Dienstag, 26. Januar 2010

Ping-Pong gegen Jesse Owens

Anfang der 90er Jahre nahm ich an einer politischen Veranstaltung in Jerusalem teil. In Wahrheit interessierte mich das politische Palaver viel weniger, als eine der damaligen Teilnehmerinnen: Yael Dayan! (Die Tochter von Moshe Dayan, dem ehemaligen Verteidigungsminister Israel. Für all jene, bei denen der Groschen äh Cent immer noch nicht gefallen ist: Der Mann mit der Augenklappe!)


Ich fuhr also nach Jerusalem, setzte mich in die erste Reihe und wartete darauf, dass die Veranstaltung beginnen würde. Damals wusste ich noch nichts von der Unpünktlichkeit der Israelis.
Wie ich so saß und wartete, kam ein Mann auf mich zu: ein Hühne von Mann, fast so alt wie das Jahrhundert damals und fragte mich (auf deutsch), ob er sich zu mir setzen dürfe. "Yes, of cause!" In meiner Aufregung war mir gar nciht aufgefallen, dass er mich auf deutsch angesprochen hatte.
Kaum saß er, begann er auch schon zu erzählen:
Er war in Leipzig geboren und "bevor die Schweine kamen" der letzte Gewinner in der Hammerwurfdiziplin der Maccabiade.
"Der was?"
Die Maccabiade ist die "jüdische Olympiade" - Aha!
Und weil er den Hammerwurfwettbewerb gewonnen hatte, erhielt er für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin Eintrittskarten: "Zum Ping-Pong!" Und er sagte tatasächlich Ping-Pong und ich musste darüber lächeln, aber er ließ sich nicht beirren sondern erzählte weiter:
"Ping-Pong war damals nicht gerade ein Sport den man sehen wollte. Leichtathelik, ja - darum rissen sich alle, aber wir waren ja Juden und bekamen deshalb keine Karten für das Olympiastadion!"
Und dann erzählte er, dass es da ja noch die Chinesen gegeben hatte, und die liebten Ping-Pong und wussten noch nichts von "Kauft nicht bei Juden". "Auf dem Ku`damm haben wir dann ein paar Chinesen angesprochen: die hatten Karten fürs Olympiastadion und wir hatten Karten für Ping-Pong!"
Als er davon erzählt, wie er den "schwarzen Blitz" Jesse Owens hat rennen sehen, blitzen seine Augen und ein schelmisches Lächeln legt sich auf die Lippen dieses alten Mannes: "Wenn der Adolf gewußt hätte, dass doch ein paar Juden im Publikum saßen ... aber er ist ja frühzeitig gegangen, dieser Feigling... Ich hab also sozusagen beide rennen sehen ...!"

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