Humor und Holocaust, passt das zusammen? Oder gar Hoffnung und der Holocaust?
Bei uns in Deutschland wird das Thema Holocaust natürlich mit Ernsthaftigkeit und von der schwere der Schuld herunterhängenden Schultern behandelt. Nicht schon wieder Holocaust, ist oft der allgemeine Tenor, wenn mal wieder diese schrecklichen Bilder im TV gezeigt werden.
Immer und immer wieder die Fragen: Wie konnte das passieren; Weshalb hat es niemand verhindert. Fragen die niemand beantworten kann. Aus meiner Generation ist sich jeder Deutsche sicher, dass es in seiner Familie keine Nazi`s gegeben hat - auch ich bin mir da sicher. Mein Großvater war in der Wehrmacht, hat an irgendwelchen Fronten gekämpft, sich eine Schußverletzung im Rücken zu gezogen. Für ihn war damit der Krieg zuenede und er aus dem Schneider. Mein liebevoller, verschmuster Opa ein Nazi? Niemals!
Bei den Israelis sieht das ganz anders aus. Da kann sich, da muss sich jeder Jude, dessen Eltern oder Großeltern aus Europa kamen sicher sein, dass sie auf irgendeine Weise Opfer des Holocaust waren. Vielen Israelis meiner Generation fehlen Teile ihrer Familie. Der Großvater mütterlicherseits, die Schwester des Vaters, ein Cousin oder mehrere Familienmitglieder sind "im Gas geblieben" - wie es die Israelis ausdrücken. Der Vater einer isarelischen Freundin, ein ungarischer Jude, verlor sage und schreibe 87 Mitglieder seiner Familie, darunter Brüder, Schwestern und seine Mutter in Auschwitz.
Den Isarelis klebt der Holocaust viel fester, viel dichter an der Seele als uns Deutschen. Der immer öfters zu hörende Ruf vieler Deutsche: "Jetzt muss aber mal endlich Schluß sein!" empfinde ich als zynisch und ohne Mitgefühl.
Sicher, es ist nicht angenehm immer und überall auf der Welt auf unsere Vergangenheit, Hitler und den Holocaust angesprochen zu werden - aber ist es denn den Israelis angenehm, immer und überall, ihr Leben lang auf die verlorenen Familienmitglieder, die Trauer von Oma oder Vater angesprochen, ja täglich daran erinnert zu werden. Die Israelis der zweiten und dritten Generation hätten sich bestimmt auch etwas angenehmers, ein anderes Leben gewünscht, als dass, zu welchem sie der Holocaust "gezwungen" hat.
Viele Israelis haben vom Holocaust, auf gut deutsch gesagt, genauso die Sch***e voll, wie viele Deutsche.
Am Freitag vergangener Woche war ich, wie schon erwähnt, bei einer Lesung des HaBima-Theaters in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus. Einige der TExte hatte ich im Vorfeld schon gelesen und meinen Unmut über die deutschen Texte hier geäußert.
Die Veranstaltung fand in Jaffo (da, wo die Orangen herkommen!) im "Blinden- und Taub-Stummen Zentrum" (Marces Na Laga`at = Zentrum zum Berühren) statt . Ein wunderbarer Ort, eine ehemalige britsiche Zollhalle aus dem letzten Jahrhundert, wunderschön restauriert; direkt am Hafen, der mehr und mehr renoviert und restauriert wird: Bistros, Galerien, Restaurants, off-Kinos und Boutiquen reihen sich an der Kaimauer entlang. Sehen und gesehen werden ist mittlerweile auch in Israel ein Volkssport geworden.
Die Lesung war sehr gut besucht und begann, wie alles in Israel - etwas später als geplant (aber nur 30 Minuten). Die israelischen Vorträge waren beeindruckend, auchw enn ich aufgrund meiner (noch) rudimentären Sprachkenntnisse der Hälfte zuhörte und die andere Hälfte in meiner Muttersprache auf meim Laptop mitlas.
Wie auch in dem Film "LaLechet al HaMim" (=Über das Wasser gehen) wohnt dem israelischen Umgang mit dem Holocaust und dem heutigen Verhältnis zwischen Juden und Deutschen bzw. Deutschland und Israel eine enrome Hoffnung inne. Die jungen israelischen Künstler bringen ungeheuer viel Kraft und Fantasie auf "den Deutschen" entgegen zu gehen, neue Wege zu eröffnen und den Dialog zu suchen. Kommunikation, Vergebung und sogar Empathie für Nachkommen der Täter sind regelrecht fühlbar. Und dies vermitteln sie mit hintergründigem Witz, dieser speziellen Art des jüdischen Humores und einer respektablen Fähigkeit zur Selbstkritik.
Als "Pausenfüller" gab eine kleine Gesangsgruppe ein Lied zum Besten, was dies alles noch unterstrich. Der Titel des Liedes "HaArbeit scheli lo Arbeit schelach!" - Meine Arbeit ist nicht Deine Arbeit, angelehnt an den Nazi-Spruch: Arbeit macht frei! Dieses Lied, hinterlegt mit be-swingter Musik a la 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, klang wie ein Evergreen, das Publikum klatschte und wippte beschwingt mit den Beinen. Fast hätte man Lust gehabt zu tanzen, wenn nicht - ja wenn nicht das Thema des Liedes so "schwer" gewesen wäre:
Refrain: frei übersetzt
Sobibor, Trebilinka und Oswicem,
haben uns das arbeiten geleehrt."
Samstag, 21. November 2009
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