Wenn es nicht so wahr wäre, wäre es zum Totlachen!
Hinter diesem link erbrigt sich ein blog-Beitrag, der so lesenswert ist, dass ich ihn hier poste.
Ist "Viel Spaß beim Lesen" hier angemessen?
Mittwoch, 30. Dezember 2009
Jecke Schinkenwerbung
Israel ist schon ein verrücktes Land - und die Werbung für Schinken, hergestellt von einer Firma, die von ehemals deutschen Juden gegründet worden ist, ebenso:
hier der Clip dazu:
hier der Clip dazu:
Montag, 28. Dezember 2009
Einkaufswagen als Politbarometer
Andere Länder - gleiche Sitten!
Wie auch in Deutschland muss man in Israel in einen Einkaufswagen Geld stecken, damit man ihn benutzen kann. Mit 5 Shekel ist man dabei, doch anders wie in Deutschen Landen ist der Israeli entweder größzügiger oder fauler als der gemeine deutsche Kunde: die wenigsten bringen nämlich hier ihren Wagen zurück.
Das haben vor Jahren ganz schnell die arabischen bzw. die palästinensischen Jugendlichen als Arbeitsplatz erkannt: zu zweit oder zu dritt behrrschen sie von früh um 10 Uhr bis abends 22 Uhr die Parkplätze der großen Supermärkte. Unglaublich freundlich sammeln sie Stund` um Stund` die herrenlosen Einkaufwagen ein und schieben sie zurück zum Supermarkt. Immerhin: pro Wagen sind das 5 Shekel und nach meiner Hochrechnung pro "Einkaufswageneinsammler" am Tag bis zu 200 Shekel. Stundenlohn = 20 Shekel. Zum Vergleich: unser Wachmann vor der Schule verdient in der STunde 22 Shekel und muss davon noch Steuern abdrücken. Der Einkaufswageneinsammlerjob dagegegen ist schwarz und cash auf die Kralle!
Nur manachmal, an manchen Tagen ist kein Einkaufswagensammler weit und breit zu sehen. Weshalb nicht? Dann sind die Grenzübergänge von der West-Bank geschlossen und die Buben können ihren Beruf nicht ausüben. So werden Einkaufwagen zu wahren Politbarometern!
Ich habe mir übrigens abgewöhnt, meinen Einkaufswagen wieder zurückzuschieben. Für mich sind nämlich 5 Shekel nicht viel - für die palästinensischen Jugendlichen können sie das Überleben retten und vielleicht denken auch viele Israelis so, und sind gar nicht zu faul?
Wie auch in Deutschland muss man in Israel in einen Einkaufswagen Geld stecken, damit man ihn benutzen kann. Mit 5 Shekel ist man dabei, doch anders wie in Deutschen Landen ist der Israeli entweder größzügiger oder fauler als der gemeine deutsche Kunde: die wenigsten bringen nämlich hier ihren Wagen zurück.
Das haben vor Jahren ganz schnell die arabischen bzw. die palästinensischen Jugendlichen als Arbeitsplatz erkannt: zu zweit oder zu dritt behrrschen sie von früh um 10 Uhr bis abends 22 Uhr die Parkplätze der großen Supermärkte. Unglaublich freundlich sammeln sie Stund` um Stund` die herrenlosen Einkaufwagen ein und schieben sie zurück zum Supermarkt. Immerhin: pro Wagen sind das 5 Shekel und nach meiner Hochrechnung pro "Einkaufswageneinsammler" am Tag bis zu 200 Shekel. Stundenlohn = 20 Shekel. Zum Vergleich: unser Wachmann vor der Schule verdient in der STunde 22 Shekel und muss davon noch Steuern abdrücken. Der Einkaufswageneinsammlerjob dagegegen ist schwarz und cash auf die Kralle!
Nur manachmal, an manchen Tagen ist kein Einkaufswagensammler weit und breit zu sehen. Weshalb nicht? Dann sind die Grenzübergänge von der West-Bank geschlossen und die Buben können ihren Beruf nicht ausüben. So werden Einkaufwagen zu wahren Politbarometern!
Ich habe mir übrigens abgewöhnt, meinen Einkaufswagen wieder zurückzuschieben. Für mich sind nämlich 5 Shekel nicht viel - für die palästinensischen Jugendlichen können sie das Überleben retten und vielleicht denken auch viele Israelis so, und sind gar nicht zu faul?
Alles mal wieder nur eine Frage der Zeit.
Eigentlich wollte ich in meinem blog politische Statements vermeiden, aber es mehren sich die Zeichen, dass in naher Zukunft ein erneuter "Waffengang" - wie es der SPIEGEL ausdrückt, auf deutsch: ein Krieg zwischen Israel und der Hamas im Gaza-Streifen anbahnt.
Nicht nur im SPIEGEL, auch in den israelischen Tageszeitungen deuten Berichte darauf hin - und zwischen den Zeilen kann man erfahren, dass dies nach dem Gefangenenaustausch zwischen Gilad Shalit und 1000 palästinensische Häftlingen der Fall sein könnte.
Die israelische Regierung sitzt dabei richtig in der Zwickmühle, denn die Verhandlungen über den Austausch stützen die Hamas, die eigentlich im Gaza-Streifen nur noch über 27 Prozent der Zustimmung seitens der Bevölkerung verfügt. Diese erhält aber spätestens nach dem Gefangenenaustausch einen prozentualen Höhenflug. Dies gilt es aber eigentlich zu vermeiden, um auch die gemäßigtere Fatah im Rennen zu halten.
Einerseits ist Israel bemüht ihren Soldaten zurück zu den Eltern (und ins Leben) zu bringen, andereseits darf Israel die radikale Hamas keinesfalls protegieren.
Der Krieg im vergangenen Jahr hat weder einen "Sieger" noch einen wirklichen Frieden gebracht. Waffenstillstandabkommen zwischen den Parteien: die Hamas baut weiter und wieder lustig ihre Tunnel, in denen sie nicht nur Kartoffeln und Reis nach Gaza schmuggeln und Israel hat die Blockade nicht aufgehoben. Einziger Gewinn: die Stadt Sderot im Negev steht nicht mehr so häufig unter Beschuss wie noch vor dem Krieg.
Mittlerweile hat sich aber der Iran in die Sache eingemischt und liefert in den Gazastreifen munter Raketen, die Ziele bis in 100 km Entfernung erreichen können. Alsbald könnte also Tel Aviv unter akuter Bedrohung sein und dem möchten die Israelis natürlich entgegenwirken. Das würde in einer Katastrophe enden!
Und last but not least: die Ägypter! Die haben von dem Treiben der Hamas auch die Nase gestrichen voll, wollen sich aber gegenüber ihren arabischen Bruderstaaten nicht als Verräter outen. Dennoch: in der vergangenen Woche haben die Ägypter begonnen eine Mauer zwischen Gaza und dem Sinai zu bauen. Aber nicht irgendeine Mauer, sondern eine Stahlbarriere die bis zu 30 Meter tief in die Erde reicht.
Über diesen Mauerbau blieb der Aufschrei der Welt aus.
Mehr unter SPIEGEL-online
Nicht nur im SPIEGEL, auch in den israelischen Tageszeitungen deuten Berichte darauf hin - und zwischen den Zeilen kann man erfahren, dass dies nach dem Gefangenenaustausch zwischen Gilad Shalit und 1000 palästinensische Häftlingen der Fall sein könnte.
Die israelische Regierung sitzt dabei richtig in der Zwickmühle, denn die Verhandlungen über den Austausch stützen die Hamas, die eigentlich im Gaza-Streifen nur noch über 27 Prozent der Zustimmung seitens der Bevölkerung verfügt. Diese erhält aber spätestens nach dem Gefangenenaustausch einen prozentualen Höhenflug. Dies gilt es aber eigentlich zu vermeiden, um auch die gemäßigtere Fatah im Rennen zu halten.
Einerseits ist Israel bemüht ihren Soldaten zurück zu den Eltern (und ins Leben) zu bringen, andereseits darf Israel die radikale Hamas keinesfalls protegieren.
Der Krieg im vergangenen Jahr hat weder einen "Sieger" noch einen wirklichen Frieden gebracht. Waffenstillstandabkommen zwischen den Parteien: die Hamas baut weiter und wieder lustig ihre Tunnel, in denen sie nicht nur Kartoffeln und Reis nach Gaza schmuggeln und Israel hat die Blockade nicht aufgehoben. Einziger Gewinn: die Stadt Sderot im Negev steht nicht mehr so häufig unter Beschuss wie noch vor dem Krieg.
Mittlerweile hat sich aber der Iran in die Sache eingemischt und liefert in den Gazastreifen munter Raketen, die Ziele bis in 100 km Entfernung erreichen können. Alsbald könnte also Tel Aviv unter akuter Bedrohung sein und dem möchten die Israelis natürlich entgegenwirken. Das würde in einer Katastrophe enden!
Und last but not least: die Ägypter! Die haben von dem Treiben der Hamas auch die Nase gestrichen voll, wollen sich aber gegenüber ihren arabischen Bruderstaaten nicht als Verräter outen. Dennoch: in der vergangenen Woche haben die Ägypter begonnen eine Mauer zwischen Gaza und dem Sinai zu bauen. Aber nicht irgendeine Mauer, sondern eine Stahlbarriere die bis zu 30 Meter tief in die Erde reicht.
Über diesen Mauerbau blieb der Aufschrei der Welt aus.
Mehr unter SPIEGEL-online
Samstag, 26. Dezember 2009
Gespräche unter Fremden
Nur in Schlagwörtern möchte ich hier wiedergeben, über was sich Touristen aus aller Welt in Jerusalem unterhalten und welche Meinungen vorherrschen:
"Wo gibt es das Beste Essen; ganz schön teuer hier; welchen Gottesdienst besuchst Du; Jerusalem gehört der Welt; Fürchterlich, wei die Israelis die Palästinenser behandeln; Weshalb ist hier eigentlich so dreckig; Gibt es hier deutsche Zeitungen; Wo hast Du das gekauft; Ganz schön viel Soldaten hier; An der Via Dolorosa gibt es den besten Internet-Shop; Bus Nummer 21 fährt bis Yad Vashem; Weshalb streiten die sich eigentlich um den Tempelberg; Die Israelis sind reich und die Araber sind arm; Weißt Du wo man hier Telefonkarten bekommt; Weshalb rufen die Palästinenser eigentlich nicht einfach ihren Staat aus; Weshalb haben die Juden den Sonntag auf Samstag gewechselt; Wann schreit eigentlich der Muezzin; Die Mauer ist Menschenverachtend; Weshalb haben die Araber eigentlich die gleiche Währung wie die Israelis; Jerusalem gehört unter internationalen Status; Das jüdische Viertel wirkt viel zu sauber, das ist langweilig; Die sprechen ja alle english; Dadran sind die Juden schuld; Warst Du schon an der Knesset; Falafel schmeckt geil; Ohne die Amis könnten die Isarelis zumachen; Anti-Semitismus: die haben doch Verfolgungswahn; Gestz des Stärkeren; Hast Du die Kakerlaken in dem arabischen Cafe gesehen; Gibt es hier irgendwo Bier; Gehen die arabischen Kinder eigentlich zur Schule; Wieviel Millionen Euro pumpen wir eigentlich in dieses Land; Warum ist eigentlich Israel so wichtig - es gibt doch noch Dafur; Das ist alles Willkür."
Shalom & Salam
"Wo gibt es das Beste Essen; ganz schön teuer hier; welchen Gottesdienst besuchst Du; Jerusalem gehört der Welt; Fürchterlich, wei die Israelis die Palästinenser behandeln; Weshalb ist hier eigentlich so dreckig; Gibt es hier deutsche Zeitungen; Wo hast Du das gekauft; Ganz schön viel Soldaten hier; An der Via Dolorosa gibt es den besten Internet-Shop; Bus Nummer 21 fährt bis Yad Vashem; Weshalb streiten die sich eigentlich um den Tempelberg; Die Israelis sind reich und die Araber sind arm; Weißt Du wo man hier Telefonkarten bekommt; Weshalb rufen die Palästinenser eigentlich nicht einfach ihren Staat aus; Weshalb haben die Juden den Sonntag auf Samstag gewechselt; Wann schreit eigentlich der Muezzin; Die Mauer ist Menschenverachtend; Weshalb haben die Araber eigentlich die gleiche Währung wie die Israelis; Jerusalem gehört unter internationalen Status; Das jüdische Viertel wirkt viel zu sauber, das ist langweilig; Die sprechen ja alle english; Dadran sind die Juden schuld; Warst Du schon an der Knesset; Falafel schmeckt geil; Ohne die Amis könnten die Isarelis zumachen; Anti-Semitismus: die haben doch Verfolgungswahn; Gestz des Stärkeren; Hast Du die Kakerlaken in dem arabischen Cafe gesehen; Gibt es hier irgendwo Bier; Gehen die arabischen Kinder eigentlich zur Schule; Wieviel Millionen Euro pumpen wir eigentlich in dieses Land; Warum ist eigentlich Israel so wichtig - es gibt doch noch Dafur; Das ist alles Willkür."
Shalom & Salam
Kirchen, Kreuze & Kommerz
Von allem ein wenig zuviel - so könnte mein erstes Fazit nach 4 Tagen Jerusalem lauten. Doch von allem wirklich zuviel in Jerusalem ist: der Kommerz.
Von der ehemaligen Magie, die Jerusalem auf mich ausgeübt hatte, ist fast nichts mehr übrig geblieben. Die Neustadt - Ost wie West - also israelisch bzw. arabisch, glänzt mit Baustellen über Baustellen, wodurch die ganze Stadt ein einziges Verkehrschaos geworden ist.
In West-Jerusalem wird eine Straßenbahn gebaut, von der selbst die Israelis annehmen, dass sie bis zum Erscheinen des Messias noch nicht fertig ist und Ost-Jerusalem wirkt wie eine einzige Müllhalde, sofern man zwischen der Blechlawine die sich durch die Straßen quält, den Müll überhaupt sieht.
Die Altstadt ist der eigentliche Anziehungspunkt für die Touristen, hat aber ihren einstigen "orientalischen" Flair längst verloren: Geschäfte über Geschäfte; Restaurants, Souveniershops in denen man vom Holzkamel bis zum nachgewebten Jesus-Leichentuch alles für teuer Geld kaufen kann; dazwischen Fotoläden mit modernster Technik ausgestattet, Internet-Cafes, kleine Supermärkte etc.
Der schnöde Mammon regiert den Puls der Stadt und überall wird man als Tourist "abgezockt" - und dabei ist es ganz egal, welcher Glaubensrichtung der Besitzer des Ladens angehört.
Heute z.B. waren wir in einem Restaurant essen, welches zur armenisch-christlichen Kirche gehört, bedient hat uns eine englische Glaubensschwester in voller Tracht, die Speisekarte war schon vorsorglich ohne Preisangaben und beim Bezahlen hat es uns fast die Schuhe ausgezogen: 100 Shekel, wo man gerademal gegenüber in einem Restaurant die Häfte bezahlt. Auf meine freundliche Nachfrage wurde ich von dieser Ordensschwester unwirsch behandelt: Sie riss mir den Geldschein aus der Hand, räumte unsere noch halbvollen Gläser vom Tisch und weg war sie.
Wie sehr das Geld die Stadt regiert, sehr ihr im Bild unten: auch arabische Frauen wollen billig bei Penny-Markt einkaufen.
Neben all dem oben genannten hat mich insgesamt die "unlösbare" politische Situation depremiert.
So viele Menschen, so viele Glaubensrichtungen, so viele verschiedene politische Ansichten, so viele Probleme und insgesamt so viel Hoffnungslosigkeit.
Die Mauer, diesmal von nächster Nähe gesehen zu haben; den Checkpoint nach Bethlehem passiert und die miserable wirtschaftliche Situation der Palästineser gesehen und gefühlt zu haben, hat natürlich Spuren hinterlassen.
Auch im Besten Falle wid es keine lebbare, umsetzbare Lösung für den Status Jerusalems geben. Um zu erklären, weshalb nicht, reicht hier der Platz nicht aus - die Zusammenhänge sind einerseits zu lange gewachsen und andererseits zu kompliziert. Ich selbst habe über 20 Jahre und 41 Reisen in die Region benötigt, um nur annähernd einen Einblick zu erhalten.
Ich kann nur jedem ans Herz legen, hierher zu reisen - ob nach Israel oder in die palästinensischen Gebiete: ganz egal. Aber Hauptsache die eigene Meinung nicht von Zeitungen prägen lassen, die eh einen wirtschaftlichen Zweck erfüllen müssen.
Weshalb Jerusalem aber auf jeden Fall eine Reise wert bleibt, ist für diesen Anblick:
Aufgenommen von der Dachterrasse des Östereichischen Hospitzes am Heiligen Abend, 17:14 Uhr
Von der ehemaligen Magie, die Jerusalem auf mich ausgeübt hatte, ist fast nichts mehr übrig geblieben. Die Neustadt - Ost wie West - also israelisch bzw. arabisch, glänzt mit Baustellen über Baustellen, wodurch die ganze Stadt ein einziges Verkehrschaos geworden ist.
In West-Jerusalem wird eine Straßenbahn gebaut, von der selbst die Israelis annehmen, dass sie bis zum Erscheinen des Messias noch nicht fertig ist und Ost-Jerusalem wirkt wie eine einzige Müllhalde, sofern man zwischen der Blechlawine die sich durch die Straßen quält, den Müll überhaupt sieht.
Die Altstadt ist der eigentliche Anziehungspunkt für die Touristen, hat aber ihren einstigen "orientalischen" Flair längst verloren: Geschäfte über Geschäfte; Restaurants, Souveniershops in denen man vom Holzkamel bis zum nachgewebten Jesus-Leichentuch alles für teuer Geld kaufen kann; dazwischen Fotoläden mit modernster Technik ausgestattet, Internet-Cafes, kleine Supermärkte etc.
Der schnöde Mammon regiert den Puls der Stadt und überall wird man als Tourist "abgezockt" - und dabei ist es ganz egal, welcher Glaubensrichtung der Besitzer des Ladens angehört.
Heute z.B. waren wir in einem Restaurant essen, welches zur armenisch-christlichen Kirche gehört, bedient hat uns eine englische Glaubensschwester in voller Tracht, die Speisekarte war schon vorsorglich ohne Preisangaben und beim Bezahlen hat es uns fast die Schuhe ausgezogen: 100 Shekel, wo man gerademal gegenüber in einem Restaurant die Häfte bezahlt. Auf meine freundliche Nachfrage wurde ich von dieser Ordensschwester unwirsch behandelt: Sie riss mir den Geldschein aus der Hand, räumte unsere noch halbvollen Gläser vom Tisch und weg war sie.
Wie sehr das Geld die Stadt regiert, sehr ihr im Bild unten: auch arabische Frauen wollen billig bei Penny-Markt einkaufen.
Neben all dem oben genannten hat mich insgesamt die "unlösbare" politische Situation depremiert.
So viele Menschen, so viele Glaubensrichtungen, so viele verschiedene politische Ansichten, so viele Probleme und insgesamt so viel Hoffnungslosigkeit.
Die Mauer, diesmal von nächster Nähe gesehen zu haben; den Checkpoint nach Bethlehem passiert und die miserable wirtschaftliche Situation der Palästineser gesehen und gefühlt zu haben, hat natürlich Spuren hinterlassen.
Auch im Besten Falle wid es keine lebbare, umsetzbare Lösung für den Status Jerusalems geben. Um zu erklären, weshalb nicht, reicht hier der Platz nicht aus - die Zusammenhänge sind einerseits zu lange gewachsen und andererseits zu kompliziert. Ich selbst habe über 20 Jahre und 41 Reisen in die Region benötigt, um nur annähernd einen Einblick zu erhalten.
Ich kann nur jedem ans Herz legen, hierher zu reisen - ob nach Israel oder in die palästinensischen Gebiete: ganz egal. Aber Hauptsache die eigene Meinung nicht von Zeitungen prägen lassen, die eh einen wirtschaftlichen Zweck erfüllen müssen.
Weshalb Jerusalem aber auf jeden Fall eine Reise wert bleibt, ist für diesen Anblick:
Aufgenommen von der Dachterrasse des Östereichischen Hospitzes am Heiligen Abend, 17:14 Uhr
Langsam kehrt Ruhe ein in die Stadt des Friedens
Ein wunderbarer sonniger Samstagmorgen. Seit 6 Uhr bin ich auf, die Stadt erwacht gerade und im Haus schläft noch alles. Um 4 Uhr hat der Muezzin vom Minarett herunter geschrieen, als könne er es nicht ertragen, dass heute viele Bewohner Jerusalems ausschlafen wollen.
Von irgendwoher klangen Kirchenglocken, vereinzelt auch die (aller)-letzten Weihnachtsgesänge. Die meisten Weihnachtsbesucher sind schon wieder abgereist und neue Besucher, diesmal "nur" ganz normale Touristen, sind schon gestern abend wieder angereist.
Über die engen Gassen der Altstadt donnern die kleinen Vehikel der Müllabfuhr, die ersten Händler öffnen ihre Läden: Obst und Gemüse wird auf Handkarren angeliefert.
Die Stadt bereitet sich nun auf den Ansturm zu Silvester vor - und geböllert haben sie gestern schon. Alles klang zunächst wie Pistolenschüsse, dann wurde klar: eine arabische Hochzeit wurde direkt vor dem Tor unseres Hospitzes gefeiert. Der Bräutigam wurde unter Salutschüssen auf den Schultern getragen, danach wurde im Reigen getanzt... doch wo war die Braut? Aufklärung gab uns ein Araber: Braut und Bräutigam feiern getrennt. Na super, das fängt ja schon gut an!
Mal sehen, was mein heutiger letzter Tag in Jerusalem noch so alles bringt. Huete abend fahre ich zurück nach Kochav Yair und in der Nacht, ja richtig gelesen, in der Nacht bin ich in Tel Aviv auf eine Party eingeladen. Die Party beginnt um 23 Uhr, d.h., wer vor 24 Uhr eintrifft ist ein schlechter Gast.
Von irgendwoher klangen Kirchenglocken, vereinzelt auch die (aller)-letzten Weihnachtsgesänge. Die meisten Weihnachtsbesucher sind schon wieder abgereist und neue Besucher, diesmal "nur" ganz normale Touristen, sind schon gestern abend wieder angereist.
Über die engen Gassen der Altstadt donnern die kleinen Vehikel der Müllabfuhr, die ersten Händler öffnen ihre Läden: Obst und Gemüse wird auf Handkarren angeliefert.
Die Stadt bereitet sich nun auf den Ansturm zu Silvester vor - und geböllert haben sie gestern schon. Alles klang zunächst wie Pistolenschüsse, dann wurde klar: eine arabische Hochzeit wurde direkt vor dem Tor unseres Hospitzes gefeiert. Der Bräutigam wurde unter Salutschüssen auf den Schultern getragen, danach wurde im Reigen getanzt... doch wo war die Braut? Aufklärung gab uns ein Araber: Braut und Bräutigam feiern getrennt. Na super, das fängt ja schon gut an!
Mal sehen, was mein heutiger letzter Tag in Jerusalem noch so alles bringt. Huete abend fahre ich zurück nach Kochav Yair und in der Nacht, ja richtig gelesen, in der Nacht bin ich in Tel Aviv auf eine Party eingeladen. Die Party beginnt um 23 Uhr, d.h., wer vor 24 Uhr eintrifft ist ein schlechter Gast.
Freitag, 25. Dezember 2009
Zu fotografieren gibt es ja viel
Stolperten wir gestern die Stufen durch die arabische Altstadt hinunter, stolperte uns ein bekannter Fotograf von unten entgegen: Gottfried Helnwein. Wie immer unverkennbar mit Sonnenbrille und Kopftuch!
Neben seinen unzähligen bekannten Bildern geht auch untenstehendes auf sein Konto:
Neben seinen unzähligen bekannten Bildern geht auch untenstehendes auf sein Konto:
Tote Steine an der falschen Stelle?
Heute, am ersten Weihnachtsfeiertag wird in Jerusalem gesungen und gebetet was das Zeug hält – besonders natürlich an Orten, die in irgendeiner Verbindung mit Jesus stehen, so zum Beispiel auch in dem Raum auf dem Zions Berg (außerhalb der Altstadt) in dem das letzte Abendmahl stattgefunden hatte.
Der Raum liegt ein Stockwerk über dem Grab von König David, das war der, der gegen Goliath gekämpft und die Steinschleuder erfunden hatte. Über allem wie immer eine oder auch zwei oder drei Kirchen, diesmal sogar aller drei monotheistischen Religionen:
Für die Juden ist David der erste, der das jüdische Volk geeint und Judäa und Samaria zum Land Israel vereint hat. Auf ihn geht auch der sog. Judenstern (hebr.: Magen David) zurück.
Für die Christen ist natürlich das letzte Abendmahl ganz wichtig und das Jesus eine Generationen später aus dem Geschlecht des Davids kam.
Und die Moslems verehren in unspektakulärem Maße Jesus als einen ihrer Propheten. Mit König David haben Moslems natürlich ncihts am Hut - die Niederlage im Steinschleuderwettbewerb sitzt noch tief!
Zu sehen ist so gut wie nichts, außer eben vielen toten Steinen und viel Gemäuer.
Im Hof des gesamten Komplexes lungern – ja, so muss ich es ausdrücken, junge Christen herum, die wohl auch die heilige Nacht dort verbracht hatten; zwischen singenden, betenden und auch weinenden Christen drängeln sich Touristen hindurch, die zu jeder noch so unpassenden Gelegenheit fotografieren müssen. Reiseführer erklären in allen Sprachen der Welt die Geschichte und Bedeutung - von Pietät und heiliger Stimmung kann keine Rede sein.
Gebaut wurde die Hauptkirche über dem Abendmahlraum von deutschen Kreuzrittern aus Regensburg im 11. Jahrhundert und die nebenstehende große Zionskirche (wie auch die Erlöserkirche neben der Grabeskirche) im Auftrag des deutschen Kaisers Wilhelm II.
Ob König David tatsächlich in diesem Grab beerdigt worden ist, darf auch wieder angezweifelt werden. Experten gehen davon aus, dass König David, wie alle anderen Könige von Judäa in der sog. Davidsstadt beerdigt wurde und die liegt ca. 700 Meter weiter östlich. Aber das interessiert die Gläubigen nicht!
Der Raum liegt ein Stockwerk über dem Grab von König David, das war der, der gegen Goliath gekämpft und die Steinschleuder erfunden hatte. Über allem wie immer eine oder auch zwei oder drei Kirchen, diesmal sogar aller drei monotheistischen Religionen:
Für die Juden ist David der erste, der das jüdische Volk geeint und Judäa und Samaria zum Land Israel vereint hat. Auf ihn geht auch der sog. Judenstern (hebr.: Magen David) zurück.
Für die Christen ist natürlich das letzte Abendmahl ganz wichtig und das Jesus eine Generationen später aus dem Geschlecht des Davids kam.
Und die Moslems verehren in unspektakulärem Maße Jesus als einen ihrer Propheten. Mit König David haben Moslems natürlich ncihts am Hut - die Niederlage im Steinschleuderwettbewerb sitzt noch tief!
Zu sehen ist so gut wie nichts, außer eben vielen toten Steinen und viel Gemäuer.
Im Hof des gesamten Komplexes lungern – ja, so muss ich es ausdrücken, junge Christen herum, die wohl auch die heilige Nacht dort verbracht hatten; zwischen singenden, betenden und auch weinenden Christen drängeln sich Touristen hindurch, die zu jeder noch so unpassenden Gelegenheit fotografieren müssen. Reiseführer erklären in allen Sprachen der Welt die Geschichte und Bedeutung - von Pietät und heiliger Stimmung kann keine Rede sein.
Gebaut wurde die Hauptkirche über dem Abendmahlraum von deutschen Kreuzrittern aus Regensburg im 11. Jahrhundert und die nebenstehende große Zionskirche (wie auch die Erlöserkirche neben der Grabeskirche) im Auftrag des deutschen Kaisers Wilhelm II.
Ob König David tatsächlich in diesem Grab beerdigt worden ist, darf auch wieder angezweifelt werden. Experten gehen davon aus, dass König David, wie alle anderen Könige von Judäa in der sog. Davidsstadt beerdigt wurde und die liegt ca. 700 Meter weiter östlich. Aber das interessiert die Gläubigen nicht!
Ganz schlechtes Geschäft!
Humor ist, wenn man trotzdem lacht und das gilt wohl auch für Palästinenser.
Gestern saßen wir in Bethlehem in einem Souvenierladen, waren dort zu einem türkischen Kaffee und einer Zigarette eingeladen. Umringt von sechs Männern, die rauchend, zeitungslesend und diskutierend auf Kundschaft warteten, war uns schon etwas mulmig zumute. Aber wie heißt es so schön: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt bzw. keine interessante Begegnungen im Leben erlebt.
Als wir an nichts Böses dachten und so vor uns hinqualmten, fragte uns einer der Männer:
„Habt ihr unsere Mauer gesehen?“
„Ja, haben wir!“
„Die haben wir von Euch gekauft!“
„Wie bitte?“
„Ja, die haben wir von Berlin gekauft!“
„Ach, die habt ihr gekauft?“
„Ja, obwohl wir kein Geld haben!“
„Und wie habt ihr die dann bezahlt?“
„Wir haben die Mauer mit Land bezahlt!“
„So, so, mit Land – ihr müsst ja schön blöd sein, kauft eine Mauer, obwohl ihr kein Geld habt und bezahlt die auch noch mit Land!“
„Ja, Du hast recht, wir sind schön blöd!“
„Gefällt Euch die Mauer?“
„Nee, die gefällt uns nicht!“
„Und weshalb habt ihr sie dann gekauft?“
„Na, weil wir das blödeste Volk auf der Welt sind!“
Hier ein Teil der Mauer nahe Bethlehem - die Mauer ist insgesamt ca. 700 km lang und ihr Bau hat bislang fast 150 Millionen Dollar verschlungen.
Und wie jede Medaille hat auch der Bau der Mauer zwei Seiten: natürlich erschwert diese Mauer das Leben der Palästinenser, aber seit über 2 Jahren gab es keinen Selbstmordanschlag in Israel mehr und die Überfälle auf israelische Zivilisten ist auf nur noch 2 Prozent der Anschlagszahl vor dem MAuerbau zurückgegangen.
Gestern saßen wir in Bethlehem in einem Souvenierladen, waren dort zu einem türkischen Kaffee und einer Zigarette eingeladen. Umringt von sechs Männern, die rauchend, zeitungslesend und diskutierend auf Kundschaft warteten, war uns schon etwas mulmig zumute. Aber wie heißt es so schön: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt bzw. keine interessante Begegnungen im Leben erlebt.
Als wir an nichts Böses dachten und so vor uns hinqualmten, fragte uns einer der Männer:
„Habt ihr unsere Mauer gesehen?“
„Ja, haben wir!“
„Die haben wir von Euch gekauft!“
„Wie bitte?“
„Ja, die haben wir von Berlin gekauft!“
„Ach, die habt ihr gekauft?“
„Ja, obwohl wir kein Geld haben!“
„Und wie habt ihr die dann bezahlt?“
„Wir haben die Mauer mit Land bezahlt!“
„So, so, mit Land – ihr müsst ja schön blöd sein, kauft eine Mauer, obwohl ihr kein Geld habt und bezahlt die auch noch mit Land!“
„Ja, Du hast recht, wir sind schön blöd!“
„Gefällt Euch die Mauer?“
„Nee, die gefällt uns nicht!“
„Und weshalb habt ihr sie dann gekauft?“
„Na, weil wir das blödeste Volk auf der Welt sind!“
Hier ein Teil der Mauer nahe Bethlehem - die Mauer ist insgesamt ca. 700 km lang und ihr Bau hat bislang fast 150 Millionen Dollar verschlungen.
Und wie jede Medaille hat auch der Bau der Mauer zwei Seiten: natürlich erschwert diese Mauer das Leben der Palästinenser, aber seit über 2 Jahren gab es keinen Selbstmordanschlag in Israel mehr und die Überfälle auf israelische Zivilisten ist auf nur noch 2 Prozent der Anschlagszahl vor dem MAuerbau zurückgegangen.
Donnerstag, 24. Dezember 2009
Pferde unerwünscht
Das erste, was dem Betrachter an der Geburtskirche in Bethelhem ins Auge sticht, ist der winzig kleine Eingang, eigentlich gerademal ein steinummauerter Einstieg. Wenn man in die Kirche hinein möchte, muss mn den Kopf einziehen, sonst bleibt eine Beule als Andenken zurück.
Über dem Einstieg ist unschwer noch der ehemals gemauerte Torbogen zu erkennen... weshlab also nur diese kleine Öffnung? Ganz einfach: Als die Kreuzritter im Heiligen Land ihr Unwesen trieben, ritten sie, weil zu faul zum Laufen und meist sturzbetrunken, in voller Montur samt Pferd in die Kirche hinein und um dies zu unterbrinden, wurde der große Bogen kurzerhand zugemauert und zurück blieb der ummauerte Einstieg: siehe Bild
Die Kirche selbst ist eine der ältesten Kirchen der Welt, wahrscheinlkich sogar die Älteste. Die Mutter von Kaiser Konstantin dem Großen, Helena, hatte sich im 3. Jahrhundert nach Christus auf den Weg gemacht, um den Ort der Geburt und des Todes von Jesus zu finden... und sie wurde fündig.
In der Grotte in der Jesus geboren worden sein soll ist, wie auch an der Stelle seines Todes ein 14zackiger Stern angebracht, der die 14 Geschlechter im Stammbaum Jesu` wiederspiegel soll. Die Grotte ist winzig, von Weihrauch und Kerzen russgeschwärzt und die Christen bzw. Touristen drängen auf den engen Stufen nach unten. Vor dem Stern werfen sie sich zu Boden, küssen und berühren den Stern - wobei in diesem Jahr die Touristenführer jedem Besucher anraten, den Stern nicht zu küssen: Schweinegrippe läßt grüßen!
Insgesamt vier Kirchengemeinden teilen sich die Geburtskirche: die griechisch Orthodoxe, die Katholische, die koptische und die armenische Kirche und alle vier Kirchen zelebrieren Weihnachten auf ihre ganz persönliche Art.
Am Mittag des Heiligen Abends (24. Dezember) reist der Lateinische Patriarch von Jerusalem mit dem Auto nach Betlehem. An der Stadtgrenze (jetzt nach der Trennmauer) wird der Konvoi von berittenen Polizisten und Pfadfindergruppen mit Dudelsackmusik empfangen. Der Zug zieht hinauf zum Krippenplatz und der Patriarch kehrt im Casa Nova der Franziskaner ein. Er zelebriert die Christmette und das Hochamt am Christtag (25. Dezember) in der Katharinenkirche und kehrt dann nach Jerusalem zurück. Die Mette findet also nicht in der Geburtskirche selbst statt, der Patriarch darf dabei nur kurz über die Verbindungstür von den Hieronymus-Grotten zur Geburtsgrotte gehen.
Ähnliches geschieht am 6. und 7. Januar, an dem die orthodoxen Kirchen Weihnachten feiern (24. und 25. Dezember nach dem Julianischen Kalender) durch den Griechischen Patriarchen. Er feiert allerdings die Messe in der Geburtskirche.
Der Armenische Patriarch feiert – in kleinerem Rahmen – ebenfalls in der Geburtskirche, jedoch am 5./6. Januar des Julianischen Kalenders, also nochmals 12 Tage später.
Über dem Einstieg ist unschwer noch der ehemals gemauerte Torbogen zu erkennen... weshlab also nur diese kleine Öffnung? Ganz einfach: Als die Kreuzritter im Heiligen Land ihr Unwesen trieben, ritten sie, weil zu faul zum Laufen und meist sturzbetrunken, in voller Montur samt Pferd in die Kirche hinein und um dies zu unterbrinden, wurde der große Bogen kurzerhand zugemauert und zurück blieb der ummauerte Einstieg: siehe Bild
Die Kirche selbst ist eine der ältesten Kirchen der Welt, wahrscheinlkich sogar die Älteste. Die Mutter von Kaiser Konstantin dem Großen, Helena, hatte sich im 3. Jahrhundert nach Christus auf den Weg gemacht, um den Ort der Geburt und des Todes von Jesus zu finden... und sie wurde fündig.
In der Grotte in der Jesus geboren worden sein soll ist, wie auch an der Stelle seines Todes ein 14zackiger Stern angebracht, der die 14 Geschlechter im Stammbaum Jesu` wiederspiegel soll. Die Grotte ist winzig, von Weihrauch und Kerzen russgeschwärzt und die Christen bzw. Touristen drängen auf den engen Stufen nach unten. Vor dem Stern werfen sie sich zu Boden, küssen und berühren den Stern - wobei in diesem Jahr die Touristenführer jedem Besucher anraten, den Stern nicht zu küssen: Schweinegrippe läßt grüßen!
Insgesamt vier Kirchengemeinden teilen sich die Geburtskirche: die griechisch Orthodoxe, die Katholische, die koptische und die armenische Kirche und alle vier Kirchen zelebrieren Weihnachten auf ihre ganz persönliche Art.
Am Mittag des Heiligen Abends (24. Dezember) reist der Lateinische Patriarch von Jerusalem mit dem Auto nach Betlehem. An der Stadtgrenze (jetzt nach der Trennmauer) wird der Konvoi von berittenen Polizisten und Pfadfindergruppen mit Dudelsackmusik empfangen. Der Zug zieht hinauf zum Krippenplatz und der Patriarch kehrt im Casa Nova der Franziskaner ein. Er zelebriert die Christmette und das Hochamt am Christtag (25. Dezember) in der Katharinenkirche und kehrt dann nach Jerusalem zurück. Die Mette findet also nicht in der Geburtskirche selbst statt, der Patriarch darf dabei nur kurz über die Verbindungstür von den Hieronymus-Grotten zur Geburtsgrotte gehen.
Ähnliches geschieht am 6. und 7. Januar, an dem die orthodoxen Kirchen Weihnachten feiern (24. und 25. Dezember nach dem Julianischen Kalender) durch den Griechischen Patriarchen. Er feiert allerdings die Messe in der Geburtskirche.
Der Armenische Patriarch feiert – in kleinerem Rahmen – ebenfalls in der Geburtskirche, jedoch am 5./6. Januar des Julianischen Kalenders, also nochmals 12 Tage später.
Ein Stück Berlin in Jerusalem
Wie, ist heute schon Weihnachten?
Wie heißt es so schön: "Wenn Engel reisen" - dann kann das Wetter sich nur von seiner schönsten Seite zeigen! Seit zwei Tagen in Jerusalem (hebr.: Jeruschaleim, arab.: Al Kuds, die Heilige) und der Himmel strahlt azurblau und die Sonne lacht den ganzen Tag. Einfach herrlich!
Jerusalem zeigt sich dieser Tage von ihrer schönsten Seite, die Altstadt ist herausgeputzt, die Araber freuen sich über die vielen Christen, die Geld in ihre Kassen bringen.
Wir wohnen in der arabischen Altstadt im Österreischichen Hospitz, direkt an der Via Dolorosa - einem wunderschönen alten Palais, welches zu Ehren des Besuches von Kaiser Franz Joseph von Österreich, der auf der Durchreise zur Suezkanal-Eröffnung 1869 in Jerusalem Station gemacht hatte, erbaut wurde.
Gestern hatten wir schon ein Mammut-Programm hinter uns gebracht: erst die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, danach nach Bethlehm.
Für Yad Vashem braucht man gute Nerven und für Bethlehem (hebr. Beit LeChem = Haus des Brotes) Geduld. Heute wird in Bethlehem buchstäblich die Hölle los sein (wie passend zu Jesu Geburt, oder!), denn tausende Christen aus aller Welt werden zum Gottesdienst und zur Mitternachtsmesse erwartet. Die Stadt hat sich gut vorbereitet, doch wir (meine Mutter und ich) haben es vorgezogen, dem Trubel aus dem Weg zu gehen.
Bethlehem besteht übrigens zu 70 Prozent aus arabischen Christen, die - seit dem Mauerbau der Isarelis unter enormen wirtschaftlichen Problemen zu leiden haben.
So wandern viele Palästinenser, auch aus Bethlehem ab: vorzugsweise nach Europa!
Heute lassen wir es etwas ruhiger angehen: Jaffa-Road, Mahane Markt und Treffen mit Yoram zum Mittagessen. Heute abend werden wir einen ökomenischen Gottesdienst besuchen!
Frohe Weihnachten
Jerusalem zeigt sich dieser Tage von ihrer schönsten Seite, die Altstadt ist herausgeputzt, die Araber freuen sich über die vielen Christen, die Geld in ihre Kassen bringen.
Wir wohnen in der arabischen Altstadt im Österreischichen Hospitz, direkt an der Via Dolorosa - einem wunderschönen alten Palais, welches zu Ehren des Besuches von Kaiser Franz Joseph von Österreich, der auf der Durchreise zur Suezkanal-Eröffnung 1869 in Jerusalem Station gemacht hatte, erbaut wurde.
Gestern hatten wir schon ein Mammut-Programm hinter uns gebracht: erst die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, danach nach Bethlehm.
Für Yad Vashem braucht man gute Nerven und für Bethlehem (hebr. Beit LeChem = Haus des Brotes) Geduld. Heute wird in Bethlehem buchstäblich die Hölle los sein (wie passend zu Jesu Geburt, oder!), denn tausende Christen aus aller Welt werden zum Gottesdienst und zur Mitternachtsmesse erwartet. Die Stadt hat sich gut vorbereitet, doch wir (meine Mutter und ich) haben es vorgezogen, dem Trubel aus dem Weg zu gehen.
Bethlehem besteht übrigens zu 70 Prozent aus arabischen Christen, die - seit dem Mauerbau der Isarelis unter enormen wirtschaftlichen Problemen zu leiden haben.
So wandern viele Palästinenser, auch aus Bethlehem ab: vorzugsweise nach Europa!
Heute lassen wir es etwas ruhiger angehen: Jaffa-Road, Mahane Markt und Treffen mit Yoram zum Mittagessen. Heute abend werden wir einen ökomenischen Gottesdienst besuchen!
Frohe Weihnachten
Dienstag, 22. Dezember 2009
Huch, Jesus war ein Jude!?
Unglaublich, aber wahr: vielen Christen ist immer noch nicht klar, dass Jesus ein Jude war. Manche, auch das ist unglaublich, wagen sich (immer noch) nicht, das Wort überhaupt und im Zusammenhang mit Jesus gar nur auszusprechen.
Vermutlich war Jesus ein junger Rabbi, der das damalige Judentum reformieren wollte und so manchem damit sprichwörtlich auf die Füße getreten ist.
Ob Jesus tatsächlich aus Nazaret kam kann getrost als fraglich tituliert werden. Dennoch haben die Christen ihren hebräischen Namen (Nozarim = נוצרים)genau von jenem Ort: Nazaret. Jedenfalls lebte er wohl einige Jahre inmitten einer asketischen Gruppe von Juden am toten Meer.
Dass Jesus NICHT in dem heute ausgewiesenen Grab in der Grabeskirche beerdigt worden ist, davon ist auszugehen. Wer einmal in Jerusalem ist, sollte sich von den ägyptischen Kopten, die das Dach der Grabeskirche "besitzen" das vermeintlich wirkliche Grab Jesus` zeigen lassen: ein kleines Loch, neben vielen anderen kleinen Löchern in einen Fels geschlagen. In einem solchen war er wohl verscharrt: Der König der Juden, wie er damals hämisch genannt worden ist.
Auch der Mythos, dass er in einer kleinen Strohhütte in Bethlehem das Licht der Welt erblickt haben soll, kann als wahrer Nonsens betrachtet werden. Wer schon einmal in Bethlehem war, der weiß wie bitterkalt es dort im Dezember ist und das die Menschen schon damals ihre Behausungen aus dem Fels geschlagen hatten.
Und zum Schluß noch für alle Anti-Semiten dieser Welt: Nicht die Juden haben Jesus getötet, sondern die Römer und das die Juden gegen Jesus und für Barabas abgestimmt hatten, lag einfach daran, dass damals Juden die Bevölkerung waren, und nicht Christen. Hallo..., die gab es damals noch nicht!
Heute Nachmittag fahre ich für ein paar Tage nach Jerusalem, von dort werde ich eventuell noch einige andere Ammenmärchen rund um Jesus auflösen.
Vermutlich war Jesus ein junger Rabbi, der das damalige Judentum reformieren wollte und so manchem damit sprichwörtlich auf die Füße getreten ist.
Ob Jesus tatsächlich aus Nazaret kam kann getrost als fraglich tituliert werden. Dennoch haben die Christen ihren hebräischen Namen (Nozarim = נוצרים)genau von jenem Ort: Nazaret. Jedenfalls lebte er wohl einige Jahre inmitten einer asketischen Gruppe von Juden am toten Meer.
Dass Jesus NICHT in dem heute ausgewiesenen Grab in der Grabeskirche beerdigt worden ist, davon ist auszugehen. Wer einmal in Jerusalem ist, sollte sich von den ägyptischen Kopten, die das Dach der Grabeskirche "besitzen" das vermeintlich wirkliche Grab Jesus` zeigen lassen: ein kleines Loch, neben vielen anderen kleinen Löchern in einen Fels geschlagen. In einem solchen war er wohl verscharrt: Der König der Juden, wie er damals hämisch genannt worden ist.
Auch der Mythos, dass er in einer kleinen Strohhütte in Bethlehem das Licht der Welt erblickt haben soll, kann als wahrer Nonsens betrachtet werden. Wer schon einmal in Bethlehem war, der weiß wie bitterkalt es dort im Dezember ist und das die Menschen schon damals ihre Behausungen aus dem Fels geschlagen hatten.
Und zum Schluß noch für alle Anti-Semiten dieser Welt: Nicht die Juden haben Jesus getötet, sondern die Römer und das die Juden gegen Jesus und für Barabas abgestimmt hatten, lag einfach daran, dass damals Juden die Bevölkerung waren, und nicht Christen. Hallo..., die gab es damals noch nicht!
Heute Nachmittag fahre ich für ein paar Tage nach Jerusalem, von dort werde ich eventuell noch einige andere Ammenmärchen rund um Jesus auflösen.
Eltern sind reinste Taxiunternehmen
Israelische Erziehungsmethoden muss man erst verstehen lernen.
Lassen hier Eltern ihre Kinder zum größten Teil tun und lassen was sie wollen, so packen genau diese Eltern einen Augenblick später ihre Kinder in Zuckerwatte ein, damit ihnen auch ja nichts geschieht.
Noch verstehe ich nicht, wo Eltern die Grenze von Übervorsicht und Vernachlässigung setzen: Einerseits hantieren hier schon Kleinkinder in der Küche mit "Messer, Gabel, Schere und Licht", liegen Babys unbeaufsichtigt auf dem Sofa und im Garten liegen, immer schön mit der Spitze nach oben vom Rechen über die Harke alles herum, was einem Auge gefährlich werden könnte und andereseits geht in Israel fast kein Kind zu Fuß zur Schule oder zum Nachmittagssport.
Morgens, mittags, nachmittags und abends ist sozusagen der gesamte Ort auf den Beinen bzw. den vier Räder um Kinder in die Schule, den Kindergarten, die Sportgruppe oder zu einem Freund zu bringen und dann auch alles wieder retourn.
Vor der Schule stauen sich die Autos mit bringenden oder wartenden Eltern und dies, obwohl so mancher Schulweg wirklich nicht mehr als 300 Meter sind und man wirklich keine Angst aufgrund eines zu großen Verkehrsaufkommen auf den Straßen haben müsste.
Mir scheint das hier so eine Art Kollektivdruck zu sein: Wer seine Kinder nicht mit dem Auto bringt und abholt ist ein Rabenvater oder -mutter. Die Kinder haben sich natürlich daran gewöhnt bzw. kennen es nicht anders und dürfen daher getrost als recht faul und bequem bezeichnet werden. Von Bewegung, außer in den zweimal 45 Minuten im Sportunterricht kann hier keine Rede sein. Man sieht kaum Kinder auf der Straße spielen, nur wenig fahren mit dem Fahrrad und Skateboard fahren sie zuhause im eigenen Hofeingang: man müsste ja, wenn man auf der Straße fährt, die 500 Meter auch wieder zurückfahren.
Ansonsten sitzen israelische Kinder vor dem Computer oder dem Fernseher, telefonieren schon mit dem eigenen Handy und essen den ganzen Tag. Tatsache, ich habe noch nie eine Nation soviel futtern sehen, wie die israelische - besonders die Kinder! Und immer schön Süßes hineingestofft!
Die Figuren zeigen es ganz deutlich!
Lassen hier Eltern ihre Kinder zum größten Teil tun und lassen was sie wollen, so packen genau diese Eltern einen Augenblick später ihre Kinder in Zuckerwatte ein, damit ihnen auch ja nichts geschieht.
Noch verstehe ich nicht, wo Eltern die Grenze von Übervorsicht und Vernachlässigung setzen: Einerseits hantieren hier schon Kleinkinder in der Küche mit "Messer, Gabel, Schere und Licht", liegen Babys unbeaufsichtigt auf dem Sofa und im Garten liegen, immer schön mit der Spitze nach oben vom Rechen über die Harke alles herum, was einem Auge gefährlich werden könnte und andereseits geht in Israel fast kein Kind zu Fuß zur Schule oder zum Nachmittagssport.
Morgens, mittags, nachmittags und abends ist sozusagen der gesamte Ort auf den Beinen bzw. den vier Räder um Kinder in die Schule, den Kindergarten, die Sportgruppe oder zu einem Freund zu bringen und dann auch alles wieder retourn.
Vor der Schule stauen sich die Autos mit bringenden oder wartenden Eltern und dies, obwohl so mancher Schulweg wirklich nicht mehr als 300 Meter sind und man wirklich keine Angst aufgrund eines zu großen Verkehrsaufkommen auf den Straßen haben müsste.
Mir scheint das hier so eine Art Kollektivdruck zu sein: Wer seine Kinder nicht mit dem Auto bringt und abholt ist ein Rabenvater oder -mutter. Die Kinder haben sich natürlich daran gewöhnt bzw. kennen es nicht anders und dürfen daher getrost als recht faul und bequem bezeichnet werden. Von Bewegung, außer in den zweimal 45 Minuten im Sportunterricht kann hier keine Rede sein. Man sieht kaum Kinder auf der Straße spielen, nur wenig fahren mit dem Fahrrad und Skateboard fahren sie zuhause im eigenen Hofeingang: man müsste ja, wenn man auf der Straße fährt, die 500 Meter auch wieder zurückfahren.
Ansonsten sitzen israelische Kinder vor dem Computer oder dem Fernseher, telefonieren schon mit dem eigenen Handy und essen den ganzen Tag. Tatsache, ich habe noch nie eine Nation soviel futtern sehen, wie die israelische - besonders die Kinder! Und immer schön Süßes hineingestofft!
Die Figuren zeigen es ganz deutlich!
Montag, 21. Dezember 2009
Unsinnige Wasserverschwendung
Jedes Land hat seine guten und seine weniger guten Seiten.
Hier mal eine weniger gute Seite:
Wenn man in Israel warmes Wasser benötigt, sei es zum Abspülen, Duschen oder Hausputz, dauert es ewig, bis aus dem kalten Wasser warmes Wasser wird. Der Boiler steht auf dem Dach - wird im Winter elektrisch aufgeheitzt, im Sommer tut das schon die Sonne ganz allein. Doch von diesem Boiler bis zur Küche oder ins Bad liegen manchmal 5 oder 6 Meter Rohrleitung dazwischen, und die sind kalt. Bis also das gesamte kalte Wasser aus der Rohr gelaufen ist, dauert das schon mal 4 oder 5 Liter. Ebenso beim Duschen. Dieses Wasser läuft ungenutzt aus dem Duschkopf direkt in den Abguss - und das in einem Land, indem das Wasser das höchste Gut ist. Unverständlich, dass dies noch nicht geändert worden ist.
Manche Familien (aber zu wenige) haben deshalb im Bad immer einen Eimer stehen, mit dem sie dieses Wasser auffangen und dann zum Gießen der Blumen verwenden.
Vielleicht sollte sich mal ein deutscher Geschäftsmann samt Handwerker ins Heilige Land bewegen und hier anständige Durchlauferhitzer anbieten!
Ärgerlich an der ganzen Sache ist auch, dass man nie in den Genuß kommt, seine Hände mit warmem Wasser zu waschen - höchsten man wartet 3 Minuten und lässt so jedesmal literweise Wasser laufen.
Hier mal eine weniger gute Seite:
Wenn man in Israel warmes Wasser benötigt, sei es zum Abspülen, Duschen oder Hausputz, dauert es ewig, bis aus dem kalten Wasser warmes Wasser wird. Der Boiler steht auf dem Dach - wird im Winter elektrisch aufgeheitzt, im Sommer tut das schon die Sonne ganz allein. Doch von diesem Boiler bis zur Küche oder ins Bad liegen manchmal 5 oder 6 Meter Rohrleitung dazwischen, und die sind kalt. Bis also das gesamte kalte Wasser aus der Rohr gelaufen ist, dauert das schon mal 4 oder 5 Liter. Ebenso beim Duschen. Dieses Wasser läuft ungenutzt aus dem Duschkopf direkt in den Abguss - und das in einem Land, indem das Wasser das höchste Gut ist. Unverständlich, dass dies noch nicht geändert worden ist.
Manche Familien (aber zu wenige) haben deshalb im Bad immer einen Eimer stehen, mit dem sie dieses Wasser auffangen und dann zum Gießen der Blumen verwenden.
Vielleicht sollte sich mal ein deutscher Geschäftsmann samt Handwerker ins Heilige Land bewegen und hier anständige Durchlauferhitzer anbieten!
Ärgerlich an der ganzen Sache ist auch, dass man nie in den Genuß kommt, seine Hände mit warmem Wasser zu waschen - höchsten man wartet 3 Minuten und lässt so jedesmal literweise Wasser laufen.
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Freitag, 18. Dezember 2009
Nicht einfach nur besorgniserregend
Als ich vor 25 Jahren zum ersten Mal nach Israel kam und abends mal ein Bier trank, schauten mich (gefühlt) tausend Augenpaare angewiedert, entsetzt und ablehend an.
Wenn ich mir heute einen Saft oder ein Mineralwasser bestelle, schauen mich ebensoviel Augenpaare aus ganz anderen Gründen, als den damaligen an.
Gegenfrage (auch wenn es keine Eingangsfrage gab): ist Zugewinn von Zivilisation, Europäisierung und Globalisiering einhergehend mit Alkohol? Oder kann man das zuvor genannte nur mit genügend "Stoff" ertragen?
Wo noch vor kaum 10 Jahren regelrechte Wüstenei war, nämlich beim Alkohol - sind die Probleme gerade richtig heftig, Tagesgespräch und Sorge vieler Eltern halbwüchsiger Kinder.
Eine aktuelle Statistik besagt, das der Pro-Kopf-(Genuss) von Alkohol in Israel an zweiter Stelle hinter der Urkaine in Europa liegt. Hallo, wir sprechen von Europa - nicht von Hinter-Indien!
Also - nicht Deutschland oder Polen oder sonstwo in den Ländern, wo Bier zum Beispiel auch ein Ausdruck von "Kultur" ist und eh zu jeder Gelegenheit gesoffen wird. Israel!
So sieht sich die israelische Gesellschaft seit kurzen mit einem Problem beschäftigt, welches sie gar nicht kannte. Dem Alkohol und seit neuestem auch mit dem sog. "Flat-Saufen" von Jugendlichen.
Meiner Beobachtung nach, ist der Alkoholismus in Israel mit der Einwanderungswelle der russischen Juden aufgetaucht. Nie werde ich die Bilder Anfang/Mitte der 90er Jahre vergessen, da völlig sturzbetrunkene Russen auf dem Grünstreifen vor der Jerusalemer Altsadt lagen - umgeben von Pyramiden von Vodka-Flaschen. Israel wurde damals mit einem Problem konfrontiert, was es nicht kannte und bis heute nicht in den Griff bekommen hat.
Und wie jedes andere Land auch - z.B. auch Deutschland mit seinen "anderen Kulturen" hat auch Israel sich nie wirklich um die Integration von Menschen anderer Kulturen gekümmert. Juden, so dachte die israelische Regierung, sind Juden - egal woher sie kommen! Pustekuchen - auch Türken sind keine Türken, ganz egal woher sie kommen!
Jede Gesellschaft bekommt ihre Selbstverständlichkeit per Rechnung präsentiert. Früher oder später! Auch Israel - oder wer gedacht hat, dass Israel angesichts seiner Geschichte davon verschont bleiben würde - der war blauäugig.
Jede Ideologie hält nur solange an, solange die Ilussionslosen leben!
Wenn ich mir heute einen Saft oder ein Mineralwasser bestelle, schauen mich ebensoviel Augenpaare aus ganz anderen Gründen, als den damaligen an.
Gegenfrage (auch wenn es keine Eingangsfrage gab): ist Zugewinn von Zivilisation, Europäisierung und Globalisiering einhergehend mit Alkohol? Oder kann man das zuvor genannte nur mit genügend "Stoff" ertragen?
Wo noch vor kaum 10 Jahren regelrechte Wüstenei war, nämlich beim Alkohol - sind die Probleme gerade richtig heftig, Tagesgespräch und Sorge vieler Eltern halbwüchsiger Kinder.
Eine aktuelle Statistik besagt, das der Pro-Kopf-(Genuss) von Alkohol in Israel an zweiter Stelle hinter der Urkaine in Europa liegt. Hallo, wir sprechen von Europa - nicht von Hinter-Indien!
Also - nicht Deutschland oder Polen oder sonstwo in den Ländern, wo Bier zum Beispiel auch ein Ausdruck von "Kultur" ist und eh zu jeder Gelegenheit gesoffen wird. Israel!
So sieht sich die israelische Gesellschaft seit kurzen mit einem Problem beschäftigt, welches sie gar nicht kannte. Dem Alkohol und seit neuestem auch mit dem sog. "Flat-Saufen" von Jugendlichen.
Meiner Beobachtung nach, ist der Alkoholismus in Israel mit der Einwanderungswelle der russischen Juden aufgetaucht. Nie werde ich die Bilder Anfang/Mitte der 90er Jahre vergessen, da völlig sturzbetrunkene Russen auf dem Grünstreifen vor der Jerusalemer Altsadt lagen - umgeben von Pyramiden von Vodka-Flaschen. Israel wurde damals mit einem Problem konfrontiert, was es nicht kannte und bis heute nicht in den Griff bekommen hat.
Und wie jedes andere Land auch - z.B. auch Deutschland mit seinen "anderen Kulturen" hat auch Israel sich nie wirklich um die Integration von Menschen anderer Kulturen gekümmert. Juden, so dachte die israelische Regierung, sind Juden - egal woher sie kommen! Pustekuchen - auch Türken sind keine Türken, ganz egal woher sie kommen!
Jede Gesellschaft bekommt ihre Selbstverständlichkeit per Rechnung präsentiert. Früher oder später! Auch Israel - oder wer gedacht hat, dass Israel angesichts seiner Geschichte davon verschont bleiben würde - der war blauäugig.
Jede Ideologie hält nur solange an, solange die Ilussionslosen leben!
Kommen, hören, klatschen und gehen
Gestern war ich auf dem angekündigten Konzert von Jehudith (Judith) Ravitz in Tel Aviv. Normalerweise ist es von Kochav Yair nach Tel Aviv (fast) ein Katzensprung - jedenfalls wenn man sich auskennt, es nicht aus allen Fässern des Himmels regnet, die Straßen nicht bis zur Unkenntlichkeit unter Wasser stehen und der Scheibenwischer am Auto funktioniert. Gestern aber hätte ich eigentlich ein Schlauchboot gebraucht, um nach Tel Aviv zu gelangen und habe mich deshlab mehrmals buchstäblich "verfranzt" und geschlagene 90 Minuten bis in die Rechov Raul Wallenberg 24 in Ramat ChaYail (Stadtteil von T.A.) gebraucht.
Der Zappa-Musikclub war mit rund 300 Zuhörern gut gefüllt, Punkt 22 Uhr stand J. Ravitz samt 7köpfiger Band auf der Bühne, sagte "Shalom" zur Begrüßung, spielte ihr Repertoire von 16 Stücken runter, sagte wieder "Shalom" und war verschwunden. Das Publikum rief ca. dreimal Judith, Judith, Judith, dann kam sie zurück, gab zwei Zugaben, winkte und weg war sie. Das Licht ging an und die Leute strömten zum Ausgang.
Hä?
Musikalisch hat mich ihr Live-Auftritt nicht überzeugt: keine musikalischen Überraschungen, die Band spielte "eindimensional" und sie ließ ihre mittlerweile krächzende Stimme von einer Que(e)rflöte heller klingen. Eigentlich eine intelligente Sache, die ich auch 2007 bei Barbra Streisand in Berlin feststellte - aber die "Streusand" machte das so perfekt, so dass man es fast nicht bemerkte. Aber Jehudith Ravitz ist ja nicht die Streisand!
Alles in allem war es aber ein interessanter Abend und einige Lieder von Ravitz fand ich auch wirklich gelungen. Der Beste aber auf der Bühne war der Drummer und meine Rückfahrt - wiederum in strömendem Regen und schelchten Lichtverhältnissen. Anstelle in Kfar Saba die Abfahrt zu nehmen fuhr ich in Richtung Rosch HaAin weiter und fuhr so vor mich hin, bis ich mich an einem Grenzübergang zur Westbank wiederfand. Huch!
Im Januar bin ich jedenfalls noch zweimal im Zappa-Club, denn am 10.01.2010 spielt Rami Kleinstein und am 17.01.10 Achimnoa Nini - einigen evetuell durch die Zusammenarbeit mit Peter Maffay bekannt!?
Kommt jemand mit?
Der Zappa-Musikclub war mit rund 300 Zuhörern gut gefüllt, Punkt 22 Uhr stand J. Ravitz samt 7köpfiger Band auf der Bühne, sagte "Shalom" zur Begrüßung, spielte ihr Repertoire von 16 Stücken runter, sagte wieder "Shalom" und war verschwunden. Das Publikum rief ca. dreimal Judith, Judith, Judith, dann kam sie zurück, gab zwei Zugaben, winkte und weg war sie. Das Licht ging an und die Leute strömten zum Ausgang.
Hä?
Musikalisch hat mich ihr Live-Auftritt nicht überzeugt: keine musikalischen Überraschungen, die Band spielte "eindimensional" und sie ließ ihre mittlerweile krächzende Stimme von einer Que(e)rflöte heller klingen. Eigentlich eine intelligente Sache, die ich auch 2007 bei Barbra Streisand in Berlin feststellte - aber die "Streusand" machte das so perfekt, so dass man es fast nicht bemerkte. Aber Jehudith Ravitz ist ja nicht die Streisand!
Alles in allem war es aber ein interessanter Abend und einige Lieder von Ravitz fand ich auch wirklich gelungen. Der Beste aber auf der Bühne war der Drummer und meine Rückfahrt - wiederum in strömendem Regen und schelchten Lichtverhältnissen. Anstelle in Kfar Saba die Abfahrt zu nehmen fuhr ich in Richtung Rosch HaAin weiter und fuhr so vor mich hin, bis ich mich an einem Grenzübergang zur Westbank wiederfand. Huch!
Im Januar bin ich jedenfalls noch zweimal im Zappa-Club, denn am 10.01.2010 spielt Rami Kleinstein und am 17.01.10 Achimnoa Nini - einigen evetuell durch die Zusammenarbeit mit Peter Maffay bekannt!?
Kommt jemand mit?
Das ist schon kein Wetter mehr
Seit vorgestern Nacht wütet es in Israel - das Wetter, was man getrost als Unwettrer bezeichnen kann.
In der Nacht auf Donnerstag zeigte sich der Himmel seltsam gelblich verfärbt und Neta und ich hofften, dass es sich hierbei nicht um Senf-Gas handeln würde. Aber nachdem wir 5 Minuten an der firschen, windigen Luft unbeschadet überstanden hatten, war klar: kein Gas.Dennoch schwante uns böses in Gestalt eines Sturmes und richtig, seit gestern früh stürmt, regnet, windet und bläst es aus allen (Himmels)-Rohren und zwar so sehr, dass einige Autobahnen bzw. Schnellstraßen am Morgen geschlossen wurden. So saß Yoram z.B. für einige Stunden in Haifa fest und konnte erst am frühen Nachmittag wieder von seinem Geschäftstemin zurück kehren. Wenn es in Israel regnet, dann regnet es tatsächlich aus Kübeln und dann bricht hier das Chaos als, wie bei uns zuweilen im Winter; aber bei Minus 30 Grad und 2 Meter Schnellfall.
Auch in Tel Aviv ging fast gar nichts mehr, die Straßen unter Wasser, die Kanäle überfüllt - Mensch und Auto an manchen Stellen knietief im Wasser. Und dann kam sogar noch ein (fast) Tornado übers Meer: hier die TV-Nachrichten
In der Nacht auf Donnerstag zeigte sich der Himmel seltsam gelblich verfärbt und Neta und ich hofften, dass es sich hierbei nicht um Senf-Gas handeln würde. Aber nachdem wir 5 Minuten an der firschen, windigen Luft unbeschadet überstanden hatten, war klar: kein Gas.Dennoch schwante uns böses in Gestalt eines Sturmes und richtig, seit gestern früh stürmt, regnet, windet und bläst es aus allen (Himmels)-Rohren und zwar so sehr, dass einige Autobahnen bzw. Schnellstraßen am Morgen geschlossen wurden. So saß Yoram z.B. für einige Stunden in Haifa fest und konnte erst am frühen Nachmittag wieder von seinem Geschäftstemin zurück kehren. Wenn es in Israel regnet, dann regnet es tatsächlich aus Kübeln und dann bricht hier das Chaos als, wie bei uns zuweilen im Winter; aber bei Minus 30 Grad und 2 Meter Schnellfall.
Auch in Tel Aviv ging fast gar nichts mehr, die Straßen unter Wasser, die Kanäle überfüllt - Mensch und Auto an manchen Stellen knietief im Wasser. Und dann kam sogar noch ein (fast) Tornado übers Meer: hier die TV-Nachrichten
Mittwoch, 16. Dezember 2009
Bauernbrot mit fett Butter
Ein Himmelreich für ein ... gutes, deutsches Brot!
Seit Wochen esse ich schon kein Brot mehr, denn das was die Israelis Brot nennen, nenne ich eher Doppsball, Zieharmonika oder ungegorene Kaugummimasse ohne Nährwert.
Es gibt Pita, Shabbes-Brot (das kostengünstigste) und der Versuch verschiedener Körnerbrote - aber allesamt machen wohl dick und satt, aber schmecken einfach nach nichts.
Gestern habe ich dann in Ra`anana eine Bäckerei entdeckt, bei der mir schon hundert Meter bevor ich sie erreichte der warme Duft von frisch gebackenem Brot und Brötchen in die Nase stieg. In der Bäckerei selbst gingen mir die Augen über und hätte ich vergessen, dass ich in Ra`anana in einer Bäckerei stehe, ich hätte glauben (und mein Geld verwetten) können, dass ich in einer urigen Bäckerei im Allgäu oder im Münsterland stehe.
Die Bäckerei Artisan gibt es nicht nur in Ra`anana, sondern noch in weiteren israelischen Städten. Wo noch, könnt ihr auf der website nachlesen, die zwar nur in Hebräisch zu lesen ist, aber ein Blick auf die tollen Bilder lohnt sich!!!
Übrigens - das Bild oben durfte ich nur mit Sondergenehmigung machen, da in dieser Bäckerei eigentlich nicht fotografiert werden darf. Das Besondere in diesem Laden ist, dass alle Schilder an den Brotauslagen auch auf Deutsch geschrieben sind: "Roggenmischbrot mit verschiedenen Körnersorten" Ich habe mir gleich eines gekauft: stolzer Preis von 21 NIS (ca. 3,80 Euro)
Seit Wochen esse ich schon kein Brot mehr, denn das was die Israelis Brot nennen, nenne ich eher Doppsball, Zieharmonika oder ungegorene Kaugummimasse ohne Nährwert.
Es gibt Pita, Shabbes-Brot (das kostengünstigste) und der Versuch verschiedener Körnerbrote - aber allesamt machen wohl dick und satt, aber schmecken einfach nach nichts.
Gestern habe ich dann in Ra`anana eine Bäckerei entdeckt, bei der mir schon hundert Meter bevor ich sie erreichte der warme Duft von frisch gebackenem Brot und Brötchen in die Nase stieg. In der Bäckerei selbst gingen mir die Augen über und hätte ich vergessen, dass ich in Ra`anana in einer Bäckerei stehe, ich hätte glauben (und mein Geld verwetten) können, dass ich in einer urigen Bäckerei im Allgäu oder im Münsterland stehe.
Die Bäckerei Artisan gibt es nicht nur in Ra`anana, sondern noch in weiteren israelischen Städten. Wo noch, könnt ihr auf der website nachlesen, die zwar nur in Hebräisch zu lesen ist, aber ein Blick auf die tollen Bilder lohnt sich!!!
Übrigens - das Bild oben durfte ich nur mit Sondergenehmigung machen, da in dieser Bäckerei eigentlich nicht fotografiert werden darf. Das Besondere in diesem Laden ist, dass alle Schilder an den Brotauslagen auch auf Deutsch geschrieben sind: "Roggenmischbrot mit verschiedenen Körnersorten" Ich habe mir gleich eines gekauft: stolzer Preis von 21 NIS (ca. 3,80 Euro)
Anrührig, witzig und nachdenklich
Friedhofsclub oder Akademie - diese Frage wird im Film The Cemetery Club ausführlich diskutiert.
Seit über 20 Jahren treffen sich auf dem Mount Herzel in Jerusalem jeden Samstagnachmittag Lea, ihre Schwägerin Minia, Hermann und noch einige andere Holocaustüberlebende aus Polen und Deutschland, um über die Fragen der Welt zu diskutieren.
Dieser leise und einfühlsame Film ist weder eine Holocaust-Dokumentation oder -Drama sondern en Fenster in das Leben einger weniger Menschen, die aus Europa kommend ihrem Leben einen neuen Sinn gegeben haben. Der Cemetery Club wurde 2007 von der israelischen Regisseurin Tali Shemesh fertiggestellt, und fand beim israelischen Publikum großen Anklang. Und das, obwohl die nachfolgenden Generationen in Israel normalerweise kein großes Interesse an den Geschichten rund um den Holocaust aufbringen. Der Film lief über ein Jahr in israelischen Programmkinos.
Die Akteure des Cemetery Clubs sprechen vornehmlich in hebräisch, zuweilen aber auch in polnisch oder englisch, aber außer einem Gedicht von Erich Kästner nicht in deutsch; denn Deutsch ist für die älteren Herrschaften immer noch die Sprache der Täter. Es wird über Tagespolitik diskutiert, rechthaberisch gestritten, Lyrik vorgetragen und über ausgesuchte Themen referiert.
Ein Film, den man gesehen haben sollte - auch wenn man sich weder für Israel noch den Holocaust interessiert.
Der gesamte Film ist mit deutschen Untertiteln unterlegt, die über haupt nicht störend wirken.
Hier ein kurzer Einblick:
Seit über 20 Jahren treffen sich auf dem Mount Herzel in Jerusalem jeden Samstagnachmittag Lea, ihre Schwägerin Minia, Hermann und noch einige andere Holocaustüberlebende aus Polen und Deutschland, um über die Fragen der Welt zu diskutieren.
Dieser leise und einfühlsame Film ist weder eine Holocaust-Dokumentation oder -Drama sondern en Fenster in das Leben einger weniger Menschen, die aus Europa kommend ihrem Leben einen neuen Sinn gegeben haben. Der Cemetery Club wurde 2007 von der israelischen Regisseurin Tali Shemesh fertiggestellt, und fand beim israelischen Publikum großen Anklang. Und das, obwohl die nachfolgenden Generationen in Israel normalerweise kein großes Interesse an den Geschichten rund um den Holocaust aufbringen. Der Film lief über ein Jahr in israelischen Programmkinos.
Die Akteure des Cemetery Clubs sprechen vornehmlich in hebräisch, zuweilen aber auch in polnisch oder englisch, aber außer einem Gedicht von Erich Kästner nicht in deutsch; denn Deutsch ist für die älteren Herrschaften immer noch die Sprache der Täter. Es wird über Tagespolitik diskutiert, rechthaberisch gestritten, Lyrik vorgetragen und über ausgesuchte Themen referiert.
Ein Film, den man gesehen haben sollte - auch wenn man sich weder für Israel noch den Holocaust interessiert.
Der gesamte Film ist mit deutschen Untertiteln unterlegt, die über haupt nicht störend wirken.
Hier ein kurzer Einblick:
Montag, 14. Dezember 2009
Wer hat hier eigentlich mehr Angst vor wem?
Vorgestern bin ich dabei mir was nettes zu kochen, als ich einen Schatten unter meinem Gasherd sehe: ein Schatten, der sich bewegt. Vor Schreck habe ich erstmal eine Tasse fallen lassen - dachte schon die nächste Monster-Kakerlake will sich für den Mord an ihrer Familie im Badezimmer rächen. Doch es war eine Eidechse, ein Olm, Molch - keine Ahnung wie solches Getier heißt - jedenfalls hat das arme Vieh vor lauter Schreck seinen Schwanz verloren. Mit essen war dann erstmal nichts mehr und die Echse hat sich auch versteckt. So saßen wir dann: ich zitternd auf meinem Sofa, die Echse ohne Schwanz unterm Gasherd.
Nach einer ganzen Weile hatte ich dann beschlossen, keine Angst mehr zu haben, habe mich mit lesen abgelenkt und siehe da: plötzlich hatte ich das Tier vergessen! Doch wie ich gedankenverloren wieder in die Küche gehe - was sehe ich da, die Echse vor meinem Bett!
Erstmal wieder Schockstarre - dann habe ich dem Tier gut zugeredet und die Terrassentür weit aufgemacht. Doch das Tier blieb wo es war - und das die ganze Nacht!
Als ich am Nachmittag wieder von der Schule zurückkam, war die Echse verschwunden - hat sich irgendwo im Haus versteckt. Nur wo?
Gegen Abend saß ich und lernte Vokabeln, als ich plötzlich geraschel aus der Küche höre. Oh mein Gott, mittlerweile leide ich schon unter Kakerlaken-Verfolgungswahn. Mit einem Schuhe bewaffnet schlich ich in die Küche: siehe da, zwei Katzen, die sich gerade an meinem Brot zu schaffen machten. Raus hier - ich bin doch kein Tierheim!
Tja, und die Zoo-Geschichte ist noch nicht zuende, denn heute morgen tappte eine riesengroße, ekelhafte Spinne über mein Bett, direkt an meiner Nase vorbei. Für einen richtigen Schock hatte ich keine Starre mehr übrig: jetzt hat sich dieses Spinnentier an der Zimmerdecke in eine Ecke verkrochen und ich trau mich weder sie zu verscheuchen, noch zu erschlagen noch mit diesem Ungezieferspray zu vernichten. Was, wenn die das alles überlebt und anfängt zu rennen?? Dann renn ich nämlich auch... nur wohin? Ins Badezimmer bestimmt nicht.
Sonntag, 13. Dezember 2009
Und die Pille rücklings direkt unters Lattenkreuz
Und wieder fiebert die Nation, denn ein Israeli ist Kandidat für das Welt-Tor des Jahres
Der israelische Fußballprofi Eliran Atar ist für das "Tor des Jahres" des Fußballweltverbandes FIFA nominiert worden. Der Stürmer in Diensten von Bnei Jehuda ist einer von zehn Kandidaten.
Der nach einem ungarischen Nationalspieler benannte "FIFA Puskás Award" wird an den Spieler verliehen, der das Tor des Jahres erzielt hat. Die Auszeichnung am 21. Dezember könnte Atar allerdings nicht persönlich entgegen nehmen, da seine Mannschaft an diesem Tag das Liga-Spiel gegen Maccabi Haifa bestreitet.
Der 22-jährige Stürmer wurde für seinen sensationellen Fallrückzieher von der Strafraumkante im Ligaspiel gegen Macccabi Netanja im Februar vorgeschlagen. Konkurrenten um den Titel sind unter anderem der portugiesische Star Cristiano Ronaldo, der Spanier Andres Iniesta und Emmanuel Adebayor (Togo).
Die Begeisterung des Fernsehreporters erinnert an Herbert Zimmermann, WM Finale 1954 im Berner Wankdorfstadion: "Tor, Tor, Tor!"
Der israelische Fußballprofi Eliran Atar ist für das "Tor des Jahres" des Fußballweltverbandes FIFA nominiert worden. Der Stürmer in Diensten von Bnei Jehuda ist einer von zehn Kandidaten.
Der nach einem ungarischen Nationalspieler benannte "FIFA Puskás Award" wird an den Spieler verliehen, der das Tor des Jahres erzielt hat. Die Auszeichnung am 21. Dezember könnte Atar allerdings nicht persönlich entgegen nehmen, da seine Mannschaft an diesem Tag das Liga-Spiel gegen Maccabi Haifa bestreitet.
Der 22-jährige Stürmer wurde für seinen sensationellen Fallrückzieher von der Strafraumkante im Ligaspiel gegen Macccabi Netanja im Februar vorgeschlagen. Konkurrenten um den Titel sind unter anderem der portugiesische Star Cristiano Ronaldo, der Spanier Andres Iniesta und Emmanuel Adebayor (Togo).
Die Begeisterung des Fernsehreporters erinnert an Herbert Zimmermann, WM Finale 1954 im Berner Wankdorfstadion: "Tor, Tor, Tor!"
Wo bleibt die Deutsche Eiche?
Zukünftig können die Bewohner der israelische Kleinstadt Lehavim ihren Abendspaziergang über die „Nordrhein-Westfalen-Allee“ direkt hinein in den „Wald der deutschen Länder“ machen. Die 100 Meter lange Allee wurde am Donnerstag vergangener Woche vom Umweltminister des Landes NRW, Eckehard Uhlenberg eingeweiht. Der „Wald der deutschen Länder“ (was ein schrecklicher Name) wurde schon vor Jahren vom Land NRW sowie dem Jüdischen Nationalfonds gestiftet. Er besteht größtenteils aus Eukalyptus- und Olivenbäumen (typisch deutsche Bäume!!) und soll die Bemühungen unterstützen, den Negev fruchtbarer zu machen.
Wer selbst einen Baum spenden möchte, hier der link
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Advent, Advent - der Chanukka-Leuchter brennt
Fast hätte ich es vergessen - das Fest der Tempelweihe (Chanukka) begann am Freitagabend. Juden in aller Welt erinnern sich ab dem 25. Tag des Monats Kislew acht Tage lang an den erfolgreichen Aufstand der gläubigen Juden gegen die Hellenisten 165 vor unserer Zeitrechnung und die Neueinweihung des Jerusalemer Tempels. Im Mittelpunkt der Liturgie steht der Dank für Gottes Wunder - damals und heute.
In den 70er Jahren des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts gewannen die Griechen in Syrien Einfluss auf einen großen Teil der jüdischen Elite. Der syrische Herrscher Antiochus IV. Epiphanes verbot schließlich zentrale jüdische Bräuche wie die Beschneidung und die Shabbat-Ruhe. Der Tempel in Jerusalem wurde dem griechischen Hauptgott Zeus geweiht und zu einem Ort des Götzendienstes umfunktioniert.
Doch eine Gruppe von Juden blieb ihrem Gott treu und versteckte sich in den Bergen. Unter der Führung von Jehuda Makkabi (Judas Makkabäus) bereiteten sie den Makkabäer-Aufstand vor. Obwohl sie zahlenmäßig stark unterlegen waren, konnten die Makkabäer ihre Unterdrücker besiegen und den Tempel zurückerobern. Am 25. Tag des Monats Kislew weihten sie das Heiligtum wiederum dem Gott Israels.
Dabei stießen sie laut jüdischer Überlieferung auf ein Problem: Von dem kultisch reinen Öl für den Leuchter war nur noch eine Ration für einen Tag übrig. Doch tatsächlich reichte der Vorrat für acht Tage, bis neues Öl hergestellt worden war. In Erinnerung an dieses Wunder zünden Juden während des Chanukkafestes abends Lichter an. Der Leuchter für das Lichtzünden heißt Chanukkia und hat - im Gegensatz zur siebenarmigen Menorah - insgesamt neun Arme. Jeden Abend wird eine Kerze mehr angezündet. Der neunte Arm ist für den Schamasch (Diener) vorgesehen, mit dem man die restlichen Lichter anzündet.
Mit dem Lichtzünden ist eine bestimmte Liturgie verbunden. Sie beginnt mit dem Segensspruch: "Gepriesen seist Du, Herr, unser Gott, der uns durch Seine Gebote geheiligt hat und uns geboten hat, das Chanukka-Licht zu zünden." Zum Lichtzünden ist grundsätzlich jeder Jude verpflichtet.
Die Chanukkia soll an einem Fenster stehen, damit das Wunder bekannt gemacht wird. Nach der gemeinsamen Zeremonie singt die Familie traditionelle Lieder. Am Freitagabend werden zuerst die Lichter der Chanukkia angezündet, dann die beiden Schabbat-Kerzen. Zu Chanukka gehören Speisen, die mit Öl zubereitet werden. Beliebt sind Sufganiot (Krapfen/Berliner) und Latkes (Kartoffelküchlein). Für die Kinder gibt es auch Geschenke.
Die Chanukka-Feiertage sind keine sog. vollwertigen Feiertage, d.h. die Kinder haben zwar Schulfrei, ansonsten aber läuft der Alltag wie gehabt.
In den 70er Jahren des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts gewannen die Griechen in Syrien Einfluss auf einen großen Teil der jüdischen Elite. Der syrische Herrscher Antiochus IV. Epiphanes verbot schließlich zentrale jüdische Bräuche wie die Beschneidung und die Shabbat-Ruhe. Der Tempel in Jerusalem wurde dem griechischen Hauptgott Zeus geweiht und zu einem Ort des Götzendienstes umfunktioniert.
Doch eine Gruppe von Juden blieb ihrem Gott treu und versteckte sich in den Bergen. Unter der Führung von Jehuda Makkabi (Judas Makkabäus) bereiteten sie den Makkabäer-Aufstand vor. Obwohl sie zahlenmäßig stark unterlegen waren, konnten die Makkabäer ihre Unterdrücker besiegen und den Tempel zurückerobern. Am 25. Tag des Monats Kislew weihten sie das Heiligtum wiederum dem Gott Israels.
Dabei stießen sie laut jüdischer Überlieferung auf ein Problem: Von dem kultisch reinen Öl für den Leuchter war nur noch eine Ration für einen Tag übrig. Doch tatsächlich reichte der Vorrat für acht Tage, bis neues Öl hergestellt worden war. In Erinnerung an dieses Wunder zünden Juden während des Chanukkafestes abends Lichter an. Der Leuchter für das Lichtzünden heißt Chanukkia und hat - im Gegensatz zur siebenarmigen Menorah - insgesamt neun Arme. Jeden Abend wird eine Kerze mehr angezündet. Der neunte Arm ist für den Schamasch (Diener) vorgesehen, mit dem man die restlichen Lichter anzündet.
Mit dem Lichtzünden ist eine bestimmte Liturgie verbunden. Sie beginnt mit dem Segensspruch: "Gepriesen seist Du, Herr, unser Gott, der uns durch Seine Gebote geheiligt hat und uns geboten hat, das Chanukka-Licht zu zünden." Zum Lichtzünden ist grundsätzlich jeder Jude verpflichtet.
Die Chanukkia soll an einem Fenster stehen, damit das Wunder bekannt gemacht wird. Nach der gemeinsamen Zeremonie singt die Familie traditionelle Lieder. Am Freitagabend werden zuerst die Lichter der Chanukkia angezündet, dann die beiden Schabbat-Kerzen. Zu Chanukka gehören Speisen, die mit Öl zubereitet werden. Beliebt sind Sufganiot (Krapfen/Berliner) und Latkes (Kartoffelküchlein). Für die Kinder gibt es auch Geschenke.
Die Chanukka-Feiertage sind keine sog. vollwertigen Feiertage, d.h. die Kinder haben zwar Schulfrei, ansonsten aber läuft der Alltag wie gehabt.
Manchmal hat man keine Meinung
Keine Meinung zu haben, heißt nicht immer, man habe keine eigene Meinung.
Ich jedenfalls habe zu dem Film: Ein Leben für ein Leben - Adam Hundesohn wirklich keine Meinung - jedenfall keine schlechte, aber auch keine gute.
Der Film, eine Adaption des Buches Adam Hundesohn des israelischen Schriftstellers, Yoram Karniuk, kommt ganz seltsam und strange daher. Dass scheint wohl Absicht zu sein - handelt er doch von Holocaustüberlebenden, die in einer abgelegenen Klinik in Israel "behandelt" werden.
Unter der Regie von Paul Schrader (nein, nicht verwandt mit Maria Schrader!) zeigt Jeff Goldblum eine schauspielerische Meisterleistung - auch die deutschen Schauspieler (Joachim Kròl & Moritz Bleibtreu) zeigen was sie draufhaben; nur Veronica Ferres, seit neuestem das Deutsche Betroffenheits-Gesicht wirkt irgendwie in diesem Film deplaziert.
Hier der Trailer:
Ich jedenfalls habe zu dem Film: Ein Leben für ein Leben - Adam Hundesohn wirklich keine Meinung - jedenfall keine schlechte, aber auch keine gute.
Der Film, eine Adaption des Buches Adam Hundesohn des israelischen Schriftstellers, Yoram Karniuk, kommt ganz seltsam und strange daher. Dass scheint wohl Absicht zu sein - handelt er doch von Holocaustüberlebenden, die in einer abgelegenen Klinik in Israel "behandelt" werden.
Unter der Regie von Paul Schrader (nein, nicht verwandt mit Maria Schrader!) zeigt Jeff Goldblum eine schauspielerische Meisterleistung - auch die deutschen Schauspieler (Joachim Kròl & Moritz Bleibtreu) zeigen was sie draufhaben; nur Veronica Ferres, seit neuestem das Deutsche Betroffenheits-Gesicht wirkt irgendwie in diesem Film deplaziert.
Hier der Trailer:
Hauptsache den Kopf nicht vergessen
In Israels Postämtern kann man nicht nur Briefe oder Pakete aufgeben, nein - auch eine Auswahl an Schlüsseln kann man dort finden. Hausschlüssel und Autoschlüssel zur freien Auswahl.
Am Freitag musste ich noch dringend auf die Post und wie ich da ein Formular ausfüllte, stand auf dem Schalter folgender Korb:
Auf Nachfrage bei der Postmitarbeiterin erfuhr ich, dass dieser Korb samt Schlüssel die Ausbeute von zwei Wochen ist: von Kunden vergessene Schlüssel. Ich staunte nicht schlecht: wie kommen denn die Menschen wieder in ihre Häuser bzw. wie fahren die Kunden ohne Schlüssel mit ihrem Auto wieder vom Postparkplatz?
Die Postmitarbeiterin staunte auch nicht schlecht, als ich meine Kamera zückte und ein Bild machte.
Am Freitag musste ich noch dringend auf die Post und wie ich da ein Formular ausfüllte, stand auf dem Schalter folgender Korb:
Auf Nachfrage bei der Postmitarbeiterin erfuhr ich, dass dieser Korb samt Schlüssel die Ausbeute von zwei Wochen ist: von Kunden vergessene Schlüssel. Ich staunte nicht schlecht: wie kommen denn die Menschen wieder in ihre Häuser bzw. wie fahren die Kunden ohne Schlüssel mit ihrem Auto wieder vom Postparkplatz?
Die Postmitarbeiterin staunte auch nicht schlecht, als ich meine Kamera zückte und ein Bild machte.
Freitag, 11. Dezember 2009
Übernachtung gefällig - Zimmer frei
Deutsch ist sicherlich keine Internationale Sprache - dennoch hat sie ihre Spuren hinterlassen: auch im Heräischen. Was ja kein Wunder ist, wenn man bedenkt wieviele deutsche Juden einst nach Israel flüchten mussten!
Fangen wir mit dem einfachsten, wenn auch überraschensten an: Sitzt man z.B. in Israel auf einem Spielplatz, viele Mütter mit ihren Kindern und wie überall auf der Welt haben auch israelische Kinder dauernd Durst oder Hunger. Und wie man so sitzt, hört man plötzlich folgende Aufforderung: "Tni li Biss" (Gib mir einen Biss) oder "Tni Li Schluck" (Gib mir einen Schluck).
Oder - immer noch auf dem Spielplatz - sagt die Mama zu ihrem Kind, nachdem es quängelig geworden ist: "Achschiav anachnu ossim Schlafstunde!" (Jetzt machen wir einen Mittagsschlaf) - Aha! Schlafstunde - das tiefste Relikt vom "Deutschtum" überhaupt. In Deutschland selbst längst ad-acta gelegt, ist die Schlafstunde in Israel in manchen Familien noch obligatorisch.
Oder auch nur die rethorische Frage unter Freunden: "Aise Kinderstube heitah lechah?" Welche Kinderstube hast Du gehabt? Oder auch "Ain lechah Kinderstube?" (Hast Du keine Kinderstube, sprich: Erziehung genossen?)
Und so geht es weiter - mit dem Deutschen im hebräischen Sprachgebrauch.
Wer suche in Israel nach einer Übernachtungsmöglichkeit, z.b. auf dem Lande und ist des (hebräisch) Lesens mächtig, der findet Schilder an Häusern, auf denen geschrieben steht: Zimmer frei.
Natürlich sind Kindergarten, Rucksack und Gemütlichkeit im Hebräischen ebenso vertreten, wie auch im Englischen.
Das die Worte Führer, Reichskristallnacht und Selektion jeder Israeli rückwärts im Schlaf sagen kann, erklärt sich von selbst. Aber das bisher kurioseste, was ich jemals in Israel gehört habe ist: "Alte Sachen!" Das nämlich schreien vornehmlich an einem Freitag palästinensische Schrotthändler. Weshalb?
Als die ersten deutschen Juden nach Palästina kamen, sie natürlich auch ihre deutschen Berufe, ihre deutsche Ordnung und ihren deutschen Willen zu überleben mit. So waren die ersten Schrotthändler, bzw. Wiederverwerthändler deutsche Juden. Die klapperten 1933 oder 1939 die Strassen von Tel Aviv, Jerusalem und Haifa mit dem Ruf "Alte Sachen" ab. Anhand diese Rufes brachten die Einwohner ihre alten Sachen hinunter auf die Strasse. Und heute - nach so vielen Jahren - da die damaligen Juden, die Ärtze, Professoren, Lehrer oder Unternehmer in Deutschland gewesen waren, nicht mehr mit Schrott handeln müssen - habe palästinensische Menschen den Schrotthandel übernommen. Und wie vor nun 70 oder 80 Jahren schreien sie, um ihr Kommen anzukündigen: "Alte Sachen", und ich bin nicht sicher, ob sie sie, noch die Israelis der heutigen Generation noch wissen, was "alte Sachen" eigentlich heißt.
Aber nach wie vor; seit fast einem ganzen Jahrhundert bedeutet in Israel an einem Freitagnachmittag der Ruf "Alte Sachen", dass der Schrotthändler kommt.
So alt, sind die "alten Sachen" gar nicht!
Fangen wir mit dem einfachsten, wenn auch überraschensten an: Sitzt man z.B. in Israel auf einem Spielplatz, viele Mütter mit ihren Kindern und wie überall auf der Welt haben auch israelische Kinder dauernd Durst oder Hunger. Und wie man so sitzt, hört man plötzlich folgende Aufforderung: "Tni li Biss" (Gib mir einen Biss) oder "Tni Li Schluck" (Gib mir einen Schluck).
Oder - immer noch auf dem Spielplatz - sagt die Mama zu ihrem Kind, nachdem es quängelig geworden ist: "Achschiav anachnu ossim Schlafstunde!" (Jetzt machen wir einen Mittagsschlaf) - Aha! Schlafstunde - das tiefste Relikt vom "Deutschtum" überhaupt. In Deutschland selbst längst ad-acta gelegt, ist die Schlafstunde in Israel in manchen Familien noch obligatorisch.
Oder auch nur die rethorische Frage unter Freunden: "Aise Kinderstube heitah lechah?" Welche Kinderstube hast Du gehabt? Oder auch "Ain lechah Kinderstube?" (Hast Du keine Kinderstube, sprich: Erziehung genossen?)
Und so geht es weiter - mit dem Deutschen im hebräischen Sprachgebrauch.
Wer suche in Israel nach einer Übernachtungsmöglichkeit, z.b. auf dem Lande und ist des (hebräisch) Lesens mächtig, der findet Schilder an Häusern, auf denen geschrieben steht: Zimmer frei.
Natürlich sind Kindergarten, Rucksack und Gemütlichkeit im Hebräischen ebenso vertreten, wie auch im Englischen.
Das die Worte Führer, Reichskristallnacht und Selektion jeder Israeli rückwärts im Schlaf sagen kann, erklärt sich von selbst. Aber das bisher kurioseste, was ich jemals in Israel gehört habe ist: "Alte Sachen!" Das nämlich schreien vornehmlich an einem Freitag palästinensische Schrotthändler. Weshalb?
Als die ersten deutschen Juden nach Palästina kamen, sie natürlich auch ihre deutschen Berufe, ihre deutsche Ordnung und ihren deutschen Willen zu überleben mit. So waren die ersten Schrotthändler, bzw. Wiederverwerthändler deutsche Juden. Die klapperten 1933 oder 1939 die Strassen von Tel Aviv, Jerusalem und Haifa mit dem Ruf "Alte Sachen" ab. Anhand diese Rufes brachten die Einwohner ihre alten Sachen hinunter auf die Strasse. Und heute - nach so vielen Jahren - da die damaligen Juden, die Ärtze, Professoren, Lehrer oder Unternehmer in Deutschland gewesen waren, nicht mehr mit Schrott handeln müssen - habe palästinensische Menschen den Schrotthandel übernommen. Und wie vor nun 70 oder 80 Jahren schreien sie, um ihr Kommen anzukündigen: "Alte Sachen", und ich bin nicht sicher, ob sie sie, noch die Israelis der heutigen Generation noch wissen, was "alte Sachen" eigentlich heißt.
Aber nach wie vor; seit fast einem ganzen Jahrhundert bedeutet in Israel an einem Freitagnachmittag der Ruf "Alte Sachen", dass der Schrotthändler kommt.
So alt, sind die "alten Sachen" gar nicht!
Ein Schrubber ist ein Schrubber
Heute kam ich mal auf die Idee meiner Mischpoke (jiddisch für Familie, abgeleitet vom hebr.: Mischpachah) einen anständigen Schrubber zu kaufen.
In Israel sind die Häuser mit großen Fliesen ausgestattet und wenn geputzt wird, werden literweise Wasser auf diesen ausgeschüttet, welches dann mit einem... hm, wie nennt man das auf deutsch eigentlich. Ich gebe zu: keine Ahnung.
Es handelt sich hierbei um ein Utensil, was bei uns die Fensterputzer benutzen, damit wird das Wasser von der Fensterscheibe gezogen.
Ich überlege und überlege - und glaube, dass es hierfür kein deutsches Wort gibt.
Okay - also stellt Euch ein solches "Fensterabstreifhandgerät" nur in gross vor. Sowas verwendet man in Israel, um die Putzüberschwemmung aus der Wohnung zu befördern.
Aber mal ehrlich - davon wird doch kein Boden sauber!
Ich also heute in so einen Haushaltswarenladen - auf der Suche nach einem richtig guten Schrubber. Wahrlich, seit Tagen träumte ich schon davon Neta & Yorams Küchenboden mal so richtig abzuschrubben. Aber wie das Verb "schrubben" schon klar ausdrückt - ohne Schrubber geht das nicht!
Im Laden dann, erklärte ich dem Verkäufer umständlich, nach was ich suchte. Denn in Israel wird alles, vom Hausbesen, Hofbesen, Kehrer bis hin zum "Abzieher" umgangssprachlich als Metateh bezeichnet. Aber in Wahrheit ist ein Metateh eben genau das Ding, das hier alle benutzen und dessen Deustcher Name mir nicht einfällt.
Also sagt ich zu dem Verkäufer, dass ich etwas suche, dessen Übersetzung ich weder auf hebräisch noch auf Englisch wüsste. "Ain Bajah", sagte der Verkäufer und ich sagte, auf deutsch so vor mich hin: "Verdammt, ich suche einen Schrubber!"
"Ah, you need a Schrubber!", lachte der Verkäufer. Ja, klar - ein Schrubber. Freudig zeigte mir der Verkäufer einen Schrubber, so wie ich mir einen vorgestellt hatte (zwar aus Plastik, aber immerhin). Und auf dem Verkaufsschild stand tatsächlich in hebräischen Buchstaben "Schrubber" שרובר. Der Verkäufer lachte, ich lachte - und dann kam ich nicht umhin ihm zu sagen: "Schrubber - Das ist ein Deutsches Wort!" - und der junge Mann lachte und sagte: "We have a lot of german words in hebrew!"
p.s. Ach ja, bei Neta und Yoram angekommen, präsentierte ich stolz den Schrubber und das dieser auch in Isarel den deutschen Namen Schrubber trage. "Hä?", war Netas Reaktion, "this is a simple Metateh!"
Nun, ich musste ihr sagen, dass ihr Hebräisch zuweilen recht undifferenziert ist!
Schrubber bleibt Schrubber und nicht Metateh!
In Israel sind die Häuser mit großen Fliesen ausgestattet und wenn geputzt wird, werden literweise Wasser auf diesen ausgeschüttet, welches dann mit einem... hm, wie nennt man das auf deutsch eigentlich. Ich gebe zu: keine Ahnung.
Es handelt sich hierbei um ein Utensil, was bei uns die Fensterputzer benutzen, damit wird das Wasser von der Fensterscheibe gezogen.
Ich überlege und überlege - und glaube, dass es hierfür kein deutsches Wort gibt.
Okay - also stellt Euch ein solches "Fensterabstreifhandgerät" nur in gross vor. Sowas verwendet man in Israel, um die Putzüberschwemmung aus der Wohnung zu befördern.
Aber mal ehrlich - davon wird doch kein Boden sauber!
Ich also heute in so einen Haushaltswarenladen - auf der Suche nach einem richtig guten Schrubber. Wahrlich, seit Tagen träumte ich schon davon Neta & Yorams Küchenboden mal so richtig abzuschrubben. Aber wie das Verb "schrubben" schon klar ausdrückt - ohne Schrubber geht das nicht!
Im Laden dann, erklärte ich dem Verkäufer umständlich, nach was ich suchte. Denn in Israel wird alles, vom Hausbesen, Hofbesen, Kehrer bis hin zum "Abzieher" umgangssprachlich als Metateh bezeichnet. Aber in Wahrheit ist ein Metateh eben genau das Ding, das hier alle benutzen und dessen Deustcher Name mir nicht einfällt.
Also sagt ich zu dem Verkäufer, dass ich etwas suche, dessen Übersetzung ich weder auf hebräisch noch auf Englisch wüsste. "Ain Bajah", sagte der Verkäufer und ich sagte, auf deutsch so vor mich hin: "Verdammt, ich suche einen Schrubber!"
"Ah, you need a Schrubber!", lachte der Verkäufer. Ja, klar - ein Schrubber. Freudig zeigte mir der Verkäufer einen Schrubber, so wie ich mir einen vorgestellt hatte (zwar aus Plastik, aber immerhin). Und auf dem Verkaufsschild stand tatsächlich in hebräischen Buchstaben "Schrubber" שרובר. Der Verkäufer lachte, ich lachte - und dann kam ich nicht umhin ihm zu sagen: "Schrubber - Das ist ein Deutsches Wort!" - und der junge Mann lachte und sagte: "We have a lot of german words in hebrew!"
p.s. Ach ja, bei Neta und Yoram angekommen, präsentierte ich stolz den Schrubber und das dieser auch in Isarel den deutschen Namen Schrubber trage. "Hä?", war Netas Reaktion, "this is a simple Metateh!"
Nun, ich musste ihr sagen, dass ihr Hebräisch zuweilen recht undifferenziert ist!
Schrubber bleibt Schrubber und nicht Metateh!
Hallo, raus aus dem Versteck!
Es gibt in Israel einige, wenn nicht viele Städte oder Ortschaften. Einige davon sind Holon, Aschdod, Ramat Gan, Tel Aviv, Quiriat Atta, Jaffo, Jerusalem and so on. Und weshalb erwähne ich diese Städte... Ganz einfach, weil einige meiner Blog-Leser und Leserinnen aus diesen Städten kommen!
Wie sagte schon Nick Knatterton (mein Lieblings-Comis-Held aus meiner Jugend) immer, bevor er einen Kriminalfall löste: "Ich kombiniere!" - und das tue ich jetzt auch: Ihr (ja, Ihr) müsst entweder Israelis sein, die sehr gut deutsch können oder aber Deutsche, die in Israel leben.
Hier mein Aufruf an Euch da draußen, wo immer ihr in Israel lebt: meldet Euch, hinterlasst eine Nachricht (okay, auch ein kritischer Kommentar ist erlaubt) oder schickt mir einfach ne Mail an: nechmad(at)gmx.de
Ihr wisst doch, überall wo sich auf der Welt zwei Deutsche treffen, gründen sie erstmal einen Verein.
Wie sagte schon Nick Knatterton (mein Lieblings-Comis-Held aus meiner Jugend) immer, bevor er einen Kriminalfall löste: "Ich kombiniere!" - und das tue ich jetzt auch: Ihr (ja, Ihr) müsst entweder Israelis sein, die sehr gut deutsch können oder aber Deutsche, die in Israel leben.
Hier mein Aufruf an Euch da draußen, wo immer ihr in Israel lebt: meldet Euch, hinterlasst eine Nachricht (okay, auch ein kritischer Kommentar ist erlaubt) oder schickt mir einfach ne Mail an: nechmad(at)gmx.de
Ihr wisst doch, überall wo sich auf der Welt zwei Deutsche treffen, gründen sie erstmal einen Verein.
Die Biester sind überall
Gerade bin ich wieder aus meiner Schockstarre erwacht!
Wie immer begann auch der heutige Tag mit blauem Himmel, warmem Kaffee in der warmen Sonne auf meiner Terrasse. Zuvor hatte ich den Wasserboiler angestellt - und ein halbe Stunde später stand ich mit einem Liedchen auf den Lippen unter der Dusche. Als ich das Shampoo wieder auf den Boden stellen wollte - was sah ich da: zwei dicke, fette Kakerlaken, die aus dem Abguss in die Dusche gekletter waren und nun fast schon meine Füße erreicht hatten. Mit einem gellendem Schrei, einem Riesensatz aus der Dusche, komplett nackt und mit Schaum bedeckt, raste ich ins Wohnzimmer - zuvor knallte ich noch die Badezimmertür zu. Igitt-igitt!
Provisorisch befreite ich mich vom Duschschaum, zog mir was über und rief sofort Yoram an: immerhin ging es um Leben oder Tod: der Meine oder der, der Kakerlaken!
Yoram war auch sofort mit einem speziellen Kakerlaken-Vernichtungsmittel zur Stelle und vergaste buchstäblich diese beiden Viehcher, nicht ohne nebenbei in seiner ureigenen Art zu bemerken:
"It helps, its german, we took it from Auschwitz!" (Also wirklich Yoram!).
Und wie Yoram so sprayte, zeigte sich, dass da wohl irgendwo eine riesige Kakerlakenfamilie leben muss, denn mehr und mehr von diesen Biestern krochen hervor. Also, gleich Oren (Vermieter) angerufen und ihm diese Neuigkeit präsentiert: jetzt kommt am Sonntag der Kammerjäger!
Bevor Yoram ging, fragte ich ihn nur noch, ob er glaube, dass Kakerlaken Auschwitz überlebt hätten. Es heißt ja, dass die Biester als einzige Lebewesen einen Super-Gau unbeschadet überstehen sollen.
Wie immer begann auch der heutige Tag mit blauem Himmel, warmem Kaffee in der warmen Sonne auf meiner Terrasse. Zuvor hatte ich den Wasserboiler angestellt - und ein halbe Stunde später stand ich mit einem Liedchen auf den Lippen unter der Dusche. Als ich das Shampoo wieder auf den Boden stellen wollte - was sah ich da: zwei dicke, fette Kakerlaken, die aus dem Abguss in die Dusche gekletter waren und nun fast schon meine Füße erreicht hatten. Mit einem gellendem Schrei, einem Riesensatz aus der Dusche, komplett nackt und mit Schaum bedeckt, raste ich ins Wohnzimmer - zuvor knallte ich noch die Badezimmertür zu. Igitt-igitt!
Provisorisch befreite ich mich vom Duschschaum, zog mir was über und rief sofort Yoram an: immerhin ging es um Leben oder Tod: der Meine oder der, der Kakerlaken!
Yoram war auch sofort mit einem speziellen Kakerlaken-Vernichtungsmittel zur Stelle und vergaste buchstäblich diese beiden Viehcher, nicht ohne nebenbei in seiner ureigenen Art zu bemerken:
"It helps, its german, we took it from Auschwitz!" (Also wirklich Yoram!).
Und wie Yoram so sprayte, zeigte sich, dass da wohl irgendwo eine riesige Kakerlakenfamilie leben muss, denn mehr und mehr von diesen Biestern krochen hervor. Also, gleich Oren (Vermieter) angerufen und ihm diese Neuigkeit präsentiert: jetzt kommt am Sonntag der Kammerjäger!
Bevor Yoram ging, fragte ich ihn nur noch, ob er glaube, dass Kakerlaken Auschwitz überlebt hätten. Es heißt ja, dass die Biester als einzige Lebewesen einen Super-Gau unbeschadet überstehen sollen.
Donnerstag, 10. Dezember 2009
Was man als Deutsche alles wissen soll
Vorgestern saß ich vor dem Unterricht noch mit Heidrun zusammen - so, wie fast jeden Morgen. Heidrun ist mit einem Israeli verheiratet, lebte mit ihm 20 Jahre in Wiesbaden (aua!) und kam erst vor vier Monaten samt der beiden Kinder nach Israel. Jeden Morgen sitzen wir bei einem Kaffee noch zusammen, plaudern ein wenig, ehe sie in ihre und ich in meine Klasse verschwinde.
Vorgstern morgen also saßen wir wie üblich, als sich plötzlich eine Frau zu uns an den Tisch setzte, die uns ruck-zuck in ein Gespräch verwickelte. Heraus kam, dass sie studiere und als wir (alles auf englisch) nachfragten, was sie denn studiere, sagte sie: "Gestalt!"
Sorry, Pardon, Slicha, Wie bitte: Was?
"Gestalt!"
Aha, dachten Heidrun und ich wohl dasselbe: Sie meint wohl Bildhaftes Gestalten, oder sowas. Das Alter dazu hatte sie - knapp an die sechzig! Wahrscheinlich eine von den älteren Damen, die sich kreativ die Zeit vertreiben oder aber auf späte Selbstverwirklichung aus sind.
No, no - bekräftigte die Dame und war sichtlich beleidigt.
"You don`t know Gestalt?" Abschätzig schaute sie uns an, Heidrun und ich schüttelten nur dümmlich den Kopf.
"But you have to know Gestalt, it`s german!" Heidrun sagte ganz spontan: "But I am half Dutch!" - als ob das bei Gestalt was helfen würde - und ich dachte nur: Sind wir Deutschen eigentlich für jeden Unsinn auf der Welt verantwortlich?
Dann klärte uns die Dame auf: Gestalt ist eine Art von Therapieform, oder so ähnlich. Heidrun und ich verstanden überhaupt nichts, ich will nicht behaupten, dass es an meinem schlechten Englisch lag. Resulut forderte die Dame uns auf, uns bis zur nächsten Woche im Internet kundig über Gestalt zu machen - dann lächelte sie und rauschte davon: Gestalt studieren!
So, und ich habe nun über Gestalt bei wikipedia folgendes gelesen:
Gestalt ist ein häufig gebrauchter Ausdruck der Gestaltpsychologie , der Gestalttherapie und der Gestalttheorie, der auch in der fremdsprachigen Fachliteratur weltweit unübersetzt bleibt. Wegweisend war der Philosoph Christian von Ehrenfels, der Gestalt als ein Ganzes definierte, das über die Eigenschaften der Übersummativität (gemäß Aristoteles' „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“) und der Transponierbarkeit (z. B. der Transponierung einer Melodie in eine andere Tonart) verfügt. Eine wissenschaftlich einigermaßen akzeptable Definition von Gestalt gibt es jedoch nicht. Wolfgang Metzger schreibt, dass schon für Max Wertheimer Gestalt mit Form, nicht aber mit Figur („Zusammengefasstheit“) identisch ist: „daß Gestalt bzw. Form eine Sekundärkategorie ist, der als Primärkategorie die Zusammengefaßtheit bzw. die Ausgegrenztheit vorausgeht“. Die Form wird damit als eine Besonderung der Figur aufgefasst, was in die damaligen Theorien aber keinen Eingang fand (weil es offensichtlich keinen Fortschritt bedeutete).
Aha! Nix verstanden, aber wieder was gelernt.
Vorgstern morgen also saßen wir wie üblich, als sich plötzlich eine Frau zu uns an den Tisch setzte, die uns ruck-zuck in ein Gespräch verwickelte. Heraus kam, dass sie studiere und als wir (alles auf englisch) nachfragten, was sie denn studiere, sagte sie: "Gestalt!"
Sorry, Pardon, Slicha, Wie bitte: Was?
"Gestalt!"
Aha, dachten Heidrun und ich wohl dasselbe: Sie meint wohl Bildhaftes Gestalten, oder sowas. Das Alter dazu hatte sie - knapp an die sechzig! Wahrscheinlich eine von den älteren Damen, die sich kreativ die Zeit vertreiben oder aber auf späte Selbstverwirklichung aus sind.
No, no - bekräftigte die Dame und war sichtlich beleidigt.
"You don`t know Gestalt?" Abschätzig schaute sie uns an, Heidrun und ich schüttelten nur dümmlich den Kopf.
"But you have to know Gestalt, it`s german!" Heidrun sagte ganz spontan: "But I am half Dutch!" - als ob das bei Gestalt was helfen würde - und ich dachte nur: Sind wir Deutschen eigentlich für jeden Unsinn auf der Welt verantwortlich?
Dann klärte uns die Dame auf: Gestalt ist eine Art von Therapieform, oder so ähnlich. Heidrun und ich verstanden überhaupt nichts, ich will nicht behaupten, dass es an meinem schlechten Englisch lag. Resulut forderte die Dame uns auf, uns bis zur nächsten Woche im Internet kundig über Gestalt zu machen - dann lächelte sie und rauschte davon: Gestalt studieren!
So, und ich habe nun über Gestalt bei wikipedia folgendes gelesen:
Gestalt ist ein häufig gebrauchter Ausdruck der Gestaltpsychologie , der Gestalttherapie und der Gestalttheorie, der auch in der fremdsprachigen Fachliteratur weltweit unübersetzt bleibt. Wegweisend war der Philosoph Christian von Ehrenfels, der Gestalt als ein Ganzes definierte, das über die Eigenschaften der Übersummativität (gemäß Aristoteles' „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“) und der Transponierbarkeit (z. B. der Transponierung einer Melodie in eine andere Tonart) verfügt. Eine wissenschaftlich einigermaßen akzeptable Definition von Gestalt gibt es jedoch nicht. Wolfgang Metzger schreibt, dass schon für Max Wertheimer Gestalt mit Form, nicht aber mit Figur („Zusammengefasstheit“) identisch ist: „daß Gestalt bzw. Form eine Sekundärkategorie ist, der als Primärkategorie die Zusammengefaßtheit bzw. die Ausgegrenztheit vorausgeht“. Die Form wird damit als eine Besonderung der Figur aufgefasst, was in die damaligen Theorien aber keinen Eingang fand (weil es offensichtlich keinen Fortschritt bedeutete).
Aha! Nix verstanden, aber wieder was gelernt.
Trautes Heim - Glück nicht allein
Auf Nachfrage poste ich heute mal ein paar Bilder von meinem Haus (obwohl ich das fast schon zu privat finde) - klein, aber bis Ende Januar mein!
Ist es nicht süß? Nur die Möbel die engen Stufen nach oben zu schleppen, das war schon Leistungssport für mich. Rechts der rote Familientransporter den ich fahre - immerhin gilt es zuweilen 6 Kinder zu transportieren.
Hinterm Haus eine kleine Terrasse - noch nicht gut ausgestattet ... aber morgens habe ich Sonne!
Einbauküche, in der mittlerweile auch ein Kühlschrank, Gaskocher und Mikrowelle vorhanden ist, sowie im Vordergrund meine Essecke.
An die offene Küche grenzt direkt das Wohnzimmer an (in Israel Salon genannt). Alles noch ein wenig provisorisch ... aber was braucht eine Frau in Isarel schon, außer: Sonne, Falafel und "ein bißchen Frieden"?
Allen Helfern und Spendern sei Dank
Ist es nicht süß? Nur die Möbel die engen Stufen nach oben zu schleppen, das war schon Leistungssport für mich. Rechts der rote Familientransporter den ich fahre - immerhin gilt es zuweilen 6 Kinder zu transportieren.
Hinterm Haus eine kleine Terrasse - noch nicht gut ausgestattet ... aber morgens habe ich Sonne!
Einbauküche, in der mittlerweile auch ein Kühlschrank, Gaskocher und Mikrowelle vorhanden ist, sowie im Vordergrund meine Essecke.
An die offene Küche grenzt direkt das Wohnzimmer an (in Israel Salon genannt). Alles noch ein wenig provisorisch ... aber was braucht eine Frau in Isarel schon, außer: Sonne, Falafel und "ein bißchen Frieden"?
Allen Helfern und Spendern sei Dank
Wenn das Leben fast die Welt kostet
Wer in Israel leben will, muss Geld mitbringen: viel Geld!
Ich wundere mich immer wieder, wie die Israelis ihren Lebensunterhalt bestreiten können - sind doch die Einkommen hier lange nicht so hoch, wie bei uns in Deutschland. Ja, ich weiß - auch in Deutschland liegt so manches Gehalt unter der Zumutsbarkeitsgrenze - aber dafür gibt es in good old Germany wenigstens ALDI, Lidl und noch so manch andere Discount-Kette. Das gibt es hier nicht!
Die Stundenlöhne liegen hier zwischen 19 Shekel (z.b. Mitarbeiterin im Buchladen) und nach oben offen. Zum Vergleich: eine Schachtel Zigaretten kostet 21 Shekel (=3,80 €), ein Liter Milch 1,20 NIS, Hüttenkäse 6 NIS, Butter 9 NIS, 500 gr. Nudeln 9 NIS oder ein Liter Benzin ca. 6,5 NIS. (Übrigens: NIS bedeutet: Neue israelische Shekel, die alten gab es ja schon vor über 2000 Jahren).
Unglaublich in Israel sind auch die Buchpreise: für eine Neuerscheinung oder eine Übersetzung aus einer anderen Sprache muss man mindestens 80 NIS auf die Theke legen - von "Bildung für alle" kann hier keine Rede sein. So hält jede Leseratte in Isarel Ausschau nach speziellen Discount-Preisen, die jeder Buchladen so handhaben kann, wie er will. Buchpreisbindung: hier ein Fremdwort!
Ein mittelgroßer Kaffee-to-go im Cafe-Aroma: 15 NIS, ein Kaffee in einem Tel Aviver sehen-und-gesehen-werden Bistro: 18 NIS. Sogar die Zeitungen sind teuer, die Wochenendausgabe der HaAretz kostet 14,50 NIS (ca. 2,60 €).
Und dennoch: fast jeder Israeli fährt ein Auto, hat mindestens zwei Kinder, besitzt ein Haus (oder die Bank), denn eine Wohnung mieten ist in Israel eher die Seltenheit. Hinzu kommen die Kosten für die Kinder - hier muss alles, vom Kindergarten, dem Hort, der Sportgruppe und der Nanny extra bezahlt werden. Und das nicht wenig!
Nun, wie schaffen die Israelis das?
Durch Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit! Im Vergleich zu den Israelis schieben wir in Deutschland eine richtig ruhige Kugel. Eine 40 Stundenwoche wäre für jeden Isareli wie ein 6er im Lotto und wenn er dann noch die sozialen Absicherungen hätte, wie die, die es in Deutschland gibt, würde jeder Israeli sicherlich glauben, er lebe im Paradies.
Trotzdem, für Touristen ist das Reisen nach und in Israel durch den starken Euro (oder den schwachen Shekel) recht erschwinglich. Es gibt kostengünstige Hostels, die Pita mit Falafel auf der Strasse kostet auch nicht viel, und wer nicht gerade säuft wie ein Wikinger (Alkohol ist teuer) kann mit 35 Euro pro Tag (inkl. Übernachtung) über die Runden kommen. Low-Budget, versteht sich.
Ich wundere mich immer wieder, wie die Israelis ihren Lebensunterhalt bestreiten können - sind doch die Einkommen hier lange nicht so hoch, wie bei uns in Deutschland. Ja, ich weiß - auch in Deutschland liegt so manches Gehalt unter der Zumutsbarkeitsgrenze - aber dafür gibt es in good old Germany wenigstens ALDI, Lidl und noch so manch andere Discount-Kette. Das gibt es hier nicht!
Die Stundenlöhne liegen hier zwischen 19 Shekel (z.b. Mitarbeiterin im Buchladen) und nach oben offen. Zum Vergleich: eine Schachtel Zigaretten kostet 21 Shekel (=3,80 €), ein Liter Milch 1,20 NIS, Hüttenkäse 6 NIS, Butter 9 NIS, 500 gr. Nudeln 9 NIS oder ein Liter Benzin ca. 6,5 NIS. (Übrigens: NIS bedeutet: Neue israelische Shekel, die alten gab es ja schon vor über 2000 Jahren).
Unglaublich in Israel sind auch die Buchpreise: für eine Neuerscheinung oder eine Übersetzung aus einer anderen Sprache muss man mindestens 80 NIS auf die Theke legen - von "Bildung für alle" kann hier keine Rede sein. So hält jede Leseratte in Isarel Ausschau nach speziellen Discount-Preisen, die jeder Buchladen so handhaben kann, wie er will. Buchpreisbindung: hier ein Fremdwort!
Ein mittelgroßer Kaffee-to-go im Cafe-Aroma: 15 NIS, ein Kaffee in einem Tel Aviver sehen-und-gesehen-werden Bistro: 18 NIS. Sogar die Zeitungen sind teuer, die Wochenendausgabe der HaAretz kostet 14,50 NIS (ca. 2,60 €).
Und dennoch: fast jeder Israeli fährt ein Auto, hat mindestens zwei Kinder, besitzt ein Haus (oder die Bank), denn eine Wohnung mieten ist in Israel eher die Seltenheit. Hinzu kommen die Kosten für die Kinder - hier muss alles, vom Kindergarten, dem Hort, der Sportgruppe und der Nanny extra bezahlt werden. Und das nicht wenig!
Nun, wie schaffen die Israelis das?
Durch Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit! Im Vergleich zu den Israelis schieben wir in Deutschland eine richtig ruhige Kugel. Eine 40 Stundenwoche wäre für jeden Isareli wie ein 6er im Lotto und wenn er dann noch die sozialen Absicherungen hätte, wie die, die es in Deutschland gibt, würde jeder Israeli sicherlich glauben, er lebe im Paradies.
Trotzdem, für Touristen ist das Reisen nach und in Israel durch den starken Euro (oder den schwachen Shekel) recht erschwinglich. Es gibt kostengünstige Hostels, die Pita mit Falafel auf der Strasse kostet auch nicht viel, und wer nicht gerade säuft wie ein Wikinger (Alkohol ist teuer) kann mit 35 Euro pro Tag (inkl. Übernachtung) über die Runden kommen. Low-Budget, versteht sich.
Mittwoch, 9. Dezember 2009
Wenn der eigene Sohn im Krieg fällt
David Grossmann - einem weiteren Meister der Worte in Israel, ist der internationaler Literaturpreis "Albatros" zugesprochen worden. Ihm und seiner deutschen Übersetzerin, Anne Birkenhauer, wird der Preis, der 2006 von der Günther-Grass-Stiftung ausgerufen wurde, in Lübeck (Th. Mann läßt grüßen) verliehen.
Neben seinen vielen Bücher hat David Grossmann zuletzt mit seinem Roman "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" überzeugt. Darin verarbeitet Grossmann u.a. den Tod seines eigenen Sohnes Uri, der im Libanonkrieg 2006 starb. In eine Mènage à trois verwebt Grossmann Todesnachricht und Liebeshoffnung.
David Grossmann gilt in Israel als "linkes Gewissen" und scheut es nicht, offen die israelische Siedlungspolitik sowie die stockenden Verhandlungen offen zu kritisieren. Ich selbst habe "Der gelbe Wind", "Zickzackkind", "Sei Du mir das Messer", Stichwort: Liebe" und "Der Kindheitserfinder" von ihm gelesen, und kann diese Bücher allesamt empfehlen.
Neben seinen vielen Bücher hat David Grossmann zuletzt mit seinem Roman "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" überzeugt. Darin verarbeitet Grossmann u.a. den Tod seines eigenen Sohnes Uri, der im Libanonkrieg 2006 starb. In eine Mènage à trois verwebt Grossmann Todesnachricht und Liebeshoffnung.
David Grossmann gilt in Israel als "linkes Gewissen" und scheut es nicht, offen die israelische Siedlungspolitik sowie die stockenden Verhandlungen offen zu kritisieren. Ich selbst habe "Der gelbe Wind", "Zickzackkind", "Sei Du mir das Messer", Stichwort: Liebe" und "Der Kindheitserfinder" von ihm gelesen, und kann diese Bücher allesamt empfehlen.
Rothaarig, lesbisch und sehr beliebt
Gestern habe ich mal wieder die HaAretz durchgeblätter, mehr aus Langeweile, denn aus dem Glauben irgendwas verstehen zu können. Da fiel mir ein Name ins Auge: Yehudit Ravitz.
Die rothaarige Schönheit spielt, singt, rockt, lebt und liebt Musik in Israel wie kaum eine andere - und genau diese Yehudit Ravitz gibt am Mittwoch nächster Woche in einem Tel Aviver Club ein Konzert. Sofort habe ich mich ans Telefon gehängt und siehe da, es gab noch Karten. Für 120 Shekel (=ca. 25 €) bin ich am Mittwoch ab 21:00 Uhr dabei. Yeah!
Yehudit Ravitz ist 1956 in Be`er Sheva, im Süden Israel geboren und hat sich im Laufe ihrer 20jährigen Muskkarriere in Israel einen Namen gemacht. Immer wieder hat sie ihren Stil geändert, vom Rock zur Liedermacherin der leisen Töne, von der politischen Songschreiberin zur Interpretin traditioneller Lieder - und ... es hat ihr nicht geschadet.
Auch das sie ihre Homosexualität nicht im Verborgenen lebt, hat ihr nicht geschadet. Eher im Gegenteil. Israel ist in dieser Hinsicht sowieso ein sehr liberales und fortschrittliches Land.
Einen kleinen Vorgeschmack auf das Konzert am Mittwoch: Das Lied heißt: "At osseh otti ima" (frei Übersetzt: Du machst mich zur Mutter)
Die rothaarige Schönheit spielt, singt, rockt, lebt und liebt Musik in Israel wie kaum eine andere - und genau diese Yehudit Ravitz gibt am Mittwoch nächster Woche in einem Tel Aviver Club ein Konzert. Sofort habe ich mich ans Telefon gehängt und siehe da, es gab noch Karten. Für 120 Shekel (=ca. 25 €) bin ich am Mittwoch ab 21:00 Uhr dabei. Yeah!
Yehudit Ravitz ist 1956 in Be`er Sheva, im Süden Israel geboren und hat sich im Laufe ihrer 20jährigen Muskkarriere in Israel einen Namen gemacht. Immer wieder hat sie ihren Stil geändert, vom Rock zur Liedermacherin der leisen Töne, von der politischen Songschreiberin zur Interpretin traditioneller Lieder - und ... es hat ihr nicht geschadet.
Auch das sie ihre Homosexualität nicht im Verborgenen lebt, hat ihr nicht geschadet. Eher im Gegenteil. Israel ist in dieser Hinsicht sowieso ein sehr liberales und fortschrittliches Land.
Einen kleinen Vorgeschmack auf das Konzert am Mittwoch: Das Lied heißt: "At osseh otti ima" (frei Übersetzt: Du machst mich zur Mutter)
Dienstag, 8. Dezember 2009
War das Anti-Germanismus?
In meiner zweiten Klasse, die ich besuche (Nein, ich bin keine Streberin!) befinden sich zwei Engländer, die die gesamte Klasse mit ihrem permanenten Dazwischengeplapper fürchterlich nerven. Nicht nur, dass ihr Hebräisch schlecht ist und ihre Aussprache klingt, als würde Evelyn Haman den Zug nach Plymouth ansagen - auch bauen sie in ihre Sätze englische Worte ein, bzw. eher in ihre englischen Sätze hebräische Worte. Chana, die Lehrerin, kann nicht drei Worte am Stück sprechen, ohne das einer der beiden sie mit einer - mit Verlaub - dümmlichen Frage unterbricht.
Gestern während der Chanukka-Feier nutzt ich eine ruhige Minute, um mit Chana über dieses Problem zu sprechen und fragte sie, ob es in Ordnung sei, wenn ich die beiden Briten bitten würde, sich doch etwas zurückzuhalten. Und siehe da, was erhielt ich zur Antwort: "Wir sind hier nicht in Deutschland, wo alle ruhig sein müssen!"
Das ist doch Anti-Germanismus gröbster Sorte, oder? Ich werde mich bei der UNO für Menschenrechte beschweren, am Besten gleich auch noch bei Michel Friedmann!
Gestern während der Chanukka-Feier nutzt ich eine ruhige Minute, um mit Chana über dieses Problem zu sprechen und fragte sie, ob es in Ordnung sei, wenn ich die beiden Briten bitten würde, sich doch etwas zurückzuhalten. Und siehe da, was erhielt ich zur Antwort: "Wir sind hier nicht in Deutschland, wo alle ruhig sein müssen!"
Das ist doch Anti-Germanismus gröbster Sorte, oder? Ich werde mich bei der UNO für Menschenrechte beschweren, am Besten gleich auch noch bei Michel Friedmann!
Jüdische Streitkultur
In Israel gibt es den Spruch:
"5 Millionen Israelis - 5 Millionen Meinungen!"
Und so ist es auch - ich wollte in Israel weder Ministerpräsident(in), noch Trainer(in) der Fussballnationalmannschaft, geschweige denn Vorsitzende(r) eine Kibbutz-Kollektivs sein. Als Ministerpräsident kannst Du in Israel sowieso nur alles falsch machen: gibst Du Land für Frieden, hauen Dir die Rechten auf den Kopf; machst Du keine Kompromisse mit den Palästinensern, hauen Dir die Linken auf den Kopf und machst Du gar nichts - so wie Netanjahu - hauen Dir die Amis auf den Kopf.
Als Fussballtrainer gehts Dir schlechter als in Deutschland (wo "nur" jeder Bierbauch- und Feinrippunterhemdenträger alles besser weiß), denn in Israel wissen Allealles besser, auch die, die gar nicht wissen, dass in Israel überhaupt Fussball gespielt wird.
Und als Vorsitzender in einem Kibbuz-Kollektiv - na, gute Nacht Marie, da zeigt sich die jüdische Streitkultur von ihrer lautesten Seite.
Wer einen Eindruck von guter, jüdischer Streitkultur und davon erhalten möchte, wieviel Meinungen von Juden im Judentum, über sich selbst, Israel, Anti-Semitismus, Friedenspolitik und mehr vertreten werden, der schaue mal im Jüdischen Forum vorbei. Wirklich Interessant!
"5 Millionen Israelis - 5 Millionen Meinungen!"
Und so ist es auch - ich wollte in Israel weder Ministerpräsident(in), noch Trainer(in) der Fussballnationalmannschaft, geschweige denn Vorsitzende(r) eine Kibbutz-Kollektivs sein. Als Ministerpräsident kannst Du in Israel sowieso nur alles falsch machen: gibst Du Land für Frieden, hauen Dir die Rechten auf den Kopf; machst Du keine Kompromisse mit den Palästinensern, hauen Dir die Linken auf den Kopf und machst Du gar nichts - so wie Netanjahu - hauen Dir die Amis auf den Kopf.
Als Fussballtrainer gehts Dir schlechter als in Deutschland (wo "nur" jeder Bierbauch- und Feinrippunterhemdenträger alles besser weiß), denn in Israel wissen Allealles besser, auch die, die gar nicht wissen, dass in Israel überhaupt Fussball gespielt wird.
Und als Vorsitzender in einem Kibbuz-Kollektiv - na, gute Nacht Marie, da zeigt sich die jüdische Streitkultur von ihrer lautesten Seite.
Wer einen Eindruck von guter, jüdischer Streitkultur und davon erhalten möchte, wieviel Meinungen von Juden im Judentum, über sich selbst, Israel, Anti-Semitismus, Friedenspolitik und mehr vertreten werden, der schaue mal im Jüdischen Forum vorbei. Wirklich Interessant!
Zwölf Menschen aus 25 Ländern
Gestern hatten wir in der Schule ein kleines Chanukka-Fest, samt Oberbürgermeister aus Ra`anana. Was Chanukka eigentlich ist, werde ich zu einem anderem Zeitpunkt erklären - jetzt möchte ich Euch anhand der Fotos, die ich gestern "geschossen" habe, etwas über meine Mitschüler schreiben.
Da wären z.B. Elli (links im Bild) und Pascal (rechts):
Elli, den wir alle liebevoll nur den Business-Rabbi nennen; weil er alles aus der Thora weiß und unentwegt (auch während des Unterrichtes) am Handy hängt und Geschäfte macht. (Welche? Wissen wir nicht!)
Elli ist in Russland geboren, kam mit vier Jahren nach Berlin - dort wuchs er auf und nennt Deutsch auch seine Muttersprache - obwohl er auch perfekt russisch spricht. Als er 12 Jahre alt war, zog seine Familie nach London - wo er zeitweise noch heute lebt. Elli ist seit drei Monaten in Israel und bleibt noch "Solange ich will!"
Pascal, in Nizza geboren, ihr Vater ein Italiener, die Mutter Griechin. In ihrer Jugend und Kindheit lebte Pascal mal in Spanien, mal in Griechenland, in Frankreich oder in Italien. Seit ihrer Heirat mit einem kolumbianischen Juden lebte sie auch in Süd-Amerika, in den USA und nun in Israel. Sie spricht fließend französisch, spanisch, italienisch, griechisch, englisch und fast auch schon hebräisch.
Pascal hat 5 Kinder und gehört einer liberalen orthodoxen jüdischen Gemeinde an - unschwer auch an ihrer Kopfbedeckung zu erkennen. Moderene gläubige Jüdinnen tragen keine häßlichen Kopftücher oder gar Perücken mehr.
Oder da wären noch: Pedro (Baseballkappe), Simon und Dora
Pedro, dreifacher Familienvater aus Venezuela. Kam vor einem Jahr aus Spanien, wo er zwischenzeitlich lebte nach Israel. Sein Hebräisch klingt wie Kastanietten-Geklapper und in jeden Satz baut er ein "Hola!" ein. Ansonsten stets gut gelaunt, arbeitet er u.a. als Fitness-Trainer.
Simon, ein schüchternen Mann aus Australien und der einzige Mann in der Klasse, der täglich frisch rasiert zum Unterricht erscheint. Wie alle englischen Muttersprachler klingt sein Hebräisch, als hätte er einen riesigen Kaugummi im Mund. Ich verstehe ihn überhaupt nicht.
Dora aus Kanada. Ihre Eltern flohen um 1928 aus der Ukraine und kamen per mühseliger Schiffsreise nach Kanda. Dora kam vor knapp drei Jahren nach Israel - ganz alleine! Ihr Mann ist gestorben, die Kinder und Enkelkinder sind in Kanada geblieben.
Von Elaine und ihrem Mann David; von Ilana, Vicky, Iris, John sowie von Christine habe ich leider keine Bilder - dafür aber eine kleine Zusammenfassung:
Elaine und ihr Mann David, beide ca. 50 Jahre jung (!) kamen vor zwei Jahren aus der Nähe von London. Beide sind nicht an der israelischen Kultur interessiert. David, dessen Vater aus Karlsruhe stammte, interessiert sich für Fussball: Thats it! Eingewandert sind sie, weil sie den auch in England unterschwellig vorhandenen Anti-Semitismus nicht mehr ertragen haben. Gerade sind sie für zwei Wochen in Brasilien und feiern Silberhochzeit an der Copacabana.
Ilana ist gerademal 26 Jahre, ist in Armenien geboren, hat in der Ukraine gelebt, aufgewachsen ist sie aber in Wien und ihre Eltern sind Perser. Ilana hat in Wien Politik studiert, keinen Job gefunden und sich gedacht: lerne ich eben Hebräisch. Dies verbindet sie mit einem weiterem Studium an der "Open Universitiy" in Herzliya. Ilana spricht russisch, deutsch, englisch, persisch, französisch und, ach ja, den wundervollen Wiener Schmäh.
Vicky: klein und ihr rotblondes Haar stets zu zwei Zöpfen geflochten, wirkt sie manchmal wie die irische Ausgabe von Pipi Langstrumpf. Vicky sagt nie was, kommt immer zu spät und geht zu früh. Einzige Info: irische Jüdin.
Iris - ebenfalls noch sehr jung und sehr still. Ihr hebräisch steckt noch in den Kinderschuhen und wir alle dachten, sie sei erst einige Monate in Israel. Dann rückte sie mit der Sprache raus: 5 Jahre! Fünf Jahre in Israel (der Liebe wegen) und fast kein Wort hebräisch. Wie geht denn das? Jetzt ist sie für sieben Wochen in Norwegen, ihrem Heimatland und verdient dort die Moneten, die sie hier fürs Leben braucht. So macht sie das seit 5 Jahren.
John - ein bulliger Amerikaner, der seltsame Überzeugungen vertritt. Auf die Frage, wie denn das Problem "Gilad Shalit" (der entführte isr. Soldat) gelöst werden könnte, sagte er im Brustton der Überzeugung: "Ich würde jeden Tag einen Palästinenser erschießen, bis sie ihn freilassen!" (Hallo, George - Dumpfbacke - W. Bush lässt grüßen!). Mehr gibt es über John leider nicht zu sagen.
Und Christine, eine ältere und ungemein kultivierte Französin aus Paris. Sie sitzt im Unterricht zu meiner Linken, ihr Hebräisch klingt, als mache sie ständig jemandem eine Liebeserklärung oder sage freihändig ein Rezept für Creme Brulee von Paul Bocuse auf. Einfach Hinreisend!
Da wären z.B. Elli (links im Bild) und Pascal (rechts):
Elli, den wir alle liebevoll nur den Business-Rabbi nennen; weil er alles aus der Thora weiß und unentwegt (auch während des Unterrichtes) am Handy hängt und Geschäfte macht. (Welche? Wissen wir nicht!)
Elli ist in Russland geboren, kam mit vier Jahren nach Berlin - dort wuchs er auf und nennt Deutsch auch seine Muttersprache - obwohl er auch perfekt russisch spricht. Als er 12 Jahre alt war, zog seine Familie nach London - wo er zeitweise noch heute lebt. Elli ist seit drei Monaten in Israel und bleibt noch "Solange ich will!"
Pascal, in Nizza geboren, ihr Vater ein Italiener, die Mutter Griechin. In ihrer Jugend und Kindheit lebte Pascal mal in Spanien, mal in Griechenland, in Frankreich oder in Italien. Seit ihrer Heirat mit einem kolumbianischen Juden lebte sie auch in Süd-Amerika, in den USA und nun in Israel. Sie spricht fließend französisch, spanisch, italienisch, griechisch, englisch und fast auch schon hebräisch.
Pascal hat 5 Kinder und gehört einer liberalen orthodoxen jüdischen Gemeinde an - unschwer auch an ihrer Kopfbedeckung zu erkennen. Moderene gläubige Jüdinnen tragen keine häßlichen Kopftücher oder gar Perücken mehr.
Oder da wären noch: Pedro (Baseballkappe), Simon und Dora
Pedro, dreifacher Familienvater aus Venezuela. Kam vor einem Jahr aus Spanien, wo er zwischenzeitlich lebte nach Israel. Sein Hebräisch klingt wie Kastanietten-Geklapper und in jeden Satz baut er ein "Hola!" ein. Ansonsten stets gut gelaunt, arbeitet er u.a. als Fitness-Trainer.
Simon, ein schüchternen Mann aus Australien und der einzige Mann in der Klasse, der täglich frisch rasiert zum Unterricht erscheint. Wie alle englischen Muttersprachler klingt sein Hebräisch, als hätte er einen riesigen Kaugummi im Mund. Ich verstehe ihn überhaupt nicht.
Dora aus Kanada. Ihre Eltern flohen um 1928 aus der Ukraine und kamen per mühseliger Schiffsreise nach Kanda. Dora kam vor knapp drei Jahren nach Israel - ganz alleine! Ihr Mann ist gestorben, die Kinder und Enkelkinder sind in Kanada geblieben.
Von Elaine und ihrem Mann David; von Ilana, Vicky, Iris, John sowie von Christine habe ich leider keine Bilder - dafür aber eine kleine Zusammenfassung:
Elaine und ihr Mann David, beide ca. 50 Jahre jung (!) kamen vor zwei Jahren aus der Nähe von London. Beide sind nicht an der israelischen Kultur interessiert. David, dessen Vater aus Karlsruhe stammte, interessiert sich für Fussball: Thats it! Eingewandert sind sie, weil sie den auch in England unterschwellig vorhandenen Anti-Semitismus nicht mehr ertragen haben. Gerade sind sie für zwei Wochen in Brasilien und feiern Silberhochzeit an der Copacabana.
Ilana ist gerademal 26 Jahre, ist in Armenien geboren, hat in der Ukraine gelebt, aufgewachsen ist sie aber in Wien und ihre Eltern sind Perser. Ilana hat in Wien Politik studiert, keinen Job gefunden und sich gedacht: lerne ich eben Hebräisch. Dies verbindet sie mit einem weiterem Studium an der "Open Universitiy" in Herzliya. Ilana spricht russisch, deutsch, englisch, persisch, französisch und, ach ja, den wundervollen Wiener Schmäh.
Vicky: klein und ihr rotblondes Haar stets zu zwei Zöpfen geflochten, wirkt sie manchmal wie die irische Ausgabe von Pipi Langstrumpf. Vicky sagt nie was, kommt immer zu spät und geht zu früh. Einzige Info: irische Jüdin.
Iris - ebenfalls noch sehr jung und sehr still. Ihr hebräisch steckt noch in den Kinderschuhen und wir alle dachten, sie sei erst einige Monate in Israel. Dann rückte sie mit der Sprache raus: 5 Jahre! Fünf Jahre in Israel (der Liebe wegen) und fast kein Wort hebräisch. Wie geht denn das? Jetzt ist sie für sieben Wochen in Norwegen, ihrem Heimatland und verdient dort die Moneten, die sie hier fürs Leben braucht. So macht sie das seit 5 Jahren.
John - ein bulliger Amerikaner, der seltsame Überzeugungen vertritt. Auf die Frage, wie denn das Problem "Gilad Shalit" (der entführte isr. Soldat) gelöst werden könnte, sagte er im Brustton der Überzeugung: "Ich würde jeden Tag einen Palästinenser erschießen, bis sie ihn freilassen!" (Hallo, George - Dumpfbacke - W. Bush lässt grüßen!). Mehr gibt es über John leider nicht zu sagen.
Und Christine, eine ältere und ungemein kultivierte Französin aus Paris. Sie sitzt im Unterricht zu meiner Linken, ihr Hebräisch klingt, als mache sie ständig jemandem eine Liebeserklärung oder sage freihändig ein Rezept für Creme Brulee von Paul Bocuse auf. Einfach Hinreisend!
Arabische Schildbürger oder: Vom Krieg ohne Waffen
Einfallsreich muss man sein und dass waren die Einwohner der arabischen Stadt Tayyibe. Und das nur, weil sie eine Moschee mit zwei ungewöhnlich hohen Minaretten (nein, nicht in der Schweiz) gebaut hatten.
Doch zum Beginn dieser Geschichte:
Anfang der 80er Jahre ließ Ariel Sharon, damals u.a. Bauminister insgesamt 7 neue Orte direkt an der sogenannten "Grünen Grenze" zum West-Jordanland bauen. Darunter auch der Ort, in dem ich zur Zeit lebe: "Kochav Yair". Grund für das Anlegen dieser Ortschaften war, einerseits die Ausdehnung der arabischen Siedlungen von der West-Bank ins Kernland von Israel zu verhindern und andererseits aber auch, die Grüne-Grenze etwas mehr auf die West-Bank zu verschieben. Denn die Ortschaften wurden nicht exakt auf israelischem Territorium sondern auch ein ganz klein wenig auf palästinensischem Gebiet gebaut.
Neben Kochav Yair entwickelte sich dann noch das Örtchen Zur Ygal - beide Orte vergrößern sich mehr und mehr und der Grenzübergang zur West-Bank liegt kaum einen Kilometer entfernt. Zuweilen hört man, wenn man gemütlich auf der Terrasse sitzt, Maschinengewehrfeuer und hofft, das es Freudenschüsse sind, die die Araber zu festlichen Anlässen abfeuern.
Jedenfalls vergrößert sich Kochav Yair von Jahr zu Jahr: gerade bauen sie an einem Büro- und Geschäftshaus, ein Mc-Doof ist auch schon da, Tankstelle, Cafe-Aroma, Supermarkt und und und.
Aber auch die Palästinenser bauen auf der anderen Seite der Grenze sowie auf dem israelischen Kernland. Knapp 5 km von Kochav Yair entfernt liegt die arabische Stadt Tayyibe: ca. 40 Tausend Einwohner. Auch dort wird gebaut wie verrückt. Damit sich die Stadt Tayyibe aber nicht weiter ausbreiten kann, hat die israelische Regierung vor zwei Jahren beschlossen, dem Ort Kochav Yair einen Stadtteil vorzulagern. Dieser Stadtteil liegt nun 4 km von Kochav Yair entfernt und soll das Ausbreiten von Tayyibe verhindern.
Da wurde es den Arabern zu bunt (bzw. zu blöd) und sie bauten kurzerhand eine riesige Moschee mit zwei Minaretten, die fast in den Himmel reichen. Jeden Morgen, Punkt 4 Uhr schreit dort der Muezzin nun den schlafenden Einwohnern von Zur Ytzchak (der neue Ortsteil) die Worte Mohammeds direkt in die Schlafzimmer. Zuweilen ist dies bis nach Kochav Yair zu hören und auch ich liege morgens um 4 Uhr wach im Bett. Die armen Bewohner von Zur Ytzchak sind übermüdet und völlig aufgebracht. Natürlich hat sich dieser Schelmenstreich der Araber herumgesprochen und nun möchte niemand mehr nach Zur Ytzchak ziehen. Die meisten Häuser stehen leer, angefangene Bauten werden nicht beendet.
In diesem Falle würde ich sagen: 1:0 für die Araber.
Das ist ein Teil von Zur Ytzchak, links davon liegt die arabische Stadt Tayyibe, und dort steht die Moschee mit den ungewöhlich hohen Minaretten ...
Beides - Moschee und Häuser von Zur Ytzchak liegen kaum 50 Meter auseinander. Der Ruf des Muezzin hat ja etwas beruhigends... aber morgens um 4 Uhr? Also, ich weiß nicht.
Doch zum Beginn dieser Geschichte:
Anfang der 80er Jahre ließ Ariel Sharon, damals u.a. Bauminister insgesamt 7 neue Orte direkt an der sogenannten "Grünen Grenze" zum West-Jordanland bauen. Darunter auch der Ort, in dem ich zur Zeit lebe: "Kochav Yair". Grund für das Anlegen dieser Ortschaften war, einerseits die Ausdehnung der arabischen Siedlungen von der West-Bank ins Kernland von Israel zu verhindern und andererseits aber auch, die Grüne-Grenze etwas mehr auf die West-Bank zu verschieben. Denn die Ortschaften wurden nicht exakt auf israelischem Territorium sondern auch ein ganz klein wenig auf palästinensischem Gebiet gebaut.
Neben Kochav Yair entwickelte sich dann noch das Örtchen Zur Ygal - beide Orte vergrößern sich mehr und mehr und der Grenzübergang zur West-Bank liegt kaum einen Kilometer entfernt. Zuweilen hört man, wenn man gemütlich auf der Terrasse sitzt, Maschinengewehrfeuer und hofft, das es Freudenschüsse sind, die die Araber zu festlichen Anlässen abfeuern.
Jedenfalls vergrößert sich Kochav Yair von Jahr zu Jahr: gerade bauen sie an einem Büro- und Geschäftshaus, ein Mc-Doof ist auch schon da, Tankstelle, Cafe-Aroma, Supermarkt und und und.
Aber auch die Palästinenser bauen auf der anderen Seite der Grenze sowie auf dem israelischen Kernland. Knapp 5 km von Kochav Yair entfernt liegt die arabische Stadt Tayyibe: ca. 40 Tausend Einwohner. Auch dort wird gebaut wie verrückt. Damit sich die Stadt Tayyibe aber nicht weiter ausbreiten kann, hat die israelische Regierung vor zwei Jahren beschlossen, dem Ort Kochav Yair einen Stadtteil vorzulagern. Dieser Stadtteil liegt nun 4 km von Kochav Yair entfernt und soll das Ausbreiten von Tayyibe verhindern.
Da wurde es den Arabern zu bunt (bzw. zu blöd) und sie bauten kurzerhand eine riesige Moschee mit zwei Minaretten, die fast in den Himmel reichen. Jeden Morgen, Punkt 4 Uhr schreit dort der Muezzin nun den schlafenden Einwohnern von Zur Ytzchak (der neue Ortsteil) die Worte Mohammeds direkt in die Schlafzimmer. Zuweilen ist dies bis nach Kochav Yair zu hören und auch ich liege morgens um 4 Uhr wach im Bett. Die armen Bewohner von Zur Ytzchak sind übermüdet und völlig aufgebracht. Natürlich hat sich dieser Schelmenstreich der Araber herumgesprochen und nun möchte niemand mehr nach Zur Ytzchak ziehen. Die meisten Häuser stehen leer, angefangene Bauten werden nicht beendet.
In diesem Falle würde ich sagen: 1:0 für die Araber.
Das ist ein Teil von Zur Ytzchak, links davon liegt die arabische Stadt Tayyibe, und dort steht die Moschee mit den ungewöhlich hohen Minaretten ...
Beides - Moschee und Häuser von Zur Ytzchak liegen kaum 50 Meter auseinander. Der Ruf des Muezzin hat ja etwas beruhigends... aber morgens um 4 Uhr? Also, ich weiß nicht.
Ein Israeli in Berlin
Jeder Preis, der irgendwo auf der Welt von einem Israeli gewonnen wird, hebt das Selbstbewusstsein der Nation, und sei es auch nur der 3. Preis beim Hundeschlittenrennen in Alaska. Aber der Preis, um den es hier geht, der ist schon was wert: der Grammy, die höchste amerikansiche Auszeichnung in der Sparte Musik.
Oren Lavie, ein junger Künstler aus Tel Aviv, der mittlerweile in Berlin lebt, ist für das Beste Video nominiert und israelische Musikliebhaber fiebern mit - gewinnt er oder gewinnt er nicht.
Wer sich selbst ein Bild (buchstäblich!) über das Video sowie den Song "Her morning elegance" machen möchte, hier der Clip:
Oren Lavie, ein junger Künstler aus Tel Aviv, der mittlerweile in Berlin lebt, ist für das Beste Video nominiert und israelische Musikliebhaber fiebern mit - gewinnt er oder gewinnt er nicht.
Wer sich selbst ein Bild (buchstäblich!) über das Video sowie den Song "Her morning elegance" machen möchte, hier der Clip:
Montag, 7. Dezember 2009
Ein großer Preis für eine kleine Frau
Hat Herta Müller und die Verleihung des Literaturnobelpreis an sie irgendetwas mit Israel zu tun? Vielleicht - oder besser gesagt: bestimmt. Denn Herta Müller, diese großartige Wortschöpferin (wie z.B. "Atemschaukel" - Titel ihres letzten Buches) und beeindruckende Satzschöpferin (z.B.: "Ich wollte weg aus dem kleinen Fingerhut der Stadt, wo alle Steine Augen hatten.") schreibt, erzählt und mahnt gegen die Diktatur, und die haben ja noch einige Israelis in Deutschland am eigenen Leib erfahren müssen.
Auch wenn es mir für Amos Oz wirklich von Herzen leid tut, dass er nun doch noch ein Jahr warten muss, bis er den Preis (ebenso verdientermaßen) in Händen halten darf - so freut es mich persönlich für Herta Müller über alle Maßen.
Am Donnerstag dieser Woche wird ihr in Stockholm der Nobelpreis für Literatur verliehen und die Rede, die sie dort halten wird, kann bei FAZ-net schon jetzt nachlesen. Hier der Link.
Wer mehr von Herta Müller lesen möchte,
oder noch das ein oder andere gute, anspruchsvolle und bewegende Geschenk sucht, für den habe ich weitere Buchempfehlungen von der kleinen, schwarzhaarigen Frau mit dem ernsten Blick:
Heute wär ich mir lieber nicht begegnet
Der König verneigt sich und tötet
Herztier
Der Fuchs war damals schon der Jäger
Auch wenn es mir für Amos Oz wirklich von Herzen leid tut, dass er nun doch noch ein Jahr warten muss, bis er den Preis (ebenso verdientermaßen) in Händen halten darf - so freut es mich persönlich für Herta Müller über alle Maßen.
Am Donnerstag dieser Woche wird ihr in Stockholm der Nobelpreis für Literatur verliehen und die Rede, die sie dort halten wird, kann bei FAZ-net schon jetzt nachlesen. Hier der Link.
Wer mehr von Herta Müller lesen möchte,
oder noch das ein oder andere gute, anspruchsvolle und bewegende Geschenk sucht, für den habe ich weitere Buchempfehlungen von der kleinen, schwarzhaarigen Frau mit dem ernsten Blick:
Heute wär ich mir lieber nicht begegnet
Der König verneigt sich und tötet
Herztier
Der Fuchs war damals schon der Jäger
Der Geschem ist endlich da
Nirgends wird soviel über das Wetter geredet, besonders im Winter, wie in Israel und das Wetter ist hier: der Regen (hebr.: Geschem). Besonders wenn er nicht fällt ist der Geschem Gesprächsthema Nummer eins: im Bus, an der Ampel, unter Freunden, am Telefon - fast immer und überall hört man das Wort Geschem.
Im Sommer fällt kein Tropfen davon auf die verbrannte Erde, umso größer ist die Hoffnung, das wenigstens zwischen November und März umsomehr von ihm den trockenen Boden tränkt und die Wasserreservoirs auffüllt.
Anfang November hatte es drei Tage lang unaufhörlich geregnet, doch dann war erstmal Schluß damit und die Temperaturen waren bis zu 28 Grad angestiegen. Was bei uns daheim die Menschen in eine wahre Ekstase versetzen würde - Wann wirds mal wieder richtig Sommer - vermiest den Menschen hier zuweilen die Stimmung.
Wasser - hier so rar wie ein Eisbär im Schwarzwald - wird in der Region immer knapper. Das tote Meer, das mit Wasser aus dem See Genezareth, welches durch den Jordan gen Süden fließt, gespeist wird, nimmt bedrohlich an Umfang ab. Davon aber ein anderes Mal - denn seit heute Nacht ist der da, der Geschem - und wie! Es giesst wie aus Kübeln!
Im Sommer fällt kein Tropfen davon auf die verbrannte Erde, umso größer ist die Hoffnung, das wenigstens zwischen November und März umsomehr von ihm den trockenen Boden tränkt und die Wasserreservoirs auffüllt.
Anfang November hatte es drei Tage lang unaufhörlich geregnet, doch dann war erstmal Schluß damit und die Temperaturen waren bis zu 28 Grad angestiegen. Was bei uns daheim die Menschen in eine wahre Ekstase versetzen würde - Wann wirds mal wieder richtig Sommer - vermiest den Menschen hier zuweilen die Stimmung.
Wasser - hier so rar wie ein Eisbär im Schwarzwald - wird in der Region immer knapper. Das tote Meer, das mit Wasser aus dem See Genezareth, welches durch den Jordan gen Süden fließt, gespeist wird, nimmt bedrohlich an Umfang ab. Davon aber ein anderes Mal - denn seit heute Nacht ist der da, der Geschem - und wie! Es giesst wie aus Kübeln!
Bei Anruf Anschluß!
Allgemein bekannt ist es ja mittlerweile, dass Deutschland eine Dienstleistungswüste ist - nicht so Israel!
Am Donnerstagnachmittag unterschrieb ich meinen Mietvertrag, indem u.a. auch vereinbart ist, dass der Vermieter, Oren sein Name, sich darum kümmert, dass die Telefonleitung im Haus anschließen zu lassen, damit ich dann wiederum einen Internetanbieter beauftragen kann, das Internet freischalten zu lassen.
Schon am Freitagmorgen rief mich Oren an und teilte mir mit, dass am Sonntag zwischen 12:30 und 16 Uhr ein Handwerker der israelischen Telefongesellschaft Besek kommen würde. Super! Da ich aber arbeiten wollte, hinterließ ich einen Zettel an der Tür, der liebe Handwerker möge mich doch anrufen, sobald er vor der Haustür steht. Und tatsächlich - er rief an, gerade als ich im Supermarkt in einer langen Warteschlange an der Kasse stand. Macht nix, sagte der Handwerker, ich warte.
Das Anschließen dauerte dann gerademal 10 Minuten und schlau wie er war, hatte der Handwerker auch sogleich ein Modem mitgebracht, obwohl der Internetzugang nicht über seine Firma läuft. Toll! Kostenpunkt für das anschließen 99 Schekel (=ca. 18 €). Abends sprach ich mit Neta & Yoram über den besten und kostengünstigsten Internetanbieter und gegen 21 Uhr (!!!) kam Yoram in mein kleines, süßes Haus, rief einen Anbieter an, der fragte nach meiner Adresse und der Nummer der Kreditkarte, gab einen Benutzernamen und Passwort durch und nach kaum zwei Minuten hatte ich Internet: ich war sprachlos.
In Deutschland hätte ich erstmal zum Telekomladen rennen müssen, die hätten mich hundert Seiten Papier ausfüllen lassen und mir einen Termin in 6 Tagen gegeben. Dann wäre irgendwann mal der Telekom-Mensch aufgetaucht und hätte ne Stunde missmutig an meiner Telefonbuchse rumgeschraubt. Danach hätte ich mit Strom- und Verbindungskabeln für Modem, Router und wie die Dinger alle heißen einen riesen Kabelsalat in meiner Wohnung gehabt und der Spaß hätte mich mit Anschluß und allem pi-pa-po runde 100 € gekostet. Hier habe ich jetzt ein Kabel an den Computer und ein kurzes an das Modem, fertig. Bei meinem bisher letzten Telekomversuch hat es schlappe 14 Tage gedauert und danach hat erstm.al 3 Tage garnichts funktioniert, weil eines der Geräte nicht funktioniert; seither habe ich einen anderen Anbieter.
Am Donnerstagnachmittag unterschrieb ich meinen Mietvertrag, indem u.a. auch vereinbart ist, dass der Vermieter, Oren sein Name, sich darum kümmert, dass die Telefonleitung im Haus anschließen zu lassen, damit ich dann wiederum einen Internetanbieter beauftragen kann, das Internet freischalten zu lassen.
Schon am Freitagmorgen rief mich Oren an und teilte mir mit, dass am Sonntag zwischen 12:30 und 16 Uhr ein Handwerker der israelischen Telefongesellschaft Besek kommen würde. Super! Da ich aber arbeiten wollte, hinterließ ich einen Zettel an der Tür, der liebe Handwerker möge mich doch anrufen, sobald er vor der Haustür steht. Und tatsächlich - er rief an, gerade als ich im Supermarkt in einer langen Warteschlange an der Kasse stand. Macht nix, sagte der Handwerker, ich warte.
Das Anschließen dauerte dann gerademal 10 Minuten und schlau wie er war, hatte der Handwerker auch sogleich ein Modem mitgebracht, obwohl der Internetzugang nicht über seine Firma läuft. Toll! Kostenpunkt für das anschließen 99 Schekel (=ca. 18 €). Abends sprach ich mit Neta & Yoram über den besten und kostengünstigsten Internetanbieter und gegen 21 Uhr (!!!) kam Yoram in mein kleines, süßes Haus, rief einen Anbieter an, der fragte nach meiner Adresse und der Nummer der Kreditkarte, gab einen Benutzernamen und Passwort durch und nach kaum zwei Minuten hatte ich Internet: ich war sprachlos.
In Deutschland hätte ich erstmal zum Telekomladen rennen müssen, die hätten mich hundert Seiten Papier ausfüllen lassen und mir einen Termin in 6 Tagen gegeben. Dann wäre irgendwann mal der Telekom-Mensch aufgetaucht und hätte ne Stunde missmutig an meiner Telefonbuchse rumgeschraubt. Danach hätte ich mit Strom- und Verbindungskabeln für Modem, Router und wie die Dinger alle heißen einen riesen Kabelsalat in meiner Wohnung gehabt und der Spaß hätte mich mit Anschluß und allem pi-pa-po runde 100 € gekostet. Hier habe ich jetzt ein Kabel an den Computer und ein kurzes an das Modem, fertig. Bei meinem bisher letzten Telekomversuch hat es schlappe 14 Tage gedauert und danach hat erstm.al 3 Tage garnichts funktioniert, weil eines der Geräte nicht funktioniert; seither habe ich einen anderen Anbieter.
Sonntag, 6. Dezember 2009
So schnell kann doch keiner denken
Hebärisch lernen in Israel - Wie geht denn das?
Schon vor der Staatsgründung 1948 wurde das System der Ulpanim entwickelt, m.E. bis heute einzigartig auf der Welt. Ulpanim, das sind vom Staat geförderte und für jüdische Neueinwanderer kostenlose Hebräisch-Schulen, die über das ganze Land verstreut sind. Bis vor wenigen Jahren gab es in jeder größeren und kleineren Stadt eine oder sogar mehrer solcher Ulpanim.
Es gibt Ulpanim bei denen man vormittags oder abends lernen kann, es gibt Intensivkurse, die täglich stattfinden oder auch Kurse, die an einzelnen Tagen besucht werden können. Die Anzahl der Schüler in den Klassen wird so gering wie möglich gehalten und an vielen Ulpanim wird darauf geachtet, dass nicht zwei Schüler die gleiche Muttersprache sprechen.
Gelernt wird gänzlich ohne Wörterbuch, der gesamte Unterricht wird von Anfang an nur in hebräisch abgehalten. Jedes Wort muss sich selbst erklären und nur im Notfall wird eine englische Übersetzung angeboten.
Die Kurse beginnen bei Citah Alef (1. Klasse) und gehen (nach meiner Kenntnis) bis Citah Waf (4. Klasse) - jeder Kurs dauert zwischen 5 und 9 Monaten. Nach der 1. Klasse kann man gerademal einen Smal-talk auf der Strasse halten und einfachere Artikel in einer Zeitung lesen. Die Sprachgeschwindigkeit im Alltag unterscheidet sich doch gehörig von der, mit der in der Schule gesprochen wird. Zuweilen versteht man auf der Strasse nur Bahnhof.
So schnell wie die Isarelis reden, kann ich gar nicht denken und bis ich mir so manches im Kopf übersetzt habe und etwas sagen könnte, ist er schon beim übernächsten Thema. Mensch, ich will doch auch mal was sagen!
Ich selbst besuche Citah Gimmel (3. Klasse) und habe das Gefühl, das schon unsere wunderbare Lehrerin Rinah mit der Geschwindigkeit eines Maschinengewehres redet, aber das ist nix gegen die Schnelligkeit eines Isarelis auf der Strasse.
Leider verringert der Staat die Subventionen für die Ulpan mehr und mehr. Es kommen weniger Neueinwanderer ins Land, auch die Touristen, von denen ebenfalls viele Hebräisch lernen, bleiben, angesichts der politisachen Situation aus. So wurden einige Ulpanschulen schon privatisiert, d.h., dass die Angebote verringert und die Preise steigen.
Unten ein kurzer Beitrag aus den israelischen TV-Nachrichten über diese Problematik, der auch einen Einblick gibt, wie denn in einer Ulpan gelernt wird.
Schon vor der Staatsgründung 1948 wurde das System der Ulpanim entwickelt, m.E. bis heute einzigartig auf der Welt. Ulpanim, das sind vom Staat geförderte und für jüdische Neueinwanderer kostenlose Hebräisch-Schulen, die über das ganze Land verstreut sind. Bis vor wenigen Jahren gab es in jeder größeren und kleineren Stadt eine oder sogar mehrer solcher Ulpanim.
Es gibt Ulpanim bei denen man vormittags oder abends lernen kann, es gibt Intensivkurse, die täglich stattfinden oder auch Kurse, die an einzelnen Tagen besucht werden können. Die Anzahl der Schüler in den Klassen wird so gering wie möglich gehalten und an vielen Ulpanim wird darauf geachtet, dass nicht zwei Schüler die gleiche Muttersprache sprechen.
Gelernt wird gänzlich ohne Wörterbuch, der gesamte Unterricht wird von Anfang an nur in hebräisch abgehalten. Jedes Wort muss sich selbst erklären und nur im Notfall wird eine englische Übersetzung angeboten.
Die Kurse beginnen bei Citah Alef (1. Klasse) und gehen (nach meiner Kenntnis) bis Citah Waf (4. Klasse) - jeder Kurs dauert zwischen 5 und 9 Monaten. Nach der 1. Klasse kann man gerademal einen Smal-talk auf der Strasse halten und einfachere Artikel in einer Zeitung lesen. Die Sprachgeschwindigkeit im Alltag unterscheidet sich doch gehörig von der, mit der in der Schule gesprochen wird. Zuweilen versteht man auf der Strasse nur Bahnhof.
So schnell wie die Isarelis reden, kann ich gar nicht denken und bis ich mir so manches im Kopf übersetzt habe und etwas sagen könnte, ist er schon beim übernächsten Thema. Mensch, ich will doch auch mal was sagen!
Ich selbst besuche Citah Gimmel (3. Klasse) und habe das Gefühl, das schon unsere wunderbare Lehrerin Rinah mit der Geschwindigkeit eines Maschinengewehres redet, aber das ist nix gegen die Schnelligkeit eines Isarelis auf der Strasse.
Leider verringert der Staat die Subventionen für die Ulpan mehr und mehr. Es kommen weniger Neueinwanderer ins Land, auch die Touristen, von denen ebenfalls viele Hebräisch lernen, bleiben, angesichts der politisachen Situation aus. So wurden einige Ulpanschulen schon privatisiert, d.h., dass die Angebote verringert und die Preise steigen.
Unten ein kurzer Beitrag aus den israelischen TV-Nachrichten über diese Problematik, der auch einen Einblick gibt, wie denn in einer Ulpan gelernt wird.
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