Sonntag, 13. Dezember 2009

Advent, Advent - der Chanukka-Leuchter brennt

Fast hätte ich es vergessen - das Fest der Tempelweihe (Chanukka) begann am Freitagabend. Juden in aller Welt erinnern sich ab dem 25. Tag des Monats Kislew acht Tage lang an den erfolgreichen Aufstand der gläubigen Juden gegen die Hellenisten 165 vor unserer Zeitrechnung und die Neueinweihung des Jerusalemer Tempels. Im Mittelpunkt der Liturgie steht der Dank für Gottes Wunder - damals und heute.

In den 70er Jahren des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts gewannen die Griechen in Syrien Einfluss auf einen großen Teil der jüdischen Elite. Der syrische Herrscher Antiochus IV. Epiphanes verbot schließlich zentrale jüdische Bräuche wie die Beschneidung und die Shabbat-Ruhe. Der Tempel in Jerusalem wurde dem griechischen Hauptgott Zeus geweiht und zu einem Ort des Götzendienstes umfunktioniert.
Doch eine Gruppe von Juden blieb ihrem Gott treu und versteckte sich in den Bergen. Unter der Führung von Jehuda Makkabi (Judas Makkabäus) bereiteten sie den Makkabäer-Aufstand vor. Obwohl sie zahlenmäßig stark unterlegen waren, konnten die Makkabäer ihre Unterdrücker besiegen und den Tempel zurückerobern. Am 25. Tag des Monats Kislew weihten sie das Heiligtum wiederum dem Gott Israels.
Dabei stießen sie laut jüdischer Überlieferung auf ein Problem: Von dem kultisch reinen Öl für den Leuchter war nur noch eine Ration für einen Tag übrig. Doch tatsächlich reichte der Vorrat für acht Tage, bis neues Öl hergestellt worden war. In Erinnerung an dieses Wunder zünden Juden während des Chanukkafestes abends Lichter an. Der Leuchter für das Lichtzünden heißt Chanukkia und hat - im Gegensatz zur siebenarmigen Menorah - insgesamt neun Arme. Jeden Abend wird eine Kerze mehr angezündet. Der neunte Arm ist für den Schamasch (Diener) vorgesehen, mit dem man die restlichen Lichter anzündet.
Mit dem Lichtzünden ist eine bestimmte Liturgie verbunden. Sie beginnt mit dem Segensspruch: "Gepriesen seist Du, Herr, unser Gott, der uns durch Seine Gebote geheiligt hat und uns geboten hat, das Chanukka-Licht zu zünden." Zum Lichtzünden ist grundsätzlich jeder Jude verpflichtet.
Die Chanukkia soll an einem Fenster stehen, damit das Wunder bekannt gemacht wird. Nach der gemeinsamen Zeremonie singt die Familie traditionelle Lieder. Am Freitagabend werden zuerst die Lichter der Chanukkia angezündet, dann die beiden Schabbat-Kerzen. Zu Chanukka gehören Speisen, die mit Öl zubereitet werden. Beliebt sind Sufganiot (Krapfen/Berliner) und Latkes (Kartoffelküchlein). Für die Kinder gibt es auch Geschenke.

Die Chanukka-Feiertage sind keine sog. vollwertigen Feiertage, d.h. die Kinder haben zwar Schulfrei, ansonsten aber läuft der Alltag wie gehabt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen