Freitag, 11. Dezember 2009

Übernachtung gefällig - Zimmer frei

Deutsch ist sicherlich keine Internationale Sprache - dennoch hat sie ihre Spuren hinterlassen: auch im Heräischen. Was ja kein Wunder ist, wenn man bedenkt wieviele deutsche Juden einst nach Israel flüchten mussten!
Fangen wir mit dem einfachsten, wenn auch überraschensten an: Sitzt man z.B. in Israel auf einem Spielplatz, viele Mütter mit ihren Kindern und wie überall auf der Welt haben auch israelische Kinder dauernd Durst oder Hunger. Und wie man so sitzt, hört man plötzlich folgende Aufforderung: "Tni li Biss" (Gib mir einen Biss) oder "Tni Li Schluck" (Gib mir einen Schluck).
Oder - immer noch auf dem Spielplatz - sagt die Mama zu ihrem Kind, nachdem es quängelig geworden ist: "Achschiav anachnu ossim Schlafstunde!" (Jetzt machen wir einen Mittagsschlaf) - Aha! Schlafstunde - das tiefste Relikt vom "Deutschtum" überhaupt. In Deutschland selbst längst ad-acta gelegt, ist die Schlafstunde in Israel in manchen Familien noch obligatorisch.

Oder auch nur die rethorische Frage unter Freunden: "Aise Kinderstube heitah lechah?" Welche Kinderstube hast Du gehabt? Oder auch  "Ain lechah Kinderstube?" (Hast Du keine Kinderstube, sprich: Erziehung genossen?)

Und so geht es weiter - mit dem Deutschen im hebräischen Sprachgebrauch.
Wer suche in Israel nach einer Übernachtungsmöglichkeit, z.b. auf dem Lande und ist des (hebräisch) Lesens mächtig, der findet Schilder an Häusern, auf denen geschrieben steht: Zimmer frei.
Natürlich sind Kindergarten, Rucksack und Gemütlichkeit im Hebräischen ebenso vertreten, wie auch im Englischen.
Das die Worte Führer, Reichskristallnacht und Selektion jeder Israeli rückwärts im Schlaf sagen kann, erklärt sich von selbst. Aber das bisher kurioseste, was ich jemals in Israel gehört habe ist: "Alte Sachen!" Das nämlich schreien vornehmlich an einem Freitag palästinensische Schrotthändler. Weshalb?
Als die ersten deutschen Juden nach Palästina kamen, sie natürlich auch ihre deutschen Berufe, ihre deutsche Ordnung und ihren deutschen Willen zu überleben mit. So waren die ersten Schrotthändler, bzw. Wiederverwerthändler deutsche Juden. Die klapperten 1933 oder 1939 die Strassen von Tel Aviv, Jerusalem und Haifa mit dem Ruf "Alte Sachen" ab. Anhand diese Rufes brachten die Einwohner ihre alten Sachen hinunter auf die Strasse. Und heute - nach so vielen Jahren - da die damaligen Juden, die Ärtze, Professoren, Lehrer oder Unternehmer in Deutschland gewesen waren, nicht mehr mit Schrott handeln müssen - habe palästinensische Menschen den Schrotthandel übernommen. Und wie vor nun 70 oder 80 Jahren schreien sie, um ihr Kommen anzukündigen: "Alte Sachen", und ich bin nicht sicher, ob sie sie, noch die Israelis der heutigen Generation noch wissen, was "alte Sachen" eigentlich heißt.
Aber nach wie vor; seit fast einem ganzen Jahrhundert bedeutet in Israel an einem Freitagnachmittag der Ruf "Alte Sachen", dass der Schrotthändler kommt.

So alt, sind die "alten Sachen" gar nicht!

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