Dienstag, 1. Dezember 2009

Alles eine Frage der richtigen Integration

Vielleicht spielt ja die eine oder der andere da draußen in der Welt mit dem Gedanken nach Israel ein- bzw. auszuwandern. Deshalb gebe ich hier mal einige Tipps, was man, um ein "richtiger" Israeli zu werden, haben oder tun muss:

1. Man benötigt unbedingt eine laute Stimme, und die immer mit einem etwas quängeligen Tonfall unterlegt. Wer in Israel leise redet, wird schlichtweg überhört, Gespräche folgen nicht einem moderaten Redestil, zugehört wird selten, also jemanden ausreden zu lassen, ist hier ein Relikt aus dem "alten Europa". Immer schön dazwischen quatschen!
2. Überlebenswichtig ist ein Mobiltelefon, bzw. am besten deren zwei und die jeweils mit Anklopffunktion ausgestattet. (In Israel überigens: Pelefon genannt = Wunderphone) Ohne Telefon geht in Israel gar nichts und man gehört nicht dazu. Hat man niemanden, den man anrufen könnte oder der einen selbst anrufen würde - dann sollte man sich eben selbst anrufen. Wer hier nicht auf der Straße, beim Joggen oder auf der Toilette telefoniert, erscheint suspekt.
3. Was man in Israel unbedingt haben muss, ist: Keine Zeit! Wer in Israel Zeit hat, kann kein Israeli sein. Also - immer schön einen auf Stress machen, Hektik verbreiten, Schweißperlen auf der Stirn, immerzu auf die Uhr schauen und während des Gespräches mehrmals "Nu, Yallah, Kadimah" (Na, jetzt aber, mach voran) sagen und dabei diesen quängeligen Tonfall nicht vergessen.
4. Ganz wichtig: die Cafe-Aroma-Discount-Membership-Karte! Was Starbucks in Deutschland, ist das Cafe-Aroma in Israel - eine Coffe-to-go Kette, von der es an jeder Ecke eine Filiale gibt. Und weil die Israelis Karten und Discounts jeglicher Art lieben,gibt es auch hier eine Karte. Man zahlt 100 Shekel (oder mehr) erhält eine Art Kreditkarte und kann damit in allen Filialen des Landes seinen Kaffee bezahlen und dies mit 10 Prozent Ermäßigung. Also eine Árt Kaffee-Pre-Paid-Karte.
5. Als Mann muss man sich unbedingt und ständig am "mh-mh-mh" kratzen. Ja, auch das gehört dazu - am Besten noch in der Supermarktschlange, direkt beim Bezahlen oder mitten im Gespräch mit der Hand unter den Gürtel, mitten hinein in die Unterhose - was die da dauernd suchen, keine Ahnung. Aber als Neu-Israeli unbedingt erforderlich.
6. Normale Schuhe sind out in Israel - Crocks sind in! Schwarze Hosen und die Plastiklatschen in rosa oder besser noch: Mini-Rock, Wollsocken und grasgrüne Crocks. Gewissen modische Überlegungen sollten man als Neueinwanderer bei der Einreise besser am Zoll abgeben.
7. Die Augen müssen um einiges größer sein als der Magen - besonders beim Essen. Wer nicht auffallen möchte, sollte in einem Restaurant niemals nur ein Getränk und vielleicht und eventuell eine Portion Pommes und ein Stück Fleisch bestellen. Um Gottes-willen, verrätericher kann man sich in Israel nicht verhalten. Wenn-schon-denn-schon: eine Schale Humus mit Pita, dazu Pommes, Falaffel, dazu oder davor (da ist völlig egal) eine Suppe, dann noch Kebbab, Salat und verschiedene Sorten Chazilim (Auberginen-"Brei"). Und bitte kein Glas Cola oder Sprite - nein, eine 1,5 Liter-Flasche und die auf dem Tisch stehen lassen. Auch Servierten bitte nicht einzeln nehmen - einfach ein Handvoll.
Aber Achtung: wer das alles aufisst und seinen Teller und den Tisch sauber hinterlässt gibt sich zum Schluß dochnoch als Nicht-Isareli zu erkennen.
8. Frauen sollten langes, dichtes, gelocktes Haar tragen. Kurzhaarfrisuren sind in Israel nicht gerade der Bringer - und wer sein langes, dichtes, gelocktes Haar nicht einmal in der Minute von rechts nach links schleudert, oder es zwischen den Finger hindurchwandern lässt und danach verführerisch ins Gesicht fallen lässt - nun, die Person kann in Isarel unmöglich eine Frau sein.
Nun, wer kein langes, dichtes, gelocktes Haar sein Eigen nennt, kaufe sich vor der Einreise eine Perücke!
9. Das eigene Auto sollte man als Zweitwohnung verstehen. Die Israelis transportieren in ihren Autos alles was die eigene Wohnung hergibt. Ein Blick in ein israelisches Auto genügt und man kann anhand der darin liegenden Pampers, den Bürounterlagen, Schuhe, Nylonstrümpfen und Schminksachen, auch anhand von Kochgeschirr, Tennisschlägern oder Musik-CD`s auf den Charakter, den Beruf, Familienstand und Hobbies des Besitzers schließen. Privatsphäre und Datengeheimnisse gleich Null.
und zuletzt - aber nicht das Letzte:
10. Man muss diese Land und seine Menschen einfach lieben!
(Ansonsten wird man verrückt!)

* Diese Aufzählung beansprucht weder vollständig, gerecht noch ernst zu sein.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen