Wer oder was ist der "gemeine" Israeli? Gibt es überhaupt den Isareli?
Ein kurzer Text aus dem Hebräisch-Schulbuch, den ein Bekannter und ich übersetzt haben, gibt einen wirklich guten Einblick. Während der Lektüre habe ich viele meiner israelischen Bekannten in der Beschreibung erkannt und mich deshalb entschlossen, die Übersetzung hier zu posten.
Besser kann man den Israeli nicht beschreiben, als mit folgenden Worten:
"Wer in Israel geboren und aufgewachsen ist, wird „Sabre“ genannt, nach dem Namen eines Feigenkaktus. Der Charakter des Israelis ähnelt sehr dieser Pflanze, die Außen stachelig, Innen aber süß und saftige ist.
So ist auch der Israeli.
Er ist manchmal sarkastisch und frech, aber in seiner Weise gutherzig und lieb. Man braucht nur zu dem süßem Teil der Frucht vorzukommen, ohne gestochen zu werden…
Der durchschnittliche Israeli ist nicht höflich und geduldig, aber er ist gutmütig und warmherzig. Wenn er die Möglichkeit hat zu helfen und jemanden zu unterstützen, macht er dies mit Leib und Seele. Der Israeli der in Israel geboren ist, mag den schnellen Lebenstakt. Er liebt es zu verreisen, seine Zeit zu vertreiben (man könnte auch verschwenden schreiben, Anm. der Autorin) und öfters seine Autos zu wechseln. (Deutsche Autos bevorzugt, Anm. der Autorin) Im Allgemeinen beeilt er sich: beim Reden, beim Fahren und beim Essen und der Konversation. Er hat nicht immer Zeit dem anderen zuzuhören und Bücher zu lesen. Er beschäftigt sich mit Sport, aber unregelmäßig und spontan. Und er achtet nicht auf die richtige Ernährung. Er sagt immer: „Verlasse Dich auf mich, alles wird gut!“ (Nina Ruge lässt grüßen) Aber er kommt immer zu spät, vergisst und verschiebt Termine und hält seine Versprechungen nicht, plant Dinge, die er letztendlich nicht durchführt. Er überlegt, wie viel Geld er verdienen wird oder wie er es anstellen kann, etwas nicht zu tun, um es sich im Leben bequemer zu machen und auf seine Art und Weise erfolgreich zu sein.
Der Israeli liebt es im Mittelpunkt zu stehen und buchstäblich überall von sich hören zu lassen – und dies mit unüberhörbarer Stimme. Es ist schwer mit ihm zu diskutieren, weil er davon überzeugt ist, dass er immer recht hat und die anderen Falsch liegen. Er ist konservativ und hat rückständige Meinungen. Wenn man mit ihm z. B. ein Treffen um 17 Uhr ausmacht, sollte man ihn nicht vor 18 Uhr erwarten. So ist es.
Er arbeitet nach einer anderen Uhr…
Nichts desto trotz ist in ihm etwas besonderes, was nirgendwo anders gefunden wird: Er sagt immer was er denkt und fühlt, ohne zu schauspielern und ohne Maske.
Vladimir ist ein russischer Künstler, der vor zwei Jahren aus Moskau einwanderte. Seiner Meinung nach, sind die Israelis gute Menschen, aber sie sind zu laut und verletzten andere in ihren Gefühlen – wenn auch nicht immer aus einer bösen Absicht. Sie mischen sich in das Leben andere ein. Ihr Verhalten ist nicht kultiviert. Sie interessieren sich zwar für Kultur, aber lesen nicht viel. In den Straßen sind viel mehr Kaffee-Häuser und Restaurant als Buchläden.
Vladimir sagt, dass er sich zwar noch nicht als Israeli fühlt, aber dass er gelernt hat, anzunehmen was es in Israel gibt und manchmal sieht er in all diesen Dingen auch Vorteile. Er fühlt überall den israelischen Lebenspuls und hat sich schon an den intensiven und schnellen Lebenswandel gewöhnt.
Irena, Buchhalterin, stammt von spanischen Juden ab und ihr Chef fragt sie immer wieder, wie es ihr geht und schätzt ihre Arbeit sehr. Manchmal, wenn der Arbeitsalltag stressig ist, ist sie bereit Überstunden zu machen – damit der Chef zufrieden ist. Aber wenn sie ihrem Chef dagegen sagt, dass sie nicht länger bleiben kann, dann ist er verärgert. Er mag es viel Geld zu verdienen, aber er ist nicht bereit für dies auch einen Gegenwert zu geben. Nicht immer weiß der Israeli die Grenze zwischen Nehmen und Geben zu wahren.
Im Gegenteil zu ihrem Chef ist die Nachbarin von Irena, eine alteingesessene Israelin, anders gestrickt. Als Irena in das Haus eingezogen ist, kam die Nachbarin sofort um alles über Irena zu erfahren. Sie fragte viel über ihre Familie. Hinterher kam sie öfters zu Irena zu Besuch, um etwas zu bringen oder nach etwas zu Fragen. Im Laufe der Zeit hat sich Irena an die Nachbarin gewöhnt und deren Verhalten stört sie nicht mehr. Wenn Irena mal keinen Babysitter findet, passt die Nachbarin auf die Kinder auf und lehnt es ab, dafür Geld zu nehmen. Irena hat gelernt die wertvollen Dinge in Israel zu bemerken und zu schätzen. Nicht alle Israelis sind so, aber es muss über den durchschnittlichen Israelis geredet werden, um die wirklichen Eigenschaften, die Stärken und die Schwächen der meisten Israelis zu verstehen."
Besser, kürzer und treffender kann man es nicht ausdrücken.
Wie würde wohl ein solcher Text über den durchschnittlichen Deutschen aussehen?
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