit. In "Beautifull People" spielt Dana sich selbst und dies mit viel Humor.
Hier ein kleiner Ausschnitt:
*Transsexualität oder Transsexualismus ist laut ICD-10, der „Internationalen Klassifizierung von Krankheiten” der Weltgesundheitsorganisation (WHO), eine Form der Geschlechtsidentitätsstörung (vergleiche auch Transgender als nicht-klinischen Begriff). Sie liegt vor, wenn ein Mensch körperlich eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht angehört, sich jedoch als Angehöriger des anderen Geschlechts empfindet und danach strebt, sich auch körperlich diesem Geschlecht so gut wie möglich anzunähern. Ob und inwieweit Transsexualismus als Krankheit bezeichnet werden sollte, ist allerdings umstritten.
Dana ist jene junge Dame - oder Herr (je nach Toleranzschwelle) die ganz überraschend 1998 den Eurovision Songcontest in Birmingham gewonnen hatte. Die Nominierung des offen lebenden Transexuellen*, der als Yaron Cohen 1972 in Tel Aviv geboren wurde, hatte damals in Isarel hohe Wellen geschlagen. Die ultra-orthodoxen sahen die Würde Israels beschmutzt und die Schas-Partei rief sogar eigens eine Sitzung im israelischen Parlament, der Knesset, aus. Doch alles protestieren nützte nichts, Dana International fuhr nach England und siegte mit dem Lied "Diva" überraschend mit 7 Punkten Vorsprung.
Urplötzlich war Dana International zur Symbolfigur aller Transsexuellen, Transgender und Homosexuellen geworden. Und wenn ich schreibe ALLER dann meine ich auch ALLER. Denn den größten Absatz ihrer Platten hatte Miss International in den arabischen Ländern, vorwiegend in Ägypten - aber natürlich nur inoffiziell und unter dem Ladentisch gehandelt. Offiziell ist der Verkauf ihrer Platten in islamischen Ländern bis heute verboten.
Nach dem großen Erfolg von "Diva" kam Dana nochmals mit einem Lied zurück - "Leila tov Europa" (Gute Nacht, Europa)- aber mit weit weniger Erfolg. Dann wurde es ein paar Jahre ruhiger um sie ein spektakuläres Come-back (aber nur in Isarel) schaffte sie 2007 mit dem Lied "Love Boy". Seitdem ist wieder etwas Ruhe eingekehrt und die Tageszeitung HaAretz fragt deshalb heute auf ihrer Kulturseite: Ma osseh Dana International? - Was macht Dana International und liefert auch sogleich die Antwort: Frau International spielt zur Zeit in einer britischen Comedy-Soap mit. In "Beautifull People" spielt Dana sich selbst und dies mit viel Humor.
Hier ein kleiner Ausschnitt:
*Transsexualität oder Transsexualismus ist laut ICD-10, der „Internationalen Klassifizierung von Krankheiten” der Weltgesundheitsorganisation (WHO), eine Form der Geschlechtsidentitätsstörung (vergleiche auch Transgender als nicht-klinischen Begriff). Sie liegt vor, wenn ein Mensch körperlich eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht angehört, sich jedoch als Angehöriger des anderen Geschlechts empfindet und danach strebt, sich auch körperlich diesem Geschlecht so gut wie möglich anzunähern. Ob und inwieweit Transsexualismus als Krankheit bezeichnet werden sollte, ist allerdings umstritten.
Ein ganz normaler Tag
Nach Hebräisch und etwas Politik, nach Gilad Shalit und Literatur möchte ich heute mal etwas Einblick in meinen Tagesablauf geben. Allzu aufregend ist der nicht und demnach auch recht schnell abgehandelt:
Gegen 6 Uhr stehe ich auf, setze mich dann mit Kaffee und Zigaretten (eigentlich wollte ich das Rauchen ja aufgeben) auf die Terrasse. Das Wetter ist seit 3 Wochen, mit wenigen Regenstunden unterbrochen, einfach traumhaft. Jetzt, da ich dies schreibe werden es so um die 15 Grad sein, Vögel zwitschern, vier Katzen und ein kleiner Hund tummeln sich um mich herum. auf der Terrasse lese ich meine mails, die neuesten Nachrichten in SPIEGEL-online oder versuche die Head-line in HaAretz (isarelische Tageszeitung) zu entziffern. Zu mehr als einem Bruchstückhaften Verstehen reicht mein Hebräisch noch nicht.
Danach gehts unter die Dusche, anziehen und wieder auf die Terrasse. Eventuell noch Hausaufgaben machen oder Vokabeln lernen. Wobei - ich gebe es zu: ich lerne viel zu wenig!
Viel zu viele Worte:
Gegen 8 Uhr fahren mein Compagnon (der hier inkognito bleiben möchte ;-) und ich mit dem Auto nach Ra`anana (ca. 15 km) in die Schule. Dort noch schnell ne Zigarette im Garten bevor um 9 Uhr der Unterricht anfängt. Der geht zwar "nur" bis 11:30 Uhr, wer jetzt aber denkt: Och, ist das kurz, der darf gerne mal daran teilnehmen. In diesen zweieinhalb Stunden knallen uns die neuen Worte wie Gewehrkugeln um die Ohren. Vorne steht Rinah (unsere Lehrerin) und redet ohne Unterlass und natürlich nru in hebräisch. Jeden Morgen gibt es irgendein Thema: Das Wetter, die Befreiung Gilad Shalits, Streiks in Isarel und und und. Aus diesem Thema entspringt ein Gespräch bzw. Fragen der Schüler und dann geht es los. Zuweilen sitze ich im Unterricht und verstehe nur Bahnhof bzw. ich höre zu und nach einer Weile fällt mir auf, dass ich alles verstanden habe ohne auch nur ein Wort ins Deutsche zu übersetzen und bin davon so irritiert, dass ich denke: Das kann nicht sein!
Gestern z.B. setzte sich eine Mitschülerin aus Wien neben mich. Sie fragte mich auf Deutsch, ob ich einen Kugelschreiber für sie hätte. Hatte ich. Nach einer Weile fragte ich sie auf Hebräisch: Sprichst Du eigentlich Deutsch?" Sie schaute mich ganz irritiert an und sagte: "Ich fragte Dich doch eben gerade auf Deutsch nach einem Kugelschreiber." Ich entgegenete dann: "Was, dass war deutsch, ich dachte das war hebräisch!" Wir mussten herzlich lachen.
(Na ja, vielleicht spricht ja auch unsere Lehrerin die ganze Zeit Deutsch, und ich wundere mich, weshalb ich alles verstehe!)
Nach Schulende stürmen alle Schüler und Schülerinnen nach draußen und zack, weg sind sie alle. Kein Plausch mehr, kein Kaffee mehr zusammen - also auch kein richtiges Kennenlernen nach der Schule. Der Grund ist nachvollziehbar: die Schüler sind alles Erwachsene, die meisten haben Familie und Kinder und zuhause wartet die Nanny auf Entlastung.
Wenn mein Compagnon und ich nicht gerade noch einkaufen müssen - ein Buch für die Schule, Lebensmittel, Ziggis oder sonstiges, geht es auf direktem Wege zurück. Daheim dann Mittagessen, ein halbes Stündchen ruhen, danach Kaffee (wieder auf der Terrasse) und lernen. Soweit mir das dann noch möglich ist, denn wenn ich ehrlich bin, schwirren mir die hebräischen Wörter wie Mücken in meinem Kopf herum: LeHitrachetz, Lehitragesch, LeHitragel und so weiter und so weiter.
Auf in den Kampf:
Gegen 16 Uhr werfe ich den Motor unseres alten Van`s wieder an und fahre entweder in den Kindergarten, dort hole ich Inbar und Carmel, zwei Töchter meiner Freundin Neta ab. (Nicht das hier einer denkt, dass wären schon alle ihrer Kinder - sie hat deren sechs!) Mit den Mädchen dann noch auf den Spielplatz ehe wir zu Nata & Yoram nach Hause fahren.
Zuhause wartet dann schon das Kleinste - Ya`arah, gerademal 6 Monate. Die restlichen Buben: Hadar (9 J.), Nitzan (8 J.) und Peleg (7 J.) sind derweil noch in irgendwelchen Sportgruppen unterwegs. Tennis, Basketball und Schwimmen. Die Buben müssen dorthin gebracht und auch wieder abgeholt werden: eine einzige Fahrerei die gut organisiert werden muss. Zwischen ins-Auto-rein-und-aus-dem-Auto-wieder-raus versuche ich etwas Ordnung in den Haushalt zu bringen. Wer selbst Kinder hat kann sich ausmalen, wie eine Wohnung aussieht, nachdem 6 Kinder darin gewütet haben - und hier wird gewütet. In Isarel hält man die antiautoritäre Erziehung für die Beste. (Na ja, meine Meinung ist hier nicht gefragt!) Wobei der Versuch von Ordnung halten ein Kampf gegen Windmühlen ist. Denn kaum sind alle Jungs wieder im Haus ist in fünf Minuten das alte Chaos wieder hergestellt. Neta & Yoram, beide voll berufstätig, sind völlig überlastet und haben im Grunde die Erziehung längst aufgegeben. In kleinen Schritten versuchen wir nun gemeinsam den Kindern beizubringen, wenigsten das allernötigste Einzuhalten: Schuhe an ihren Platz, Punkt 19 Uhr zu essen und während dem Essen weder rumzuschreien, nicht zwischendrin aufzustehen, über dem Teller zu essen und sich vor dem Essen die Hände zu waschen. Neta und Yoram nennen die kleinen Regeln, die ich einführe: die neuen Nürnberger Gesetze. - Nun, Humor muss man haben!
Vor dem Essen aber wollen die Kinder noch beschäftigt werden, d.h. für mich, meine alten Körper bewegen und mit den Jungs Fussball, Basketball oder eine andere sportliche Betätigung im Garten. (Von meinem Muskelkater will ich hier nicht berichten) Gott-sei-Dank habe ich alles rund um den Ball noch nicht vergessen und kann die Jungs mit so manchem "Kunststück" noch beeindrucken ...
Wenn alles gut läuft und Yoram pünktlich von der Arbeit kommt (was er nie tut) bin ich gegen 20 Uhr wieder auf meiner Terrasse. Aber diese 4 Stunden mit den Kindern, die Geräuschkulisse, dieses permanente Präsent sein müssen, mein konzentriertes Zuhören, was mir die Kinder denn gerade auf hebräisch erzählen oder von mir wollen, schlaucht mich derart, dass ich danach völlig platt bin.
Das Ende:
Zuhause schaut mein Compagnon isarelisches Fernsehen, meist Nachrichten oder Diskussionsrunden (seine Hebräischfortschritte sind uneinholbar!!!), für mich aber ist das dann nur noch Buchstabensalat und werfe deshalb meinen Laptop an und schaue auf der RTL-Website "Die Super-Nanny" oder "Raus aus den Schulden" oder so ein Quatsch, nur um endlich wieder etwas zu verstehen, ohne dauernd mein Gehrin auf Hochtouren laufen lassen zu müssen. Um 21:30 Uhr bin ich dann so müde, so dass ich gerade mal noch zwei oder drei Seiten in einem Buch lese (DEUTSCH!) und ruck-zuck einschlafe.
Ihr seht, wer sich also gedacht hat, ich würde mir hier in Israel einen faulen Lenz machen, der hat sich gewaltig geirrt und wer sich fragt, weshalb ich das mache, der darf mir, sofern er die Antwort gefunden hat, sie mir mitteilen.
Gegen 6 Uhr stehe ich auf, setze mich dann mit Kaffee und Zigaretten (eigentlich wollte ich das Rauchen ja aufgeben) auf die Terrasse. Das Wetter ist seit 3 Wochen, mit wenigen Regenstunden unterbrochen, einfach traumhaft. Jetzt, da ich dies schreibe werden es so um die 15 Grad sein, Vögel zwitschern, vier Katzen und ein kleiner Hund tummeln sich um mich herum. auf der Terrasse lese ich meine mails, die neuesten Nachrichten in SPIEGEL-online oder versuche die Head-line in HaAretz (isarelische Tageszeitung) zu entziffern. Zu mehr als einem Bruchstückhaften Verstehen reicht mein Hebräisch noch nicht.
Danach gehts unter die Dusche, anziehen und wieder auf die Terrasse. Eventuell noch Hausaufgaben machen oder Vokabeln lernen. Wobei - ich gebe es zu: ich lerne viel zu wenig!
Viel zu viele Worte:
Gegen 8 Uhr fahren mein Compagnon (der hier inkognito bleiben möchte ;-) und ich mit dem Auto nach Ra`anana (ca. 15 km) in die Schule. Dort noch schnell ne Zigarette im Garten bevor um 9 Uhr der Unterricht anfängt. Der geht zwar "nur" bis 11:30 Uhr, wer jetzt aber denkt: Och, ist das kurz, der darf gerne mal daran teilnehmen. In diesen zweieinhalb Stunden knallen uns die neuen Worte wie Gewehrkugeln um die Ohren. Vorne steht Rinah (unsere Lehrerin) und redet ohne Unterlass und natürlich nru in hebräisch. Jeden Morgen gibt es irgendein Thema: Das Wetter, die Befreiung Gilad Shalits, Streiks in Isarel und und und. Aus diesem Thema entspringt ein Gespräch bzw. Fragen der Schüler und dann geht es los. Zuweilen sitze ich im Unterricht und verstehe nur Bahnhof bzw. ich höre zu und nach einer Weile fällt mir auf, dass ich alles verstanden habe ohne auch nur ein Wort ins Deutsche zu übersetzen und bin davon so irritiert, dass ich denke: Das kann nicht sein!
Gestern z.B. setzte sich eine Mitschülerin aus Wien neben mich. Sie fragte mich auf Deutsch, ob ich einen Kugelschreiber für sie hätte. Hatte ich. Nach einer Weile fragte ich sie auf Hebräisch: Sprichst Du eigentlich Deutsch?" Sie schaute mich ganz irritiert an und sagte: "Ich fragte Dich doch eben gerade auf Deutsch nach einem Kugelschreiber." Ich entgegenete dann: "Was, dass war deutsch, ich dachte das war hebräisch!" Wir mussten herzlich lachen.
(Na ja, vielleicht spricht ja auch unsere Lehrerin die ganze Zeit Deutsch, und ich wundere mich, weshalb ich alles verstehe!)
Nach Schulende stürmen alle Schüler und Schülerinnen nach draußen und zack, weg sind sie alle. Kein Plausch mehr, kein Kaffee mehr zusammen - also auch kein richtiges Kennenlernen nach der Schule. Der Grund ist nachvollziehbar: die Schüler sind alles Erwachsene, die meisten haben Familie und Kinder und zuhause wartet die Nanny auf Entlastung.
Wenn mein Compagnon und ich nicht gerade noch einkaufen müssen - ein Buch für die Schule, Lebensmittel, Ziggis oder sonstiges, geht es auf direktem Wege zurück. Daheim dann Mittagessen, ein halbes Stündchen ruhen, danach Kaffee (wieder auf der Terrasse) und lernen. Soweit mir das dann noch möglich ist, denn wenn ich ehrlich bin, schwirren mir die hebräischen Wörter wie Mücken in meinem Kopf herum: LeHitrachetz, Lehitragesch, LeHitragel und so weiter und so weiter.
Auf in den Kampf:
Gegen 16 Uhr werfe ich den Motor unseres alten Van`s wieder an und fahre entweder in den Kindergarten, dort hole ich Inbar und Carmel, zwei Töchter meiner Freundin Neta ab. (Nicht das hier einer denkt, dass wären schon alle ihrer Kinder - sie hat deren sechs!) Mit den Mädchen dann noch auf den Spielplatz ehe wir zu Nata & Yoram nach Hause fahren.
Zuhause wartet dann schon das Kleinste - Ya`arah, gerademal 6 Monate. Die restlichen Buben: Hadar (9 J.), Nitzan (8 J.) und Peleg (7 J.) sind derweil noch in irgendwelchen Sportgruppen unterwegs. Tennis, Basketball und Schwimmen. Die Buben müssen dorthin gebracht und auch wieder abgeholt werden: eine einzige Fahrerei die gut organisiert werden muss. Zwischen ins-Auto-rein-und-aus-dem-Auto-wieder-raus versuche ich etwas Ordnung in den Haushalt zu bringen. Wer selbst Kinder hat kann sich ausmalen, wie eine Wohnung aussieht, nachdem 6 Kinder darin gewütet haben - und hier wird gewütet. In Isarel hält man die antiautoritäre Erziehung für die Beste. (Na ja, meine Meinung ist hier nicht gefragt!) Wobei der Versuch von Ordnung halten ein Kampf gegen Windmühlen ist. Denn kaum sind alle Jungs wieder im Haus ist in fünf Minuten das alte Chaos wieder hergestellt. Neta & Yoram, beide voll berufstätig, sind völlig überlastet und haben im Grunde die Erziehung längst aufgegeben. In kleinen Schritten versuchen wir nun gemeinsam den Kindern beizubringen, wenigsten das allernötigste Einzuhalten: Schuhe an ihren Platz, Punkt 19 Uhr zu essen und während dem Essen weder rumzuschreien, nicht zwischendrin aufzustehen, über dem Teller zu essen und sich vor dem Essen die Hände zu waschen. Neta und Yoram nennen die kleinen Regeln, die ich einführe: die neuen Nürnberger Gesetze. - Nun, Humor muss man haben!
Vor dem Essen aber wollen die Kinder noch beschäftigt werden, d.h. für mich, meine alten Körper bewegen und mit den Jungs Fussball, Basketball oder eine andere sportliche Betätigung im Garten. (Von meinem Muskelkater will ich hier nicht berichten) Gott-sei-Dank habe ich alles rund um den Ball noch nicht vergessen und kann die Jungs mit so manchem "Kunststück" noch beeindrucken ...
Wenn alles gut läuft und Yoram pünktlich von der Arbeit kommt (was er nie tut) bin ich gegen 20 Uhr wieder auf meiner Terrasse. Aber diese 4 Stunden mit den Kindern, die Geräuschkulisse, dieses permanente Präsent sein müssen, mein konzentriertes Zuhören, was mir die Kinder denn gerade auf hebräisch erzählen oder von mir wollen, schlaucht mich derart, dass ich danach völlig platt bin.
Das Ende:
Zuhause schaut mein Compagnon isarelisches Fernsehen, meist Nachrichten oder Diskussionsrunden (seine Hebräischfortschritte sind uneinholbar!!!), für mich aber ist das dann nur noch Buchstabensalat und werfe deshalb meinen Laptop an und schaue auf der RTL-Website "Die Super-Nanny" oder "Raus aus den Schulden" oder so ein Quatsch, nur um endlich wieder etwas zu verstehen, ohne dauernd mein Gehrin auf Hochtouren laufen lassen zu müssen. Um 21:30 Uhr bin ich dann so müde, so dass ich gerade mal noch zwei oder drei Seiten in einem Buch lese (DEUTSCH!) und ruck-zuck einschlafe.
Ihr seht, wer sich also gedacht hat, ich würde mir hier in Israel einen faulen Lenz machen, der hat sich gewaltig geirrt und wer sich fragt, weshalb ich das mache, der darf mir, sofern er die Antwort gefunden hat, sie mir mitteilen.
Dienstag, 24. November 2009
Wie klingt das eigentlich?
Was nutzt die ganz Theorie, besonders dann, wenn einige von Euch eventuel noch nie die hebräische Sprache gehört haben. Deshalb hier mal eine kurze Hörprobe aus dem Film: Der König der Löwen. Der kurze Ausschnitt ist in hebräisch und einer hilfreichen Lautschrift untertitelt.
Viel Spaß!
Viel Spaß!
Hebräisch - alles hat seine Wurzeln
2. Lektion:
In der ersten Lektion habe ich geschrieben, dass man, je mehr hebräisch man kann, umso weniger versteht man. (Oder andersrum!) Nun, so ganz richtig war der Satz natürlich nicht; eher hätte ich schreiben müssen: Je mehr Hebräisch man versteht, umso mehr wird klar, wie viel es noch zu lernen gibt.
Das wirklich gute an Hebräisch ist das System: irgendwie ist Hebräisch wie Mathematik (Nein, nicht wie eine Gleichung mit zwei Unbekannten!).
Fangen wir mal mit den Verben an:
Alle Verben haben sog. Wurzelbuchstaben, meistens deren 3, manchmal aber deren 4 (Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel). Beispiel gefällig? Okay - das Verb schreiben = cotev כותב , da die Vokale nicht geschrieben werden bleiben also die Buchstaben c + t + v übrig. Das sind die drei Wurzeln:ctv. Wenn man nun ein Wort liest, welches man noch nicht kennt, suche man einfach die 3 Wurzeln und kann somit zumindest mal ableiten, mit was dieses neue Wort in Verbindung steht.
Beispiel: mictav מכתב. In diesem Wort sind also die drei Wurzeln ctv zu finden. Jetzt wissen wir immerhin schon, dass das Wort irgendwas mit schreiben zu tun hat. Und siehe da, tatsächlich, dass Wort mictav heißt Brief.
Oder nehmen wir das Wort cetovet כתובת = Adresse, und wieder finden wir die Buchstaben ctv vor. Und so geht es mit allen Wörtern die irgendetwas mit Schreiben zu tun haben munter weiter und wir sind nun schon fähig unseren ersten hebräischen Satz zu bilden:
Ani cotev mictav = Ich schreibe einen Brief = אני כותב מכתב
Diese System der Wurzel ist kein Monopol der Hebräischen Sprache, sondern aller semitischen Sprachen. Da die Hebräische Sprache lange ein "tote" Sprache war, wurden erst im 11. Jahrhundert viele grammatikalische Regelungen aus der arabischen Sprache übernommen, die wiederum sich dem damals schon weit entwickelten Persisch angelehnt hatte.
Bei der nächsten Lektion tauchen wir etwas tiefer ein in die Mathematik des Hebräisch ein.
In der ersten Lektion habe ich geschrieben, dass man, je mehr hebräisch man kann, umso weniger versteht man. (Oder andersrum!) Nun, so ganz richtig war der Satz natürlich nicht; eher hätte ich schreiben müssen: Je mehr Hebräisch man versteht, umso mehr wird klar, wie viel es noch zu lernen gibt.
Das wirklich gute an Hebräisch ist das System: irgendwie ist Hebräisch wie Mathematik (Nein, nicht wie eine Gleichung mit zwei Unbekannten!).
Fangen wir mal mit den Verben an:
Alle Verben haben sog. Wurzelbuchstaben, meistens deren 3, manchmal aber deren 4 (Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel). Beispiel gefällig? Okay - das Verb schreiben = cotev כותב , da die Vokale nicht geschrieben werden bleiben also die Buchstaben c + t + v übrig. Das sind die drei Wurzeln:ctv. Wenn man nun ein Wort liest, welches man noch nicht kennt, suche man einfach die 3 Wurzeln und kann somit zumindest mal ableiten, mit was dieses neue Wort in Verbindung steht.
Beispiel: mictav מכתב. In diesem Wort sind also die drei Wurzeln ctv zu finden. Jetzt wissen wir immerhin schon, dass das Wort irgendwas mit schreiben zu tun hat. Und siehe da, tatsächlich, dass Wort mictav heißt Brief.
Oder nehmen wir das Wort cetovet כתובת = Adresse, und wieder finden wir die Buchstaben ctv vor. Und so geht es mit allen Wörtern die irgendetwas mit Schreiben zu tun haben munter weiter und wir sind nun schon fähig unseren ersten hebräischen Satz zu bilden:
Ani cotev mictav = Ich schreibe einen Brief = אני כותב מכתב
Diese System der Wurzel ist kein Monopol der Hebräischen Sprache, sondern aller semitischen Sprachen. Da die Hebräische Sprache lange ein "tote" Sprache war, wurden erst im 11. Jahrhundert viele grammatikalische Regelungen aus der arabischen Sprache übernommen, die wiederum sich dem damals schon weit entwickelten Persisch angelehnt hatte.
Bei der nächsten Lektion tauchen wir etwas tiefer ein in die Mathematik des Hebräisch ein.
Montag, 23. November 2009
Hoffnung für Gilad Shalit
An jeder Ecke, in allen Nachrichten, als Titel auf jeder Tageszeitung: das Thema des Tages in Israel: Gilad Shalit, der israelische Soldat der vor mehr als 3 Jahren von der Hamas entführt wurde, soll endlich freikommen. Das erste und bisher letzte Lebenszeichen war vor knapp einem Monat ein Video, indem der junge Mann eine Brief verlas. Seither liefen wohl unter der Hand die Verhandlungen und nun soll es schnell gehen. Ihm und seinen Eltern, die die israelische Regierung harsch für ihre Handlungsunfähigkeit angreifen, ist es zu wünschen.
Aber, wie heißt es so schön: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben - besonders nicht, wenn man mit der Hamas verhandeln muss!
Unten ein Artikel zu den neuesten Entwicklungen:
GAZA, 23. November (RIA Novosti). Die Bewegung Hamas hofft auf eine Einigung mit Israels Behörden, nach der mehrere Hundert Palästinenser im Austausch gegen den gefangen genommenen israelischen Soldaten Gilad Shalit bis Ende dieser Woche aus israelischen Gefängnissen entlassen werden sollen.
Wie die israelische Zeitung "Haaretz" am Montag schreibt, ist die Freilassung von Shalit, der sich seit mehr als drei Jahren in palästinensischer Gefangenschaft befindet, die ausschlaggebende Bedingung für die Aufhebung der Wirtschaftsblockade des von der Hamas kontrollierten Gaza-Streifens mit seinen 1,5 Millionen Einwohnern.
Aiman Tahu, einer der Hamas-Führer, stellte "Fortschritte in dieser Frage" fest, so das Blatt. Er äußerte seine Hoffnung darauf, dass der Fahrplan der Einigung bis zum moslemischen Fest Ad al Adha am kommenden Freitag abgestimmt werde.
Nach Angaben des Fernsehsenders Al Arabia wird am Montag ein Treffen zwischen der Hamas-Führung und führenden Politikern Syriens in Kairo stattfinden, bei dem eine Antwort auf das israelische Angebot formuliert werden soll. Wie der Fernsehsender berichtet, wird Shalit bei einem positiven Ausgang schon in den nächsten Tagen an Ägypten übergeben und von dort aus in seine Heimat zurückkehren.
Israels Präsident Shimon Peres bestätigte am Vortag die Informationen über Fortschritte bei den Verhandlungen, die unter Vermittlung Ägyptens und Deutschlands geführt werden. "Jeder weiß, dass es Fortschritte gibt, und ich hoffe, dass dies zu einem Resultat führt", sagte Peres im israelischen Fernsehen nach seinem Treffen mit Ägyptens Staatschef Hosni Mubarak. Er wollte allerdings nicht auf Einzelheiten eingehen.
Aber, wie heißt es so schön: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben - besonders nicht, wenn man mit der Hamas verhandeln muss!
Unten ein Artikel zu den neuesten Entwicklungen:
GAZA, 23. November (RIA Novosti). Die Bewegung Hamas hofft auf eine Einigung mit Israels Behörden, nach der mehrere Hundert Palästinenser im Austausch gegen den gefangen genommenen israelischen Soldaten Gilad Shalit bis Ende dieser Woche aus israelischen Gefängnissen entlassen werden sollen.
Wie die israelische Zeitung "Haaretz" am Montag schreibt, ist die Freilassung von Shalit, der sich seit mehr als drei Jahren in palästinensischer Gefangenschaft befindet, die ausschlaggebende Bedingung für die Aufhebung der Wirtschaftsblockade des von der Hamas kontrollierten Gaza-Streifens mit seinen 1,5 Millionen Einwohnern.
Aiman Tahu, einer der Hamas-Führer, stellte "Fortschritte in dieser Frage" fest, so das Blatt. Er äußerte seine Hoffnung darauf, dass der Fahrplan der Einigung bis zum moslemischen Fest Ad al Adha am kommenden Freitag abgestimmt werde.
Nach Angaben des Fernsehsenders Al Arabia wird am Montag ein Treffen zwischen der Hamas-Führung und führenden Politikern Syriens in Kairo stattfinden, bei dem eine Antwort auf das israelische Angebot formuliert werden soll. Wie der Fernsehsender berichtet, wird Shalit bei einem positiven Ausgang schon in den nächsten Tagen an Ägypten übergeben und von dort aus in seine Heimat zurückkehren.
Israels Präsident Shimon Peres bestätigte am Vortag die Informationen über Fortschritte bei den Verhandlungen, die unter Vermittlung Ägyptens und Deutschlands geführt werden. "Jeder weiß, dass es Fortschritte gibt, und ich hoffe, dass dies zu einem Resultat führt", sagte Peres im israelischen Fernsehen nach seinem Treffen mit Ägyptens Staatschef Hosni Mubarak. Er wollte allerdings nicht auf Einzelheiten eingehen.
Sonntag, 22. November 2009
Hinhören lohnt sich ...
Israelische Musik - damit verbinden die Älteren unter uns Esther & Abi Ofraim, Daliah Lavi (die kein Mench in Israel kennt)und vielleicht noch Dana International, die 1998 überraschend den Eurovision Songcontest gewonnen hatte. Nichts weltbewegendes also - ABER, weit gefehlt!
Isarelische Musik hat viel mehr zu bieten als die oben genannten und ihre hausbackenen Kompositionen, besonders weil die hebräische Sprache zu wunderbar zu singen ist.
Ganz besonders prägnant benutzt David Broza Sprache, seine Stimme und Musik. Ich höre ihn seit Jahren, hatte aber bisher nie das Vergnügen ihn live zu erleben - und gerade eben erfahre ich, dass er heute abend in Rishon-le-Zion sein letztes Konzert seiner diesjährigen Tour im Lande gibt. ZU spät - ausverkauft!
Hier ein Ausschnitt seines Konzertes auf der Festung Mezada am Toten Meer. Das Lied heißt: Schir Ahawa Bedu`i = beduinisches Liebeslied
Von Zeit zu Zeit werde ich hier mehr Sänger & Sängerinnen vorstellen.
Isarelische Musik hat viel mehr zu bieten als die oben genannten und ihre hausbackenen Kompositionen, besonders weil die hebräische Sprache zu wunderbar zu singen ist.
Ganz besonders prägnant benutzt David Broza Sprache, seine Stimme und Musik. Ich höre ihn seit Jahren, hatte aber bisher nie das Vergnügen ihn live zu erleben - und gerade eben erfahre ich, dass er heute abend in Rishon-le-Zion sein letztes Konzert seiner diesjährigen Tour im Lande gibt. ZU spät - ausverkauft!
Hier ein Ausschnitt seines Konzertes auf der Festung Mezada am Toten Meer. Das Lied heißt: Schir Ahawa Bedu`i = beduinisches Liebeslied
Von Zeit zu Zeit werde ich hier mehr Sänger & Sängerinnen vorstellen.
Samstag, 21. November 2009
Humor, Hoffnung & Holocaust sind universell
Humor und Holocaust, passt das zusammen? Oder gar Hoffnung und der Holocaust?
Bei uns in Deutschland wird das Thema Holocaust natürlich mit Ernsthaftigkeit und von der schwere der Schuld herunterhängenden Schultern behandelt. Nicht schon wieder Holocaust, ist oft der allgemeine Tenor, wenn mal wieder diese schrecklichen Bilder im TV gezeigt werden.
Immer und immer wieder die Fragen: Wie konnte das passieren; Weshalb hat es niemand verhindert. Fragen die niemand beantworten kann. Aus meiner Generation ist sich jeder Deutsche sicher, dass es in seiner Familie keine Nazi`s gegeben hat - auch ich bin mir da sicher. Mein Großvater war in der Wehrmacht, hat an irgendwelchen Fronten gekämpft, sich eine Schußverletzung im Rücken zu gezogen. Für ihn war damit der Krieg zuenede und er aus dem Schneider. Mein liebevoller, verschmuster Opa ein Nazi? Niemals!
Bei den Israelis sieht das ganz anders aus. Da kann sich, da muss sich jeder Jude, dessen Eltern oder Großeltern aus Europa kamen sicher sein, dass sie auf irgendeine Weise Opfer des Holocaust waren. Vielen Israelis meiner Generation fehlen Teile ihrer Familie. Der Großvater mütterlicherseits, die Schwester des Vaters, ein Cousin oder mehrere Familienmitglieder sind "im Gas geblieben" - wie es die Israelis ausdrücken. Der Vater einer isarelischen Freundin, ein ungarischer Jude, verlor sage und schreibe 87 Mitglieder seiner Familie, darunter Brüder, Schwestern und seine Mutter in Auschwitz.
Den Isarelis klebt der Holocaust viel fester, viel dichter an der Seele als uns Deutschen. Der immer öfters zu hörende Ruf vieler Deutsche: "Jetzt muss aber mal endlich Schluß sein!" empfinde ich als zynisch und ohne Mitgefühl.
Sicher, es ist nicht angenehm immer und überall auf der Welt auf unsere Vergangenheit, Hitler und den Holocaust angesprochen zu werden - aber ist es denn den Israelis angenehm, immer und überall, ihr Leben lang auf die verlorenen Familienmitglieder, die Trauer von Oma oder Vater angesprochen, ja täglich daran erinnert zu werden. Die Israelis der zweiten und dritten Generation hätten sich bestimmt auch etwas angenehmers, ein anderes Leben gewünscht, als dass, zu welchem sie der Holocaust "gezwungen" hat.
Viele Israelis haben vom Holocaust, auf gut deutsch gesagt, genauso die Sch***e voll, wie viele Deutsche.
Am Freitag vergangener Woche war ich, wie schon erwähnt, bei einer Lesung des HaBima-Theaters in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus. Einige der TExte hatte ich im Vorfeld schon gelesen und meinen Unmut über die deutschen Texte hier geäußert.
Die Veranstaltung fand in Jaffo (da, wo die Orangen herkommen!) im "Blinden- und Taub-Stummen Zentrum" (Marces Na Laga`at = Zentrum zum Berühren) statt . Ein wunderbarer Ort, eine ehemalige britsiche Zollhalle aus dem letzten Jahrhundert, wunderschön restauriert; direkt am Hafen, der mehr und mehr renoviert und restauriert wird: Bistros, Galerien, Restaurants, off-Kinos und Boutiquen reihen sich an der Kaimauer entlang. Sehen und gesehen werden ist mittlerweile auch in Israel ein Volkssport geworden.
Die Lesung war sehr gut besucht und begann, wie alles in Israel - etwas später als geplant (aber nur 30 Minuten). Die israelischen Vorträge waren beeindruckend, auchw enn ich aufgrund meiner (noch) rudimentären Sprachkenntnisse der Hälfte zuhörte und die andere Hälfte in meiner Muttersprache auf meim Laptop mitlas.
Wie auch in dem Film "LaLechet al HaMim" (=Über das Wasser gehen) wohnt dem israelischen Umgang mit dem Holocaust und dem heutigen Verhältnis zwischen Juden und Deutschen bzw. Deutschland und Israel eine enrome Hoffnung inne. Die jungen israelischen Künstler bringen ungeheuer viel Kraft und Fantasie auf "den Deutschen" entgegen zu gehen, neue Wege zu eröffnen und den Dialog zu suchen. Kommunikation, Vergebung und sogar Empathie für Nachkommen der Täter sind regelrecht fühlbar. Und dies vermitteln sie mit hintergründigem Witz, dieser speziellen Art des jüdischen Humores und einer respektablen Fähigkeit zur Selbstkritik.
Als "Pausenfüller" gab eine kleine Gesangsgruppe ein Lied zum Besten, was dies alles noch unterstrich. Der Titel des Liedes "HaArbeit scheli lo Arbeit schelach!" - Meine Arbeit ist nicht Deine Arbeit, angelehnt an den Nazi-Spruch: Arbeit macht frei! Dieses Lied, hinterlegt mit be-swingter Musik a la 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, klang wie ein Evergreen, das Publikum klatschte und wippte beschwingt mit den Beinen. Fast hätte man Lust gehabt zu tanzen, wenn nicht - ja wenn nicht das Thema des Liedes so "schwer" gewesen wäre:
Refrain: frei übersetzt
Sobibor, Trebilinka und Oswicem,
haben uns das arbeiten geleehrt."
Bei uns in Deutschland wird das Thema Holocaust natürlich mit Ernsthaftigkeit und von der schwere der Schuld herunterhängenden Schultern behandelt. Nicht schon wieder Holocaust, ist oft der allgemeine Tenor, wenn mal wieder diese schrecklichen Bilder im TV gezeigt werden.
Immer und immer wieder die Fragen: Wie konnte das passieren; Weshalb hat es niemand verhindert. Fragen die niemand beantworten kann. Aus meiner Generation ist sich jeder Deutsche sicher, dass es in seiner Familie keine Nazi`s gegeben hat - auch ich bin mir da sicher. Mein Großvater war in der Wehrmacht, hat an irgendwelchen Fronten gekämpft, sich eine Schußverletzung im Rücken zu gezogen. Für ihn war damit der Krieg zuenede und er aus dem Schneider. Mein liebevoller, verschmuster Opa ein Nazi? Niemals!
Bei den Israelis sieht das ganz anders aus. Da kann sich, da muss sich jeder Jude, dessen Eltern oder Großeltern aus Europa kamen sicher sein, dass sie auf irgendeine Weise Opfer des Holocaust waren. Vielen Israelis meiner Generation fehlen Teile ihrer Familie. Der Großvater mütterlicherseits, die Schwester des Vaters, ein Cousin oder mehrere Familienmitglieder sind "im Gas geblieben" - wie es die Israelis ausdrücken. Der Vater einer isarelischen Freundin, ein ungarischer Jude, verlor sage und schreibe 87 Mitglieder seiner Familie, darunter Brüder, Schwestern und seine Mutter in Auschwitz.
Den Isarelis klebt der Holocaust viel fester, viel dichter an der Seele als uns Deutschen. Der immer öfters zu hörende Ruf vieler Deutsche: "Jetzt muss aber mal endlich Schluß sein!" empfinde ich als zynisch und ohne Mitgefühl.
Sicher, es ist nicht angenehm immer und überall auf der Welt auf unsere Vergangenheit, Hitler und den Holocaust angesprochen zu werden - aber ist es denn den Israelis angenehm, immer und überall, ihr Leben lang auf die verlorenen Familienmitglieder, die Trauer von Oma oder Vater angesprochen, ja täglich daran erinnert zu werden. Die Israelis der zweiten und dritten Generation hätten sich bestimmt auch etwas angenehmers, ein anderes Leben gewünscht, als dass, zu welchem sie der Holocaust "gezwungen" hat.
Viele Israelis haben vom Holocaust, auf gut deutsch gesagt, genauso die Sch***e voll, wie viele Deutsche.
Am Freitag vergangener Woche war ich, wie schon erwähnt, bei einer Lesung des HaBima-Theaters in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus. Einige der TExte hatte ich im Vorfeld schon gelesen und meinen Unmut über die deutschen Texte hier geäußert.
Die Veranstaltung fand in Jaffo (da, wo die Orangen herkommen!) im "Blinden- und Taub-Stummen Zentrum" (Marces Na Laga`at = Zentrum zum Berühren) statt . Ein wunderbarer Ort, eine ehemalige britsiche Zollhalle aus dem letzten Jahrhundert, wunderschön restauriert; direkt am Hafen, der mehr und mehr renoviert und restauriert wird: Bistros, Galerien, Restaurants, off-Kinos und Boutiquen reihen sich an der Kaimauer entlang. Sehen und gesehen werden ist mittlerweile auch in Israel ein Volkssport geworden.
Die Lesung war sehr gut besucht und begann, wie alles in Israel - etwas später als geplant (aber nur 30 Minuten). Die israelischen Vorträge waren beeindruckend, auchw enn ich aufgrund meiner (noch) rudimentären Sprachkenntnisse der Hälfte zuhörte und die andere Hälfte in meiner Muttersprache auf meim Laptop mitlas.
Wie auch in dem Film "LaLechet al HaMim" (=Über das Wasser gehen) wohnt dem israelischen Umgang mit dem Holocaust und dem heutigen Verhältnis zwischen Juden und Deutschen bzw. Deutschland und Israel eine enrome Hoffnung inne. Die jungen israelischen Künstler bringen ungeheuer viel Kraft und Fantasie auf "den Deutschen" entgegen zu gehen, neue Wege zu eröffnen und den Dialog zu suchen. Kommunikation, Vergebung und sogar Empathie für Nachkommen der Täter sind regelrecht fühlbar. Und dies vermitteln sie mit hintergründigem Witz, dieser speziellen Art des jüdischen Humores und einer respektablen Fähigkeit zur Selbstkritik.
Als "Pausenfüller" gab eine kleine Gesangsgruppe ein Lied zum Besten, was dies alles noch unterstrich. Der Titel des Liedes "HaArbeit scheli lo Arbeit schelach!" - Meine Arbeit ist nicht Deine Arbeit, angelehnt an den Nazi-Spruch: Arbeit macht frei! Dieses Lied, hinterlegt mit be-swingter Musik a la 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, klang wie ein Evergreen, das Publikum klatschte und wippte beschwingt mit den Beinen. Fast hätte man Lust gehabt zu tanzen, wenn nicht - ja wenn nicht das Thema des Liedes so "schwer" gewesen wäre:
Refrain: frei übersetzt
Sobibor, Trebilinka und Oswicem,
haben uns das arbeiten geleehrt."
Donnerstag, 19. November 2009
Der Israeli ist ein Kaktus
Wer oder was ist der "gemeine" Israeli? Gibt es überhaupt den Isareli?
Ein kurzer Text aus dem Hebräisch-Schulbuch, den ein Bekannter und ich übersetzt haben, gibt einen wirklich guten Einblick. Während der Lektüre habe ich viele meiner israelischen Bekannten in der Beschreibung erkannt und mich deshalb entschlossen, die Übersetzung hier zu posten.
Besser kann man den Israeli nicht beschreiben, als mit folgenden Worten:
"Wer in Israel geboren und aufgewachsen ist, wird „Sabre“ genannt, nach dem Namen eines Feigenkaktus. Der Charakter des Israelis ähnelt sehr dieser Pflanze, die Außen stachelig, Innen aber süß und saftige ist.
So ist auch der Israeli.
Er ist manchmal sarkastisch und frech, aber in seiner Weise gutherzig und lieb. Man braucht nur zu dem süßem Teil der Frucht vorzukommen, ohne gestochen zu werden…
Der durchschnittliche Israeli ist nicht höflich und geduldig, aber er ist gutmütig und warmherzig. Wenn er die Möglichkeit hat zu helfen und jemanden zu unterstützen, macht er dies mit Leib und Seele. Der Israeli der in Israel geboren ist, mag den schnellen Lebenstakt. Er liebt es zu verreisen, seine Zeit zu vertreiben (man könnte auch verschwenden schreiben, Anm. der Autorin) und öfters seine Autos zu wechseln. (Deutsche Autos bevorzugt, Anm. der Autorin) Im Allgemeinen beeilt er sich: beim Reden, beim Fahren und beim Essen und der Konversation. Er hat nicht immer Zeit dem anderen zuzuhören und Bücher zu lesen. Er beschäftigt sich mit Sport, aber unregelmäßig und spontan. Und er achtet nicht auf die richtige Ernährung. Er sagt immer: „Verlasse Dich auf mich, alles wird gut!“ (Nina Ruge lässt grüßen) Aber er kommt immer zu spät, vergisst und verschiebt Termine und hält seine Versprechungen nicht, plant Dinge, die er letztendlich nicht durchführt. Er überlegt, wie viel Geld er verdienen wird oder wie er es anstellen kann, etwas nicht zu tun, um es sich im Leben bequemer zu machen und auf seine Art und Weise erfolgreich zu sein.
Der Israeli liebt es im Mittelpunkt zu stehen und buchstäblich überall von sich hören zu lassen – und dies mit unüberhörbarer Stimme. Es ist schwer mit ihm zu diskutieren, weil er davon überzeugt ist, dass er immer recht hat und die anderen Falsch liegen. Er ist konservativ und hat rückständige Meinungen. Wenn man mit ihm z. B. ein Treffen um 17 Uhr ausmacht, sollte man ihn nicht vor 18 Uhr erwarten. So ist es.
Er arbeitet nach einer anderen Uhr…
Nichts desto trotz ist in ihm etwas besonderes, was nirgendwo anders gefunden wird: Er sagt immer was er denkt und fühlt, ohne zu schauspielern und ohne Maske.
Vladimir ist ein russischer Künstler, der vor zwei Jahren aus Moskau einwanderte. Seiner Meinung nach, sind die Israelis gute Menschen, aber sie sind zu laut und verletzten andere in ihren Gefühlen – wenn auch nicht immer aus einer bösen Absicht. Sie mischen sich in das Leben andere ein. Ihr Verhalten ist nicht kultiviert. Sie interessieren sich zwar für Kultur, aber lesen nicht viel. In den Straßen sind viel mehr Kaffee-Häuser und Restaurant als Buchläden.
Vladimir sagt, dass er sich zwar noch nicht als Israeli fühlt, aber dass er gelernt hat, anzunehmen was es in Israel gibt und manchmal sieht er in all diesen Dingen auch Vorteile. Er fühlt überall den israelischen Lebenspuls und hat sich schon an den intensiven und schnellen Lebenswandel gewöhnt.
Irena, Buchhalterin, stammt von spanischen Juden ab und ihr Chef fragt sie immer wieder, wie es ihr geht und schätzt ihre Arbeit sehr. Manchmal, wenn der Arbeitsalltag stressig ist, ist sie bereit Überstunden zu machen – damit der Chef zufrieden ist. Aber wenn sie ihrem Chef dagegen sagt, dass sie nicht länger bleiben kann, dann ist er verärgert. Er mag es viel Geld zu verdienen, aber er ist nicht bereit für dies auch einen Gegenwert zu geben. Nicht immer weiß der Israeli die Grenze zwischen Nehmen und Geben zu wahren.
Im Gegenteil zu ihrem Chef ist die Nachbarin von Irena, eine alteingesessene Israelin, anders gestrickt. Als Irena in das Haus eingezogen ist, kam die Nachbarin sofort um alles über Irena zu erfahren. Sie fragte viel über ihre Familie. Hinterher kam sie öfters zu Irena zu Besuch, um etwas zu bringen oder nach etwas zu Fragen. Im Laufe der Zeit hat sich Irena an die Nachbarin gewöhnt und deren Verhalten stört sie nicht mehr. Wenn Irena mal keinen Babysitter findet, passt die Nachbarin auf die Kinder auf und lehnt es ab, dafür Geld zu nehmen. Irena hat gelernt die wertvollen Dinge in Israel zu bemerken und zu schätzen. Nicht alle Israelis sind so, aber es muss über den durchschnittlichen Israelis geredet werden, um die wirklichen Eigenschaften, die Stärken und die Schwächen der meisten Israelis zu verstehen."
Besser, kürzer und treffender kann man es nicht ausdrücken.
Wie würde wohl ein solcher Text über den durchschnittlichen Deutschen aussehen?
Ein kurzer Text aus dem Hebräisch-Schulbuch, den ein Bekannter und ich übersetzt haben, gibt einen wirklich guten Einblick. Während der Lektüre habe ich viele meiner israelischen Bekannten in der Beschreibung erkannt und mich deshalb entschlossen, die Übersetzung hier zu posten.
Besser kann man den Israeli nicht beschreiben, als mit folgenden Worten:
"Wer in Israel geboren und aufgewachsen ist, wird „Sabre“ genannt, nach dem Namen eines Feigenkaktus. Der Charakter des Israelis ähnelt sehr dieser Pflanze, die Außen stachelig, Innen aber süß und saftige ist.
So ist auch der Israeli.
Er ist manchmal sarkastisch und frech, aber in seiner Weise gutherzig und lieb. Man braucht nur zu dem süßem Teil der Frucht vorzukommen, ohne gestochen zu werden…
Der durchschnittliche Israeli ist nicht höflich und geduldig, aber er ist gutmütig und warmherzig. Wenn er die Möglichkeit hat zu helfen und jemanden zu unterstützen, macht er dies mit Leib und Seele. Der Israeli der in Israel geboren ist, mag den schnellen Lebenstakt. Er liebt es zu verreisen, seine Zeit zu vertreiben (man könnte auch verschwenden schreiben, Anm. der Autorin) und öfters seine Autos zu wechseln. (Deutsche Autos bevorzugt, Anm. der Autorin) Im Allgemeinen beeilt er sich: beim Reden, beim Fahren und beim Essen und der Konversation. Er hat nicht immer Zeit dem anderen zuzuhören und Bücher zu lesen. Er beschäftigt sich mit Sport, aber unregelmäßig und spontan. Und er achtet nicht auf die richtige Ernährung. Er sagt immer: „Verlasse Dich auf mich, alles wird gut!“ (Nina Ruge lässt grüßen) Aber er kommt immer zu spät, vergisst und verschiebt Termine und hält seine Versprechungen nicht, plant Dinge, die er letztendlich nicht durchführt. Er überlegt, wie viel Geld er verdienen wird oder wie er es anstellen kann, etwas nicht zu tun, um es sich im Leben bequemer zu machen und auf seine Art und Weise erfolgreich zu sein.
Der Israeli liebt es im Mittelpunkt zu stehen und buchstäblich überall von sich hören zu lassen – und dies mit unüberhörbarer Stimme. Es ist schwer mit ihm zu diskutieren, weil er davon überzeugt ist, dass er immer recht hat und die anderen Falsch liegen. Er ist konservativ und hat rückständige Meinungen. Wenn man mit ihm z. B. ein Treffen um 17 Uhr ausmacht, sollte man ihn nicht vor 18 Uhr erwarten. So ist es.
Er arbeitet nach einer anderen Uhr…
Nichts desto trotz ist in ihm etwas besonderes, was nirgendwo anders gefunden wird: Er sagt immer was er denkt und fühlt, ohne zu schauspielern und ohne Maske.
Vladimir ist ein russischer Künstler, der vor zwei Jahren aus Moskau einwanderte. Seiner Meinung nach, sind die Israelis gute Menschen, aber sie sind zu laut und verletzten andere in ihren Gefühlen – wenn auch nicht immer aus einer bösen Absicht. Sie mischen sich in das Leben andere ein. Ihr Verhalten ist nicht kultiviert. Sie interessieren sich zwar für Kultur, aber lesen nicht viel. In den Straßen sind viel mehr Kaffee-Häuser und Restaurant als Buchläden.
Vladimir sagt, dass er sich zwar noch nicht als Israeli fühlt, aber dass er gelernt hat, anzunehmen was es in Israel gibt und manchmal sieht er in all diesen Dingen auch Vorteile. Er fühlt überall den israelischen Lebenspuls und hat sich schon an den intensiven und schnellen Lebenswandel gewöhnt.
Irena, Buchhalterin, stammt von spanischen Juden ab und ihr Chef fragt sie immer wieder, wie es ihr geht und schätzt ihre Arbeit sehr. Manchmal, wenn der Arbeitsalltag stressig ist, ist sie bereit Überstunden zu machen – damit der Chef zufrieden ist. Aber wenn sie ihrem Chef dagegen sagt, dass sie nicht länger bleiben kann, dann ist er verärgert. Er mag es viel Geld zu verdienen, aber er ist nicht bereit für dies auch einen Gegenwert zu geben. Nicht immer weiß der Israeli die Grenze zwischen Nehmen und Geben zu wahren.
Im Gegenteil zu ihrem Chef ist die Nachbarin von Irena, eine alteingesessene Israelin, anders gestrickt. Als Irena in das Haus eingezogen ist, kam die Nachbarin sofort um alles über Irena zu erfahren. Sie fragte viel über ihre Familie. Hinterher kam sie öfters zu Irena zu Besuch, um etwas zu bringen oder nach etwas zu Fragen. Im Laufe der Zeit hat sich Irena an die Nachbarin gewöhnt und deren Verhalten stört sie nicht mehr. Wenn Irena mal keinen Babysitter findet, passt die Nachbarin auf die Kinder auf und lehnt es ab, dafür Geld zu nehmen. Irena hat gelernt die wertvollen Dinge in Israel zu bemerken und zu schätzen. Nicht alle Israelis sind so, aber es muss über den durchschnittlichen Israelis geredet werden, um die wirklichen Eigenschaften, die Stärken und die Schwächen der meisten Israelis zu verstehen."
Besser, kürzer und treffender kann man es nicht ausdrücken.
Wie würde wohl ein solcher Text über den durchschnittlichen Deutschen aussehen?
Das kleine Alef, Bet und Gimmel ...
Schule ist Schule, da ist es egal in welchem Land man lebt. Auch in Israel beginnt die Schule um 8 Uhr morgens (sollte man meinen) und dauert in der Regel bis 13 Uhr. Das mit der Pünktlichkeit müssen in Israel aber nicht nur die Eltern, die Schüler sondern auch die Lehrer erst noch etwas üben. Heute Morgen jedenfalls trudelten die meisten Kinder der 1. Klasse erst kurz nach 8 Uhr ein und siehe da, die Lehrerin Iris (in Israel wird kein Mensch mit Nachnamen angesprochen, nicht einmal der Staatspräsident!) kam sogar erst 15 Minuten nach 8 Uhr.
Schule ist Schule, egal in welchem Land, aber Schulen sind nicht überall Schulen wie wir sie aus Deutschland kennen. Die „Gesamtschule“ in der ich heute morgen Gast sein durfte erstaunte mich zunächst mit ihrer Größe und Weitläufigkeit, dann aber erschreckte sie mich etwas mit ihrem Zustand. Mir scheint, der israelische Bildungsetat erlaubt keine täglichen Reinigungskräfte: Fenster und Boden verdreckt, Mülleimer nicht ausgeleert, der Schulhof sah aus wie nach einem nächtlichen Sandsturm. Auch sonst scheint das Geld nicht gerade locker zu sitzen: die Abnutzungserscheinungen am Mobiliar sowie Inventar unübersehbar, halbfertige Spielplätze deren Sicherheitsvorkehrungen deutsche Eltern auf den Plan rufen würden, offene Steckdosen und elektrische Leitungen die von irgendwoher irgendwohin verlaufen.
Das Klassenzimmer ein riesiger Raum, nackte Fliesen, die um diese Jahreszeit fast Reif ansetzen – und dennoch saßen die Kinder die halbe Unterrichtszeit auf dem Boden: Blasenentzündung inbegriffen. Die Wände sind mit Filz bezogen, auf denen Bilder, Plakate, Ankündigungen und natürlich das kleine Ein-mal-eins sowie das Alef, Bet, Gimmel in Comic-Form angeheftet sind.
Und damit die kleinen und größeren Israelis auch gute und richtige Patrioten werden, hängen direkt neben jeder Klassentür die israelische Flagge, das israelische Staatswappen (Menorah, der siebenarmige Leuchter) sowie die Gesichter des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, der Oberbefehlshaber der israelischen Armee, Gabi Ashkenasi sowie der Staatspräsident Shimon Peres. Im hinteren Teil des Klassenzimmers gibt es eine kleine Sitzecke: Tisch, gemütliches Sofa und drum herum Regale voller Bücher.
Der Unterricht gestaltet sich wie ein Unterricht in wohl allen Schulen dieser Welt und oh Wunder, keines der Kinder schreit: Ani rotzeh! Es herrscht so was wie Ordnung, es reicht ein strenger Blick von Iris und die Kinder sind still und erledigen ihre Aufgaben. In manchen Klassen, in denen es lernschwache Schüler gibt, wird die Lehrerin von einer oder gar zwei Assistentinnen unterstützt. So kommt kein Kind zu kurz. Um 9:40 Uhr klingelt es zur großen Pause und siehe da, kein Kind springt auf und rennt auf den Schulhof. Alle packen sorgsam ihre mitgebrachten Brote, Bananen und Äpfel aus, sitzen still an ihrem Platz und frühstücken. Erst wenn alle gegessen haben, darf der Spieltrieb durchbrechen. Kol HaCavot = Alle Achtung!
Ach ja, und auf meine Frage, weshalb Iris denn erst 15 Minuten nach dem eigentlichen Unterrichtsbeginn im Klassenzimmer erschien, erhielt ich folgende Antwort: „Meine Arbeitszeit beginnt um 8 Uhr und ich brauche vom Lehrerzimmer bis ins Klassenzimmer 10 Minuten!“ Ich habe mich dann auch nur gefragt, ob sie auch 10 Minuten vor Unterrichtsende geht, damit sie pünktlich wieder im Lehrerzimmer ist?
Lehrerin müsste man sein – aber nur in Israel!
Schule ist Schule, egal in welchem Land, aber Schulen sind nicht überall Schulen wie wir sie aus Deutschland kennen. Die „Gesamtschule“ in der ich heute morgen Gast sein durfte erstaunte mich zunächst mit ihrer Größe und Weitläufigkeit, dann aber erschreckte sie mich etwas mit ihrem Zustand. Mir scheint, der israelische Bildungsetat erlaubt keine täglichen Reinigungskräfte: Fenster und Boden verdreckt, Mülleimer nicht ausgeleert, der Schulhof sah aus wie nach einem nächtlichen Sandsturm. Auch sonst scheint das Geld nicht gerade locker zu sitzen: die Abnutzungserscheinungen am Mobiliar sowie Inventar unübersehbar, halbfertige Spielplätze deren Sicherheitsvorkehrungen deutsche Eltern auf den Plan rufen würden, offene Steckdosen und elektrische Leitungen die von irgendwoher irgendwohin verlaufen.
Das Klassenzimmer ein riesiger Raum, nackte Fliesen, die um diese Jahreszeit fast Reif ansetzen – und dennoch saßen die Kinder die halbe Unterrichtszeit auf dem Boden: Blasenentzündung inbegriffen. Die Wände sind mit Filz bezogen, auf denen Bilder, Plakate, Ankündigungen und natürlich das kleine Ein-mal-eins sowie das Alef, Bet, Gimmel in Comic-Form angeheftet sind.
Und damit die kleinen und größeren Israelis auch gute und richtige Patrioten werden, hängen direkt neben jeder Klassentür die israelische Flagge, das israelische Staatswappen (Menorah, der siebenarmige Leuchter) sowie die Gesichter des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, der Oberbefehlshaber der israelischen Armee, Gabi Ashkenasi sowie der Staatspräsident Shimon Peres. Im hinteren Teil des Klassenzimmers gibt es eine kleine Sitzecke: Tisch, gemütliches Sofa und drum herum Regale voller Bücher.
Der Unterricht gestaltet sich wie ein Unterricht in wohl allen Schulen dieser Welt und oh Wunder, keines der Kinder schreit: Ani rotzeh! Es herrscht so was wie Ordnung, es reicht ein strenger Blick von Iris und die Kinder sind still und erledigen ihre Aufgaben. In manchen Klassen, in denen es lernschwache Schüler gibt, wird die Lehrerin von einer oder gar zwei Assistentinnen unterstützt. So kommt kein Kind zu kurz. Um 9:40 Uhr klingelt es zur großen Pause und siehe da, kein Kind springt auf und rennt auf den Schulhof. Alle packen sorgsam ihre mitgebrachten Brote, Bananen und Äpfel aus, sitzen still an ihrem Platz und frühstücken. Erst wenn alle gegessen haben, darf der Spieltrieb durchbrechen. Kol HaCavot = Alle Achtung!
Ach ja, und auf meine Frage, weshalb Iris denn erst 15 Minuten nach dem eigentlichen Unterrichtsbeginn im Klassenzimmer erschien, erhielt ich folgende Antwort: „Meine Arbeitszeit beginnt um 8 Uhr und ich brauche vom Lehrerzimmer bis ins Klassenzimmer 10 Minuten!“ Ich habe mich dann auch nur gefragt, ob sie auch 10 Minuten vor Unterrichtsende geht, damit sie pünktlich wieder im Lehrerzimmer ist?
Lehrerin müsste man sein – aber nur in Israel!
Mittwoch, 18. November 2009
Deutsche Ver-Dichter & Un-Denker in Tel Aviv
Ich glaube, Deutschland hat zuviel Geld! Zuviel Geld und zuviel schlechte Künstler!
Aber ganz von vorne:
Am Freitagmorgen bin ich vom israelischen Nationaltheater „HaBima“ (=Die Bühne) zu einer Stücke-Lesung eingeladen. Ausgangespunkt ist die Zusammenarbeit des HaBima-Theaters u.a. mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus. Im Herbst 2008 war das HaBima-Theater mit einigen Schauspielstücken in Düsseldorf zu Gast und im Frühjahr 2009 war das Düsseldorfer Theater in Tel Aviv zu Gast. Aus den jeweiligen Gastspielen hatte sich die Idee entsponnen, dass die beteiligten Schauspieler und Schauspielerinnen ihre jeweiligen Eindrücke dieser Gastspiele in einem kurzen Theaterstück schriftlich festhalten.
Nun, am Freitagmorgen, während eines Matinee werden diese Stücke also vor Publikum gelesen: die Düsseldorfer lesen auf Deutsch, die Israelis auf Hebräisch. Das HaBima-Theater war so nett mir alle Texte, auch die israelischen in der jeweiligen Übersetzung vorab zur Verfügung zu stellen.
Zuerst habe ich die Deutschen Beiträge gelesen, und bin – verzeiht die brachiale Sprache – bald auf den A****, äh, allerwertesten gefallen. Weshalb? Selten so was Schlechtes gelesen. Da wird der Holocaust in einer Fäkalsprache behandelt; Dialoge sind hier zusammengesetzte Monologe, pseudo-psychologischer Quatsch wird in einem Deutsch wiedergegeben … Goethe und Schiller würden auf der Stelle ihre Staatsbürgerschaft wechseln.
Hier der Anfang eines der Deutschen Stücke: das Stück heißt:
Kentucky, Asia
(Ein deutscher Mann steht in Tel Aviv an einer Kreuzung):
"Seit Tagen habe ich denselben Traum. Ich stehe an einer Straßenecke, meine Hose ist offen. Die Einheimischen, die vorbeigehen, nehmen meinen Schwanz in die Hand, wiegen ihn, drücken, begutachten ihn, ganz geschäftmäßig, ziehen ein bisschen dran und heben ihn hin und her. Dann gehen sie weiter, der Nächste kommt. Das geht dann so, bis es dunkel ist, und dann muss ich meinen Weg nach Hause suchen."
Was ist nur mit uns Deutschen los?
Dieser Satz gibt die gesamte Qualität der deutschen Stücke wieder. Wobei, das Wort Qualität ist hier völlig fehl am Platz, aber was ist das Gegenteil von Qualität? Nach einigem Grübeln bin ich drauf gekommen: Schrott! Und für diesen Schrott werden Steuergelder verplempert: Flüge, Übernachtungen, Spesen etc. müssen bezahlt werden. Insgesamt vier Schauspieler aus dem Schauspielhaus Düsseldorf, samt Regisseuren, Beleuchtern und Technikern (und wahrscheinlich noch weiteren recht honorigen Personen) werden per Lufthansa nach Israel "gekarrt", damit sie diesen Unsinn im Namen des kulturellen Austausches und der Annäherung zwischen Israel und Deutschland nach der Shoa (hebr.=Vernichtung) einem geplagten isarelischen Publikum wiederkäuern.
Dieser Satz gibt die gesamte Qualität der deutschen Stücke wieder. Wobei, das Wort Qualität ist hier völlig fehl am Platz, aber was ist das Gegenteil von Qualität? Nach einigem Grübeln bin ich drauf gekommen: Schrott! Und für diesen Schrott werden Steuergelder verplempert: Flüge, Übernachtungen, Spesen etc. müssen bezahlt werden. Insgesamt vier Schauspieler aus dem Schauspielhaus Düsseldorf, samt Regisseuren, Beleuchtern und Technikern (und wahrscheinlich noch weiteren recht honorigen Personen) werden per Lufthansa nach Israel "gekarrt", damit sie diesen Unsinn im Namen des kulturellen Austausches und der Annäherung zwischen Israel und Deutschland nach der Shoa (hebr.=Vernichtung) einem geplagten isarelischen Publikum wiederkäuern.
Armes Deutschland!
Ich werde mir die Stücke am Freitagmorgen anschauen bzw. anhören und ... berichten!
Dienstag, 17. November 2009
Hebräisch - eine Lebensaufgabe
1. Lektion:
Der Hebräischen Sprache sitzt nicht der bekannte Schalk - nein, eher die Bosheit in jedem Wort, denn sie kommt, hat man mal die Buchstaben, das rechts-nach-links Lesen sowie das Lesen ohne Vokale gelernt, zunächst ganz einfach und harmlos daher. Schnell kann man nach der Uhrzeit, dem nächsten Bus oder einem Kaffee in einem Bistro fragen. Aber kaum hat man Hoffnung geschöpft die Sprache alsbald zu beherrschen, zeigen sich die Untiefen, die grammatikalischen Ausnahmen, der ach so fremde Syntax und nicht zu vergessen: die für unser Mitteleuropäisches Mundwerk kaum auszusprechenden Buchstabenfolgen. Je mehr hebräisch man kann, umso weniger versteht man. Zuweilen ist das reinste Zungenakrobatik.
Bgnen wr gnz vn vrn!
Hallo, ich erbitte mir keinerlei Beschwerden, nur weil die obigen Worte unvollständig geschrieben sind. So ungefähr muss man sich die hebräische Schreibweise vorstellen: die meisten Vokale werden einfach weggelassen. Punkt. Keine Wiederrede! Und Doppelkonsonaten gibt es auch nicht.
Abgesehen davon, dass diese Art der schriftlichen Wiedergabe anstrengend und für ungeübte Leser fast unmöglich ist zu lesen, hat es auch Vorteile: es ist enorm platzsparend. Aus den dicken Schinken "Anna Karenina" und "Die Bibel" werden so dünne Taschenbücher.
Wie die Israeliten vor einigen Tausend Jahren auf die Idee kamen, die Vokale einfach wegzulassen, kann ich leider nicht erklären. Einer der Gründe könnte gewesen sein, dass damals das Paphyrus nicht gerade in rauen Mengen zur Verfügung stand und tatsächlich aus Platzgründen auf sie verzichtet wurden. Denn - gesprochen werden sie ja!
Kann aber auch sein, dass der Grund hierfür buchstäblich von oben kam. Als Moses die 10 Gebote auf dem Berg Sinai empfing, musste es wahrscheinlich mal wieder schnell gehen (von der Ungeduld habe ich ja schon berichtet) - immerhin warteten am Fuße des Berges knapp 40.000 Menschen und wollten endlich nach Ka`anan, in das Land indem Milch und Honig geflossen sein sollen. Sicherlich hatten sich die Juden schon damals lautstark bemerkbar gemacht: Ani rotzeh, rotzeh, rotzeh. Da dachte sich Gott vielleicht: "Sch**ß der Hund drauf!" - und ließ die Vokale einfach weg. Zack - waren die 10 Gebote auf den zwei Steintafeln geschrieben und Moses konnte wieder vom Berg runter klettern. So, oder anders wird es gewesen sein - da bin ich mir ganz sicher.
Zurück zu dieser Sprache, die so unglaublich schön klingt - sofern ich sie nicht selbst spreche!
Ich fasse zusammen: es wird von rechts nach links gelesen, Vokale und Doppelkonsonanten werden nicht geschrieben, Umlaute gibt es auch nicht (na ja, wer braucht die schon?) - dafür gibt es viele "ch"-Laute oder gar Buchstabenfolgen, wie folgende "bg". So, bitte einmal laut aussprechen: "bgadim" = Kleidung.
Bis zum nächsten Posting asuwending lernen!
Der Hebräischen Sprache sitzt nicht der bekannte Schalk - nein, eher die Bosheit in jedem Wort, denn sie kommt, hat man mal die Buchstaben, das rechts-nach-links Lesen sowie das Lesen ohne Vokale gelernt, zunächst ganz einfach und harmlos daher. Schnell kann man nach der Uhrzeit, dem nächsten Bus oder einem Kaffee in einem Bistro fragen. Aber kaum hat man Hoffnung geschöpft die Sprache alsbald zu beherrschen, zeigen sich die Untiefen, die grammatikalischen Ausnahmen, der ach so fremde Syntax und nicht zu vergessen: die für unser Mitteleuropäisches Mundwerk kaum auszusprechenden Buchstabenfolgen. Je mehr hebräisch man kann, umso weniger versteht man. Zuweilen ist das reinste Zungenakrobatik.
Bgnen wr gnz vn vrn!
Hallo, ich erbitte mir keinerlei Beschwerden, nur weil die obigen Worte unvollständig geschrieben sind. So ungefähr muss man sich die hebräische Schreibweise vorstellen: die meisten Vokale werden einfach weggelassen. Punkt. Keine Wiederrede! Und Doppelkonsonaten gibt es auch nicht.
Abgesehen davon, dass diese Art der schriftlichen Wiedergabe anstrengend und für ungeübte Leser fast unmöglich ist zu lesen, hat es auch Vorteile: es ist enorm platzsparend. Aus den dicken Schinken "Anna Karenina" und "Die Bibel" werden so dünne Taschenbücher.
Wie die Israeliten vor einigen Tausend Jahren auf die Idee kamen, die Vokale einfach wegzulassen, kann ich leider nicht erklären. Einer der Gründe könnte gewesen sein, dass damals das Paphyrus nicht gerade in rauen Mengen zur Verfügung stand und tatsächlich aus Platzgründen auf sie verzichtet wurden. Denn - gesprochen werden sie ja!
Kann aber auch sein, dass der Grund hierfür buchstäblich von oben kam. Als Moses die 10 Gebote auf dem Berg Sinai empfing, musste es wahrscheinlich mal wieder schnell gehen (von der Ungeduld habe ich ja schon berichtet) - immerhin warteten am Fuße des Berges knapp 40.000 Menschen und wollten endlich nach Ka`anan, in das Land indem Milch und Honig geflossen sein sollen. Sicherlich hatten sich die Juden schon damals lautstark bemerkbar gemacht: Ani rotzeh, rotzeh, rotzeh. Da dachte sich Gott vielleicht: "Sch**ß der Hund drauf!" - und ließ die Vokale einfach weg. Zack - waren die 10 Gebote auf den zwei Steintafeln geschrieben und Moses konnte wieder vom Berg runter klettern. So, oder anders wird es gewesen sein - da bin ich mir ganz sicher.
Zurück zu dieser Sprache, die so unglaublich schön klingt - sofern ich sie nicht selbst spreche!
Ich fasse zusammen: es wird von rechts nach links gelesen, Vokale und Doppelkonsonanten werden nicht geschrieben, Umlaute gibt es auch nicht (na ja, wer braucht die schon?) - dafür gibt es viele "ch"-Laute oder gar Buchstabenfolgen, wie folgende "bg". So, bitte einmal laut aussprechen: "bgadim" = Kleidung.
Bis zum nächsten Posting asuwending lernen!
Frieden, Geduld & Stille
In Israel gibt es vieles - nicht alles, aber doch wirklich vieles:
Orangen, Avocados, viel Sonne, noch mehr herrenlose Katzen, Straußenei große Zitronen, Humus & Falaffel; Menschen aus allen Ecken und Enden der Erde, Wüste und Berge; ein Meer auf dem man liegen kann ohne das man schwimmen muss; Araber, Drusen, Christen, Bahai - und, ach ja, Juden. Aber drei Dinge gibt es in Israel leider nicht:
Orangen, Avocados, viel Sonne, noch mehr herrenlose Katzen, Straußenei große Zitronen, Humus & Falaffel; Menschen aus allen Ecken und Enden der Erde, Wüste und Berge; ein Meer auf dem man liegen kann ohne das man schwimmen muss; Araber, Drusen, Christen, Bahai - und, ach ja, Juden. Aber drei Dinge gibt es in Israel leider nicht:
Frieden, Geduld und Stille!
Vom Frieden will ich hier erstmal garnicht schreiben - der wird, so traurig es auch ist, meines Erachtens auch in 50 Jahren nicht in diese Region einkehren. Die Gründe hierfür kann jeder in der Tagespresse nachlesen bzw. in Büchern, in denen die komplizierte Geschichte der israelisch-palästinensischen Verwicklungen viel besser dargestellt wird, als ich es hier tun kann.
Die Israelis sind jedenfalls müde und erschöpft, und gleichzeitig auch resigniert ob all der großen und kleinen Kriege, der "Scharmützel", der Überfälle, der gegenseitigen Beschuldigungen, der Vorsichtsmaßnahmen und und und. Doch die Resignation überwiegt! Fast kein Israeli glaubt mehr an einen Erfolg irgendeines sog. Friedensgespräches, denn seit den Osloer Friedensgesprächen sind nunmehr fast 18 Jahre ins Land gegangen und was ist passiert? Nichts. Clum - כלום wie es im hebräischen heißt: nichts!
Umso größer war auch am 4. November die Melancholie der Menschen auf dem ehemaligen "Platz der Könige" vor dem Tel Aviver Rathaus, während der Erinnerung an die Ermordung von Ytzchak Rabin vor 14 Jahren. Heute heißt der Platz nach seinem berühmten Opfer: Rabin-Platz (hebr.= Kikar Rabin).
Was wäre geschehen, wo würden heute die Friedensverhandlungen stehen, wenn Rabin nicht durch Ygal Amir erschossen worden wäre? Wäre der Frieden schon da?
Wenn nur das Wörtchen Wenn nicht wäre!
Nun, kurz gesagt: es gibt keinen Frieden in Israel. Punkt.
Und wie steht es mit Geduld?
Nein, ich muss enttäuschen - auch die gibt es nicht in Israel. Vielleicht hängt das ja mit dem fehlenden Frieden zusammen, mit dem jahrzehntelangen Warten auf denselben? Den Israelis ist die Geduld ausgegangen - wobei ich glaube: die Juden kamen schon ungeduldig in ihr gelobtes Land. Der Unterschied zwischen Frieden und Geduld in Israel ist wohl: auf ersteres warten die Israelis verzweifelt, letzteres wollen sie überhaupt nicht. Geduld (hebr.=Savlanut) ist in Eretz Israel ein Fremdwort.
Im alltäglichen Leben macht sich diese Ungeduld in jedem Augenblick bemerkbar: es wird an der Supermarktkasse geschoben und gedrängelt; im Strassenverkehr wird ohne Rücksicht auf Verluste gefahren, als hieße es: wer zuerst an der Ampel ist, kommt ins Paradies. (Na ja, immer noch besser, als sich in einem Bus in die Luft zu sprengen, nur um als Belohnung 77 Jungfrauen zu beglücken!). Von Reisverschlussverkehr haben sie noch nie etwas gehört - ich sollte mich mal kundig machen, wie dieses Wort auf hebräisch heisst - und auch beim Essen zeigt sich diese Ungeduld: wer zuerst mit der Gabel das Stück Fleisch aus dem Topf fischt, kommt vielleicht doch in den Genuß der 77 Jungfrauen? Wer weiß das schon, wer kennt sich schon so gut in den Gestzen des Judentums aus, dass er dies ausschließen könnte?
Ungeduldig sind auch die Kinder, die immer alles jetzt und sofort möchten, wobei es das Wort "möchte" im hebräischen offenbar nicht gibt. Ani rotzeh, schreit der Kindermund: Ich will! Und dieses Wollen ist so ungeduldig, so dass es nicht warten kann, bis Mama oder Papa von der Toilette herunter oder ein Telefonat beendet hat.
Ani rotzeh, rotzeh, rotzeh!
Na ja, irgendwie sind die Israelis in ihrer Ungeduld doch auch zu verstehen. Wieso? Wer in einem Land lebt, dessen Exsitenz permanent auf Messers Schneide steht; der nicht weiß, ob er die Ampel noch erreicht, die Familie nochmals sieht, seinen Willen noch befriedigt bekommt, ehe ihn das nächste Selbstmord-Attentat in Stücke reißt oder eine Rakete der Hisbollah auf den Kopf fällt - vielleicht sogar die große Bombe aus dem Iran schon im Anflug ist, der muss sich selbst am Nächsten sein.
Was ich an den Israelis aber gerade deswegen sehr bewundere, ist - mit welch stoischer Geduld sie die Ungeduld hinnehmen und ertragen.
Last but not least: Stille.
Okay, okay - wenn man mutterseelenallein in Mitten der Wüste Negev sitzt, und außer dem Knistern der Sonnenstrahlen nichts zu hören ist, dann, ja dann kann man in Israel von Stille reden. Aber nur dann! Ansonsten ist Israel eines der geräuschvollsten Länder die ich je bereist habe.
Für die ganz genauen Leser und Leserinnen, (Liebe Sozialpädagogen, nicht alles kann ausdiskutiert werden!) - man möge mir meine zuweilen pauschale Wiedergabe verzeihen, aber in einer durchschnittlichen israelischen Familie (Mama, Papa und drei Kinder) telefonieren mindestens zwei Personen gleichzeitig mit ihren Mobiltelefonen, während die jüngste Tochter gerade Fern schaut, der Sohn in seinem Zimmer laut Musik hört, ein Radio währenddessen die neuesten Nachrichten in die Wohnung brüllt und ein weiterer Sohn am Familiencomputer ein Ego-Shooter Spiel mit ohrenbetäubender Lautstärke spielt (das zum Thema Frieden!). Hinzu kommt plötzlich eine Nachbarin, die ihr Kommen damit begründet, dass sie eigentlich anrufen wollte, aber alle Telefone besetzt sind und so quatsacht sie einfach in die Telefonate hinein (Weshalb sie gekommen ist, hat sie längst vergessen!). Wie diese Situation weitergehen kann, kann sich jeder selbst ausmalen. Einfach immer nur an: Ani rotzeh denken!
Außerhalb der Wohnungen gibt es in Israel Autos die nach dem automatischen Türöffnen oder -schließen seltsame Pieplaute von sich geben; im Straßenverkehr wird gehupt was das Zeug hält; über Tel Aviv donnern die Flugzeuge im Tiefflug Richtung Ben-Gurion-Flughafen und die öffentlichen Busse, obwohl allesamt von Mercedes-Benz stampfen und schnaufen wie erschöpfte Elefanten, deren Ende naht. Und zwischen allem bewegen sich Menschen die unentwegt kommunizieren: persönlich, mit dem Mobiltelefon, mit sich selbst, einem anderen Passanten auf der Straße, dem Busfahrer, der sie gerade fast über den Haufen gefahren hat oder auch mit Gott. Geredet wird immer und überall und dies in einer Laustärke, als hätten alle ihr Hörrohr zuhause vergessen.
Ihr seht, in Israel gibt es zwar keinen Frieden, keine Geduld und auch keine Stille - dafür aber soviel anders: interessantes, kurioses, traurig und lustiges, schönes und hässliches, bewegendes, unglaubliches und glaubliches ... davon bald mehr!
Die Israelis sind jedenfalls müde und erschöpft, und gleichzeitig auch resigniert ob all der großen und kleinen Kriege, der "Scharmützel", der Überfälle, der gegenseitigen Beschuldigungen, der Vorsichtsmaßnahmen und und und. Doch die Resignation überwiegt! Fast kein Israeli glaubt mehr an einen Erfolg irgendeines sog. Friedensgespräches, denn seit den Osloer Friedensgesprächen sind nunmehr fast 18 Jahre ins Land gegangen und was ist passiert? Nichts. Clum - כלום wie es im hebräischen heißt: nichts!
Umso größer war auch am 4. November die Melancholie der Menschen auf dem ehemaligen "Platz der Könige" vor dem Tel Aviver Rathaus, während der Erinnerung an die Ermordung von Ytzchak Rabin vor 14 Jahren. Heute heißt der Platz nach seinem berühmten Opfer: Rabin-Platz (hebr.= Kikar Rabin).
Was wäre geschehen, wo würden heute die Friedensverhandlungen stehen, wenn Rabin nicht durch Ygal Amir erschossen worden wäre? Wäre der Frieden schon da?
Wenn nur das Wörtchen Wenn nicht wäre!
Nun, kurz gesagt: es gibt keinen Frieden in Israel. Punkt.
Und wie steht es mit Geduld?
Nein, ich muss enttäuschen - auch die gibt es nicht in Israel. Vielleicht hängt das ja mit dem fehlenden Frieden zusammen, mit dem jahrzehntelangen Warten auf denselben? Den Israelis ist die Geduld ausgegangen - wobei ich glaube: die Juden kamen schon ungeduldig in ihr gelobtes Land. Der Unterschied zwischen Frieden und Geduld in Israel ist wohl: auf ersteres warten die Israelis verzweifelt, letzteres wollen sie überhaupt nicht. Geduld (hebr.=Savlanut) ist in Eretz Israel ein Fremdwort.
Im alltäglichen Leben macht sich diese Ungeduld in jedem Augenblick bemerkbar: es wird an der Supermarktkasse geschoben und gedrängelt; im Strassenverkehr wird ohne Rücksicht auf Verluste gefahren, als hieße es: wer zuerst an der Ampel ist, kommt ins Paradies. (Na ja, immer noch besser, als sich in einem Bus in die Luft zu sprengen, nur um als Belohnung 77 Jungfrauen zu beglücken!). Von Reisverschlussverkehr haben sie noch nie etwas gehört - ich sollte mich mal kundig machen, wie dieses Wort auf hebräisch heisst - und auch beim Essen zeigt sich diese Ungeduld: wer zuerst mit der Gabel das Stück Fleisch aus dem Topf fischt, kommt vielleicht doch in den Genuß der 77 Jungfrauen? Wer weiß das schon, wer kennt sich schon so gut in den Gestzen des Judentums aus, dass er dies ausschließen könnte?
Ungeduldig sind auch die Kinder, die immer alles jetzt und sofort möchten, wobei es das Wort "möchte" im hebräischen offenbar nicht gibt. Ani rotzeh, schreit der Kindermund: Ich will! Und dieses Wollen ist so ungeduldig, so dass es nicht warten kann, bis Mama oder Papa von der Toilette herunter oder ein Telefonat beendet hat.
Ani rotzeh, rotzeh, rotzeh!
Na ja, irgendwie sind die Israelis in ihrer Ungeduld doch auch zu verstehen. Wieso? Wer in einem Land lebt, dessen Exsitenz permanent auf Messers Schneide steht; der nicht weiß, ob er die Ampel noch erreicht, die Familie nochmals sieht, seinen Willen noch befriedigt bekommt, ehe ihn das nächste Selbstmord-Attentat in Stücke reißt oder eine Rakete der Hisbollah auf den Kopf fällt - vielleicht sogar die große Bombe aus dem Iran schon im Anflug ist, der muss sich selbst am Nächsten sein.
Was ich an den Israelis aber gerade deswegen sehr bewundere, ist - mit welch stoischer Geduld sie die Ungeduld hinnehmen und ertragen.
Last but not least: Stille.
Okay, okay - wenn man mutterseelenallein in Mitten der Wüste Negev sitzt, und außer dem Knistern der Sonnenstrahlen nichts zu hören ist, dann, ja dann kann man in Israel von Stille reden. Aber nur dann! Ansonsten ist Israel eines der geräuschvollsten Länder die ich je bereist habe.
Für die ganz genauen Leser und Leserinnen, (Liebe Sozialpädagogen, nicht alles kann ausdiskutiert werden!) - man möge mir meine zuweilen pauschale Wiedergabe verzeihen, aber in einer durchschnittlichen israelischen Familie (Mama, Papa und drei Kinder) telefonieren mindestens zwei Personen gleichzeitig mit ihren Mobiltelefonen, während die jüngste Tochter gerade Fern schaut, der Sohn in seinem Zimmer laut Musik hört, ein Radio währenddessen die neuesten Nachrichten in die Wohnung brüllt und ein weiterer Sohn am Familiencomputer ein Ego-Shooter Spiel mit ohrenbetäubender Lautstärke spielt (das zum Thema Frieden!). Hinzu kommt plötzlich eine Nachbarin, die ihr Kommen damit begründet, dass sie eigentlich anrufen wollte, aber alle Telefone besetzt sind und so quatsacht sie einfach in die Telefonate hinein (Weshalb sie gekommen ist, hat sie längst vergessen!). Wie diese Situation weitergehen kann, kann sich jeder selbst ausmalen. Einfach immer nur an: Ani rotzeh denken!
Außerhalb der Wohnungen gibt es in Israel Autos die nach dem automatischen Türöffnen oder -schließen seltsame Pieplaute von sich geben; im Straßenverkehr wird gehupt was das Zeug hält; über Tel Aviv donnern die Flugzeuge im Tiefflug Richtung Ben-Gurion-Flughafen und die öffentlichen Busse, obwohl allesamt von Mercedes-Benz stampfen und schnaufen wie erschöpfte Elefanten, deren Ende naht. Und zwischen allem bewegen sich Menschen die unentwegt kommunizieren: persönlich, mit dem Mobiltelefon, mit sich selbst, einem anderen Passanten auf der Straße, dem Busfahrer, der sie gerade fast über den Haufen gefahren hat oder auch mit Gott. Geredet wird immer und überall und dies in einer Laustärke, als hätten alle ihr Hörrohr zuhause vergessen.
Ihr seht, in Israel gibt es zwar keinen Frieden, keine Geduld und auch keine Stille - dafür aber soviel anders: interessantes, kurioses, traurig und lustiges, schönes und hässliches, bewegendes, unglaubliches und glaubliches ... davon bald mehr!
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