Donnerstag, 10. Dezember 2009

Was man als Deutsche alles wissen soll

Vorgestern saß ich vor dem Unterricht noch mit Heidrun zusammen - so, wie fast jeden Morgen. Heidrun ist mit einem Israeli verheiratet, lebte mit ihm 20 Jahre in Wiesbaden (aua!) und kam erst vor vier Monaten samt der beiden Kinder nach Israel. Jeden Morgen sitzen wir bei einem Kaffee noch zusammen, plaudern ein wenig, ehe sie in ihre und ich in meine Klasse verschwinde.
Vorgstern morgen also saßen wir wie üblich, als sich plötzlich eine Frau zu uns an den Tisch setzte, die uns ruck-zuck in ein Gespräch verwickelte. Heraus kam, dass sie studiere und als wir (alles auf englisch) nachfragten, was sie denn studiere, sagte sie: "Gestalt!"  
Sorry, Pardon, Slicha, Wie bitte: Was?
"Gestalt!"
Aha, dachten Heidrun und ich wohl dasselbe: Sie meint wohl Bildhaftes Gestalten, oder sowas. Das Alter dazu hatte sie - knapp an die sechzig! Wahrscheinlich eine von den älteren Damen, die sich kreativ die Zeit vertreiben oder aber auf späte Selbstverwirklichung aus sind.
No, no - bekräftigte die Dame und war sichtlich beleidigt.
"You don`t know Gestalt?" Abschätzig schaute sie uns an, Heidrun und ich schüttelten nur dümmlich den Kopf.
"But you have to know Gestalt, it`s german!" Heidrun sagte ganz spontan: "But I am half  Dutch!" - als ob das bei Gestalt was helfen würde - und ich dachte nur: Sind wir Deutschen eigentlich für jeden Unsinn auf der Welt verantwortlich?
Dann klärte uns die Dame auf: Gestalt ist eine Art von Therapieform, oder so ähnlich. Heidrun und ich verstanden überhaupt nichts, ich will nicht behaupten, dass es an meinem schlechten Englisch lag. Resulut forderte die Dame uns auf, uns bis zur nächsten Woche im Internet kundig über Gestalt zu machen - dann lächelte sie und rauschte davon: Gestalt studieren!

So, und ich habe nun über Gestalt bei wikipedia folgendes gelesen:
Gestalt ist ein häufig gebrauchter Ausdruck der Gestaltpsychologie , der Gestalttherapie und der Gestalttheorie, der auch in der fremdsprachigen Fachliteratur weltweit unübersetzt bleibt. Wegweisend war der Philosoph Christian von Ehrenfels, der Gestalt als ein Ganzes definierte, das über die Eigenschaften der Übersummativität (gemäß Aristoteles' „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“) und der Transponierbarkeit (z. B. der Transponierung einer Melodie in eine andere Tonart) verfügt. Eine wissenschaftlich einigermaßen akzeptable Definition von Gestalt gibt es jedoch nicht. Wolfgang Metzger schreibt, dass schon für Max Wertheimer Gestalt mit Form, nicht aber mit Figur („Zusammengefasstheit“) identisch ist: „daß Gestalt bzw. Form eine Sekundärkategorie ist, der als Primärkategorie die Zusammengefaßtheit bzw. die Ausgegrenztheit vorausgeht“. Die Form wird damit als eine Besonderung der Figur aufgefasst, was in die damaligen Theorien aber keinen Eingang fand (weil es offensichtlich keinen Fortschritt bedeutete).
Aha! Nix verstanden, aber wieder was gelernt.

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