Sonntag, 17. Januar 2010

Eigene (nicht sehr neue) Erkenntnisse.

Kaum zu glauben, aber wahr: Ich bin Deutsch, und nicht nur das - ich glaube, ich bin ur-deutsch oder zuweilen sogar deutscher als deutsch!
Wie immer, bzw: alle, die ins Ausland reisen und dort einige Zeit verbringen, lernen nicht nur das Land ihrer Wahl sondern auch ihre eigenen nationengebundenen Eigenschaften (erstmal!) kennen.

Nun bin ich ja nicht zum ersten Mal in Israel oder in einem außereuropäischen Land - und dennoch sind mir mal wieder sehr viele Erkenntnisse über mich und über meine "Blutsverwandtschaft" Deutschland klar geworden. Besonders:
  • ich liebe Pünktlichkeit, ich finde Pünktlichkeit geradezu geil! Pünktlichkeit hat was erotisches, zieht mich magisch an, Pünktlichkeit kann die höchste Form des Respektes sein. Pünktliche Menschen sind Freunde des Deutschtums! Ich bin Super-Pünktlich und meine israelischen Freunde machen sich mittlerweile den Scherz mir zu sagen: "Okay, wir treffen uns um 14:26 h und 34 Sekunden." Ich bin immer in time!, und sie staunen. Wie geht denn das, fragen sie!
  • ich hasse Geräusche beim Essen. Deutscher gehts gar nicht mehr. In Israel wird geschmatzt, die Gabel an den Zähnen entlanggezogen (hui), mit vollem Mund geredet - so dass die Speisebrocken nur so durch die Gegend fliegen), telefoniert, geschrieen, aufgestanden, weggerannt, Messer und Gabel quitschend aneinander gerieben, Radio gehört, ein Computerspiel ballert im Hintergrund weiter - Ich bleibe dabei: ich hasse Geräusche beim Essen!
  • erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Ich will wissen, wann ich arbeite und wie lange ich arbeite. Ich bin so typisch deutsch, so typisch: "Schnaps ist Schnaps und Bier ist Bier! Und hier kommt sozusagen "alle Welt" ein Freund vorbei, Stam (סטם )= einfach so und dann wird gequtscht, Kaffe getrunken... und irgendwann gehts dann weiter... bis der nächste Freund Stam vorbeikommt.  
  • Ohne Ordnung, kein Genuß. Beispiel: Es ist Freitagabend (Shabbat), ich werde eingeladen, ganz besonders auf ein Glas Wein: "Lets have a nice time!" Wow, denke ich mir, super - und freu mich wie verrückt. Ich geh`unter die Dusche, mach mich schick und hol das letzte aus mir raus. Ich bin gut gelaunt und fahr noch in einen Blumenladen und kauf ein kleines Sträußchen. Beim Gastgeber angekommen (Pünktlich, wie immer!) ist das gesamte Haus dunkel - ich gehe trotzdem hinein (würde mir in Deutschland nicht im Traum einfallen) und siehe da: die Gastgeber schlafen. Nachdem sie erwacht sind (unrasiert in ausgebeulten Jogginghosen) fragen sie freundlich, ob ich was trinken möchte. Aber klar doch... ich dachte an ein Glas Wein oder so. "No, sory, we just have water!" So bekomme ich ein Glas Leitungswasser und bis die Gastgeber wieder völlig im Besitz ihrer geistigen Kräfte sind, lege ich mich nochmal aufs Sofa und schlaf ne Runde. Weshalb war ich eigentlich wieder mal Pünktlich? Und das Haus sieht aus wie Sau - mein Genuß-Gen habe ich in Urlaub geschickt.
  • Ich telefoniere nur, wenn ich einen Grund habe. Pustekuchen, mit dieser Einstellung ist man in Israel einfach nur out. Aber völlig! In Israel folgen Telefonate folgender Regel:  
    Empfänger
    : "Hallo?" (da reg ich mich schon auf, können die denn nicht ihren Namen nennen?)
    Anrufer: "Wie geht es Dir?" (Auch der Anrufer nennt nicht seinen Namen, aber alle wissen immer wer am Apparat ist? Für mich ein großes Misterium!)
    Empfänger: "Gut! Und Dir?"
    Anrufer: "Alles bestens, was gibts neues?"
    Empfänger: "Nichts, und bei Dir?" (Ob der Empänger wirklich weiß, wer da anruft, stelle ich nun mal in Frage!)
    Anrufer: "Nichts neues! Wie fühlst Du Dich?"
    Empfänger: "Gut, und Du?"
    Anrufer: "Auch gut, Danke das Du nachfragst!"
    Und dann folgen die Fragen, wie denn der Mann, die Frau, der Freund, die Freundin, die Kinder, der Vater, die Mutter, der Cousin, die Cousine, die Nachbarn und der Hund sich fühlt. Nachem das dann alles abgehandelt wurde ...bedanke sich beide für das Gespräch und legen auf. (Ich saß schon oft nebendran und dachte: Äh, wieso hat der eigentlich angerufen?) Aber nach kaum 5 Minuten geht das Handy (Pelefon) nochmals, die Fragen nach "Mah Nischma?" (=Wie geht es Dir?) beginnen von Neuem - nur nach Oma, Opa und dem Hund wird nicht mehr gefragt, denn dann ist es Zeit zu sagen, was man eigentlich sagen (oder fragen) wollte.
    Boah, soviel Zeit
    hätte ich gar nicht in meinem Leben und ich muss auf Israelis wirklich sehr unfreundlich wirken, weil ich immer gleich sage, weshalb ich anrufe!
  • Kalt, wie eine Hundeschnauze - muss ich auf die Israelis wirken. Ich betrachte Menschen erstmal von der inneren Entfernung, reiche brav die Hand zur Begrüßung, frage nochmals nach, wo Israelis längst bei einem anderen Thema sind, lade niemanden zu mir nach Hause ein, den ich gerade erst kennen gelernt habe, gehe nirgendwohin wohin ich nicht expliziet eingeladen wurde und (am allerwichtigsten) schreie nicht meine Meinung in Diskussionen hinein und rufe nirgendwo nach 21 Uhr an.

    I`m so german!

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