Samstag, 30. Januar 2010

Aus Bewachung wird schnell Überwachung

Israel ist wahrlich kein Polizeistaat, auch wenn man in den vergangenen Tagen das Gefühl haben könnte, es sei anders.
Seit Mitte der Woche steht und fährt an jeder Ecke Polizei - Straßensperren, Blaulicht überall und zu jeder Zeit; Kontrollen und zuweilen ganze Polizei-Korso. Ach ja, und nicht zu vergessen die Hubschrauber die inzwischen Tag und Nacht über uns kreisen. Irgendwie schon befremdlich - besonders wenn man, wie ich, nicht wirklich mitbekommt, was eventuell passiert ist.
Auf Nachfrage erfahre ich, dass die beiden (arabischen) Städte Tira und Tayyibe, jeweils nur ca. 4 Km entfernt, die Gründe für das monentane Polizeiaufgebot sind. Tayyibe soll die Hochburg arabischen Drogen- und Waffenhandels im Kernland Israels sein und in Tira manifestieren sich islamische Fundamentalisten. Dass wird wohl auch der Grund sein, weswegen ich bisher durch jede Polizeikontrolle durchgewunken wurde: ich sehe einfach zu deutsch aus.

Im Gegensatz dazu habe ich diesmal relativ wenig Soldaten bzw. Militär zu Gesicht bekommen. Da habe ich schon ganz andere Zeiten erlebt; Zeiten wo man hätte glauben können, das jeder Bürger Israels (ausgenommen die arabischen Israelis) in Uniform "arbeiten" gehen.
Diesmal also weder Panzer oder anderes Militärfahrzeug auf den Straßen; nur vereinzelte Soldaten auf "Heimaturlaub" und auch keine Maschinengewehre mehr, die im Cafe wie eine Handtasche über die Stuhllehne gehängt werden. Alles wirkt ganz friedlich. Aber das ist natürlich ein Trugschluss!
Israels Geheimdienst und Militär haben allein im vergangenen Jahr über 2000 geplante und versuchte Anschläge, Attentate bzw. Selbstmord-Attentate verhindert.
Diese Zahl sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!
ABER - der Kampf gegen Terroristen und politische Feinde hat natürlich Konsequenzen: meines erachtens ist Israel längst ein Überwachungsstaat geworden. Dem Staat entgeht nichts, aber auch gar nichts. Jedes Telefonat wird abgehört, jede Mail mitgelesen, jeder Tourist wird (ohne das er es mitbekommt) auf Herz und Nieren abeklopft. Überall in Israel Kameras, Mikrofone, Under-Cover Security; Päckchen und Pakete werden geöffnet, Briefe durchleuchtet.
Die Israelis selbst wissen das, aber ... haben sie eine andere Wahl?

Eine kleine, feine aber sehr aussagekräftige Bemerkung meiner Lehrerin möchte ich hier zitieren:
Wir sprachen in der Klasse über Politik, über den Iran, über Kapitalismus, Freiheit und... ach ja, über Menschenrechte. Daraufhin sagte sie: "Israel ist ein Rechtsstaat, eine Demokratie, und wir haben Menschenrechte ... mehr oder weniger!"

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