Samstag, 5. Dezember 2009

Mietverträge auf israelisch: alles kein Problem

Komme man in die Versuchung in Israel nach einem Zimmer oder einer Wohung zu suchen, sollte man sich bewusst machen, dass in Israel ganz anders verhandelt wird, als bei uns Zuhause. Soweit ich das aus Deutschland kenne, schaut man in die Zeitung, sucht sich ein oder zwei passende Objekte aus, ruft den oder die Vermieter an und klärt schon mal das Wichtigste am Telefon ab: Miete, Kaution, Haustiere erlaubt, Mietdauer etc. Hat man die wichtigsten Eckdaten abgeklärt, zeigt sich schnell, ob das Objekt und man selbst zueinadenr passen. Erst dann macht man einen Termin aus und fährt zur Besichtigung.
Ganz anders hier in Israel:
Man sucht sich ein oder zwei Objekte im Internet und ruft an. Es werden keine Details vorab geklärt, alles fragen nutzt nichts, es heißt: "Komm, und schau`s Dir an!" Flexibel wird ein Termin vereinbart, am Treffpunkt wird dann viel geredet, meist über Dinge, die mit der Wohnung nichts zu tun haben. Irgendwann dann kommt man zum eigentlichen Thema, die Wohnung wird natürlich in den höchsten Tönen gelobt: der hässlichste Garten wird als Paradies verkauft und das braune Wasser aus dem Wasserhahn als ökologisch angepriesen. Erst dann - nach geschätzten Stunden - werden Fragen wie Mietdauer und Mietpreis erörtert. Überraschend schnell wird man sich einig "Ain Bajah" (=Kein Problem) ist der allgemeine Tenor. Man handelt einen Preis aus, "Ain Bajah" - Super - alles unter Dach und Fach. Erst danach kommen leise Anliegen des Vermieters ... Ja, man müsste natürlich Strom und Gas extra zahlen "Ain Bajah" und ach ja, da wäre ja noch die Gemeinde-Steuer und Bitte-Schön die ersten 3 Monatsmieten Cash und Bar auf die Hand, "Ain Bajah" - und der Telefonanschluss und die Grundgebühr für das Fernsehen "Ain Bajah" und, fast hätte der Vermieter es vergessen, kostet das Kabelfernsehen auch noch extra und und und. "Ain Bajah". Ach Gott, und nur noch ne Kleingkeit, bitte noch einen Scheck über 6 Monatsmieten, sozusagen als Kaution, nur für den Fall das man in der alten Wohnung irgendetwas zerstört oder gar einfach Flöten geht. Und eine Kopie des Passportes und der Mietvertrag hat auch nur 10 Seiten, aber ansonsten... "Ain Bajah!"
Hat man sich dann entschlossen die überteuerte Wohnung zu mieten, stehen plötzlich am nächsten Tag im Mietvertrag ganz andere Zahlen, als die, die ausgemacht waren. Das Diskutieren beginnt von neuem!
Liebe Israelis, Verträge sind NICHT dazu da, um gebrochen zu werden!

Nun denn, nach langem Suchen und einigen Überraschungen wie die oben genannten, habe ich seit gestern doch eine neue Bleibe gefunden. Ein kleines Haus mit Vorgarten, Hntergarten, einer Einbauküche, in der es weder Kühlschrank noch Herd gibt. Sonst gibt es in dem Haus noch... nix. Aber hier zeigt sich dann wieder die Flexibilität und Hilfsbereitschaft der Israelis: Neta & Yoram haben Hinz und Kunz angerufen: Freunde, Nachbarn und sogar Menschen, die sie nicht kennen und ruck-zuck hatte ich ein Sofa, einen Teppich, Gartenmöbel, Esstisch, Stühle und noch andere Kleinigkeiten... fast fühle ich mich schon wie daheim. Nur das Internet geht erst ab Montag oder Dienstag.
Und bisher haben die Vermieter, ein junges Ehepaar aus Tel Aviv auch den Vetrag noch nicht gebrochen!

p.s. Yoram rief gerade an, er kommt und bringt mir einen Luxus-Campingkocher - Gas, mit zwei Flammen, einen Mikrowellenherd seines Vaters aus dem Kibbutz und ein Regal. Wow!

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