Gestern hatten wir in der Schule ein kleines Chanukka-Fest, samt Oberbürgermeister aus Ra`anana. Was Chanukka eigentlich ist, werde ich zu einem anderem Zeitpunkt erklären - jetzt möchte ich Euch anhand der Fotos, die ich gestern "geschossen" habe, etwas über meine Mitschüler schreiben.
Da wären z.B. Elli (links im Bild) und Pascal (rechts):
Elli, den wir alle liebevoll nur den Business-Rabbi nennen; weil er alles aus der Thora weiß und unentwegt (auch während des Unterrichtes) am Handy hängt und Geschäfte macht. (Welche? Wissen wir nicht!)
Elli ist in Russland geboren, kam mit vier Jahren nach Berlin - dort wuchs er auf und nennt Deutsch auch seine Muttersprache - obwohl er auch perfekt russisch spricht. Als er 12 Jahre alt war, zog seine Familie nach London - wo er zeitweise noch heute lebt. Elli ist seit drei Monaten in Israel und bleibt noch "Solange ich will!"
Pascal, in Nizza geboren, ihr Vater ein Italiener, die Mutter Griechin. In ihrer Jugend und Kindheit lebte Pascal mal in Spanien, mal in Griechenland, in Frankreich oder in Italien. Seit ihrer Heirat mit einem kolumbianischen Juden lebte sie auch in Süd-Amerika, in den USA und nun in Israel. Sie spricht fließend französisch, spanisch, italienisch, griechisch, englisch und fast auch schon hebräisch.
Pascal hat 5 Kinder und gehört einer liberalen orthodoxen jüdischen Gemeinde an - unschwer auch an ihrer Kopfbedeckung zu erkennen. Moderene gläubige Jüdinnen tragen keine häßlichen Kopftücher oder gar Perücken mehr.
Oder da wären noch: Pedro (Baseballkappe), Simon und Dora
Pedro, dreifacher Familienvater aus Venezuela. Kam vor einem Jahr aus Spanien, wo er zwischenzeitlich lebte nach Israel. Sein Hebräisch klingt wie Kastanietten-Geklapper und in jeden Satz baut er ein "Hola!" ein. Ansonsten stets gut gelaunt, arbeitet er u.a. als Fitness-Trainer.
Simon, ein schüchternen Mann aus Australien und der einzige Mann in der Klasse, der täglich frisch rasiert zum Unterricht erscheint. Wie alle englischen Muttersprachler klingt sein Hebräisch, als hätte er einen riesigen Kaugummi im Mund. Ich verstehe ihn überhaupt nicht.
Dora aus Kanada. Ihre Eltern flohen um 1928 aus der Ukraine und kamen per mühseliger Schiffsreise nach Kanda. Dora kam vor knapp drei Jahren nach Israel - ganz alleine! Ihr Mann ist gestorben, die Kinder und Enkelkinder sind in Kanada geblieben.
Von Elaine und ihrem Mann David; von Ilana, Vicky, Iris, John sowie von Christine habe ich leider keine Bilder - dafür aber eine kleine Zusammenfassung:
Elaine und ihr Mann David, beide ca. 50 Jahre jung (!) kamen vor zwei Jahren aus der Nähe von London. Beide sind nicht an der israelischen Kultur interessiert. David, dessen Vater aus Karlsruhe stammte, interessiert sich für Fussball: Thats it! Eingewandert sind sie, weil sie den auch in England unterschwellig vorhandenen Anti-Semitismus nicht mehr ertragen haben. Gerade sind sie für zwei Wochen in Brasilien und feiern Silberhochzeit an der Copacabana.
Ilana ist gerademal 26 Jahre, ist in Armenien geboren, hat in der Ukraine gelebt, aufgewachsen ist sie aber in Wien und ihre Eltern sind Perser. Ilana hat in Wien Politik studiert, keinen Job gefunden und sich gedacht: lerne ich eben Hebräisch. Dies verbindet sie mit einem weiterem Studium an der "Open Universitiy" in Herzliya. Ilana spricht russisch, deutsch, englisch, persisch, französisch und, ach ja, den wundervollen Wiener Schmäh.
Vicky: klein und ihr rotblondes Haar stets zu zwei Zöpfen geflochten, wirkt sie manchmal wie die irische Ausgabe von Pipi Langstrumpf. Vicky sagt nie was, kommt immer zu spät und geht zu früh. Einzige Info: irische Jüdin.
Iris - ebenfalls noch sehr jung und sehr still. Ihr hebräisch steckt noch in den Kinderschuhen und wir alle dachten, sie sei erst einige Monate in Israel. Dann rückte sie mit der Sprache raus: 5 Jahre! Fünf Jahre in Israel (der Liebe wegen) und fast kein Wort hebräisch. Wie geht denn das? Jetzt ist sie für sieben Wochen in Norwegen, ihrem Heimatland und verdient dort die Moneten, die sie hier fürs Leben braucht. So macht sie das seit 5 Jahren.
John - ein bulliger Amerikaner, der seltsame Überzeugungen vertritt. Auf die Frage, wie denn das Problem "Gilad Shalit" (der entführte isr. Soldat) gelöst werden könnte, sagte er im Brustton der Überzeugung: "Ich würde jeden Tag einen Palästinenser erschießen, bis sie ihn freilassen!" (Hallo, George - Dumpfbacke - W. Bush lässt grüßen!). Mehr gibt es über John leider nicht zu sagen.
Und Christine, eine ältere und ungemein kultivierte Französin aus Paris. Sie sitzt im Unterricht zu meiner Linken, ihr Hebräisch klingt, als mache sie ständig jemandem eine Liebeserklärung oder sage freihändig ein Rezept für Creme Brulee von Paul Bocuse auf. Einfach Hinreisend!
Dienstag, 8. Dezember 2009
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