Orangen, Avocados, viel Sonne, noch mehr herrenlose Katzen, Straußenei große Zitronen, Humus & Falaffel; Menschen aus allen Ecken und Enden der Erde, Wüste und Berge; ein Meer auf dem man liegen kann ohne das man schwimmen muss; Araber, Drusen, Christen, Bahai - und, ach ja, Juden. Aber drei Dinge gibt es in Israel leider nicht:
Frieden, Geduld und Stille!
Vom Frieden will ich hier erstmal garnicht schreiben - der wird, so traurig es auch ist, meines Erachtens auch in 50 Jahren nicht in diese Region einkehren. Die Gründe hierfür kann jeder in der Tagespresse nachlesen bzw. in Büchern, in denen die komplizierte Geschichte der israelisch-palästinensischen Verwicklungen viel besser dargestellt wird, als ich es hier tun kann.
Die Israelis sind jedenfalls müde und erschöpft, und gleichzeitig auch resigniert ob all der großen und kleinen Kriege, der "Scharmützel", der Überfälle, der gegenseitigen Beschuldigungen, der Vorsichtsmaßnahmen und und und. Doch die Resignation überwiegt! Fast kein Israeli glaubt mehr an einen Erfolg irgendeines sog. Friedensgespräches, denn seit den Osloer Friedensgesprächen sind nunmehr fast 18 Jahre ins Land gegangen und was ist passiert? Nichts. Clum - כלום wie es im hebräischen heißt: nichts!
Umso größer war auch am 4. November die Melancholie der Menschen auf dem ehemaligen "Platz der Könige" vor dem Tel Aviver Rathaus, während der Erinnerung an die Ermordung von Ytzchak Rabin vor 14 Jahren. Heute heißt der Platz nach seinem berühmten Opfer: Rabin-Platz (hebr.= Kikar Rabin).
Was wäre geschehen, wo würden heute die Friedensverhandlungen stehen, wenn Rabin nicht durch Ygal Amir erschossen worden wäre? Wäre der Frieden schon da?
Wenn nur das Wörtchen Wenn nicht wäre!
Nun, kurz gesagt: es gibt keinen Frieden in Israel. Punkt.
Und wie steht es mit Geduld?
Nein, ich muss enttäuschen - auch die gibt es nicht in Israel. Vielleicht hängt das ja mit dem fehlenden Frieden zusammen, mit dem jahrzehntelangen Warten auf denselben? Den Israelis ist die Geduld ausgegangen - wobei ich glaube: die Juden kamen schon ungeduldig in ihr gelobtes Land. Der Unterschied zwischen Frieden und Geduld in Israel ist wohl: auf ersteres warten die Israelis verzweifelt, letzteres wollen sie überhaupt nicht. Geduld (hebr.=Savlanut) ist in Eretz Israel ein Fremdwort.
Im alltäglichen Leben macht sich diese Ungeduld in jedem Augenblick bemerkbar: es wird an der Supermarktkasse geschoben und gedrängelt; im Strassenverkehr wird ohne Rücksicht auf Verluste gefahren, als hieße es: wer zuerst an der Ampel ist, kommt ins Paradies. (Na ja, immer noch besser, als sich in einem Bus in die Luft zu sprengen, nur um als Belohnung 77 Jungfrauen zu beglücken!). Von Reisverschlussverkehr haben sie noch nie etwas gehört - ich sollte mich mal kundig machen, wie dieses Wort auf hebräisch heisst - und auch beim Essen zeigt sich diese Ungeduld: wer zuerst mit der Gabel das Stück Fleisch aus dem Topf fischt, kommt vielleicht doch in den Genuß der 77 Jungfrauen? Wer weiß das schon, wer kennt sich schon so gut in den Gestzen des Judentums aus, dass er dies ausschließen könnte?
Ungeduldig sind auch die Kinder, die immer alles jetzt und sofort möchten, wobei es das Wort "möchte" im hebräischen offenbar nicht gibt. Ani rotzeh, schreit der Kindermund: Ich will! Und dieses Wollen ist so ungeduldig, so dass es nicht warten kann, bis Mama oder Papa von der Toilette herunter oder ein Telefonat beendet hat.
Ani rotzeh, rotzeh, rotzeh!
Na ja, irgendwie sind die Israelis in ihrer Ungeduld doch auch zu verstehen. Wieso? Wer in einem Land lebt, dessen Exsitenz permanent auf Messers Schneide steht; der nicht weiß, ob er die Ampel noch erreicht, die Familie nochmals sieht, seinen Willen noch befriedigt bekommt, ehe ihn das nächste Selbstmord-Attentat in Stücke reißt oder eine Rakete der Hisbollah auf den Kopf fällt - vielleicht sogar die große Bombe aus dem Iran schon im Anflug ist, der muss sich selbst am Nächsten sein.
Was ich an den Israelis aber gerade deswegen sehr bewundere, ist - mit welch stoischer Geduld sie die Ungeduld hinnehmen und ertragen.
Last but not least: Stille.
Okay, okay - wenn man mutterseelenallein in Mitten der Wüste Negev sitzt, und außer dem Knistern der Sonnenstrahlen nichts zu hören ist, dann, ja dann kann man in Israel von Stille reden. Aber nur dann! Ansonsten ist Israel eines der geräuschvollsten Länder die ich je bereist habe.
Für die ganz genauen Leser und Leserinnen, (Liebe Sozialpädagogen, nicht alles kann ausdiskutiert werden!) - man möge mir meine zuweilen pauschale Wiedergabe verzeihen, aber in einer durchschnittlichen israelischen Familie (Mama, Papa und drei Kinder) telefonieren mindestens zwei Personen gleichzeitig mit ihren Mobiltelefonen, während die jüngste Tochter gerade Fern schaut, der Sohn in seinem Zimmer laut Musik hört, ein Radio währenddessen die neuesten Nachrichten in die Wohnung brüllt und ein weiterer Sohn am Familiencomputer ein Ego-Shooter Spiel mit ohrenbetäubender Lautstärke spielt (das zum Thema Frieden!). Hinzu kommt plötzlich eine Nachbarin, die ihr Kommen damit begründet, dass sie eigentlich anrufen wollte, aber alle Telefone besetzt sind und so quatsacht sie einfach in die Telefonate hinein (Weshalb sie gekommen ist, hat sie längst vergessen!). Wie diese Situation weitergehen kann, kann sich jeder selbst ausmalen. Einfach immer nur an: Ani rotzeh denken!
Außerhalb der Wohnungen gibt es in Israel Autos die nach dem automatischen Türöffnen oder -schließen seltsame Pieplaute von sich geben; im Straßenverkehr wird gehupt was das Zeug hält; über Tel Aviv donnern die Flugzeuge im Tiefflug Richtung Ben-Gurion-Flughafen und die öffentlichen Busse, obwohl allesamt von Mercedes-Benz stampfen und schnaufen wie erschöpfte Elefanten, deren Ende naht. Und zwischen allem bewegen sich Menschen die unentwegt kommunizieren: persönlich, mit dem Mobiltelefon, mit sich selbst, einem anderen Passanten auf der Straße, dem Busfahrer, der sie gerade fast über den Haufen gefahren hat oder auch mit Gott. Geredet wird immer und überall und dies in einer Laustärke, als hätten alle ihr Hörrohr zuhause vergessen.
Ihr seht, in Israel gibt es zwar keinen Frieden, keine Geduld und auch keine Stille - dafür aber soviel anders: interessantes, kurioses, traurig und lustiges, schönes und hässliches, bewegendes, unglaubliches und glaubliches ... davon bald mehr!
Die Israelis sind jedenfalls müde und erschöpft, und gleichzeitig auch resigniert ob all der großen und kleinen Kriege, der "Scharmützel", der Überfälle, der gegenseitigen Beschuldigungen, der Vorsichtsmaßnahmen und und und. Doch die Resignation überwiegt! Fast kein Israeli glaubt mehr an einen Erfolg irgendeines sog. Friedensgespräches, denn seit den Osloer Friedensgesprächen sind nunmehr fast 18 Jahre ins Land gegangen und was ist passiert? Nichts. Clum - כלום wie es im hebräischen heißt: nichts!
Umso größer war auch am 4. November die Melancholie der Menschen auf dem ehemaligen "Platz der Könige" vor dem Tel Aviver Rathaus, während der Erinnerung an die Ermordung von Ytzchak Rabin vor 14 Jahren. Heute heißt der Platz nach seinem berühmten Opfer: Rabin-Platz (hebr.= Kikar Rabin).
Was wäre geschehen, wo würden heute die Friedensverhandlungen stehen, wenn Rabin nicht durch Ygal Amir erschossen worden wäre? Wäre der Frieden schon da?
Wenn nur das Wörtchen Wenn nicht wäre!
Nun, kurz gesagt: es gibt keinen Frieden in Israel. Punkt.
Und wie steht es mit Geduld?
Nein, ich muss enttäuschen - auch die gibt es nicht in Israel. Vielleicht hängt das ja mit dem fehlenden Frieden zusammen, mit dem jahrzehntelangen Warten auf denselben? Den Israelis ist die Geduld ausgegangen - wobei ich glaube: die Juden kamen schon ungeduldig in ihr gelobtes Land. Der Unterschied zwischen Frieden und Geduld in Israel ist wohl: auf ersteres warten die Israelis verzweifelt, letzteres wollen sie überhaupt nicht. Geduld (hebr.=Savlanut) ist in Eretz Israel ein Fremdwort.
Im alltäglichen Leben macht sich diese Ungeduld in jedem Augenblick bemerkbar: es wird an der Supermarktkasse geschoben und gedrängelt; im Strassenverkehr wird ohne Rücksicht auf Verluste gefahren, als hieße es: wer zuerst an der Ampel ist, kommt ins Paradies. (Na ja, immer noch besser, als sich in einem Bus in die Luft zu sprengen, nur um als Belohnung 77 Jungfrauen zu beglücken!). Von Reisverschlussverkehr haben sie noch nie etwas gehört - ich sollte mich mal kundig machen, wie dieses Wort auf hebräisch heisst - und auch beim Essen zeigt sich diese Ungeduld: wer zuerst mit der Gabel das Stück Fleisch aus dem Topf fischt, kommt vielleicht doch in den Genuß der 77 Jungfrauen? Wer weiß das schon, wer kennt sich schon so gut in den Gestzen des Judentums aus, dass er dies ausschließen könnte?
Ungeduldig sind auch die Kinder, die immer alles jetzt und sofort möchten, wobei es das Wort "möchte" im hebräischen offenbar nicht gibt. Ani rotzeh, schreit der Kindermund: Ich will! Und dieses Wollen ist so ungeduldig, so dass es nicht warten kann, bis Mama oder Papa von der Toilette herunter oder ein Telefonat beendet hat.
Ani rotzeh, rotzeh, rotzeh!
Na ja, irgendwie sind die Israelis in ihrer Ungeduld doch auch zu verstehen. Wieso? Wer in einem Land lebt, dessen Exsitenz permanent auf Messers Schneide steht; der nicht weiß, ob er die Ampel noch erreicht, die Familie nochmals sieht, seinen Willen noch befriedigt bekommt, ehe ihn das nächste Selbstmord-Attentat in Stücke reißt oder eine Rakete der Hisbollah auf den Kopf fällt - vielleicht sogar die große Bombe aus dem Iran schon im Anflug ist, der muss sich selbst am Nächsten sein.
Was ich an den Israelis aber gerade deswegen sehr bewundere, ist - mit welch stoischer Geduld sie die Ungeduld hinnehmen und ertragen.
Last but not least: Stille.
Okay, okay - wenn man mutterseelenallein in Mitten der Wüste Negev sitzt, und außer dem Knistern der Sonnenstrahlen nichts zu hören ist, dann, ja dann kann man in Israel von Stille reden. Aber nur dann! Ansonsten ist Israel eines der geräuschvollsten Länder die ich je bereist habe.
Für die ganz genauen Leser und Leserinnen, (Liebe Sozialpädagogen, nicht alles kann ausdiskutiert werden!) - man möge mir meine zuweilen pauschale Wiedergabe verzeihen, aber in einer durchschnittlichen israelischen Familie (Mama, Papa und drei Kinder) telefonieren mindestens zwei Personen gleichzeitig mit ihren Mobiltelefonen, während die jüngste Tochter gerade Fern schaut, der Sohn in seinem Zimmer laut Musik hört, ein Radio währenddessen die neuesten Nachrichten in die Wohnung brüllt und ein weiterer Sohn am Familiencomputer ein Ego-Shooter Spiel mit ohrenbetäubender Lautstärke spielt (das zum Thema Frieden!). Hinzu kommt plötzlich eine Nachbarin, die ihr Kommen damit begründet, dass sie eigentlich anrufen wollte, aber alle Telefone besetzt sind und so quatsacht sie einfach in die Telefonate hinein (Weshalb sie gekommen ist, hat sie längst vergessen!). Wie diese Situation weitergehen kann, kann sich jeder selbst ausmalen. Einfach immer nur an: Ani rotzeh denken!
Außerhalb der Wohnungen gibt es in Israel Autos die nach dem automatischen Türöffnen oder -schließen seltsame Pieplaute von sich geben; im Straßenverkehr wird gehupt was das Zeug hält; über Tel Aviv donnern die Flugzeuge im Tiefflug Richtung Ben-Gurion-Flughafen und die öffentlichen Busse, obwohl allesamt von Mercedes-Benz stampfen und schnaufen wie erschöpfte Elefanten, deren Ende naht. Und zwischen allem bewegen sich Menschen die unentwegt kommunizieren: persönlich, mit dem Mobiltelefon, mit sich selbst, einem anderen Passanten auf der Straße, dem Busfahrer, der sie gerade fast über den Haufen gefahren hat oder auch mit Gott. Geredet wird immer und überall und dies in einer Laustärke, als hätten alle ihr Hörrohr zuhause vergessen.
Ihr seht, in Israel gibt es zwar keinen Frieden, keine Geduld und auch keine Stille - dafür aber soviel anders: interessantes, kurioses, traurig und lustiges, schönes und hässliches, bewegendes, unglaubliches und glaubliches ... davon bald mehr!

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