Habe mich einge Tage schon nicht mehr zu Wort gemeldet - und das hat einen ganz einfachen Grund: ich habe keine Zeit! Und wenn ich doch mal Zeit habe - dann habe ich längst vergessen, was ich eigentlich tun wollte.
Sich gegen die Lebensweise der Israelis zu wehren, gleicht einem Kampf gegen Windmühlen: entweder man wird genauso chaotisch, unpünktlich, vergesslich und unstrukturiert wie die Mehrheit - oder man hat einfach keine Chance am täglichen Leben hier teilzunehmen.
Für immer und ewig will man ja auch nicht die unflexible Deutsche bleiben, die schon bei 3 Minuten Verspätung missmutig auf die Uhr blickt oder pikiert dreinschaut, nur weil die gerade gewechselte Windel während des Essens auf dem Tisch liegt oder plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung alle Pläne für das Wochenende kurzerhand umgeworfen werden, um nach einer weiteren Stunde zu erfahren, dass man nun doch noch nach Elat fährt - aber eben erst gegen Mitternacht!
Was soll der Geiz auch mit der Zeit und den Nerven - kein Wunder also, dass im hebräischen das Verb: "basbes" gleichzeitig spenden und verschwenden bedeutet. Bezeichnend auch, dass vielen Israelis der Unterschied zwischen beiden Bedeutungen gar nicht so klar ist und sie gar nicht verstehen, weshalb ich dies so expliziet erwähnte.
Und ich? Na, nach nunmehr fast 3 Monaten finde ich meinen Kopf einfach nicht wieder: mein Auto ist zugemüllt mit Schnullern, Büchern, Windeln (unbenutzen!), Feuerzeugen, Lottoscheinen, Wäsche und Notizzetteln, die ich immer dann nicht wieder finde, wenn ich sie benötige. Also schreibe ich neue und lass auch die irgendwo liegen!
In meiner Wohnung stapeln sich noch ungelesene Zeitungen, Schulbücher, neu erworbene DvDs, leeren Plastikflaschen (ich suche immer noch die Pfandrückgabe!) und (gefühlt) hundert von Blätter mit hebräischen Vokabeln.
In meinem Kopf herrscht die völlige Anarchie: ich kann mir nichts mehr merken, wann ich mit Wem und Wo verabredet bin, bringe immer noch die Tage durcheinander - sogar den, an demich zurück fliege. Also mache ich mir auch darüber Notizen ... und: verlege den Zettel.
Aber ich bin mir sicher: nach nicht einmal 3 Tagen unter dem Druck des germanischen Ordnungs- und Pünktlichkeitswahnes bin ich wieder ganz die Alte. Schade!
Sonntag, 17. Januar 2010
Ich verisraelisiere so langsam aber sicher
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