Schule ist Schule, da ist es egal in welchem Land man lebt. Auch in Israel beginnt die Schule um 8 Uhr morgens (sollte man meinen) und dauert in der Regel bis 13 Uhr. Das mit der Pünktlichkeit müssen in Israel aber nicht nur die Eltern, die Schüler sondern auch die Lehrer erst noch etwas üben. Heute Morgen jedenfalls trudelten die meisten Kinder der 1. Klasse erst kurz nach 8 Uhr ein und siehe da, die Lehrerin Iris (in Israel wird kein Mensch mit Nachnamen angesprochen, nicht einmal der Staatspräsident!) kam sogar erst 15 Minuten nach 8 Uhr.
Schule ist Schule, egal in welchem Land, aber Schulen sind nicht überall Schulen wie wir sie aus Deutschland kennen. Die „Gesamtschule“ in der ich heute morgen Gast sein durfte erstaunte mich zunächst mit ihrer Größe und Weitläufigkeit, dann aber erschreckte sie mich etwas mit ihrem Zustand. Mir scheint, der israelische Bildungsetat erlaubt keine täglichen Reinigungskräfte: Fenster und Boden verdreckt, Mülleimer nicht ausgeleert, der Schulhof sah aus wie nach einem nächtlichen Sandsturm. Auch sonst scheint das Geld nicht gerade locker zu sitzen: die Abnutzungserscheinungen am Mobiliar sowie Inventar unübersehbar, halbfertige Spielplätze deren Sicherheitsvorkehrungen deutsche Eltern auf den Plan rufen würden, offene Steckdosen und elektrische Leitungen die von irgendwoher irgendwohin verlaufen.
Das Klassenzimmer ein riesiger Raum, nackte Fliesen, die um diese Jahreszeit fast Reif ansetzen – und dennoch saßen die Kinder die halbe Unterrichtszeit auf dem Boden: Blasenentzündung inbegriffen. Die Wände sind mit Filz bezogen, auf denen Bilder, Plakate, Ankündigungen und natürlich das kleine Ein-mal-eins sowie das Alef, Bet, Gimmel in Comic-Form angeheftet sind.
Und damit die kleinen und größeren Israelis auch gute und richtige Patrioten werden, hängen direkt neben jeder Klassentür die israelische Flagge, das israelische Staatswappen (Menorah, der siebenarmige Leuchter) sowie die Gesichter des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, der Oberbefehlshaber der israelischen Armee, Gabi Ashkenasi sowie der Staatspräsident Shimon Peres. Im hinteren Teil des Klassenzimmers gibt es eine kleine Sitzecke: Tisch, gemütliches Sofa und drum herum Regale voller Bücher.
Der Unterricht gestaltet sich wie ein Unterricht in wohl allen Schulen dieser Welt und oh Wunder, keines der Kinder schreit: Ani rotzeh! Es herrscht so was wie Ordnung, es reicht ein strenger Blick von Iris und die Kinder sind still und erledigen ihre Aufgaben. In manchen Klassen, in denen es lernschwache Schüler gibt, wird die Lehrerin von einer oder gar zwei Assistentinnen unterstützt. So kommt kein Kind zu kurz. Um 9:40 Uhr klingelt es zur großen Pause und siehe da, kein Kind springt auf und rennt auf den Schulhof. Alle packen sorgsam ihre mitgebrachten Brote, Bananen und Äpfel aus, sitzen still an ihrem Platz und frühstücken. Erst wenn alle gegessen haben, darf der Spieltrieb durchbrechen. Kol HaCavot = Alle Achtung!
Ach ja, und auf meine Frage, weshalb Iris denn erst 15 Minuten nach dem eigentlichen Unterrichtsbeginn im Klassenzimmer erschien, erhielt ich folgende Antwort: „Meine Arbeitszeit beginnt um 8 Uhr und ich brauche vom Lehrerzimmer bis ins Klassenzimmer 10 Minuten!“ Ich habe mich dann auch nur gefragt, ob sie auch 10 Minuten vor Unterrichtsende geht, damit sie pünktlich wieder im Lehrerzimmer ist?
Lehrerin müsste man sein – aber nur in Israel!
Donnerstag, 19. November 2009
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