Samstag, 30. Januar 2010

Diese Stimme kann man nicht vergessen

Ich gebe es zu - ich hatte ein wenig gemogelt, damals!
Und damals war im Mai 1995.
Am Telefon mit der äußerst netten Dame, die für die Akkreditierung der Journalisten zuständig war, hatte ich gesagt, dass mein internationaler Presseausweis gerade abgelaufen sei und ich keine Möglichkeit hätte, diesen bis zum nächsten Tag verlängern zu lassen. Ich muss ihr durch den Äther irgendwie seriös oder zumindest sympathisch erschienen sein, denn sie sagt mir:
"Come, and we will see what happen!"
Okay, am nächsten Tag saß ich im Bus nach Jerusalem; Geld für ein Taxi vom Busbahnhof bis ins recht entlegene L`romme Hotel hatte ich nicht: so ging ich die gesamte Strecke zu Fuß.
Vor dem Hotel: Polizei, Sicherheitskräfte und diese Männer in den dunklen Anzügen mit dem Knopf im Ohr und dem Mini-Mikro unter dem Reverse; die immer so vergeblich versuchen unauffälligh sein wollen. (Dabei tragen sie immer diese völlig auffälligen super-dunklen Sonnenbrillen).
Man ließ mich durch die erste Sperre, sogar durch die zweite und dritte - und das alles ohne offizielle Akkreditierung. Dann - im Foyer des Hotels, stürmt eine Frau auf mich zu:
"Sie müssen Frau X sein!",
"Yes, I am!"
Sie führte mich an weiteren Sicherheitsposten vorbei, durch Gänge und Türen... bis zu jenem Raum, in dem das sog. "Arbeitsfrühstück" mit Ytzchak Rabin stattfinden sollte. Sie wies mir einen Platz an den wenigen Tischen zu und mir klopfte das Herz bis zum Hals. Erst dann realisiere ich, dass "diese Dame" genau die Frau war, mit der ich vor zwei Tagen telefonierte und der ich mein Lügenmärchen vom abgelaufenen Presseausweis präsentierte.
Und dann denke ich - WOW, wie gefährlich für sie, dass sie mich so einfach durchlässt!

Nach und nach füllt sich der Raum - exakt 6 Tische zu 8 Personen. An meinem Tisch sitzen 4 amerikansiche (gold-schmuck-behangene) Damen; direkt neben mir sitzt ein altgebeugter Mann, der mich sofort fragt, was-wer und woher ich eigentlich bin. Ich sage ihm, dass ich eigentlich "Kadur-Yad" (Handball) in Rishon-Le-Zion spiele und er fragt überrascht, was denn Handball sei.
Dann kommt ER, begleitet von Sicherheitsleuten, die er aber alsbald mit nur einer Handbewegung "des Raumes verwa(e)ist": der israelische Ministerpräsident Ytzchak Rabin! Mit ihm am Tisch, der damalige Sprecher des Weißen Hauses in Washington: Richard Kaufman und die Ehefrau des einstig berühmtesten Dissidenten der UDSSR, Sacharov: Frau Dr. Jelena Bonner!
Ich bin sprachlos, doch der alte Mann neben mir quatscht und quatscht und fragt mich Löcher in den Bauch. (Als ich ihm erkläre, dass Handball wie Fussball sei, nur mit den Händen - schüttelt er ungläubig den Kopf und sagt: Ich wusste gar nciht, dass sowas in Isarel gespielt wird... und auch noch von Frauen!)
Dann hält Rabin eine kleine Ansprache, hierzu hat er sich an einen Holzpult bewegt, der kaum einen Meter und fuffzig von mir entfernt stenht - niemals werde ich seine eindringliche Stimme, die mir durch Mark und Bein ging, bergessen. Niemals. Und zack, aus dem nichts tauchten plötzlich russische Juden auf, die da in Richtung Rabin schrieen: "Diktator, Hitler, Diktator!" Verflixt, ich war so was von irritiert... Wie? Diese Menschen kommen aus Russland, aus einer Diktatur, bekommen in Isarel Freiheit, Sozialleistungen, Menschenrechte (von denen sie im damaligen Russland nur hätten träumen können) und beschimpfen Rabin als Diktator. Hm, ich verstand die Welt nicht mehr; ließ aber meine Video-Kamera laufen.
Rabin - unterbrochen in seiner Rede, warf erstmal einen "abstrafenden Blick" seinen Sicherheitsleuten zu (wie konnte das passieren?) und als die Demonstranten weiterhin Diktator, Diktator schrieen, sagte er nur, in einer für mich bis heute unvergesslichen Stimmlage: "Leave me alone, leave me alone!" Er sagte dies auf englisch, und nicht auf hebräische - der Sprache dieser Demonstranten.
Dann wurde die Schreier an Händen und Füßen aus diesem "Frühstückszimmer" getragen, geschleift und gestoßen und Rabin wartete geduldig, bis der Tumult beendet war.
Der Opa neben mir schien davon überhaupt nicht beeindruckt und Rabin vollendete seine Rade.

NAchd iesem Arbeitsfrühstück gab es Reden und Seminare und Diskussionen zu den Themen: Russische Auswanderung, Friedenspolitik und und. Hierzu musste man sich anstellen und einen offiziellen Namensbutton sich an die Brust heften. Als ich meinen Namensbutton erhielt, stand eben jener alte Mann neben mir, der mir das Ohr abgequatscht hatte. Neugierig lukte ich auf sein Namensschild: Eser Weitzman, mich traf der Schlag: der Präsident Isarels.

Im November desselben Jahres traf ich mich in Deutschland mit einigen Freunden und Freundinnen in einem Bistro. Als ich an den Tisch herantrat, bemerkte ich, dass alle irgendwo "dumm" durch die Wäsche guggten.
"Setz` Dich, wir müssen Dir was sagen!"
Komisch, ich verstand gar nichts, aber ich setzte mich und schaute in völlig betretene Gesichter:
"Rabin wurde erschossen!"


Späte Anmerkung:
1. Die Dame, die für die Akkreditierung zuständig war und mich ohne jegliches "offizielles Papier" bis sozusagen an den Nebentisch des Ministerpräsidenten "durchgeschleust" hatte, tat dies wohl deshalb - weil ich die einzige Frau war, die weder gold-schmuck-behangen noch durch Vitamin B erschienen war.
und
2. einige Wochen später; "me and my Team" hatten gerade den israelischen Pokal gewonnen, wurde mir von dem altgebeugten Mann, der nicht wusste, was Handball ist, der Pokal in Petach Tikva überreicht.

What a different the "made" made

Deutsche Wertarbeit und der Besitz eines deutschen Produktes oder Fabrikats ist in Israel Ausdruck von Qualität, Stil und Reichtum.
Eine Waschmachine, ein Haarfön, eine Spülmaschine, ein Wäschetrockner auf dem GRUNDIG, AEG oder Siemens steht, "is the most high quality" die Israelis anstreben. Dazu gibt es Addidas und Puma, Haba und Schieser, und noch viel mehr deutsche Firmen, die es schon gar nicht mehr gibt ... ach ja, und natürlich BMW, Mercedes Benz, Volkswagen und Porsche. Wobei letztgenannter Automobilhersteller "der unbezahlbare Traum" vieler Israelis ist.
In Israel wird die deutsche Wertarbeit höher geschätzt, als in Deutschland selbst. Denn viele deutsche Firmen haben ja bekanntermaßen ihre Produktionen mitlerweile ins Ausland verlegt. DAS hat der gemeine Israeli natürlich auch längst zur Kenntnis genommen und deshalb kaufen Isarelis nur deutsche Produkte, auf denen mit Brief und Siegel beglaubigt ist "Made in Germany"!

Na, da würde ich mal sagen: Von den Israelis können wir noch was lernen!
Und ein allgemeiner Ausspruch in Israel über deutsche Produkte ist: (frei Übersetzt) "Die arbeiten noch, wenn Deine Familie Deinen 20. Todestag feiert!"

Westerwelle gegen Peres

Simon Peres sprach im Bundestag hebräisch - auf jeder Titelseite jeder israelischen Tageszeitzung fand dieser Umstand sich in riesengroßen Lettern wieder. Die Zeitungen fanden rasanten Absatz; auf jedem Radiosender und jedem Fernsehsender überschlugen sich die Berichterstattungen darüber.
Die Rede wurde übrigens live übertragen: Radiosender wie TV-Stationen waren dabei und das ganze Land hörte zu.
Egal aus welchem politischen Lager; egal woher sie ehemals stammten; egal ob selbst vom Holocaust betroffen oder nicht: ALLE Isarelis versprühten für einige Tage einen ungeheuren Stolz. Und mit jedem, mit dem ich mich darüber unterhalten habe - jeder erwähnte, dass Simon Peres eigentlich über ein excellentes Englisch verfüge:
"But he spoke hebrew in the german Parlament!"

Wer kann, möge verstehen:
Wenn an gleicher Stelle, an der "uns Adolf" vor 75 Jahren von der "Ausrottung der Juden" (und noch mehr Unsinn) gesprochen hat - nun der Präsident Israels (des "Judenstaates") in der Muttersprache genau jenes Landes spricht, welches es nach "uns Adolf" eigentlich nicht geben dürfte ... dann ist das sowas wie ein "später" Sieg. Adolf ist tot, Israel lebt!

Gleichzeitig: als uns Guido (Westerwelle) vor einigen Wochen in Israel seinen Antrittsbesuch abstattete, war dies gerademal eine Notiz auf der Dritten Seite wert und das er Homosexuell ist, wurde mit keinem Wort erwähnt.
Das kann man positiv bewerten: ist Isarel die sog. "sexuelle Orientierung" nicht so wichtig. Ja, wäre schön - ist aber meiner Meinung nicht so. Der Grund, weshalb darüber in Isarel nicht berichtet wird, ist ganz simple: Deutschland soll bitte nicht als modernes und aufgeschlossenes Land bekannt werden.
Aber, wir pflegen doch alle unsere Vorurteile, oder?

Aus Bewachung wird schnell Überwachung

Israel ist wahrlich kein Polizeistaat, auch wenn man in den vergangenen Tagen das Gefühl haben könnte, es sei anders.
Seit Mitte der Woche steht und fährt an jeder Ecke Polizei - Straßensperren, Blaulicht überall und zu jeder Zeit; Kontrollen und zuweilen ganze Polizei-Korso. Ach ja, und nicht zu vergessen die Hubschrauber die inzwischen Tag und Nacht über uns kreisen. Irgendwie schon befremdlich - besonders wenn man, wie ich, nicht wirklich mitbekommt, was eventuell passiert ist.
Auf Nachfrage erfahre ich, dass die beiden (arabischen) Städte Tira und Tayyibe, jeweils nur ca. 4 Km entfernt, die Gründe für das monentane Polizeiaufgebot sind. Tayyibe soll die Hochburg arabischen Drogen- und Waffenhandels im Kernland Israels sein und in Tira manifestieren sich islamische Fundamentalisten. Dass wird wohl auch der Grund sein, weswegen ich bisher durch jede Polizeikontrolle durchgewunken wurde: ich sehe einfach zu deutsch aus.

Im Gegensatz dazu habe ich diesmal relativ wenig Soldaten bzw. Militär zu Gesicht bekommen. Da habe ich schon ganz andere Zeiten erlebt; Zeiten wo man hätte glauben können, das jeder Bürger Israels (ausgenommen die arabischen Israelis) in Uniform "arbeiten" gehen.
Diesmal also weder Panzer oder anderes Militärfahrzeug auf den Straßen; nur vereinzelte Soldaten auf "Heimaturlaub" und auch keine Maschinengewehre mehr, die im Cafe wie eine Handtasche über die Stuhllehne gehängt werden. Alles wirkt ganz friedlich. Aber das ist natürlich ein Trugschluss!
Israels Geheimdienst und Militär haben allein im vergangenen Jahr über 2000 geplante und versuchte Anschläge, Attentate bzw. Selbstmord-Attentate verhindert.
Diese Zahl sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!
ABER - der Kampf gegen Terroristen und politische Feinde hat natürlich Konsequenzen: meines erachtens ist Israel längst ein Überwachungsstaat geworden. Dem Staat entgeht nichts, aber auch gar nichts. Jedes Telefonat wird abgehört, jede Mail mitgelesen, jeder Tourist wird (ohne das er es mitbekommt) auf Herz und Nieren abeklopft. Überall in Israel Kameras, Mikrofone, Under-Cover Security; Päckchen und Pakete werden geöffnet, Briefe durchleuchtet.
Die Israelis selbst wissen das, aber ... haben sie eine andere Wahl?

Eine kleine, feine aber sehr aussagekräftige Bemerkung meiner Lehrerin möchte ich hier zitieren:
Wir sprachen in der Klasse über Politik, über den Iran, über Kapitalismus, Freiheit und... ach ja, über Menschenrechte. Daraufhin sagte sie: "Israel ist ein Rechtsstaat, eine Demokratie, und wir haben Menschenrechte ... mehr oder weniger!"

Das Lachen blieb im Halse ...

Der jüdische Witz ist für eigene Art des Humores bekannt ... doch der israelische Witz ist auch nicht ohne.
Hat mir heute ein israelischer Bekannter folgenden Witz erzählt:

Was ist der Unterschied zwischen einer Pizza und einem Juden?
Nun, die Pizza schreit nicht, wenn man sie in den Ofen schiebt.

Dienstag, 26. Januar 2010

Mach das Licht aus, bevor Du gehst

Einen Abendspaziergang in Ehren, kann niemand verwehren. Was ist auch schon dabei, eine alte Dame bei Dunkelheit nach Hause zu bringen. Sind ja auch nur 20 Minuten Fußweg.
So hatte ich gedacht, damals, an Rosh HaShana (jüd. Neujahr) irgendwann in den 90igern.
Aber Pustekuchen, das, was mich während dieses kurzen Fußmarsches erwartete - okay... hier die ganze Geschichte:

Wie gesagt, Rosh HaShana und ich bin von Michal, ihrer Oma Clem und der Familie zum Essen eingeladen. Die ganze Familie ist anwesend und mir gegenüber sitzt eine alte, sehr alte Oma. Etwas verhuzelt, runzlig... nun, alt eben.
Diese Oma wird gebracht, setzt sich ... ich bemerke sie kaum, zuviel Leute um mich rum, die Sprache, neue Traditionen etc. Erst nach einer ganzen Weile bemerke ich, das genau diese Oma mich anschaut, nein... sie starrt mich an! Unangenehm, ich weiß nicht, was ichmachen soll. Warum starrt die denn nur so. Starrt und sagt kein Wort.
Dann sehe ich den Grund: Zahlen an ihrem Arm. Warum nur bin ich keine Maus?

Es vergehen Stunden, die Oma starrt und ich versuche dieses Starren irgendwie und unauffällig zu überleben. Dann ist die Feier fast zuende und Michal kommt zu mir und fragt mich: "Could you bring my Grandma home?"
Aber ja, gerne - Erleichterung macht sich in mir breit, denn für mich ist die Großmutter von Michal eben jene Clementine Weizmann, die ich 8 Tage durch Deutschland kutschiert habe (siehe vorherigen Eintrag). Wie blöd nur, dass ich vergessen hatte, dass jeder Mensch zwei Großmütter hat.

Die starrende Oma war die andere Großmutter - und genau die Frau, die mich den gesamten Abend angestarrt hatte, als sei ich eine Warze, ein seltenes Tier oder irgende eine Andere Selte"samkeit" - bat nun darum, dass genau ich sie nach Hause brachte.
Ein Zurück gab es nicht mehr!
Und jetzt kommt der Spaziergang, 20 Minuten und ich halte mich kurz, berichte nur das nötigste, von dem, was sie mir auf diesem Weg erzählte:
geboren in Grevenbroich bei Köln - verlobt - deportoiert - Auschwitz - schwanger - abgetrieben - ansonsten ins Gas - drei Jahre - gearbeitet - überlebt - befreit von den Russen - Abtransport nach Sibirien - 12 Jahre - verheiratete wurden freigelassen - Heirat mit Mithäftling - zurück nach Grevenbroich - alle Tod - ehemaliger Verlobter nennt sie Hure (da Mithäftling geheiratet) - Emigration nach Amerika - Unfruchtbar durch Abtreibung - Sattlerei geführt - 1968 nach Israel - Mithäftlings(ehe)mann stirbt - lernt nie Hebräisch - keine Familie - Altersheim.

Ich bin völlig erschüttert! Und das nur vom Zuhören und nicht vom selbst Erleben!
Ich bringe sie in ihr Zimmer, sie sagt, ich solle mich setzen. Dann entkleidet sie sich, ihr Körper ist voller Narben, sie macht sich bett-fertig und fragt mich, wie ich heiße. Ich nenne ihr meinen Namen und ich glaube, dass meine Stimme dabei etwas zittert. Dann sagt sie mir ihren Namen: Berta Silberblum und bitte mich, bevor ich gehe, dass Licht in ihrer kleiner Diele auszuschalten.

Ping-Pong gegen Jesse Owens

Anfang der 90er Jahre nahm ich an einer politischen Veranstaltung in Jerusalem teil. In Wahrheit interessierte mich das politische Palaver viel weniger, als eine der damaligen Teilnehmerinnen: Yael Dayan! (Die Tochter von Moshe Dayan, dem ehemaligen Verteidigungsminister Israel. Für all jene, bei denen der Groschen äh Cent immer noch nicht gefallen ist: Der Mann mit der Augenklappe!)


Ich fuhr also nach Jerusalem, setzte mich in die erste Reihe und wartete darauf, dass die Veranstaltung beginnen würde. Damals wusste ich noch nichts von der Unpünktlichkeit der Israelis.
Wie ich so saß und wartete, kam ein Mann auf mich zu: ein Hühne von Mann, fast so alt wie das Jahrhundert damals und fragte mich (auf deutsch), ob er sich zu mir setzen dürfe. "Yes, of cause!" In meiner Aufregung war mir gar nciht aufgefallen, dass er mich auf deutsch angesprochen hatte.
Kaum saß er, begann er auch schon zu erzählen:
Er war in Leipzig geboren und "bevor die Schweine kamen" der letzte Gewinner in der Hammerwurfdiziplin der Maccabiade.
"Der was?"
Die Maccabiade ist die "jüdische Olympiade" - Aha!
Und weil er den Hammerwurfwettbewerb gewonnen hatte, erhielt er für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin Eintrittskarten: "Zum Ping-Pong!" Und er sagte tatasächlich Ping-Pong und ich musste darüber lächeln, aber er ließ sich nicht beirren sondern erzählte weiter:
"Ping-Pong war damals nicht gerade ein Sport den man sehen wollte. Leichtathelik, ja - darum rissen sich alle, aber wir waren ja Juden und bekamen deshalb keine Karten für das Olympiastadion!"
Und dann erzählte er, dass es da ja noch die Chinesen gegeben hatte, und die liebten Ping-Pong und wussten noch nichts von "Kauft nicht bei Juden". "Auf dem Ku`damm haben wir dann ein paar Chinesen angesprochen: die hatten Karten fürs Olympiastadion und wir hatten Karten für Ping-Pong!"
Als er davon erzählt, wie er den "schwarzen Blitz" Jesse Owens hat rennen sehen, blitzen seine Augen und ein schelmisches Lächeln legt sich auf die Lippen dieses alten Mannes: "Wenn der Adolf gewußt hätte, dass doch ein paar Juden im Publikum saßen ... aber er ist ja frühzeitig gegangen, dieser Feigling... Ich hab also sozusagen beide rennen sehen ...!"

Eine Reise bis zum Himmel

Und weiter geht es mit den Erinnerungen, die mich regelrecht überfallen!

Düsseldorf Flughafen 1990, Ankunfthalle und Golda Meir steht vor mir.
Nee, natürlich nicht wirklich, denn die erste Ministerpräsidentin Israels ist da schon tot. Man darf sich ja mal irren dürfen, oder?
Die Frau aber, die da in Düsseldorf vor mir steht und die jeder für Golda Meir hätte halten können, wird mein zukünftiges Denken und Empfinden so nachhaltig prägen, wie kein anderer Mensch in meinem Leben: es ist die Großmutter (hebr.=Safta) meiner israelischen Freundin Michal: Clementine Weizmann, verwitwete Hirschmann, geborene Schloß.

Clem, wie sie genannt wird, ist nach Deutschland gekommen, um nochmals (letztmals?) einige Plätze und Menschen aus ihrem "deutschen Leben" zu sehen und man hat mich gefragt, ob ich nicht die Betreuung in dieser Zeit, sozusagen die Reiseleitung für die mittlerweile 84jährige Dame übernehmen kann. Klar, gerne!

Wir fahren nach Münster - zu Prof. Dr. Rengsdorf - einem ehemaligen Uni-Kollegen von Dr. Boenhöffer, wir fahren nach Bergisch Gladbach, dort treffen wir auf eine Cousine, die 50 Jahre in Argentinien lebte (beide haben sich seit 1933 nicht mehr gesehen), wir fahren nach Frankfurt, wo anstelle ihres Elternhauses ein großes Hochhaus steht; wir fahren nach Darmstadt, wo sie auf die Kinder ihrer Jugendliebe trifft und wir fahren nach Dieburg, wo ihre "Busenfreundin" beerdigt liegt. Wir fahren und fahren, wir sehen Plätze und Orte ihres Lebens und wenn sie wieder in mein Auto steigt und ihren kleinen Eric-Ode-Hut gegen die Sonne aufsetzt, dann schweigt sie.
Minutenlang. Stundenlang.
Nur manchmal höre ich sie etwas schluchzen, aber der Verkehr auf der Autobahn ist so laut und damit ich ja nicht denken könnte, dass sie vielleicht weine, sagt sie Sätze wie: "Hach, hier ist so schön grün!" und das dass, im Gegensatz zu Israel so erholsam für die Augen sei.

Abends bittet sie mich ihr langes Haar zu entknoten, zu kämmen; ihr das Gebiss in Reinigungswaser einzulegen; ihre geschundenen Füsse müssen mit einer speziellen Salbe eingerieben werden; der Rücken massiert; die Augen beträufelt; das Nachthemd übergestreift und eine Batterie von Tabletten eingenommen werden.
Bevor sie schlafen kann, decke ich sie zu, stelle ihr ein kleines Lichtlein an den Nachtisch, dazu ein Glas Wasser und sie weiß, dass sie mich jederzeit wecken kann. Ich schlafe immer neben ihr.

Es sind 8 stressige Tage, denn ich bin: Altenbetreuerin, Fahrerin, Übersetzerin, Hilfeleisterin und zuweilen auch "Rambock" für ungefilterte Emotionen.
Aber es sind auch die wundervollsten 8 Tage meines Lebens, denn ich lerne viel: über Deutschland, unsere Geschichte, Familie, Vertreibung, Heimat, Ausbürgerung, Mut, Kraft, auch über Religion und am allermeisten über mich selbst.

Dann fliegt sie zurück. Weg ist sie. Danke hat sie gesagt: mehr nicht, und als ich etwas irritiert dreinblickte, fügte sie leise an: "Ich hätte dieses Land nie verlassen, dass war mein Land - aber: man hat mich rausgeschmissen. Ich kann froh sein, dass ich noch lebe...in Israel!"

Ein Jahr später!
Ich bin mal wieder in Israel und Clem hat mich eingeladen, sie in ihrem Altenheim, wo sie inzwischen wohnt zu besuchen. Das gerade ein hoher jüdischer Feiertag ansteht, weiß ich nicht.
Ich sitze in ihrem Zimmer; Tee und Gebäck hat sie gereicht; Goethe und Schiller stehen als komplette Ausgabe in ihrem Bücherregal. Überhaupt: alles ist recht deutsch.
Dann kommen ihre Kinder, ihre Enkelkinder... sie reden miteinander und bevor jeder einzelne wieder geht, legt Clem ihnen ihre Hände über das Haupt und nach einer ganzen Weile begreife ich, dass sie als die Familienälteste alle segnet! Komisch, ich bin richtig berührt davon, das segnen wirkt so echt und plötzlich habe ich einen Klos im Hals.
Dann ruft sie mich. "Boi!", sagt sie auf hebräisch (nicht auf deutsch) und ihre Familienmitglieder sind noch da und ich fühle mich befangen. Dann deutet sie mir an ich solle mich (wie alle zuvor) niederknien und ich tue was sie sagt: dann legt sie ihre Hände (wie bei allen zuvor) über meinen Kopf und spricht einige hebräische Worte.

Sie segnet mich!
Es ist, als ob mir etwas zuteil wird, wonach ich mein Leben lang gesehnt hatte; ich verstehe nicht, was sie da sagt, aber von ihren Händen durchströmt mich sofort eine Kraft, eine Energie - die bis zu meinen Füßen gelangt.
Seither fühle ich mich wie von einer Schutzhülle umgeben - mir kann nichts mehr passieren in meinem Leben.

Der quierlige Mann mit der Nummer

Bevor man geht, kommen sie: die Erinnerungen - so auch bei mir.
Meine aller allererste Erinnerung an Israel ist die an einen Mann: Abraham Raz! Als ich am 21.6.1989 das Sinai-Hotel (das gibt es heute nicht mehr) in der Trumpeldor-Street morgens gegen 5:30 Uhr in Tel Aviv betreten wollte, war er der erste Israeli, dem ich bewußt begegnete: er hielt mir lächelnd die Tür auf und an dem Arm, der mir die Tür aufhielt, prangt DIESE Nummer. Das ich damals innerlich fast zur Salzsäule erstarrte, brauche ich nicht weiter auszuführen. Oder?

Doch Abraham Raz hielt mir nicht nur die Tür auf, er begann sich auch mit mir zuu unterhalten, lud mich zu einem Kaffee auf der Hotel-Terasse ein, lachte unentwegt und erzählte mir an diesem ersten Morgen in Tel Aviv sein halbes Leben. Danach fuhr er mich (er arbeitete als Taxifahrer) zwei Stunden durch ganz Tel Aviv; zeigte und erzählte mir alles wissenswerte über diese Stadt, am späten Vormittag brachte er mich in sein Zuhause; seine Frau hatte Kaffee und Kuchen aufgetischt und Abraham Raz wühlte in alten Papieren, zeigte mir seinen ehemaligen Deutschen Pass und seinen ersten israelischen... noch original von David Ben-Gurion unterzeichnet.

Puh! Gegen 13 Uhr war ich wieder im Hotel - meine Mitreisenden waren da gerade aus ihren Betten geschlüpft und ich war so "vollgefüllt" von dieser Begegnung.
Damit wäre die Begegnung mit Abraham Raz eigentlich beendet. Wenn, ja wenn das Leben nicht seine eigenen Wege gehen würde!

Ungefähr zehn Jahre später stehe ich mit einer deutschen Freundin in Tel Aviv am Straßenrand - es ist brütend heiß und wir sind an der falschen Haltestelle aus dem Bus gestiegen. Auf der Gegenfahrbahn fährt das einzige Taxi, wir winken, das Taxi macht einen U-Turn, wir steigen ein: Sie vorne, ich hinten!
Es ist heiß, ich bin gestresst, lasse ich mich in die glühend heißen Lederpolster sinken und höre nur von ferne wie der Fahrer mit meiner Freundin spricht. Da plötzlich kriecht aus den Tiefen meiner Errinnerung der Gedanke hervor, dass ich diese Stimme schon irgendwomal gehört habe. Nur wo?
Plötzlich höre ich mich fragen:
"Your Name is Abraham Raz, right?"
Der Fahrer ist geschockt, Stille - dann sagt er: "Hey, Du hast meinen Namen auf meiner Zulasssung, die über dem Vordersitz hängt, gelesen!"
Darauf spule ich wie in Trance einige Fakten aus seinem Leben herunter: "Geboren in Polen, 3 Geschwister, KZ, Nummer 2456 ... (mehr weiß ich nicht mehr) nach Israel 1947, mit einem Deutschen Ingenieur namens Wagner an einer Wasseraufbereitungsanlage im Negev gearbeitet, verheiratet mit Noam, wohnhaft in ..."
"Stop, Stop!", schreit er, bremst sein Taxi abrupt ab ... haut meiner Freundin mit der flachen Hand auf ihre nackten Oberschenkel, so dass deren Haut knallrot wird ... und ruft sofort seine Frau an.
Die macht Kaffee und Kuchen und Abraham Raz wühlt in seinen alten Unterlagen.

Für den Fall der Fälle

Wer weiß schon, was die Zukunft bringt! Und das dass niemand wissen kann, das haben die Israelis längst realisiert und sorgen deshalb vor!
Siehe hier:

Samstag, 23. Januar 2010

Hierfür gibt es nur ein Wort: Perfekt!

Was lange währt, wird endlich wahr!
David Broza hat gestern Abend eine wirklich perfekte Vorstellung abgeliefert - zeitweise hatte mich die Gänsehaut von oben bis unten (und wieder zurück) überfallen!

Aber zurück auf Start:
Tel Aviv, Musikclub "reading3" im ehemaligen Hafen von Tel Aviv, dessen verfallenen Lagerhallen mittlerweile einen Musiktempel und vollbesetzten Club nach dem anderen beherbergt, 22:30 Uhr und ca. 1200 Gäste an Vierertischen warten auf IHN!
Das Ambiente ist "the american way of Entertainment": bläuliches Licht, Kerzen, gedeckte Tische, vor dem Konzert verzehren die Gäste teure Menues, dazu europäische Weine.
Ich dagegen bestelle mir ein einheimisches Bier!
Gegen 23 Uhr geht das Licht aus, die Bühne beleuchtet nur ein einziger Scheinwerfer einen Barhocker ... und dann kommt er: schwarz gekleidet, spansiche Gitarre und ein Mikrofon: die Leute flippen aus und ich bin vollkommen von seinem Charisma beeindruckt. Kann ich auch sein, sitze ich an einem Tisch, der gerademal drei Meter von der Bühne entfernt steht!

Der Mann sieht einfach umwerfend aus, hat eine so unverkennbar rau-weiche Stimme - die vom Ohr direkt in die Seele vordringt und spielt dazu noch so perfekt Gitarre; dass man glauben könnte, er habe diese schon im Mutterleib gespielt. Von diesem Können zeigt er während des Abends übrigens auf der spanischen, der klassischen, der akustischen und der elektrischen!
Nach und nach betreten weitere Musiker die Bühne und reihen sich in sein Gitarrenspiel ein; die Lieder die er im Laufe des Abends spielt sind wahre "Klassiker" in Israel und ich habe selten sowas professionelles gehört, wie gestern abend.
Und ich kann es nur nochmals betonen: Perfekt!

Nun, und wer nun denkt: "Toll, but who the f*** is David Broza?", dem sei gesagt, dass eben genau dieser israelische Musiker z.B. in Amerika kein Unbekannter ist. Arbeitet er u.a. mit Jonathan Geffen zusammen, der wiederum in Hollywood als Komponist von Filmmusik recht erfolgreich ist.
In der spanisch sprechenden Hemisphäre füllt Broza Hallen mit seinen Rumba-Samba-Flamenco-"keiner kann die Hüften stillhalten"-Interpretationen. Unsterblich wurde er durch die gemeinsame Arbeit mit der Stimme Süd-Amerikas: Mercedes Sosa (Gott hab sie seelig!)


Sieh hier:








Sonntag, 17. Januar 2010

Eigene (nicht sehr neue) Erkenntnisse.

Kaum zu glauben, aber wahr: Ich bin Deutsch, und nicht nur das - ich glaube, ich bin ur-deutsch oder zuweilen sogar deutscher als deutsch!
Wie immer, bzw: alle, die ins Ausland reisen und dort einige Zeit verbringen, lernen nicht nur das Land ihrer Wahl sondern auch ihre eigenen nationengebundenen Eigenschaften (erstmal!) kennen.

Nun bin ich ja nicht zum ersten Mal in Israel oder in einem außereuropäischen Land - und dennoch sind mir mal wieder sehr viele Erkenntnisse über mich und über meine "Blutsverwandtschaft" Deutschland klar geworden. Besonders:
  • ich liebe Pünktlichkeit, ich finde Pünktlichkeit geradezu geil! Pünktlichkeit hat was erotisches, zieht mich magisch an, Pünktlichkeit kann die höchste Form des Respektes sein. Pünktliche Menschen sind Freunde des Deutschtums! Ich bin Super-Pünktlich und meine israelischen Freunde machen sich mittlerweile den Scherz mir zu sagen: "Okay, wir treffen uns um 14:26 h und 34 Sekunden." Ich bin immer in time!, und sie staunen. Wie geht denn das, fragen sie!
  • ich hasse Geräusche beim Essen. Deutscher gehts gar nicht mehr. In Israel wird geschmatzt, die Gabel an den Zähnen entlanggezogen (hui), mit vollem Mund geredet - so dass die Speisebrocken nur so durch die Gegend fliegen), telefoniert, geschrieen, aufgestanden, weggerannt, Messer und Gabel quitschend aneinander gerieben, Radio gehört, ein Computerspiel ballert im Hintergrund weiter - Ich bleibe dabei: ich hasse Geräusche beim Essen!
  • erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Ich will wissen, wann ich arbeite und wie lange ich arbeite. Ich bin so typisch deutsch, so typisch: "Schnaps ist Schnaps und Bier ist Bier! Und hier kommt sozusagen "alle Welt" ein Freund vorbei, Stam (סטם )= einfach so und dann wird gequtscht, Kaffe getrunken... und irgendwann gehts dann weiter... bis der nächste Freund Stam vorbeikommt.  
  • Ohne Ordnung, kein Genuß. Beispiel: Es ist Freitagabend (Shabbat), ich werde eingeladen, ganz besonders auf ein Glas Wein: "Lets have a nice time!" Wow, denke ich mir, super - und freu mich wie verrückt. Ich geh`unter die Dusche, mach mich schick und hol das letzte aus mir raus. Ich bin gut gelaunt und fahr noch in einen Blumenladen und kauf ein kleines Sträußchen. Beim Gastgeber angekommen (Pünktlich, wie immer!) ist das gesamte Haus dunkel - ich gehe trotzdem hinein (würde mir in Deutschland nicht im Traum einfallen) und siehe da: die Gastgeber schlafen. Nachdem sie erwacht sind (unrasiert in ausgebeulten Jogginghosen) fragen sie freundlich, ob ich was trinken möchte. Aber klar doch... ich dachte an ein Glas Wein oder so. "No, sory, we just have water!" So bekomme ich ein Glas Leitungswasser und bis die Gastgeber wieder völlig im Besitz ihrer geistigen Kräfte sind, lege ich mich nochmal aufs Sofa und schlaf ne Runde. Weshalb war ich eigentlich wieder mal Pünktlich? Und das Haus sieht aus wie Sau - mein Genuß-Gen habe ich in Urlaub geschickt.
  • Ich telefoniere nur, wenn ich einen Grund habe. Pustekuchen, mit dieser Einstellung ist man in Israel einfach nur out. Aber völlig! In Israel folgen Telefonate folgender Regel:  
    Empfänger
    : "Hallo?" (da reg ich mich schon auf, können die denn nicht ihren Namen nennen?)
    Anrufer: "Wie geht es Dir?" (Auch der Anrufer nennt nicht seinen Namen, aber alle wissen immer wer am Apparat ist? Für mich ein großes Misterium!)
    Empfänger: "Gut! Und Dir?"
    Anrufer: "Alles bestens, was gibts neues?"
    Empfänger: "Nichts, und bei Dir?" (Ob der Empänger wirklich weiß, wer da anruft, stelle ich nun mal in Frage!)
    Anrufer: "Nichts neues! Wie fühlst Du Dich?"
    Empfänger: "Gut, und Du?"
    Anrufer: "Auch gut, Danke das Du nachfragst!"
    Und dann folgen die Fragen, wie denn der Mann, die Frau, der Freund, die Freundin, die Kinder, der Vater, die Mutter, der Cousin, die Cousine, die Nachbarn und der Hund sich fühlt. Nachem das dann alles abgehandelt wurde ...bedanke sich beide für das Gespräch und legen auf. (Ich saß schon oft nebendran und dachte: Äh, wieso hat der eigentlich angerufen?) Aber nach kaum 5 Minuten geht das Handy (Pelefon) nochmals, die Fragen nach "Mah Nischma?" (=Wie geht es Dir?) beginnen von Neuem - nur nach Oma, Opa und dem Hund wird nicht mehr gefragt, denn dann ist es Zeit zu sagen, was man eigentlich sagen (oder fragen) wollte.
    Boah, soviel Zeit
    hätte ich gar nicht in meinem Leben und ich muss auf Israelis wirklich sehr unfreundlich wirken, weil ich immer gleich sage, weshalb ich anrufe!
  • Kalt, wie eine Hundeschnauze - muss ich auf die Israelis wirken. Ich betrachte Menschen erstmal von der inneren Entfernung, reiche brav die Hand zur Begrüßung, frage nochmals nach, wo Israelis längst bei einem anderen Thema sind, lade niemanden zu mir nach Hause ein, den ich gerade erst kennen gelernt habe, gehe nirgendwohin wohin ich nicht expliziet eingeladen wurde und (am allerwichtigsten) schreie nicht meine Meinung in Diskussionen hinein und rufe nirgendwo nach 21 Uhr an.

    I`m so german!

Israel benötigt unbedingt:

  • mehrlagiges Toilettenpapier! Mit dem hiesig üblichen kann man eventuell einem Kind die Nase putzen - aber doch keinen mhmhmh abwischen.
  • einfache Durchlauferhitzer, damit endlich diese Wasserverschwendung aufhört und man seine Hände auch mal mit warmem Wasser waschen kann, ohne zuvor stundenlang das Wasser laufane lassen zu müssen.
  • anständige Straßenlaternen, damit nicht immer einer in der Nacht mit der Taschenlampe vor dem Auto herlaufen muss. Die Autoscheinwerfer lassen nämlich auch zu wünschen übrig!
  • Putzmittel die auch putzen. Israelische Putzmittel sind so scharf - so dass sie einem sofort die Haut von der Hand fressen - ohne Handschuhe sollte man nicht ins Putzwasser langen. Aber putzen, nee - putzen tun sie nicht! Und außerdem riechen sie nicht so frisch nach Putzmittel wie in Deutschland, sondern nur nach Chemie.
  • allgemeingültige Öffnungszeiten. Fragt man zwei Israelis danach, wann denn die Post, die Bank oder der Supermarkt öffnet - erhält man entweder drei verschiedene Zeiten genannt... oder einfach nur ein Schulterzucken.
  • Busfahrpläne! Noch nie habe ich an einer israelischen Bushaltestelle einen Fahrplan gesehen. Hier gilt: hinstellen, warten und hoffen das ein Bus vorbeikommt.
  • Pfandrückgabe: jeder erzählt mir hier ganz stolz, dass es endlich eine Pfandrückgabe für Glas- und Plastikflaschen gibt. Aber alle schmeißen die Flaschen immer noch einfach in den Müll.
  • Europäische Uhren - denn die Israelis müssen andere Uhren haben: sagen sie, sie sind in 3 Minuten da - kommen sie in einer Stunde und sagen sie "Ich bin schon auf dem Weg", sitzen sie noch nicht mal im Auto und versprechen sie, dass es nicht lange dauern wird, kann man sich auf einige Tage einstellen.
  • anständig isolierte Häuser! Im Winter friert man sich hier echt den Arsch ab - draußen hat es um die 20 Grad und in den Häusern gefriert der Kaffee in der Tasse.
  • bessere Politiker. Besonders nach dem letzten, hochnotpeinlichen Vorfall mit den türkischen Gästen. Das nannte die HaAretz nur "Wie im Kindergarten".

Plötzlich und unerwartet

Auch das scheint typisch israelisch zu sein: Hatte ich im vergangenen Jahr das allerletzte Konzert von David Broza verpasst - spielt er jetzt doch noch mal in Tel Aviv!

David Broza ist hierzulande in seinem Star-Status etwa mit Herbert Grönemeyer oder M.M. Westernhagen zu vergleichen - und die letztgenannten kündigen ihre Konzerte locker ein Jahr vorher an.
Doch David Broza scheint sich plötzlich erinnert zu haben, dass sein vielumjubeltes Album "HaIscha scheIti" (frei überetzt = Die Frau die mit mir) 25 Jahre alt wird, kam aus den USA (wo er lebt) angeflogen und hat kurzerhand in Tel Aviv ein Konzert angesetzt: kommenden Freitag im alten Hafen von Tel Aviv.

Hier das Titellied des Albums


Ich verisraelisiere so langsam aber sicher

Habe mich einge Tage schon nicht mehr zu Wort gemeldet - und das hat einen ganz einfachen Grund: ich habe keine Zeit! Und wenn ich doch mal Zeit habe - dann habe ich längst vergessen, was ich eigentlich tun wollte.
Sich gegen die Lebensweise der Israelis zu wehren, gleicht einem Kampf gegen Windmühlen: entweder man wird genauso chaotisch, unpünktlich, vergesslich und unstrukturiert wie die Mehrheit - oder man hat einfach keine Chance am täglichen Leben hier teilzunehmen.
Für immer und ewig will man ja auch nicht die unflexible Deutsche bleiben, die schon bei 3 Minuten Verspätung missmutig auf die Uhr blickt oder pikiert dreinschaut, nur weil die gerade gewechselte Windel während des Essens auf dem Tisch liegt oder plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung alle Pläne für das Wochenende kurzerhand umgeworfen werden, um nach einer weiteren Stunde zu erfahren, dass man nun doch noch nach Elat fährt - aber eben erst gegen Mitternacht!

Was soll der Geiz auch mit der Zeit und den Nerven - kein Wunder also, dass im hebräischen das Verb: "basbes" gleichzeitig spenden und verschwenden bedeutet. Bezeichnend auch, dass vielen Israelis der Unterschied zwischen beiden Bedeutungen gar nicht so klar ist und sie gar nicht verstehen, weshalb ich dies so expliziet erwähnte.

Und ich? Na, nach nunmehr fast 3 Monaten finde ich meinen Kopf einfach nicht wieder: mein Auto ist zugemüllt mit Schnullern, Büchern, Windeln (unbenutzen!), Feuerzeugen, Lottoscheinen, Wäsche und Notizzetteln, die ich immer dann nicht wieder finde, wenn ich sie benötige. Also schreibe ich neue und lass auch die irgendwo liegen!
In meiner Wohnung stapeln sich noch ungelesene Zeitungen, Schulbücher, neu erworbene DvDs, leeren Plastikflaschen (ich suche immer noch die Pfandrückgabe!) und (gefühlt) hundert von Blätter mit hebräischen Vokabeln.
In meinem Kopf herrscht die völlige Anarchie: ich kann mir nichts mehr merken, wann ich mit Wem und Wo verabredet bin, bringe immer noch die Tage durcheinander - sogar den, an demich zurück fliege. Also mache ich mir auch darüber Notizen ... und: verlege den Zettel.

Aber ich bin mir sicher: nach nicht einmal 3 Tagen unter dem Druck des germanischen Ordnungs- und Pünktlichkeitswahnes bin ich wieder ganz die Alte. Schade!

Donnerstag, 14. Januar 2010

Bin mal kurz sehr berührt ...

vom Tod der Petra Schürmann!
Ich gebe es unumwunden zu: ich konnte die Frau früher einfach nicht ab! Aber irgendwann habe ich auf Bayern3 einen Dokumentar-Film über gerade diese Frau und ihr "psychisch-gesundheitliches" Schicksal seit dem Tod ihrer Tochter Alexandra 2002 gesehen.
Seitdem gingen mir viel Gedanken durch den Kopf und ich enpfand es als wahrlich tragisch, wie eine so lebhafte, hübsche Frau plötzlich im "Nichts" ihrers bisherigen Seins verschwindet. Diese Trauer einer Mutter hatte mich völlig berührt.
Und das sie nun tot ist - berührt mich auch, auf sonderlich Weise!

Vielleicht trifft sie nun ihre Tochter - und redet wieder!

And this is to typical me!

Ganz nach dem Motto: wo ein Fettnäpfchen ist, sollte man auch reintreten!
Heidrun und ich saßen gestern vor der Schule mal wieder im Garten und klönten über Gott und die Welt, als Pascal - eine religiöse Mitschülerin zu uns stieß. Wie ich sie so anschaue, fällt mir auf, dass sie eine neue, kurze Frisur hat und weil ich ein aufmerksamer Mensch bin, frage ich Pascal sofort, ob sie denn beim Friseur gewesen ist.
"No, no", sagt Pascal, "Why?"
Nun, sage ich ihr, Dein Haar ist doch viel kürzer und Du hast eine neue Frisur.
"No, I was`nt at the Hair-cutter!"
"Aber Du musst beim Friseur gewesen sein!" bestehe ich auf meinen guten Blick und ziehe auch noch Heidrun in das Gespräch hinein: "Heidrun, jetzt sag doch mal, Pascal war doch beim Friseur, oder nicht!"
Heidrun musstert Pascal, doch ehe sie ihre Meinung zum Haar-Problem abgeben kann, sagt Pascal: "This is not my real Hair!"
Aha - und erst jetzt fällt mir auf, dass das Haar tatsächlich nciht echt aussieht und einfach nur eine gutgemachte und flotte Perücke ist. Verdammt, wie konnte ich vergessen, dass Pascal (wie alle anderen religiösen Mitschülerinnen) niemals ohne Kopfbedeckung auf die Straße gehen, und wenn doch ohne Hut oder Kopftuch sie eine Perücke tragen.
Schluck!
Aber Pascal sieht das ganz locker und sagt nur: "If you can`t recognice that this not my real Hair, it seemed that it is a good work at my head!"

Dienstag, 12. Januar 2010

Thats so typical israelisch

Wie knüpfen Israelis Kontakte? Ganz einfach: sie knüpfen sie.
In einem Buchladen vor zwei Wochen: meine Mutter und ich stöbern uns durch die Bücher und unterhalten uns dabei. Ich übersetze ihr den ein oder anderen Buchtitel, als uns plötzlich eine Dame um die sechzig auf deutsch anspricht:
"Wie wundervoll ist das denn, Sie sprechen deutsch!"
Zunächst sind wir natürlich ein wenig verdutzt, denn das Wort wundervoll in Israel in Bezug auf die Deutsche Sprache zu hören, ist auch nicht gerade alltäglich.
Ähm, ja, was könnten wir antworten, wir lächeln beide etwas betreten.
"Wissen Sie," fährt die Dame fort, "die Jecken sterben ja langsam aus in Israel und nun ist niemand mehr da, mit dem man noch deutsch sprechen könnte!"
Ihr leichter Akzent lässt vermuten, dass deutsch nicht wirklich ihre Muttersprache ist. Wir lächel nimmer noch etwas betreten.
"Sie müssen mich unbedingt besuchen kommen!" Ach ja? Und wie sie ihr Handy aus der Tasche zieht, um mir ihre Telefonnummer zu geben, plappert sie munter drauf los und erzählt uns, dass sie vor 30 Jahren in Düsseldorf bei Josef Boyse Kunst studiert hat "Da war ich noch revolutionär, jetzt bin ich alt!" und dass sie dort ihren Mann kennen gelernt hat, mit dem drei Kinder hat, die sich übrigens auch sehr freuen würden, mit uns deutsch zu reden und dann gibt sie mir ihre Nummer und nimmt mir das Versprechen ab, sie auch wirklich anzurufen und vorbeizukommen. Boing - und dann war sie weg.
Gestern habe ich Nili also angerufen und besuche sie kommenden Montag in Hod HaSahron.
So einfach ist das in Israel!

Sonntag, 10. Januar 2010

Ab heute laufen die Tage rückwärts ...

... und vorwärts liegt mein Heimflug!
Ich will wirklich nicht klagen - noch habe ich 3 Wochen bis zum meiner Rückkehr nach Deutschland - aber einer gewissen auftretenden Trauer kann ich mich nicht erwehren. Besonders nicht, weil ich mittlerweile täglich darauf angesprochen werde:
von Jossi, dem Verkäufer im Kiosk, in dem ich immer meine Zigartten kaufe (ja, ich rauche immer noch!) und der mir zu jeder single Schachtel ein Feuerzeig schenkt, so dass ich nun selbst schon einen Feuerzeighandel betreiben könnte.
von Ruti, der Nanny von Neta & Yoram, bei der ich immer esse, wenn ich selbst zufaul zum kochen bin,
von Avi, dem Hausmeister in der Schule, der mich morgens mit einem hinreißenden zahnlosen Lächeln begrüßt und mir vor ein paar Wochen sagte, ich hätte so eine schöne Handschrift im hebräischen,
von Aviran & Gadi, dem schwulen Ehepaar aus Tel Aviv, die gerade jetzt - just in diesem Moment - in Los Angeles mit ihrem ersten Sohn Tomer in einem Kreissaal sitzen und auf die Ankunft ihrer Zwillinge warten,
von Heidrun, mit der ich jeden Morgen in der Schule klöne, richtig gut lachen kann und die mich immer in die Seite bufft (Weshalb eigentlich?),
und von ... Nitzan, Iris, Ruti, Elli, Carmel, Shulamit, Noa, der Frau von der Post, Na`am, Pedro, Elaine, dem Wachmann vom Supermarkt, Offer, Suni, Daniel, David, Marianne, Nili,Michal, Oren, Peleg, Inbar, Linor, Pascal, Runit, Galia, der Kassiererin an der Tankstelle, Paul, Gil, Yehuda, Sheiky, den palästinensischen Buben, die immer die Einkaufswagen einsammeln und mir dabei immer ein Lächeln geschenkt haben, Ilana, Zippy und alle, die ich jetzt hofentlich nciht vergessen habe!

Ich hasse nichts mehr als Pathos. Und genau deshalb erlaube ich mir folgendes zu behaupten: es wird wohl kein Land auf der Erde geben, indem der Mensch (der noch Mensch ist) so mit Sympathie und Liebe getränkt wird, dem eine solche uneingeschränkte Hilfsbereitschaft zuteil wird und dem seine Individualität so gelassen wird, wie sie ihm "der Herrgott" mitgegeben hatte, wie in Israel!
Ob aller Bedrohung, ob aller Zerissenheit und Eile, die in Israel vorherrscht - ob aller millitärischen Notwendigkeiten, aller unverkennbaren Zweifel am eigenen Tun, ob aller Probleme und Angriffe der Welt gegen Israel; ob aller Wachmänner, Sicherheitsmaßnahmen und sogar ob all der schlechten Autofahrer in Israel - ob allem "herrscht" hier die Wärme ... und nicht nur die von oben!

Führen wir den Panzer gassi ...

... irgendwohin, wo er keinen Schaden anrichten kann.
Nur - wo ist das?


Samstag, 9. Januar 2010

Juden an J.B. Kerners Dummheit schuld?

Lese ich heute einige Beiträge zum Thema "Eva Herman und der geplante Rausschmiss bei Kerner im Jahr 2007" (wer erinnert sich nicht?) finde ich u.a. auch folgende Statements:

#
Peter // Jun 6, 2009 at 19:07
Das ist die Folge der judendurchseuchten Medien. Wer die Wahrheit sagt, wird von dieser Mischpoke erbarumunglos vernichtet. Und die Schleimlecker beim Fernsehen – wie Kerner – spielen dieses miese Spiel mit.

#
17 Peter // Jun 6, 2009 at 19:14
Ist doch klar! Die Zeit ist ein Hetzblatt, bei dem diese Mischpoke permanent auf die Deutschen hetzt. Joffe, auch ein verlogener Jude, leistet dabei “hervorragende” Arbeit!

Meine Meinung:
Peter ist wahrscheinlich ein arbeitsloser Journalist, Legastheniker, hat Pickel im Gesichtund einen kleinen Schwanz. Deshalb hat ihn auch seine jüdische Freundin verlassen!

Freitag, 8. Januar 2010

Israelische Kampagne gegen Ewiggestrige

Homophobie - auch in Israel ein Thema, mit dem sich die Gesellschaft zunehmend auseinandersetzen muss - und von seiten der Regierung auch will. Besonders nach dem brutalen Überfall auf einen Jugendclub junger schwuler Israelis in Tel Aviv im vergangenen Jahr, vergeht kaum ein Tag in Israel, an dem sich diesem Thema nicht gewidmet wird.

Die Zeiten, in denen Schwule und Lesben in Israel überwiegend "in the closet" lebten, neigen sich dem Ende zu. Immer mehr junge Menschen sind "out und proud", und so heißt z.B. auch die schwul-lesbische Veranstaltungsseite in der Wochendendausgabe der HaAretz ganz einfach PROUD!
Im israelischen TV laufen zur Zeit einige sehr einfache, aber direkte Clips:

Die zwei Textzeilen die im Clip nacheinander erscheinen, lauten:
1. Zeile:
Alle diese Personen hatten gestern Sex.

2. Zeile:
Interessiert es Dich wirklich mit wem?




Oder der hier:
"Möchtest Du in einer Welt leben, in der wir alles das gleiche Lieben und exakt das gleiche denken?"
Nachdem das Mädchen die Bar betritt:
"Welch` ein Glück, dass es unterschiedliche Menschen gibt."



Mit dieser Verwandtschaft muss man leben können

Wie leben sie heute, die sog. "Kinder Hitlers"?
Ein beeindruckender Film, in dem die Tochter Amon Goeths, die Enkelin von Goering und anderen Massenmördern der Nazis über ihr Leben, ihr Denken und ihre Verarbeitung berichten.
Hier der link.

SS-Runen im Haar


Stehe ich gestern an der Supermarktkasse und warte, dass die Dame vor mir endlich ihren Kram zusammempackt - sehe ich in einer Angebotsschale ein sehr bekanntes und in Deutschland verbotenes Symbol: die SS-Runen.

Hoppla, was machen die denn in Israel an einer Supermarktkasse.

Ganz neu und im Angebot, für nur 10 NIS können israelische Eltern ihren süßen Töchtern die SS-Runen als strassbesetzte Haarspange an den Kopf machen. Ja, wo gibts denn sowas... sieht und merkt das denn niemand??



Im Eifer des Gefechtes - zwischen Waren auf das Laufband legen, bezahlen und einpacken, wurde das Bild leider etwas unscharf! Zwar sind die "Runen" verkehrt herum, aber dennoch eindeutig erkennbar, oder?

Mittwoch, 6. Januar 2010

Ein Runde Mitleid für Netanjahu


Ein Wächter der nicht wacht ...

... ist wie ein Taucher der nichts taucht!
In Kochav Yair gibt es ein Security-Gate wie in allen Moschvim und kleinen Ortschaften in Israel. Fährt man mit dem Auto nach Kochav Yair hinein, erreicht man zuerst eine kleine Straßenbarriere, an der man das Tempo gehörig drosseln muss. Links steht Tag und Nacht ein oder mehrere Wachmänner, die mit ernster Mine in jedes Auto hineinblicken und erst nachdem sie sich überzeugt haben, dass kein Terrorist oder Attentäter sich darin befindet, den Pkw "durchwinken".

Nach welchen Anhaltspunkten sie die Terroristensuche begehen, ist mir bis heute nicht klar: es wird weder ein Kofferraum geöffnet, noch völlig Fremden Fragen nach dem Grund ihres Besuches gestellt. In der Nacht ist dieser Check-Point erhellt wie der Frankfurter Flughafen und an regnerischen Tagen kommen die Wachmänner nicht einmal aus ihrem Wachhäuschen heraus.
Jede Familie in Kochav Yair muss monatlich 80 NIS (=ca. 18 Euro) für diese "Sicherheit" bezahlen, die im Grunde gar keine Sicherheit ist, denn gestern habe ich erfahren, dass diese Wachmänner im Falle eines Falles nicht eingreifen dürfen.
Die Wachmänner tragen zwar Waffen, eine kleine Pistole am Gürtel, dürfen diese aber nicht benutzen. Nicht mal einen kleinen Dieb dürften sie aufhalten. Da sie keine "Vertreter" des Gestzes sind (Polizisten, Millitär etc.), sondern nur Wachmänner. Das ist ja fast so unsinnig wie die UN-Mitarbeiter (Blauhelme), die im Norden Israels wie im Süden des Libanon "Wache schieben" bzw. das Gebiet befrieden sollen und bei Ausbruch von Gewalttätigkeiten zwischen den verfeineten Parteien nur zuschauen dürfen.
Die Kampfhähne anfeuern dürfen sie aber sicherlich - für irgendwas müssen wir sie ja schließlich bezahlen, oder?

Samstag, 2. Januar 2010

Wenn der eigene Arm die Sicht versperrt.

Hebräisch, Lektion 3:
Wieso schreiben eigentlich die Israelis (natürlich auch die Araber oder Perser) von rechts nach links? Gute Frage, nächste Frage... ach ne, denn so schwer ist die Antwort gar nicht.

Stellt Euch vor, ihr müsstet mit Keil und Hammer einen Satz in einen Stein hämmern: links den Keil, rechts den Hammer. Jetzt fangt ihr fröhlich von links nach rechts an zu hämmern und wie ihr so hämmert, wollt ihr auch sehen, was ihr da hämmert... ob der Buchstabe gerade und korrekt geschrieben ist. Doch ihr könnt nichts sehen, weil Euch Euer linker Arm im Wege ist. Hinter dem angewinkelten linken Arm verbrigt sich, was ihr da so hämmert.
Was ist zu tun?
Stellt Euch nun also vor, ihr habt den Geistesblitz und hämmert jetzt von rechts nach links... und schon ist der Text zu sehen!
Frage beantwortet?

So oder ähnlich erging es den Menschen, als es noch kein Papier und Bleistift gab.

Sonnenbaden & Skifahren an einem Tag


Israel: das Land der unbegrenzten Möglichkeiten! Wer die Abwechslung liebt, ist in Israel genau an der richtigen Stelle, und das nicht nur, weil hier immer alles anders kommt als man denkt!
Wer morgens z.B. Lust auf ein ausgedehntes Sonnenbad am Meer hat, mittags aber von der Hitze zuviel und lieber in Skischuhen und Wollmütze herumlaufen möchte - der kann dies hier ganz ohne Probleme tun. Denn in Tel Aviv ist das Baden ganzjährig möglich (außer bei Sturm natürlich!) und mit dem Auto bis hinauf ins Hermon-Gebirge (bis zu 2800 M hoch) benötigt man gerade mal 3 Stunden.

Ganz haben wir den Hermon heute nicht erklommen - aber die 2tausender Marke haben wir passiert. Auf der Westseite, die nach Israel hereinreicht, lag nur vereinzelt Schnee - dafür auf der syrischen Seite, in die wir einsehen konnten, umso mehr. Die Landschaft drum herum ist beeindruckend schön - oft fühlt man sich in die Schweiz oder in die See-Alpen versetzt. Auf engen Serpentinen schlängeln sich Autos, Busse, Wanderer wie auch Radfahren die Berge hinauf.
Die vorgezeichneten Wege sollte man nicht verlassen - da der gesamte Golan noch aus der Zeit vor dem Yom Kippur-Krieg mit Landminen übersät ist. Dennoch ist der ein oder andere Zweifüßler schon als Einfüßler nach Hause zurückgekehrt... ein Hoch auf die Unverbesserlichen und Unbelehrbaren!

Die Golan-Höhen erstrecken sich über 75 km an der östlichen Seite des See Genezareth und gehörten bis 1973 zu Syrien. Nachdem die Israelis den Angriffskrieg in letzter Sekunde abwehren konnten, besetzten diese strategisch äußert wichtigen "Gebrigskette". Sobald man das Hochplateau erreicht hat, wird einem klar, weshalb die Israelis diesen nicht mehr zurückgeben darf: Wer dort oben sitzt, kann bis Tel Aviv schießen!

Über Tiberias und Afula, am Berg Tabor vorbei, das fruchtbare Yesreel-Tal (hebr.: Emek Yesreel, so zusagen die Kornkammer Israels) durchquert zurück Richtung Hadera bzw. Tel Aviv. Für 120 km haben wir schlappe 2,5 Stunden gebraucht - einerseits erlauben die engen Straßenverhältnisse kein schnelleres fahren, andererseits ist das halbe Land an einem Samstagabend auf vier Rädern unterwegs: back home!



Der unverkennbare Umriss des Berg Tabor (hebr. Har Tavor), der schon vor viertauend Jahren erwähnt wurde. U.a. auch bekannt, denn nach biblischer Darstellung soll sich hier Jesus seinen Jüngern in seiner göttlichen Gestalt gezeigt haben.
Aufgenommen, 3.01.2010 gegen 17 Uhr.

Luxuriös von "Feinden" umgeben

Manche Menschen wohnen buchstäblich am "Arsch der Welt" - und in Israel sind sie dabei noch von "Feinden" umgeben.
Am Freitagmorgen sind wir zu einem Ausflug in den Norden Israels, genauer: nach Metulla aufgebrochen. Dort wohnt eine alte Dame, Marianne, ehemals Berlinerin,die inihrem hohen Alter von 80 Jahren von Haifa nach Metulla - zu ihrer Tochter - gezogen ist und die wir besuchen wollten.
Der Ort Metulla hat ca. 2000 Einwohner und liegt direkt an den Grenzen zum Libanon und Syrien. Jede Strasse in Metulla endet irgendwann an einem Zaun: Einbahnstraße, danach ist kein weiterkommen und auf der anderen Seite des Zaunes stehen dicht die Häuser einer libanesischen Stadt. Alles nur ein Steinwurf entfernt und fast können sich die "Feinde" gegenseitig in die Wohnzimmer blicken. Den schneebedeckten Berg Hermon kann man bei guter Sicht sehen und die Golan-Höhen erheben sich im Osten beeindruckend in die Höhe.

Die Landschaft ist unglaublich schön: hohe Berge, deren Kuppeln über der Baumgrenze liegen und von der Ferne wie Kamelhöcker ausschauen. Dazwischen grünt und blüht es, für diese Jahrezeit ganz ungewöhnlich, aber durch den vielen Regen, der im Norden gefallen ist und die herzerfrischende Sonne kein Wunder. Dennoch liegt der See Genezareth, der Wasserspeicher Israels in diesem Jahr 6 Meter unter seinem durchschnittlichen Level, was im kommendem Sommer sicherlich zu Problemen in der Waserversorgung führen wird. (Als hätte die Region nicht schon genug andere Probleme).
Eigentlich wollten wir in Metulla übernachten, haben uns aber aus - ich sage es offen - hygienischen Gründen kurzerhand anders entschieden und sind noch gestern Abend im stockdunkeln über kleine Nebenstraßen getuckert: Immer auf der Suche nach einer geeigenten Übernachtungsmöglichkeit. Und als wir uns schon im Auto übernachten sahen, rief der Engel Neta an - als sie von unserem Problem hörte, hängte sie sich ans Telefon, rief 5 Minuten später wieder an und hatte uns ein Zimmer in einem Kibbutz-Hotel organsiert. Etwas, was am Wochenende nicht so einfach ist, da auch die Israelis gerne verreisen und da sie das nicht ins Ausland können, tun sie dies natürlich gerne im eigenen Land.
Nun denn, wir sind hier in einem wahren Luxushotel gelandet: in Mitten eines Naturschutzgebietes, hoch über dem See Genezarteth (hebr.: Kinneret). Und das schönste und beste an diesem Hotel ist das Badezimmer!! Bei aller Liebe zu diesem Land sind gerade die Badezimmer zuweilen der reinste Hygiene-Horror und können als bakterienreiche Nasszelle betitelt werden. Das Badezimmer unseres Hotelzimmer hat sogar eine Badewanne - Mensch, wie habe ich das genossen nach mehr als 2 Monaten mal wieder zu baden. Einfach herrlich!
Der Kibbutz heißt übrigens "HaGoschrim" - (= Die Brücken) und wurde 1943 gegründet. Das Land dazu wurde von der jüdischen Keren Kayemet Foundation einem syrischen Emir abgekauft.

Wir fahren nun weiter über die Golan-Höhen, direkt an der syrisch-jordanischen Grenze entlange gen Süden. Sollte da Wetter so bleiben wie jetzt: klarer Himmel und Sonne, werden wir sogar die syrische Hauptstadt Damaskus sehen können.
Shabbat Shalom

Freitag, 1. Januar 2010

Frieden, Freiheit und Freude für alle!

Ins neue Jahr hinein geträumt habe ich mich: Keine Party, keine Musik, keine (unnötige) Böllerei. Der gestrige Tag war hier in Israel ein Tag wie jeder andere, nur in Tel Aviv wurde etwas gefeiert, aber auch das hielt sich in Grenzen.
Da das jüdische Neujahr (Rosh HaShana) im September gefeiert wird, legen die Israelis keinen großen Wert auf Silvester. Die wenigen, die dennoch betrunken heute morgen aus den Kneipen gewankt sein werden, sind die russischen Juden - ansonsten herrscht hier, was Silvester betrifft Ödnis.
Mir ist das ganz Recht, besonders das in Israel keine Raketen abgeschossen werden, die ich schon immer, abgesichts von Menschen die in anderen Teilen der Welt unter tatsächlicher Raktenbedrohung um ihr Leben zittern, als völlig daneben empfinde. Außerdem muss ich, ob ich will oder nciht, immer an das viele Geld denken, was diese Bölleri kostet und welches man viel sinnvoller einsetzen kann.
Euch allen da draußen dennoch ein gutes neues Jahr und vielleicht habt ihr heute auch eine Minute übrig, um an all die Menschen zu denken, die immer noch nicht in Frieden & Freiheit leben.